Hochradioaktiv: Bundesamt über die Sicherheit der Zwischenlager

Wie sicher ist die Zwischenlagerung hochradioaktiver Atomabfälle? Auf die wachsende Kritik in Sachen Terrorschutz und Laufzeitverlängerung für die Castor-Hallen und den Forderungen nach einer Neubewertung der Sicherheitskonzepte mit Öffentlichkeitsbeteiligung reagiert das zuständige staatliche Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) jetzt mit einer neuen Info-Broschüre. Da viele Sicherheitsmaßnahmen inzwischen der Geheimhaltung unterliegen, ist eine unabhängige Bewertung der staatlichen Maßnahmen immer weniger möglich. Der BUND verweist darauf, dass die Sicherheit „bereits aktuell problematisch“ ist. (Foto: GNS, Castor-Behälter für hochradioaktive Atomabfälle)

Auf die heutige Pressekonferenz des BfE reagiert Atomexperte Thorben Becker vom BUND: „Wir begrüßen, dass sich das BfE mit der Herausforderung einer Atommüll-Zwischenlagerung über die bisher genehmigten Zeiträume hinaus befasst. Anders als die oberste Bundesbehörde sind wir aber der Auffassung, dass die Sicherung und Sicherheit der Castor-Lager bereits aktuell problematisch sind. Defizite gibt es etwa beim unzureichenden Schutz gegen potenzielle Terroranschläge.

Klar ist, dass die Zwischenlager deutlich länger als geplant und bisher genehmigt in Betrieb bleiben müssen, weil mit der Einlagerung des Atommülls in ein tiefengeologisches Lager erst ab 2050 oder deutlich später begonnen werden kann. Zudem fehlen an allen Zwischenlagerstandorten spätestens ab dem Zeitpunkt der Stilllegung der Atomkraftwerke, Möglichkeiten zur Reparatur schadhafter Castorbehälter. Auf Grund der längeren Zwischenlagerungsdauer der Castoren muss zudem die mindestens stichprobenweise Überprüfung von Behälterinventaren und Behälterinnenkomponenten regelmäßig erfolgen.

Der BUND verlangt von den zuständigen Politikern in Bund und Ländern, diese Probleme endlich offen zu thematisieren und einen wirklichen Dialog mit der Öffentlichkeit zu führen. Angesichts der zunehmenden Sicherheitsrisiken muss unter Beteiligung der Menschen an den Zwischenlagerstandorten ein neues Zwischenlager-Konzept entwickelt werden. Das „nein“ des Bundesamtes zu einer Beteiligung der Öffentlichkeit an den anstehenden Genehmigungsverfahren zur Einlagerung von Castor-Behältern aus der Wiederaufarbeitung in die Zwischenlager Biblis, Brokdorf, Philippsburg und Isar ist skandalös. Der BUND fordert diese Genehmigungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und Öffentlichkeitsbeteiligung durchzuführen.“

Aus seiner Homepage schreibt das BfE: „Schutz vor Angriffen, Verlängerung der Zwischenlagergenehmigungen, Rückführung bundesdeutscher Abfälle aus dem Ausland: das sind die zentralen Themen, die heute und in den kommenden Monaten die Debatten um die Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle bestimmen. Bei der Vielzahl der Meinungen und Interessen steht für das BfE stets eines im Zentrum: die Frage nach der Sicherheit der Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle. Das BfE hat dazu eine neue Broschüre herausgegeben.

„Bis zur Endlagerung ist es noch ein weiter Weg, auf dem die Sicherheit zu jeder Zeit Priorität haben muss“, schreibt Wolfram König, Präsident des BfE, im Vorwort. „Denn auch für das BfE standen und stehen Sicherheitsfragen der Zwischenlager im Fokus der Arbeit als Genehmigungsbehörde. Neben den jeweiligen Aufsichtsbehörden in den Ländern nimmt das BfE dabei eine Wächterfunktion ein. Es prüft, ob die Betreiber der Zwischenlager die hohen Anforderungen an eine sichere Aufbewahrung erfüllen. Dafür müssen die Antragsteller alle erforderlichen Nachweise bringen. Nur dann kann und wird das BfE eine Genehmigung erteilen.“

Die Broschüre Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle – Sicherheit bis zur Endlagerung gibt einen Überblick über aktuelle und zukünftige Fragestellungen bei der Zwischenlagerung hochradioaktiver Abfälle. Sie befasst sich außerdem mit der Geschichte der Zwischenlager in Deutschland und klärt über Zusammenhänge auf.“

Massive Kritik üben sei Monaten zahlreiche Anti-Atom-Initiativen und Verbände. Zuletzt hatte eine Studie des BUND die Risiken und Mängel aufgelistet und einen Neubewertung mit umfangreicher Öffentlichkeitsbeteiligung gefordert. Auch das Nationale Begleitgremium bei der Endlagersuche fordert eine solche Öffentlichkeitsbeteiligung. Denn Vertrauen in die angelaufene Endlagersuche wird schwer zu erreichen sein, wenn die Zwischenlager mit hochradioaktivem Abfall nicht berücksichtigt werden. Diese Lager werden als direkte Folge der Probleme bei der Endlagersuche deutlich länger in Betrieb bleiben, als bislang von staatlichen Stellen immer wieder beteuert.

Im Zuge der laufenden Genehmigungsverfahren für die zusätzliche Einlagerung von Atommüll aus der Wiederaufarbeitung im Ausland hatte das BfE zuletzt für das Zwischenlager Biblis entschieden, dass es keine Öffentlichkeitsbeteiligung geben wird, obwohl es der verglaste Atommüll andere Anforderungen stellt  und andere Behälter als bislang genehmigt, eingesetzt werden.

Anzunehmen ist, dass auch die Verfahren für die Zwischenlager Isar/Ohu, Philippsburg und Brokdorf, die ebenfalls WAA-Atommüll aufnehmen sollen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollen.

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