Kohleheizkraftwerk Wedel: Betrieb kann für Klimaschutz gedrosselt werden

Vor wenigen Wochen hatte die Fraktion DIE LINKE in der Hamburgischen Bürgerschaft den Vorschlag gemacht, das veraltete und klimaschädliche Heizkraftwerk Wedel wenigstens in den Sommermonaten abzuschalten. SPD und Grüne sowie CDU und Co lehnten das Ansinnen komplett ab. Jetzt legt die Energienetzgenossenschaft eine Studie des Ökoinstituts Freiburg vor, in der ein gedrosselter Betrieb von Wedel als klimapolitisch bedeutsam und wirtschaftlich machbar beschrieben wird. Darüber berichten auch der NDR und andere. UmweltFAIRaendern dokumentiert unten die Studie und die Zusammenfassung der Energienetzgenossenschaft.

Seit Jahren laufen Auseinanersetzungen über den Ersatz des maroden Kohle-Meilers Wedel. Vattenfall hatte den Plan, Wedel durch das nächste Kohlemonster Moorburg zu ersetzen und damit für rund 30 Jahre die Kohle in der Fernwärme- und Stromerzeugung festzuschreiben. Durch den erfolgreichen Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ musste die SPD von diesen Plänen Abstand nehmen, denn nach der vollständigen Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze ist auch eine Ausrichtung der Energieversorgung auf erneuerbare Energie und mehr Klimaschutz vorgeschrieben. Dennoch sind die Planungen für einen Ersatz von Wedel mehr als nur schleppend. Daran hat auch die grüne Umweltbehörde bislang wenig geändert. Dies ist nicht nur klimapolitisch ein Ärgernis. Das Heizkraftwerk Wedel wird auch mit schädlichen Emissionen in Verbindung gebracht, die möglicherweise gesundheitsschädigend sind und die Nachbarn in der Umgebung gefährdet. Weiteren Druck macht dem rot-grünen Senat die angenommene Volksinitiative Tschüss Kohle. Neben dem Abschalten von Wedel geht es dabei auch um das ebenfalls mit Kohle befeuerte Heikraftwerk Tiefstack, das deutlich vor 2030 abgeschaltet werden soll, so die Vereinbarung zwischen der VI und dem Senat.

 

Dokumentation von der Seite der Energienetzgenossenschaft Hamburg:
Öko-Institut-Gutachten empfiehlt Wedel-Kraftwerk im Sommer mit reduzierter Leistung zu fahren

Hamburg, 31.1.2020 Die EnergieNetz Hamburg eG hat heute die Ergebnisse des von ihr beim Öko-Institut in Freiburg beauftragten Gutachtens zum Sommerbetrieb des Heizkraftwerk Wedel vorgestellt.

Als Ergebnis wird festgestellt, daß anhand der vorliegenden Informationen ein reduzierter Betrieb des HKW Wedel ohne Gefährdung der Wärme- und Stromversorgung möglich ist. Die Autoren des Gutachtens, die auch ähnliche Fragestellungen beim Münchner Kohlekraftwerk untersucht haben, empfehlen der Freien und Hansestadt Hamburg eine veränderte Fahrweise der Anlage in Wedel, die die Versorgungssicherheit gewährleistet und gleichzeitig den jährlichen Einsatz an Kohle deutlich reduziert. Die Gutachter beschreiben zwei Umsetzungsalternativen: Entweder die Vorgabe eines Jahres-Kohle-Budgets oder die Beschränkung der Stromerzeugung im Sommer auf die technisch erforderliche Mindestlast. Sie empfehlen ein Jahres-Kohle-Budget, da es mehr Flexibilität für die Betreiberin bietet.

Ein reduzierter Einsatz der Anlage in Wedel führt zu Erlöseinbußen. Diese Einbußen sollten von der Stadt Hamburg als Eigentümerin der Wärme Hamburg GmbH getragen werden und nicht auf die Wärmekunden umgelegt werden.

Den Mehrkosten bei der Wärme Hamburg steht eine deutliche CO2-Minderung gegenüber. Die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen wird vorrausichtlich für die Stadt Hamburg mit CO2-Minderungskosten verbunden sein, die niedriger liegen als die anderer Klimaschutzmaßnahmen im Zuständigkeitsbereich der Stadt. Deshalb ist damit zu rechnen, dass eine sachgerecht ausgestaltete Beschränkung des Betriebs des HKW Wedel eine für Hamburg relativ kostengünstige Maßnahme zur CO2-Reduktion darstellt.

Gleichzeitig werden durch eine verringerte Stromproduktion im Kraftwerk Wedel alle Strom-verbraucher in Hamburg unmittelbar durch geringere Umlagen für vermiedene Netznutzungsentgelte entlastet. Dies ist ganz im Sinne einer sozial gerechten Energiewende, der sich Hamburg bereits im Klimaschutzgesetz vom Juni 2019 verpflichtet hat.

Matthias Ederhof dazu: „Die Gutachtenergebnisse sind ein direkter Arbeitsauftrag für die am 23. Feb. neu zu wählende Hamburger Bürgerschaft und den dann neu zu bildenden Senat. Die Wärme Hamburg braucht jetzt schnell eine politische Vorgabe für eine klimaschutz-orientierte Fahrweise der beiden städtischen Kohlekraftwerke Wedel und Tiefstack.Im Einklang mit dem Hamburger Klimaschutzgesetz ergibt sich dadurch für die Stadt Hamburg die Möglichkeit, kurzfristig und eigenverantwortlich die größtmögliche CO2 Einsparung im Bereich der Energieversorgung umzusetzen, alle Stromverbraucher Hamburgs zu entlasten ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden.“

Hintergrund und Anlass des Gutachtens:

Im Zuge der vollständigen Rekommunalisierung der Wärmeversorgung wurde auch das kohlebefeuerte Heizkraftwerk (HKW) Wedel im September 2019 von der Wärme Hamburg GmbH übernommen. Es speist Wärme in das zentrale Fernwärmenetz der Wärme Hamburg  und Strom in das 110 KV-Netz der Stromnetz Hamburg ein. Die Hamburgische Bürgerschaft hat im KlimSchGesetz vom Juni 2019 beschlossen, dass der Einsatz von Stein- oder Braunkohle in den eigenen Anlagen zur Wärmeerzeugung bis spätestens Ende 2030 eingestellt und im Zeitraum davor  „den Einsatz von unmittelbar aus Stein- oder Braunkohle produzierter Wärme […] möglichst weitgehend zu vermeiden.

Der Gutachtenauftrag an das Ökoinstitut in Freiburg lautete: „Möglichkeiten eines reduzierten Sommerbetriebs des Kohleheizkraftwerks Wedel“

Hier das vollständige Gutachten vom 30.1.2020 zum Download…

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