Atomtransporte: Namibias Uran für Europas Atommeiler

AtomtransporteAtlanticCartier-HH-Hafen03052014-FotoDirkSeifert-297
Hafen Hamburg: Atomtransporte zwischen Elbphilharmonie und Kreuzfahrtschiffen. Foto: Dirk Seifert

Erneut hat in Hamburg ein Atomtransport mit Uranerzkonzentrat (Yellow Cake) stattgefunden. Sechs Container mit dem radioaktiven Material, aus dem im weiteren Verlauf angereichertes Uran für Brennelemente zum Einsatz in Atommeilern hergestellt wird, kamen per Schiff über den Hafen. Die mit  CATU beschrifteten Container sind vermutlich mit der „Golden Karoo“ (Korrektur) „Green Mountain“ aus Namibia nach Hamburg gelangt. Von hier aus ging die strahlende Reise per Zug weiter. Vom Süd-West-Terminal zunächst nach Maschen und dann über Bremen, Osnabrück, Münster, Köln und Bonn weiter bis nach Südfrankreich. Ab Hamburg startete der Transport am 29.1. und passierte Köln-Bonn am frühen Morgen des 31.1.2015. In Narbonne beginnt dann in einem ersten Schritt die Umwandlung zum Atombrennstoff.

Über Atomtransporte aus Namibia wird auch hier im Überblick informiert.

Uranbergbau ist besonders riskant und bringt zahlreiche Umwelt- und Gesundheitsrisiken mit sich. In den Minen wird das radioaktive Radon in großen Mengen freigesetzt und eingeatmet. Rund um die Minen entstehen radioaktive Geröllhalden, der Staub wird mit dem Wind weiträumig verbreitet. Zum Auslaugen des Urans aus dem Gestein werden hochgiftige Chemikalien eingesetzt. Oft wird über schlechte Arbeitsbedingungen und fehlende oder geringe Schutzmaßnahmen berichtet. Die Minen in Namibia gehören zu den ältesten und größten der Welt.

Radioaktiv durch Deutschland: Atomtransport aus dem Hamburger Hafen gestartet (Update 17.8.2014)

Uranerz in Containern im Hamburger Hafen: Kommenden Montag könnte die Reise quer durch Deutschland starten.
Reihenweise Uranerzkonzentrat in Containern im Hamburger Hafen: Kommenden Montag könnte die Reise quer durch Deutschland starten.

UPDATE: Atomzug aus dem Hamburger Hafen ist mit 36 Uran-Containern gestartet! Strahlende Reise durch Deutschland: Atomtransport aus Hamburg auf dem Weg!

Am Montag Nachmittag startet vermutlich Ein Uran-Zug mit mindestens 36 Containern aus dem Hamburger Hafen ist auf dem Weg quer durch Deutschland. Ab Mitternacht geht es vermutlich über Niedersachsen Bremen, Münster, Köln, Bonn weiter die Mosel entlang über Rheinland Pfalz nach Narbonne in Frankreich. „Radioaktiv durch Deutschland: Atomtransport aus dem Hamburger Hafen gestartet (Update 17.8.2014)“ weiterlesen

Was Uranbergbau zerstört: Tanzania – Selous Game Reserve und Bahi-Swamp

bahi-uranium-drilling
Uran-Exploration in Illindi Village, Bahi Region, 2011, Foto: Anthony Lyamunda

Der russische Atomgigant ROSATOM ist ebenso wie der französische Konzern AREVA weltweit im Geschäft. Um ihre Atomprogramme mit dem nötigen Brennstoff zu versorgen und den Nachschub zu sichern, wird weltweit nach Uranvorkommen gesucht und abgebaut. ROSATOM lässt über kanadische und australische Unternehmen (Mantra, Uranium One) die Vorkommen erkunden. Z.B. im ostafrikanischen Tanzania, wo eine Uranmine in einem der bedeutendsten Wild-Schutzbegiete, dem Weltnaturerbe Selous Game Reserve, nahezu einsatzbereit ist. In einem weiteren Gebiet, dem für die heimische Bevölkerung lebenswichtigen Bahi-Swamp, einem extrem fruchtbaren Überschwemmungsgebiet in der Nähe der Hauptstadt Dodoma, läuft die Erkundung.

In Tanzania ist unter anderem die Organisation CESOPE gegen den von der Regierung geplanten Uranbergbau aktiv – unterstützt unter anderem von der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Auf der Homepage von CESOPE ist das folgende Video zu sehen, in dem gezeigt wird, welche Bedrohung der Uranbergbau für Menschen und Tiere haben wird, wenn die Regierung in Tanzania diese Projekte nicht stoppt.

Weitere Videos über Uranbergbau in Tanzania und in Afrika:

Weiter lesen:

Uran tötet – Französischer Atomkonzern AREVA in der Mongolei

anti-nuclear-mongoleiLogoUmweltFAIRaendern-geAlarmierende Meldungen in Sachen Uranbergbau mit katastrophalen Folgen kommen aus der Mongolei. Dort erkundet der französische Atomgigant AREVA seit Jahren die Uranvorkommen und bereitet den Abbau vor. Die Initiative „MUNX TENGER – ewiger Himmel“ berichtet aktuell auf ihrer Homepage über Krankheiten und Missbildungen bei den Viehherden in der Nähe der Bohrungen, die AREVA zur Erkundung der Uranstätten durchgeführt hat. Die Gründe dafür sind zwar nicht klar, aber der räumlich-zeitliche Zusammenhang ist unübersehbar, berichtet Munx-Tenger. UmweltFAIRaendern dokumentiert im folgenden den Artikel, der im Original hier als PDF zu lesen ist.

Über AREVA in der Mongolei und den Uranbergbau ist hier mehr zu lesen: Mongolei: Atomindustrie und Bergbaukonzerne contra Nomaden.

„Uran tötet – Die Tiere auf den Weiden verenden – AREVA bohrt weiter

Seit mehreren Jahren hat der französische Staatskonzern AREVA im Bezirk Ulaanbadrakh in der Ostmongolei in Probebohrungen ergiebige Uranvorkommen erkundet. Im Herbst 2013 hat er von der mongolischen Regierung die Lizenz zum Abbau dieser Vorkommen erhalten.

Seit einigen Jahren beobachten die dort lebenden Nomaden Krankheiten und Missbildungen bei ihren Tieren: Ziegen, Schafe und Kamele. Alle Viehhalter, die in der Abwindzone dieser Probebohrungen leben und seit Jahrzehnten dort ihre Herden weiden, sind davon betroffen. Die Zahl der Missbildungen und Totgeburten hat über die Jahre immer weiter zugenommen, bis den betroffenen Viehhaltern klar wurde, dass es einen Zusammenhang mit diesen Bohrungen geben muss.

Bis heute ist nicht klar, was diese Totgeburten und Missbildungen im Einzelnen verursacht. Entsprechende Untersuchungen von unabhängigen Experten werden von den zentralen Behörden verweigert. Die offiziellen Untersuchungen beschränken sich auf das Grundwasser, dessen Qualität mit steigender Schwermetallbelastung dramatisch abgenommen hat. Erst jetzt, nach Jahren der Proteste, scheint es erste Hoffnungen auf eine öffentliche Untersuchungskommission zu geben. Ob die radioaktive Strahlung verantwortlich für das Verenden der Tiere ist, ob es Partikel von radioaktiven Elementen oder „nur“ sehr giftige Schwermetalle sind – Tatsache ist, dass die Weidetiere in immer größerem Umfang sterben.

Das Frühjahr ist die Zeit des Ablammens. Die Nomaden achten darauf, dass etwa im März alle Jungtiere zur Welt kommen, damit sie bei Wintereinbruch kräftig genug sind, um den ersten strengen Winter ihres Lebens zu überstehen. Das Frühjahr 2014 scheint nun zur Katastrophe zu werden. Schon Ende Februar lagen die ersten Berichte über Totgeburten vor. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Viehhalter Gan-Ochir aus der Gemeinde Zuunbayan in einer Entfernung von neun Kilometern von AREVA bei seinen Ziegenlämmern einen Totalverlust erlitten hat. Alle bisher geborenen Zicklein sind tot. Die Bilder dieser Katastrophe sind so schrecklich, dass wir hier auf eine Veröffentlichung verzichten.

Wachsender Widerstand – trotz Repressionen

Die Einwohner des Bezirks Ulaanbadrakh protestieren seit langer Zeit in großer Einmütigkeit gegen diese Vergiftung und Vernichtung ihrer Existenz – bisher ohne Erfolg. Alle Angebote von AREVA an die betroffenen Gemeinden sehen letztlich die Vertreibung der Nomaden vor – garniert mit dem Angebot, beim Umzug zu helfen oder einige wenige alternative Erwerbsmöglichkeiten bereitzustellen.

Keine Unterstützung erhalten die Nomaden durch die mongolische Regierung, die mit dem Versprechen angetreten ist, gegen Korruption vorzugehen, und die den Umweltschutz zu einem zentralen Thema ihres Wahlkampfs gemacht hat. Der Ministerpräsident Elbegdorj wütet direkt gegen die Nomaden: Sie würden mit ihren Protesten die weitere Entwicklung der Mongolei behindern und Investoren verärgern. Dabei zeigt das Beispiel des Niger sehr deutlich, dass der Profit der Atomindustrie dort in keiner Weise der Bevölkerung und dem Land zugute gekommen ist: Der Niger ist trotz (oder wegen?) 40 Jahren Uran-Abbaus durch AREVA immer noch eines der ärmsten Länder der Welt.

Mongolei, Niger… AREVA bringt tödliches Risiko

So droht sich in der Mongolei zu wiederholen, was in der Republik Niger im Umfeld der AREVA-Uran-Mine von Arlit geschehen ist: Eine radioaktive und giftige Verwüstung der Umgebung der Mine. Doch Arlit oder Ulaanbadrakh sind keine „Ausrutscher“ der Atomindustrie. Kasachstan, Australien, USA, Niger, Mongolei – es ist überall dasselbe.
Die gesamte Kette der Nutzung der Kernenergie stellt ein tödliches Risiko dar.

Bereits am Anfang, beim Abbau von Uranerz, entstehen tödliche Gefahren: Zahlreiche radioaktive Stoffe, darunter Radongas, werden freigesetzt; auch nichtradioaktive, giftige Stoffe gelangen in die Umwelt. Der Abraum – weltweit mehr als eine Milliarde Tonnen – enthält noch bis zu 85 Prozent der ursprünglichen Radioaktivität. Der Wind verweht strahlende Partikel in alle Richtungen. Die Atomkatastrophen von Windscale/Sellafield, Three Miles Island (Harrisburg), Tschernobyl und Fukushima zeigen den Wahnsinn der angeblich beherrschbaren Technologie. Und am Ende der Kette steht das ungelöste Problem der Endlagerung des gesamten Mülls für eine Zeitspanne jenseits unserer Vorstellungskraft.

Die französische Firma AREVA lässt ihr gefördertes URAN unter anderem auch in Deutschland aufbereiten. Die Bundesregierung hat in der Vergangenheit eine konkrete Antwort, woher die noch laufenden deutschen Kernkraftwerke ihre Brennstäbe beziehen, verweigert.

• Solidarität mit den Nomaden der Gobi!
• Stoppt den Uran-Abbau weltweit!
• Sofortiger Ausstieg aus der Kernenergie!

Eike Seidel, www.munx-tenger.de, 21.3.2014″

Mehr zum Thema: Alle Artikel zum Uranabbau auf dieser Seite. Außerdem:

Konflikte und Rohstoffe: Kein Frieden nach Frankreichs Kriegseinsatz in Mali

MaliMali rund ein Jahr nach dem Beginn des  Kriegseinsatzes französischer Truppen im März 2014: „Wir sind sehr enttäuscht von Frankreich, wir fühlen uns verraten. Die Franzosen haben mit ihrem Militäreinsatz den Weg freigebombt und die Islamisten verjagt, und dann durften sich die Tuareg-Rebellen hier breitmachen – nur weil Frankreich sich Hilfe bei der Befreiung von Geiseln verspricht, weil es unsere Bodenschätze will, weil es sich einwickeln lässt von diesen Leuten.“ Das sagt Tiefolo Coulibaly aus Kidal in einer Reportage von Alexander Göbel im DeutschlandRadio. Coulibaly arbeitet für eine Hilfsorganisation. „Er hat hier die Zeit unter den Islamisten von Ansar Dine erlebt, den radikalislamischen Tuareg, dann die Befreiung durch die Franzosen, und schließlich den Einmarsch der MNLA.“

*UPDATE 11/3/14: Die Darstellung der Tuaregs in der Reportage von Göbel als Radikalislamisten ist nicht korrekt. Zwar ist die MNLA als eine der politischen Organisationen von Tuaregs mit islamistischen Gruppen zunächst ein Bündnis für die Unabhängigkeit des Nordens (Azawad) eingegangen, hat sich dann aber von ihnen distanziert und getrennt, als diese die Sharia einführten. Nicht erwähnt werden die Übergriffe der malischen Armee gegen Tuaregs. Im Windschatten der Intervention Frankreichs hatten malische Truppen willkürlich Hinrichtungen von Tuaregs und Arabern durchgeführt. (Darüber ist auch in deutschen Medien berichtet worden (siehe dazu die SZ und Telepolis) und das ist offenbar auch einer der Gründe, warum die malische Arme in der nördlichen Region von Frankreich zurückgezogen wurde.) Um die Konflikte besser zu verstehen, ist ein Artikel von Charlotte Wiedemann in der Zeit zu empfehlen: „Tuareg: Falsch verbunden„). Die Journalistin Charlotte Wiedemann betreibt auch einen Blog über die Situation in Mali.

Zu den Rohstoffen in Mali, ebenso wie z.B. im Nachbarstaat Niger, gehören u.a. Uranvorkommen, Öl und Gold. Kidal liegt auf dem gleichen Breitengrad wie das rund 600 km Luftlinie entfernte Arlit im Niger. Dort betreibt der französische Atomkonzern AREVA Uranabbau. Anfang 2013 griffen französische Truppen in Mali mit einem Kampfeinsatz ein, als zunächst Tuaregs und islamistische Gruppen eine Abspaltung des Nordens von Mali mit Waffengewalt umzusetzen versuchten und schließlich untereinander in Konflikt gerieten. Der Konflikt griff schnell auch auf den Norden des Niger über. Französische Truppen wurden rund um Arlit zur Sicherung der AREVA-Uranminen eingesetzt, konnten aber Terroranschläge mit zahlreichen Toten nicht verhindern.

Göbel hat als einer der wenigen Journalisten mit einer Militärkolone die Stadt Kidal in der nördlichen Region von Mali besucht. Eine durchaus lebensgefährliche Reise, denn erst im November 2013 sind zwei französische Journalisten entführt und ermordetet worden. (siehe: Deutsche Welle).

Göbel berichtet: „Anders als oft behauptet, hat sich die Lage in Kidal nicht verbessert, seit Frankreich die Islamisten bis ins Ifoghas-Gebirge vertrieben hat. Dschihadistische Gruppen sind zwar von der Bildfläche verschwunden – aber haben sich nur in kleinere Einheiten verwandelt – als Trittbrettfahrer der Tuareg. Jede Nacht ist rund um die Stadt Maschinengewehrfeuer zu hören, Granaten explodieren vor den Kasernen. Ende vergangenen Jahres hat ein Selbstmordattentäter vor einer Bank in Kidal senegalesische UN-Soldaten mit in den Tod gerissen. Französische Truppen haben gerade erst ein Lager mit Tonnen von Ammoniumnitrat entdeckt – und ein Trainingslager der Islamisten.“

Die Reportage beschreibt die schwierige Situation in der Region, in der nicht der malische Staat die Kontrolle hat, sondern vor allem Tuaregs der MNLA. Alle Konfliktparteien sind schwer bewaffnet, Entführungen, Morde und auch Vergewaltigungen weit verbreitet. Darüber berichten die Gesprächspartner, die Göbel zu Wort kommen lässt. Der gesamte Bericht ist hier nachzulesen und hier nachzuhören.

×