Atomgeschäfte in den USA ruinieren Toshiba

Die Krise der Atomenergie trifft nicht nur hiesige Konzerne oder den französischen Giganten AREVA. Nun schlingert auch das japanische Unternehmen Toshiba immer weiter Richtung Abgrund. Vor allem die Übernahme von Westinghouse und die einer weiteren Firma für den Bau von Atomkraftwerken führt zu milliardenschweren Verlusten für Toshiba. Von über sechs Milliarden Euro ist die Rede und nun auch davon, dass das US-Atom-Engagement von Toshiba in die Insolvenz geht. (Foto: Baustelle AKW Vogtle E-Power Station, Georgia, USA: Wikipedia, Charles C Watson Jr, CC BY-SA 3.0)

Eine der großen Baustellen, die das Desaster für die Westinghouse-Tochter von Toshiba begründen, ist der AKW Neubau von zwei Reaktorblöcken der Vogtle Electric Power Station (Georgia). Die Baustelle ist bereits drei Jahre über die Plandaten und die Kosten sind explodiert (Siehe Powersource). Reuters berichtet, dass die Kosten von geplanten 14 Mrd. Dollar auf inzwischen 19 Milliarden angewachsen sind. Statt einer geplanten Inbetriebnahme 2016/17 ist nun von 2020 die Rede. Ebenso verheerend geht es der Baustelle in South Carolina (Summer plant). Geplante Kosten von $9.8 Milliarden Dollar mit einer Inbetriebnahme 2016 und 2019 haben sich auf nunmehr $22 Milliarden Dollar erhöht und eine Fertigstellung dürfte frühestens im Jahr 2020 erfolgen.

Mitverantwortlich für die Krise ist auch, was N24 berichtet: „Der Konzern hat erst das Ende März 2016 ausgelaufene Geschäftsjahr nach einem Skandal über jahrelang gefälschte Bilanzzahlen mit einem Rekordverlust im operativen Geschäft abgeschlossen. Die Dividende wurde gestrichen. Chefwechsel, Stellenstreichungen und ein Konzernumbau sollten eigentlich die Wende bringen. Nunmehr folgt für die japanische Traditionsfirma mit umgerechnet gut 50 Milliarden Dollar Umsatz und fast 190 000 Beschäftigten ein neuer Rückschlag.“

Im Jahr 2010 hat Toshiba die US-Firma Westinghouse übernommen. 2015 außerdem eine amerikanische Baufirma, die auf Kernkraftwerke spezialisiert ist. „Dabei hat man offenbar erneut enorme Risiken eingekauft“, schreibt die NZZ:  „Der Kaufpreis für CB&I Stone & Webster lag zwar laut «New York Times» nur bei 229 Mio. $ und der Goodwill bei gerade einmal 87 Mio. $. Doch Toshiba-Tochter Westinghouse streitet sich seither mit dem Verkäufer von Stone & Webster, dem Unternehmen Chicago Bridge & Iron, über den korrekten Kaufpreis. Denn wie Toshiba Ende 2016 mitteilte, hat man offenbar einen Goodwill nicht von knapp 100 Mio. $, sondern von einigen Milliarden identifiziert. Da sich aber Stone & Webster in Schieflage befindet, muss dieser gleich wieder abgeschrieben werden, was ein riesiges Loch in die Toshiba-Kasse reissen würde.“

  • Bestens informiert die us-amerikanische Umweltorganisation „Savannah River Site Watch“ über dieses Thema und andere wichtige Atomfragen in den USA.

Und aktuell berichtet Reuters in diesem Artikel davon: „Der angeschlagene Industriekonzern Toshiba will nach Angaben der japanischen Regierung seine US-Atomtochter Westinghouse in die Insolvenz schicken. Ziel ist, Verluste zu begrenzen und nach milliardenschweren Abschreibungen auf den AKW-Bauer einen Schlussstrich zu ziehen. Insidern zufolge könnte der Antrag auf Gläubigerschutz in den USA bereits in Kürze erfolgen. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung „Nikkei“ stimmte der Toshiba-Verwaltungsrat am Mittwoch für diesen Schritt. Das Unternehmen wollte sich zunächst nicht dazu äußern.“

Zum Hintergrund heißt es dort außerdem: „Die Probleme bei Westinghouse waren aufgetreten, nachdem Toshiba 2015 ein US-Unternehmen zum Bau von Kernkraftwerken gekauft hatte. Bei zwei AKWs, die schon im Bau waren, stiegen die Kosten dramatisch an. Toshiba schrieb daraufhin bereits 6,3 Milliarden Dollar ab. Toshiba hat mittlerweile seine profitable Chipsparte zum Verkauf gestellt, um wieder auf die Beine zu kommen. Wiederholt verschoben die Japaner wegen der Probleme der US-Atomsparte die Vorlage von Quartalszahlen. Westinghouse hat nach eigenen Angaben weltweit 12.000 Beschäftigte.“

Und auch N24 informiert: „Vor gut zehn Jahren jubelte Toshiba noch. Damals investierte der japanische Technikriese gut fünf Milliarden Dollar in den Kauf des Atomkraftwerkgeschäftes von Westinghouse. Toshiba stieg damit zu einem der weltgrößten Anbieter für Kernkraftwerke auf. Die Branche lockte mit vielen Neuaufträgen, vor allem in den USA. Dann kam 2011 die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima und es begann ein Umdenken über den Einsatz der Atomkraft. Jetzt bringen US-Projekte Toshiba ins Wanken, weil Milliardenverluste drohen. Der Aktienkurs brach binnen weniger Tage um über 40 Prozent ein.“

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