AKW Grohnde: Zu heiß, zu wenig Gewinn und wohl zu wenig sicher

Noch mehr Plutonium für das AKW Grohnde. Proteste sind angekündigt
AKW Grohnde: Zu heiß, zu wenig Gewinn und wohl zu wenig sicher

Das AKW Grohnde an der Weser kommt mächtig ins Schwitzen. Das liegt nicht nur an den hohen Wassertemperaturen, die dazu führen könnten, dass die Kühlung des Atomreaktors nicht mehr zulässig wäre und der Reaktor deshalb abgeschaltet werden müsste. Darüber berichten Medien wie Heise oder NTV. Die Stadt Bielefeld beklagt außerdem, dass dem AKW die Gewinne wegbrechen. Und: Als Reaktion auf eine Aufforderung zur Stilllegung des AKW Grohnde teilt der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel nun mit, er brauche mit seiner Antwort noch bis Ende August Zeit, weil dann in Sachen Terrorschutz und Flugzeugabsturz eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe wichtige Dinge berät. Danach werde er dann über den Stilllegungsantrag entscheiden. Eine Klägergemeinschaft hat angekündigt, gegen den Betrieb des AKW Grohnde vor Gericht zu ziehen, wenn der Umweltminister nicht selbst den Reaktor abschalten lässt.

In einer Pressemitteilung des Grohnde-Rechtshilfefonds heißt es: „„Damit bestätigt das Land unsere Auffassung, dass es sich hier um eine neue Entwicklung handelt, die nicht nach Aktenlage entschieden werden kann“, erklärt Peter Dickel für den Rechtshilfefonds Atomerbe Grohnde. Die AntragstellerInnen werden den Bescheid des Landes in sechs Wochen abwarten, sind aber weiterhin darauf vorbereitet, die Frage dann auch gerichtlich klären zu lassen.“

Neben E.on sind die Stadtwerke Bielefeld an dem AKW Grohnde beteiligt. Die haben jetzt – laut Schamburger Zeitung – beklagt, dass die Erlöse aus dem Betrieb in den Keller gegangen sind und Überschüsse gering ausfallen: „„In Grohnde führt der Marktpreisverfall zu einem Erlösrückgang seit der Planung 2011 in Höhe von 100 Millionen Euro“, schreiben sie in ihrem Geschäftsbericht 2014, der jüngst vorgelegt wurde. Auch die Brennelementesteuer schmälere das Ergebnis, heißt es in dem Papier.
So deutliche Zahlen gibt es selten. Zwar beklagt auch e.on als Hauptgesellschafter und Betreiber des AKW die negativen Folgen der Brennelementesteuer und des Preisverfalls, doch detaillierte Zahlen für Grohnde fehlen. Auf 232 Seiten taucht der Standort des internationalen Konzerns allerdings namentlich nur dreimal in dessen Geschäftsbericht 2014 auf, wobei der Hinweis auf „die längeren Stillstandszeiten“ auch in Grohnde schon die ausführlichste Erwähnung ist.“

Nicht nur den Atommeilern macht die Energiewende schwer zu schaffen. Wie das Blatt mitteilt, lagen noch in 2008 die durchschnittlichen Terminmarktpreise an der Börse bei rund 70 Euro pro Megawattstunde. Inzwischen habe sich dieser Preis auf 32 Euro mehr als halbiert. Gleichzeitig seien die Erzeugungskosten, auch durch die Einführung der Brennelementesteuer, deutlich gestiegen.

Als Schallmauer für einen wirtschaftlichen Betrieb gelten für Kraftwerke dieser Größenordnung Preise von rund 50 Euro je MWh.

Das AKW Grafenrheinfeld hatte E.on vor wenigen Wochen aufgrund der wirtschaftlich schlechten Ertragslage vorzeitig vom Netz genommen. Eigentlich hätte der Konzern den Reaktor noch bis Ende des Jahres am Netz lassen können.

Die hohen Wassertemperaturen werden seit Jahren immer häufiger zum Problem für die atomaren Großkraftwerke. Nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in Frankreich, ist das Sommer für Sommer immer häufiger ein Problem.

Auf der Homepage der Grohnde-Kampagne heißt es: „Grohnde bezieht sein Kühlwasser aus der Weser. Diese hatte Anfang Juli 26,2° C. Bei der Wiedereinleitung ist das Wasser wärmer als zuvor. Dabei darf der Grenzwert von 28° C nicht überschritten werden, da ansonsten der Sauerstoffgehalt im Fluss so niedrig werden würde, dass Tiere und Pflanzen dauerhaft geschädigt werden würden. Bei dem baden-württembergischen AKW Neckarwestheim 2 am Neckar kann die Situation bald ähnlich kritisch werden. Die andern noch laufenden AKW haben mehr Spielraum, da Donau, Rhein und Elbe mehr Wasser führen. Doch gerade das Zusammenwirken anhaltender Hitze mit langen Trockenperioden, wie in diesem Jahr, kann auch hier Auswirkungen haben. In Frankreich ist das Problem seit Jahren akut. Trotz 58 laufender Reaktoren musste schon mehrmals Strom importiert werden – die AKW hatten hitzefrei.“

 

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