BUND Naturschutz Bayern: Delegiertenversammlung bestätigt Ja zum Nein gegen Atomenergie (SMR, Transmutation und Kernfusion)

Der BUND Naturschutz in Bayern hat auf seiner Delegiertenversammlung Mitte Juni mit Nachdruck die immer wieder medial und von interessierter Seite „gehypten“ Atomdebatten aller Art scharf kritisiert. Die gewählten Vertreter*innen der rund 270.000 Mitglieder des Landesverbands verweisen in ihren Beschlüssen auf die vielfältigen Risiken der Atomenergie und die vielen unzutreffenden Behauptungen. Atomenergie helfe nicht dem Klima. Der demokratische Umweltverband votiert klar gegen neue kleine Atomreaktoren Typ „SMR“ – small, nicht smart. Auch Varianten dieses extrem kapital-, sicherheits- und sicherungsintensiven Energiepfades mit globalen Risiken könnten nicht helfen. Daher sprachen sich die Delegierten auch gegen die Kernfusion aus. Der BN fordert die Stilllegung des Atomforschungsreaktors in München-Garching sowie der Uranfabriken in Gronau (NRW) und Lingen (NDS), die vom Atomausstieg in Deutschland bislang ausgenommen sind. Es heißt im Beschluss: „Der BUND Naturschutz lehnt SMR, Transmutation und Kernfusion ab. Diese Technologien helfen in der aktuellen Energiekrise nicht weiter“. (Foto: Umweltministerium Bayern)

      • Der Landesverband des BUND Naturschutz bei informiert hier. Der hier thematisierte Beschluss der Versammlung ist hier als PDF Online. Dort ist außerdem – und noch viel mehr – dieser Beschluss zu finden: „Aus der größten Energiekrise die richtigen Schlüsse ziehen! Jetzt die Weichen für
        Erneuerbare Energien, Wärme und Mobilität richtig stellen“ 

Der BUND für Naturschutz in Bayern, der mitgliederstärkste Landesverband der bundesweiten Umwelt- und Naturschutzorganisation, hat auf seiner Delegiertenversammlung am 14. Juni 2026 in Deggendorf nicht nur die Politik gegen den Ausbau der Erneuerbaren Energien massiv kritisiert. Auch gegen neue Varianten der Atomenergie und die vielfältig ungelösten Probleme und bestehenden Risiken aller Arten von Atommüll nimmt der Verband klar und begründet Stellung.

umweltFAIRaendern.de dokumentiert hier den Beschluss zum Leitantrag 2 (siehe auch die Links oben!):

Atomkraft löst keine Probleme der Energieversorgung

Vierzig Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl und fünfzehn Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima gedenkt der BUND Naturschutz der Opfer und der weiterhin ungelösten Unfallfolgen. Die beiden Unglücke zeigen, dass Atomenergie eine Hochrisikotechnologie ist. Gleichzeitig mehren sich die Forderungen zum deutschen Wiedereinstieg in die Atomenergie. Atomkraft ist kein Klimaschützer, macht abhängig von
Autokraten und ist durch die Verknüpfung von ziviler und militärischer Nutzung hochgefährlich. Zudem ist die Entsorgung abgebrannter Kernelemente weiterhin weltweit ungelöst.

Der BUND Naturschutz steht weiterhin hinter dem erfolgreichen Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie 2023. Derzeitige Forderungen nach SMR (sog. Minireaktoren) sowie Kernfusion stellen keine Lösung für unsere
aktuelle Situation dar. Alle weltweiten Reaktorprojekte zeigen, dass sie deutlich länger benötigen, extrem kostspielig sind und nicht ohne staatliche Garantien auskommen.

Der BUND Naturschutz tritt für eine konsequente dezentrale Energiewende auf Basis von Erneuerbaren Energien ein. Wind und Sonne liefern bereits jetzt ausreichend Energie. Sie sind Grundlage für eine unabhängige,
nachhaltige und krisensichere Energieversorgung. Nur mit ihnen kann eine sozial-ökologische Transformation gelingen.

Beschluss der Delegiertenversammlung Leitantrag 2 

Der BUND Naturschutz lehnt SMR, Transmutation und Kernfusion ab. Diese Technologien helfen in der aktuellen Energiekrise nicht weiter.

Die Forderungen zum Wiedereinstieg Deutschlands in die Atomenergie werden immer lauter. Auch reaktionäre und rechte Politiker*innen fordern sowohl neue Generationen von Reaktoren sowie die Reaktivierung von abgeschalteten Reaktoren.

Diese Forderungen sind ohne jegliche Substanz und lenken nur vom reellen Problem einer verschleppten und partiell verhinderten Energiewende hin zu Erneuerbaren ab. Menschen erwarten konkrete und zeitnah realisierbare Lösungen für die aktuellen Herausforderungen.

Deshalb fordert der BUND Naturschutz die Staats- und die Bundesregierung auf, die Milliarden statt in Kernfusion- und SMR Forschung auf allen Ebenen für die sozial abgefederte Transformation des Energiesystems hin zu 100 Prozent Erneuerbare Energie zu investieren. Die immer wiederkehrenden Atomfantasien in verschiedenen Parteien sind sinnloses Geldverbrennen und gefährliche Gedankenexperimente, denn man kann auf aktuelle und zukünftige Probleme nicht mit Lösungen aus der Vergangenheit antworten. Dass hier die derzeit Regierenden teilweise die gleiche Position vertreten wie die Rechten, hat auch gesellschaftliche Auswirkungen, da das die extrem rechten Parteien legitimiert und wählbarer macht. Seit Jahrzehnten wird der Gesellschaft erzählt, dass die Kernfusion in ca. 20 bis 30 Jahren einsatzbereit sei. Die Forschung verschlingt hohe finanzielle Mittel, die dringend für den Ausbau der dezentralen Infrastruktur für Erneuerbare Energien gebraucht werden, wie zum Beispiel Speichertechnologien.

Der BUND Naturschutz fordert weiterhin die Stilllegung des Forschungsreaktors München II (Garching) sowie ein Szenario zur sicheren Behandlung, sowie Lagerung der abgebrannten hochangereicherten Brennelemente vor Ort bis zur sicheren Endlagerung. Die geplanten Transporte von Garching nach Ahaus lehnt der BN ab.

Der BUND Naturschutz fordert, dass der Atomausstieg vollendet wird und die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen geschlossen werden.

Atommüll-Lagerung

Der BUND Naturschutz fordert eine Ertüchtigung der drei  Standortzwischenlager in Bayern für hochradioaktiven Abfall nach Stand von Wissenschaft und Technik. Zwischenlager und Behältermanagement müssen auf wesentlich längere Betriebszeiten ausgerichtet werden. In Anbetracht der geopolitischen Lage, sowie den Möglichkeiten durch Spionage- oder Hackerangriffe, Terrorangriffe wie z. B. durch Drohnen müssen die Behälter mit abgebrannten Brennelementen besser geschützt werden. Die Verlängerung des Zwischenlagers Gorleben als
Blaupause für die Verfahren anderer Standorte darf nicht Anwendung finden. Das Minimierungsgebot des Strahlenschutzgesetzes muss eingehalten werden und bei allen Atomanlagen Verwendung finden. Der BUND Naturschutz prüft, mit welchen rechtlichen Mitteln eine schnelle Umsetzung seiner Forderungen möglich sind.

Suche nach einem Atommüll-Endlager

Der BUND Naturschutz fordert die Atommüll-Lagersuche auf Grundlage von wissenschaftlich begründeten Kriterien transparent und mit einer verlässlichen und wirksamen Beteiligung der Öffentlichkeit umzusetzen.

Der BUND Naturschutz fordert einen Standort für ein Endlager für hochradioaktiven Müll mit der bestmöglichen Sicherheit. Die drei Phasen des derzeitigen Standortauswahlgesetzes müssen beibehalten werden, um auf wissenschaftlich und politisch verlässlicher Basis den Standort zu bestimmen.

Im Zuge der Novellierung des Standortauswahlgesetzes lehnen wir eine Beschleunigung auf Kosten von Sicherheit in Form der Zusammenlegung der Suchphasen ab. Die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse
darf nicht für mehr Tempo aufgegeben werden.

BUND Naturschutz in Bayern e.V., beschlossen am 14. Juni 2026 in Deggendorf

Unterstütze umweltFAIRaendern.de - Abonniere den kostenlosen Newsletter.

 

×