Uranbergbau mit Todesfolge: Fast 10.000 Lungenkrebstote durch deutschen Uranbergbau bei der Wismut AG

Sprengarbeiten im Tagebau Lichtenberg, rechts im Hintergrund Schachtanlage Schmirchau, 1964

Uranbergbau Wismut AG: Sprengarbeiten im Tagebau Lichtenberg, rechts im Hintergrund Schachtanlage Schmirchau, 1964. Radioaktive Wolken… FOTO: wismut.de

Fast 10.000 Menschen sind in Deutschland an Lungenkrebs infolge ihrer Tätigkeit im Uranbergbau der ostdeutschen Wismut AG erkrankt. Schon 1990, nach dem Ende der DDR, waren rund 5.500 Fälle von Lungenkrebserkrankungen bekannt, die meisten davon verliefen tödlich. Von 1991 bis (vermutlich) 2010 kamen noch einmal 3.700 Lungenkrebserkrankungen hinzu, die als Berufskrankheit anerkannt wurden (siehe hier, PDF). Das hatten Untersuchungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ergeben, die im April 2012 veröffentlicht wurden (siehe dazu dpa). Damit lagen die Erkrankungsraten deutlich über den Erwartungen: „Mit einer so hohen Zahl an Lungenkrebs-Fällen sei nicht gerechnet worden, sagte DGUV-Hauptgeschäftsführer Joachim Breuer.“

Die fast 10.000 (als Berufskrankheit anerkannten) Lungenkrebserkrankungen sind offenbar durch die Radioaktivität in den Bergwerken verursacht. Hinzu kommen noch weitere Erkrankungen wie Kehlkopfkrebs und Silikose, eine unter Bergleuten verbreitete Erkrankung durch die hohe Staubbelastung.

Uranabbau in Entwicklungsländern: Kaum Schutzmaßnahmen, enorme Umweltbelastungen.

Die dramatischen Folgen des Uranabbaus sind umso furchterregender, wenn man bedenkt, dass derzeit in vielen Entwicklungsländern von Atom-Konzernen wie AREVA (Frankreich) und ROSATOM (Russland) der Uranbergbau massiv betrieben bzw. vorbereitet wird. Im Niger häufen sich derzeit die Konflikte um den dortigen Uranabbau durch AREVA. In Tansania bereitet ROSATOM die Eröffnung der ersten Uranminen vor. Auch die Mongolei und Grönland wollen in den Uranbergbau einsteigen.

Immer wieder gibt es Berichte von Betroffenen über mangelnden Arbeits- und Strahlenschutz. Hinzu kommen die massiven Umweltauswirkungen durch die enormen Mengen von radioaktivem Abraum, der meist unter freiem Himmel gelagert wird. Außerdem erfordert der Uranbergbau großen Mengen Wasser, die anschließend radioaktiv und chemisch schwer belastet sind.

Wismut und die Folgen: Insgesamt fast 39.000 Menschen mit anerkannten Berufskrankheiten

Standorte der Wismut AG

Standorte der Wismut in Thüringen und Sachsen

In dem Bericht der DGUV heißt es zusammenfassend, dass bis 1990 insgesamt 31.000 Berufskrankheiten im Zusammenhang mit dem Uranbergbau in der Wismut anerkannt worden sind. „Fast die Hälfte davon waren Silikose-Erkrankungen, eine durch Staub hervorgerufene typische Lungenkrankheit bei Bergleuten. Dazu kamen rund 5.500 durch Strahlung ausgelöste Lungenkrebserkrankungen. Bis 2010 wurden noch 7.800 weitere Fälle von Berufskrankheiten anerkannt.“

Einen Überblick über die Geschichte der Wismut AG, die zahlreichen Produktionsstätten und die bis heute andauernde Sanierung der Uranhalden hier bei Wikipedia.

Angesichts der erschreckenden Zahlen über die gesundheitlichen Folgen des Uranabbaus in Deutschland und der seit nunmehr 20 Jahre andauernden Sanierung der Umweltschäden braucht es nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, mit welchen katastrophalen Auswirkungen der Uranbergbau in Entwicklungsländern verbunden ist.

Seit 1991 dauert die Sanierung der Umweltschäden des Uranabbaus der Wismut AG an und hat bis heute um die sieben Milliarden Euro verschlungen. Beträge, die mit hoher Sicherheit für die Sanierung von Uranminen in Afrika (Namibia, Niger etc.) nicht zur Verfügung stehen werden.

So reagiert z.B. der französische Atomgigant AREVA auf Forderungen des Nigers nach besseren Konditionen beim Uranabbau für das bettelarme Land mit der Drohung, in andere Länder auszuweichen.

Weitere Informationen auf dieser Seite zum Thema Uranabbau

 

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Ein Kommentar zu Uranbergbau mit Todesfolge: Fast 10.000 Lungenkrebstote durch deutschen Uranbergbau bei der Wismut AG

  1. Steffen Rienas sagt:

    Steffen Rienas Bärenstein, 21.03.2016
    Obewiesenthaler Str. 10
    09471 Bärenstein
    Telf.: 037347 1786
    E-Mail gusti@drienas.de

    Glück Auf

    Mein Vater kam nach Ende des Krieges, als Vertriebener aus Ostpreußen, aus der Nähe von Marienburg, jetzt Malbork, ins Erzgebirge und arbeitet in Niederschlag, was heute zu Bärenstein gehört, in Schacht bei dem Wismut.
    Schon im Mai 1987 ist er an den Folgen dieser Tätigkeit, Silikose und später Lungenkrebs verstorben. Meine Mutter die das alles nicht verkraftet hatte ist, ohne dass es dafür irgendwelche Anzeichen gab, sie war tags zuvor noch auf der Arbeit, bereits in März 1987 verstorben nachdem bei meinem Vater die Anzeichen umso deutlicher wurden. Das Krebsgeschwür war schon außen auf seinem Brustkorb zu sehen. Bei meiner Mutter wurde Herzversagen diagnostiziert, was ja wohl zum Schluss bei allen Menschen so ist. Meine Mutter wurde nur 58 und mein Vater nur 60 Jahre alt.
    Ich als der jüngste der 4 Kinder, alle Jungs, wobei 2 davon schon im Säuglingsalter starben, vor meiner Zeit, bin nun der einzige der noch lebt. Mein 3. Bruder ist mit 55 Jahren verstorben. Ich bin jetzt 61 und nun also in einem alter das der Rest meiner Familie gar nicht erreicht hatte.
    Ich habe jetzt nach einem Umzug in den alten Papieren einige Schreiben gefunden die mein Vater mit der damaligen DDR Staatsmacht ausgefochten hat, wegen Anerkennung einer Berufskrankheit. Ihm wird darin unter anderen vorgeworfen dass er den Staat erpressen will.
    Mir war schon einiges bekannt das die Korrespondenz aber doch so umfangreich war hat mich doch im Nachhinein erstaunt.
    Es gibt da schreiben vom SED Büro Honegger, der Arbeitshygieneinspektion bis hin zum Ministerrat der DDR.
    Erreicht hatte er dann doch das er ab Januar 1987, wo er 60 wurde, Bergmannsrente bekam jedoch dann Ende Mai 1987 verstorben ist. Ganze 5 Monate nach diesem Kampf.
    Nachdem ich damals innerhalb eines Vierteljahres beide Eltern verloren hatte wurde ich dann Ende des Jahre 1987 noch, über Weihnachten Sylvester, zum Reservedienst bei der Arme (NVA) eingezogen, obwohl ich damals einen 1 jährigen Sohn zu Hause hatte.
    So rücksichtsvoll war dieser Staat DDR. Aber das nur in eigener Sache.

    Jetzt, wenn auch nach fast 30 Jahren, musste ich das mal loswerden. Allerdings kann ich mit Computer und Internet auch noch nicht solange umgehen, wo ich jetzt ihren Beitrag gelesen habe, bzw. gibt es das ja auch noch nicht so lang.

    Glück Auf und viele Grüße aus dem Erzgebirge

    Steffen Rienas

    PS: Falls es Sie interessiert kann ich ihnen, zunächst erst einmal Kopien, der diversen Schreiben zukommen lassen

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