Radioaktive Streitereien überall: Erneute AKW-Schutt-Lieferungen nach Sachsen

Was passiert mit den Abrissabfällen aus den stillgelegten deutschen Atommeilern? Einfach auf die Hausmülldeponie oder ins Recycling? Auch wenn der Abbruch nur sehr gering radioaktiv ist: Er strahlt und erhöht die Strahlenbelastung in der Umwelt. Bundesweit regen sich Widerstände bei den Deponien und in der Politik. In Baden-Württemberg oder in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Auch in Sachsen gab es Proteste gegen die Ablagerungen aus dem AKW Stade. Nun zeigt sich dort, dass man die BürgerInnen im großen Stil verschaukelt hat: Der Mitteldeutsche Rundfunk berichtet über den „Streit über erneute AKW-Schutt-Lieferungen nach Sachsen„.

Der Mitteldeutsche Rundfunk berichtet: „Auf Sachsens Deponien lagert für unbedenklich erklärter Schutt alter Atomkraftwerke aus anderen Bundesländern. Nach öffentlichen Protesten sagten die Betreiber 2015 dem Umweltministerium zu, nur noch laufende Verträge zu erfüllen. Diese liefen 2017 aus. Jetzt wurde bekannt: Es gibt eine neue Liefervereinbarung. Sachsens Grüne sind empört, geben dem CDU-geführten Umweltministerium eine Mitschuld, sprechen von Täuschung. Das lässt Amtsinhaber Schmidt nicht auf sich sitzen und schießt zurück. (von Stephan Tittel)“

Freimessen nennt man dieses Verfahren zum Umgang mit sehr gering belasteten Abfällen aus der Stilllegung von Atomanlagen. Anfang der 2000er Jahre von einer rot-grünen Bundesregierung eingeführt und vielfach schon damals von Umweltverbänden wie IPPNW und BUND kritisiert, weil diese Vorgehensweise den Atomkonzernen sehr viel Geld spart, nicht aber den Strahlenschutz der BürgerInnen zum zentralen Anliegen macht.

Unterhalb sehr niedriger Radiokativitäts-Richtwerte dürfen Bauabfälle entweder einfach ins Recycling oder aber auf eine Hausmülldeponie. Sie sind zwar nur sehr gering radioaktiv belastet, führen aber angesichts der Mengen, die unkontrolliert quer durch die gesamte Republik verteilt werden, zu einer erhöhten Umweltbelastung. Bis hin in die Dinge des täglichen Bedarfs, in Stahlprodukten beispielsweise. Anti-Atom-Gruppen fordern deshalb, dass die Freigabe ins Recycling gestoppt wird und spezielle und kontrollierte Deponien eingerichtet werden müssen. Dabei müsste auch geprüft werden, ob dies an den bisherigen AKW-Standorten gemacht werden sollte.

Print Friendly, PDF & Email