Hochradioaktiver Schiffsverkehr mit Castor: Neckarwestheim und BUND verweigern Annahme

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Seit Jahren abgeschaltet: Das im Rückbau befindliche AKW Obrigheim. Ein Zwischenlager für hochradioaktiven Abfall hat EnBW vor Ort nicht errichtet. Daher sollen die 15 Castoren per Schiff nach Neckarwestheim
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Neckarwestheim mit zwei Reaktoren. Einer ist bereits stillgelegt.

EnBW will hochradioaktiven Atommüll aus dem AKW Obrigheim per Schiff in das AKW Neckarwestheim transportierten. Das soll dem Konzern den Bau eines Zwischenlagers in Obrigheim ersparen. Wenig Zuspruch findet das in Neckarwestheim, wo sich der Bürgermeister gegen die Einlagerung von noch mehr Atommüll, auch noch deutlich länger als bislang geplant, ausspricht. Auch der BUND Baden-Württemberg hat sich gegen diese hochradioaktiven Schiffstransporte über den Neckar ausgesprochen. „„Castor-Transporte mit hochradioaktivem Atommüll sind per se schon viel zu riskant. Bei einem Transport per Schiff  kommt noch hinzu, dass die EnBW keinerlei  Erfahrung mit Transporten auf Binnengewässern hat“, sagt Dr. Brigitte Dahlbender, Vorsitzende des BUND Baden-Württemberg.“ (Die PM des BUND BaWü ist unten dokumentiert.)

DPA berichtet: „Hochradioaktiver Atommüll aus einem abgeschalteten Atomkraftwerk soll erstmals innerhalb Deutschlands auf dem Wasserweg transportiert werden. 15 Castoren aus dem vom Netz genommenen Kernkraftwerk Obrigheim sollen auf dem Neckar zum Zwischenlager in Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) befördert werden, wie der Chef der Kernkraft GmbH des Energieversorgers EnBW, Jörg Michels, am Montag mitteilte. Umweltschützer halten einen «Shuttle-Service» für Atommüll für zu riskant.“

In der Region sind Bürgerinitiativen neben dem BUND aktiv:

Der Bürgermeister der Gemeinde Neckarwestheim, Jochen Winkler, sagte laut Schwäbischem Tageblatt: „In den Genehmigungsverfahren für Transport und Zwischenlagerung beim Bundesamt für Strahlenschutz werde die Kommune ihre Bedenken einbringen und für einen Verzicht plädieren, sagte Winkler. Die Bürger befürchteten, dass das Zwischenlager zum Endlager werde.“

Auch Spiegel-Online berichtet über den wachsenden Konflikt. Für EnBW ist die Welt demnach ganz einfach: „Beide Standorte liegen am Neckar. Am AKW Obrigheim gebe es eine vorhandene Laderampe am Fluss, erklärte EnBW. In Neckarwestheim werde seit März 2016 eine Laderampe gebaut. Die Behälter mit insgesamt 342 verbrauchten Brennelementen sollen auf ein antriebsloses Schiff verladen werden, das von einem anderen Boot geschoben wird.

Die Verschiffung könne den Rückbau des stillgelegten AKW Obrigheim beschleunigen, heißt es. Der Chef der EnBW-Kernkraftsparte, Jörg Michels, hofft, dass die Genehmigungen des Bundesamtes für Strahlenschutz für Transport und Zwischenlagerung gegen Jahresende vorliegen. „Wir sind davon überzeugt, dass ein solcher Transport sicher und verantwortlich machbar ist.““

Dokumentation: Pressemitteilung des BUND Baden-Württemberg

AKW Neckarwestheim – Kein Atommüll-Shuttle auf dem Neckar

BUND kritisiert die Castor-Transport Pläne der EnBW und fordert stattdessen die Genehmigung eines Standortzwischenlagers

Stuttgart/ Neckarwestheim. Die EnBW plant, hochradioaktive Brennelemente aus dem Atomkraftwerk Obrigheim über den Neckar nach Neckarwestheim zu schaffen. Der BUND warnt grundsätzlich vor den Gefahren von Atommülltransporten, insbesondere aber über den Transport per Wasserweg.  „Castor-Transporte mit hochradioaktivem Atommüll sind per se schon viel zu riskant. Bei einem Transport per Schiff  kommt noch hinzu, dass die EnBW keinerlei  Erfahrung mit Transporten auf Binnengewässern hat“, sagt Dr. Brigitte Dahlbender, Vorsitzende des BUND Baden-Württemberg.

„Schon kleinere Zwischenfälle können unabsehbare Folgen für Mensch und Umwelt haben. Ein Unfall trifft automatisch auf viele Kilometer Wasser und auf Tausende Menschen. Und: Es wird nicht bei nur einer Fahrt mit der gefährlichen Fracht bleiben. Da nur drei Castoren auf ein Schiff passen, werden für die 15 Obrigheimer Castoren mindestens fünf Fahrten durchgeführt werden müssen.  Dahlbender fordert von den zuständigen Behörden, die Transporte auf keinen Fall zu bewilligen: „Die Pläne der EnBW gleichen einem Shuttle-Service für hochradioaktiven Atommüll. Das Risiko dafür ist unberechenbar und einfach zu groß!“

Sollte die EnBW an den Verlagerungsplänen festhalten, fordert der BUND Baden-Württemberg die EnBW und die Behörden auf, über alternative Transportwege nachzudenken, wie über Straße oder Schiene. „In Strategiepapieren und Hochglanzanzeigen präsentiert sich die EnBW als Dienstleister der Energiewende. Nun erwarten wir, dass sie ihr Image erfüllt und beim Transport von abgebrannten Brennelementen den möglichst umweltfreundlichen und möglichst sicheren Weg wählt“, so Dahlbender. „Statt Schiffstransporte mit der gefährlichen Fracht sollte die EnBW besser die Genehmigung des Standortzwischenlagers vorantreiben.“ Das Verfahren läuft seit fast 10 Jahren und ruht derzeit.

Für Rückfragen:

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2 Gedanken zu „Hochradioaktiver Schiffsverkehr mit Castor: Neckarwestheim und BUND verweigern Annahme

  1. Die Leute welche hier so gegen die Transporte sind sollten wissen das die Binnenschifffahrt derwohl sicherste Verkehr ist, solange sie nicht von irgendwelchen Bund oder ähnliches gestört werden. MfG mika

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