Hochradioaktiv über den Neckar: Schwimmende Atomtransporte

Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager betonen alle, dass es dazu einen gesellschaftlichen Konsens brauche. Bei allen anderen Dingen um Atomkraftwerke und Atommüll ist davon weit und breit nichts zu spüren. Um Kosten zu sparen, sollen 15 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll im Auftrag von EnBW von Obrigheim über den Neckar nach Neckarwestheim verschifft werden. Die Gemeinde dort hat inzwischen eine Klage auf den Weg gebracht (Südkurier). Nicht nur, weil frühere Versprechungen nicht eingehalten werden, sondern auch, weil die Gemeinde einfach übergangen wurde. Eine Entscheidung des Gerichts wird Mitte Juni erwartet. Ob die Betreiber den Termin abwarten, um der Gemeinde Rechtsschutz auch praktisch einzuräumen, ist unbekannt. Anti-Atom-Gruppen protestieren seit Wochen gegen diese Atomtransporte (Neckar-Castorfrei).

In Obrigheim ist der Betreiber dabei, die Castor-Behälter mit den hochradioaktiven Brennelementen zu befüllen. Jeweils drei dieser rund 100 Tonnen schweren Behälter sollen dann auf ein Binnenschiff verladen und nach Neckarwestheim in das dortige Zwischenlager transportiert werden. Die Gemeinde ist wenig begeistert, dass zusätzlich zu dem vor Ort produzierten Atommüll nun noch weiterer radioaktiver Abfall hinzukommen soll. Zugesagt war ehemals, dass in dem Zwischenlager in Neckarwestheim nur vor Ort erzeugter Müll aufbewahrt werden sollte. Eine Genehmigung für die Atomtransporte hatte das „Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit“ (BfE) erst vor wenigen Wochen erteilt. Die Gemeinde Neckarwestheim wurde dabei nicht beteiligt.

Im Südkurier heißt es: „Die Gemeinde Neckarwestheim sieht die Beförderung von 15 Behältern mit insgesamt 342 Brennelementen vom stillgelegten AKW Obrigheim zum Zwischenlager Neckarwestheim kritisch. Daher will die Kommune ein Gutachten zum geplanten Transport einholen, etwa mit Blick auf die Sicherheit. Trotz Aufforderung habe das BfE entsprechende Antragsunterlagen nicht an die Gemeinde weitergegeben, sagte der parteilose Bürgermeister von Neckarwestheim, Jochen Winkler. Ein Gutachten habe die Gemeinde bis jetzt also nicht in Auftrag geben können. Die Atommüllfahrten auf dem Neckar sollen per Eilantrag aufgeschoben werden. „Wir wollen damit schlicht verhindern, dass Fakten geschaffen werden, bevor wir die Möglichkeit einer Prüfung hatten“, sagte Winkler. Es wäre der erste Transport hoch radioaktiver Abfälle auf einem deutschen Fluss.“

Auch die Stuttgarter Zeitung und der SWR berichten über die Klage.

Castor-Protest vor den AKWs in Neckarwestheim am 21. Mai. Neckar Castorfrei.

Anti-Atom-Initiativen protestieren seit Wochen gegen diese gefährlichen Transporte. In einer Pressemitteilung heißt es: „In einer Information des „Bündnis Neckar castorfrei“ heißt es dazu: „Da inzwischen die Transportgenehmigung erteilt wurde, gehen wir davon aus, dass der Abstand vom Leertransport zum ersten hochradioaktiven Transport aus Obrigheim sehr kurz sein wird. Die Schiffe fahren vermutlich in Neckarwestheim erst dann los, wenn die ersten drei CASTOREN in Obrigheim beladen sind. Das heißt, sie fahren früh morgens in Neckarwestheim los, entladen die nächsten drei Leer-Castoren in Obrigheim und ankern über Nacht dort. Der Transport mit dem hochradioaktiven Atommüll startet dann voraussichtlich am nächsten Tag nach Neckarwestheim. Mit dem Leertransport müsst Ihr Euch also voraussichtlich auf mehrere Tage Protest und Widerstand einrichten! Für den Tag des ersten von fünf Castor-Transporten werden wir zu einer Demo und weiteren Protestaktionen während des Transports an und über dem Neckar aufrufen.““

Auch der BUND in Baden-Württemberg sieht die Atomtransporte kritisch, berichtet der Südkurier: „„Ein gekentertes Schiff kann nicht einfach so geborgen werden. Ein Unfall betrifft viele Kilometer Wasser und Tausende Menschen“, hatte etwa die Landesvorsitzende des Umweltverbandes BUND, Brigitte Dahlbender, gesagt.“

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