Handelskammer: Kampfansage der Rebellen für Demokratisierung

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Kampfansage für Mehr Demokratie in der Handelskammer Hamburg. Die „Rebellen“ von „Die Kammer sind Wir“ beim Neujahrsempfang 2016

Heißlaufen für die Demokratisierung der Hamburger Handelskammer. Damit haben die Rebellen von „Die Kammer sind Wir“ am Sonntag im Hamam bei ihren Neujahrsempfang begonnen. Bei nahezu tropischen Temperaturen erfolgte die Kampfansage an die bisherige Handelskammer-Spitze, für mehr Demokratie und Transparenz und für eine neue Ausrichtung der bisherigen Finanzierung. Eine der Ansagen: Die Zwangsmitgliedschaft der Unternehmen in der Handelskammer könne man derzeit nicht ändern, aber die Mitgliedsbeiträge sollen künftig freiwillig gezahlt werden.

Im Frühjahr 2017 wird das neue Parlament der Hamburger Handelskammer gewählt. Doch der Wahlkampf für das Parlament der Hamburger Wirtschaft ist schon jetzt eröffnet und es dürfte weiterhin wachsende Auseinandersetzungen geben, mit guten Chancen, dass die sogenannten Handelskammer-Rebellen ihren bisherigen Anteil von etwa 20 Prozent deutlich ausbauen werden.

Jens Meyer-Wellmann hat in seinem Blog „Hamburgnotizen“ (und im Abendblatt) gestern noch einmal umfangreich über die vielen Baustellen, Auseinandersetzungen und Niederlagen der Handelskammer im letzten Jahre berichtet und macht deutlich, wie sehr die bisherige HK-Spitze unter Druck steht.

Nicht nur der Politik-Stil der HK-Spitze aus Präses Melsheimer und Geschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz kommt aus dem letzen Jahrtausend. Auch demokratische Prinzipien und Strukturen der Handelskammer und des Plenums erinnern eher an Zeiten, als noch Koggen die Elbe rauf und runter segelten.

Eine klare Ansage gab es vom Sprecher der Rebellen, Tobias Bergmann, auf dem Neujahrsempfang mit Blick auf die Forderung von Präses Melsheimer, nach dem Olympia-Desaster im Referendum nun die Mitbestimmungsrechte durch Volksentscheide zurückzufahren. Ein Zurück bei der Volksentscheidsgesetzgebung wird es nicht geben, sagte Bergmann.

Bei Meyer-Wellmann sind weitere Reaktionen auf die Forderung nach Demokratie-Abbau durch den HK-Chef zu finden; neben SPD und Grünen auch die CDU: „“Selbst in der CDU hält man nichts vom Ratschlag, die direkte Demokratie wieder zurückzufahren. „Wir sollten lieber versuchen, mal eine Volksabstimmung zu gewinnen, anstatt auf Volksabstimmungen zu verzichten“, sagte CDU-Landeschef Roland Heintze am Mittwoch im Videointerview beim Neujahrsempfang des Abendblatts im Hotel Atlantic.“

Und während die Handelskammer-Spitze ihre Kampfansage an die Beteiligungsrechte der BürgerInnen aufrecht erhält, zitiert Meyer-Wellmann: „Auch Prof. Adams vom Institut für Recht der Wirtschaft kann die Kritik der Kammer an der direkten Demokratie offenbar nicht nachvollziehen. „Nach meinem Gefühl haben die Hamburger in den Volksentscheiden gar nicht so dumm entschieden“, so Adams. „Dass Olympia stets ein gutes Geschäft für alle Bürger ist, kann man ja keineswegs behaupten.“  Zudem werde die Schweiz, „als eine der erfolgreichsten Staaten der Welt ganz wesentlich durch Volksentscheide vor vielen Politikerfehlern geschützt“.“

Man darf auf einen interessanten Wahlkampf gespannt sein, denn den Opponenten im Plenum werden echte Wachstumschancen zugetraut. Neben den genannten Konflikten und Problemen (siehe dazu die Links) ist auch ein Rücktritt des Chefs der Handelskammer nicht auszuschließen, nachdem jüngst ein Urteil das Wahlverfahren zur Kür des Präses und der Mitglieder im Rahmen der Kooption als rechtswidrig bezeichnet hat. Anderenorts kommt es seitdem in vielen Kammern zu Rücktritten, in Hamburg will die HK-Spitze bislang nichts davon wissen. Schaun wir mal, heißt es an dieser Stelle ja gern.

Dokumentation:
Pressemitteilung – Die Kammer sind WIR!

2016 – Handelskammer muss nach Jubiläumsjahr endlich ihre Hausaufgaben machen
Hamburg, 10.01.2016

Das Bündnis ‚Die Kammer sind WIR!“ fordert die Kammerführung1 im letzten Jahr der laufenden Wahlperiode auf, endlich ihre Hausaufgaben zu machen. Das forderte der Sprecher, der Unternehmer Tobias Bergmann, am Sonntag auf dem gut besuchten Neujahrsempfang des Reformbündnisses in Hamburg.

Drei Themen müssen dabei im Mittelpunkt stehen:

Konsolidierung der Finanzen: Unbedachte Pensionszusagen in der Vergangenheit und eine extensive Ausgabenpolitik haben die Handelskammer in eine finanzielle Schieflage gebracht. Für das Bündnis „Die Kammer sind WIR!“ gilt: Alles muss auf den Prüfstand, auch das Gehalt des Hauptgeschäftsführers, dessen Vertrag 2016 auslaufen müsste. Auf keinen Fall darf sich die Kammer auf Kosten der Unternehmen sanieren.

Demokratisierung der Strukturen: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat die Willkür der Zusammensetzung des Plenums zu Recht verurteilt. Ob Melsheimer auch 2016 die Rede zum Ehrbaren Kaufmann halten wird, wird ein Gericht entscheiden. Jetzt muss die Wahlordnung für die Plenumswahlen 2017 überarbeitet werden. Wir warnen die Kammerführung, nicht der Versuchung zu verfallen, die demokratischen Spielregeln nach ihren Gunsten zu ändern.

Neujustierung der politischen lnteressenvertretung: So wie in der Vergangenheit kann und darf die Handelskammer nicht mehr Politik machen. Die Tür zum Rathaus allein reicht nicht mehr – die Handelskammer Hamburg braucht eine Tür zur Unternehmerschaft und Bevölkerung. Statt gegen direkte Demokratie zu wettern, sollte sich die Kammer besinnen, wie in einer entwickelten Zivilgesellschaft wirtschaftliche Interessen zur Geltung gebracht werden könnten. „Es hilft nicht, von Shanghai und Moskau zu träumen- in die Schweiz und nach Kalifornien müssen wir blicken“.

 

Transparenz und Handelskammer: Hamburgs heutiger Justizsenator brachte Klage für Chaos Computer Club auf den Weg

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„Im Dunkeln ist gut munkeln“. Gegen die Handelskammer Hamburg läuft eine Klage, umfassend im Transparenzportal zu informieren. Die Klage für den Chaos Computer Club brachte der heutige Justizsenator Till Steffen im Januar 2015 auf den Weg. Foto: El Gran Dee CC BY 2.0

Mit Spannung warte ich auf ein Urteil, in dem die Hamburger Handelskammer dazu verurteilt wird, sich umfassend am Transparenzportal der Hansestadt zu beteiligen und damit ihre Blockade-Haltung zu Fall gebracht wird. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte der Chaos Computer Club über die Kanzlei Elblaw diese Klage auf den Weg gebracht. Zuständiger Anwalt dort war der heutige Justizsenator Till Steffen (Grüne). Die Handelskammer sorgte jüngst wieder für negative Schlagzeilen. Nach dem gescheiterten Olympia-Referendum forderte der Chef der Kammer den Bürgermeister auf, die Volksentscheids-Gesetzgebung einzuschränken. „Transparenz und Handelskammer: Hamburgs heutiger Justizsenator brachte Klage für Chaos Computer Club auf den Weg“ weiterlesen

Vattenfall steigt als Sponsor bei Olympia aus. DOSB ohne Energie

Vattenfall2014Eigentlich noch bis 2016 sollte der Deal zwischen dem Atom- und Klimakiller-Konzern Vattenfall und dem Deutschen Olympischen Sportbund laufen. Doch die Trennung ist offenbar vorzeitig vollzogen worden. Auf den Seiten des DOSB ist der Sponsor VATTENFALL nicht mehr gelistet. Der Sponsor-Deal wurde seinerzeit groß gefeiert – die Trennung verlief in aller Verschwiegenheit.

Den Zusammenbruch eines Konzerns kann man nicht nur in den Bilanzen nachlesen.

Die Visitenkarte ist auch beim Sponsoring einzusehen: Was waren das für selbstlose Selbst-Beweihräucherungen, die Vattenfall mit seinen Lesetagen in die Welt posaunte. Gestrichen!

Wie unglaublich sportlich gab sich der Konzern mit seinen Vattenfall-Cyclassics und dem Radrennen für „Jedermann“. Abgestiegen. Und nun ist auch das Olympia-Sponsoring vorbei, weil es kein Geld mehr in der Kasse gibt.

Und das ausgerechnet jetzt wo Hamburg und Berlin im Rennen sind, sich beim DOSB um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2024 oder 2028 zu bewerben.

Egal was Vattenfall anpackt, es geht schief: Atommüll ohne Genehmigung in Brunsbüttel. Ein Klimakillerkraftwerk in Moorburg, das niemand braucht. Und neulich ein Volksentscheid, der Vattenfall die Energienetze für Strom und Fernwärme abgenommen hat.

Schade Vattenfall, aber Energiewende habt ihr noch nie gekonnt! Und das mit Olympia war eben auch nur rausgeschmissenes Geld.

Olympia-Bewerbung Hamburg? Sportbund will das Tor zur Welt öffnen

nolympia-hamburg-1“Auf der Mitgliederver-sammlung des Hamburger Sportbundes (HSB) haben sich die Vereine der Hansestadt eindeutig für eine Bewerbung der norddeutschen Metropole für Olympische Sommerspiele ausgesprochen. In Anwesenheit von Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), wurde eine entsprechende Resolution unter dem Titel “Das Tor zur Welt begrüßt die Jugend der Welt” verabschiedet.” So ist es vor einigen Tagen im Hamburger Abendblatt nachzulesen. Damit wird das Bündnis der Befürworter einer Olympia-Bewerbung der Hansestadt für Sommerspiele 2024 oder 28 immer größer. Auch in Berlin läuft die Vorbereitung auf eine Olympia-Bewerbung. Den ganzen Artikel zur aktuellen Situation um eine Olympia-Bewerbung von Hamburg gibt es auf www.nolympia-hamburg.de …

OH Lympia Hamburgo: Auswirkungen für Mieter, Haushalte und Umwelt….

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Sport und oder Geld? Olympia-Bewerbung aus Hamburg? Foto: Dirk Seifert

Im kleinen Schnelsen hat der SPD-Distrikt einen Antrag in Sachen Bewerbung für Olympische Sommerspiele in Hamburg auf den Weg gebracht. Damit will er „Auswirkungen auf Mieter, öffentliche Haushalte und Umwelt genau untersuchen“ und stellt die Bedingung: „Kleiner Grasbrook muss in öffentlicher Hand bleiben“. Der Antrag steht hier als PDF zum download bereit. hier als PDF zum download bereit.

„Der SPD Distriktvorstand Schnelsen legt der KDV Eimsbüttel zur Weiterleitung an den Landesparteitag und an die SPD-Bürgerschaftsfraktion den nachfolgenden Antrag vor mit der Bitte um Berücksichtigung bei der weiteren Willensbildung und bei der weiteren Abstimmung der Vorgehensweise hinsichtlich Machbarkeitsprüfung, Vergabekriterien des IOK und Stakeholder-Auswirkungen“ heißt es in dem Antrag.

SIEHE auch die Seite (N)Olympia-Hamburg.

In der Begründung setzten sich die Antragsteller auch kritisch mit den bisherigen Bewertungen und Forderungen der Handelskammer auseinander. Die hatte maßgeblich Druck gemacht, um die Hamburger Politik zu einer erneuten Olympia-Bewerbung zu treiben.

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