Auch die zum An- und Abfahren übliche Prüfung von Ventilen mit Austritt von reinem Wasserdampf wird zum letzten Mal für die Anwohner wahrnehmbar sein. Der Reaktorkern wird mit 72 neuen Brennelementen beladen und enthält damit keine Brennelemente mehr aus dem Material, an dem im Jahr 2017 an einer Fertigungscharge erhöhte Oxidschichten aufgetreten waren. Damit werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das Kraftwerk uneingeschränkt betrieben werden kann.
Das letzte Revisionsprogramm umfasst zahlreiche routinemäßige Instandhaltungsarbeiten wie Prüfungen, Wartungen und Inspektionen. Insgesamt fließen rund 12 Mio. Euro in die Sicherheit und Verfügbarkeit der Anlage.
Anlagenleiter Uwe Jorden: „Diese Revision ist für uns in jeder Hinsicht etwas Besonderes: Zum letzten Mal werden wir die Anlage einer Überprüfung unterziehen, bevor wir sie voraussichtlich Mitte Oktober ein letztes Mal mit dem Stromnetz verbinden werden. Darüber hinaus steht die Revision ganz im Zeichen der Covid-19-Vorsorgemaßnahmen. Zum Schutz unserer Mitarbeiter, der Servicekräfte und der Dienstleister am Standort setzen wir ein umfassendes Schutzkonzept um, das sich bereits an anderen Kraftwerksstandorten bewährt hat und den strengen hygienischen Arbeitsstandards Rechnung trägt.“
Über die Maßnahmen haben sich das zuständige Dezernat des Kreises Steinburg, die Arbeitsschutzbehörde der staatlichen Unfallkasse und die atomrechtliche Aufsichtsbehörde im Vorfeld informieren lassen.
Seit dem Brennelementwechsel im letzten Jahr wurden im Kernkraftwerk Brokdorf rund 13,7 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Mit seiner jährlichen Stromproduktion steuert das Kraftwerk rund ein Viertel der gesamten Stromerzeugung des Landes Schleswig-Holstein bei und hat damit einen großen Anteil an der Grundversorgung. Dazu Anlagenleiter Jorden: „Unseren Auftrag, das Land Schleswig-Holstein sicher, zuverlässig und klimafreundlich mit Strom zu versorgen, werden wir bis zum letzten Tag unseres Betriebs im kommenden Jahr mit größter Aufmerksamkeit und Leidenschaft erfüllen.“
BROKDORF/KIEL. Das Kernkraftwerk Brokdorf wird am Samstag (19. September) zum letzten innerhalb der gesetzlichen Restlaufzeit vorgesehenen Brennelementwechsel und zu der damit verbundenen Revision vom Netz genommen. Wie bei jeder Revision werden umfangreiche Prüfungen, Instandhaltungsarbeiten und Maßnahmen zum Erhalt und zur Erhöhung der Sicherheit der Anlage durchgeführt.
Im Rahmen der geplanten Inspektionen werden die aktuell eingesetzten Brennelemente wie bereits in den vergangenen Jahren auf erhöhte Korrosion kontrolliert. Die Betreibergesellschaft (PreussenElektra) will darüber hinaus künftig auf den Einsatz von Brennelementen aus dem im Brennelementwechsel 2017 auffällig gewordenen Werkstoff vollständig verzichten und den Reaktordruckbehälter mit 72 neuen Brennelementen aus dem Werkstoff eines anderen Herstellers beladen, der sich im Kernkraftwerk Brokdorf bewährt hat. Damit beabsichtigt die Betreibergesellschaft die Voraussetzungen für den Entfall der wegen des korrosionsauffälligen Werkstoffs behördlich erlassenen Betriebsbeschränkungen zu schaffen. Die geplante Kernbeladung ist so ausgelegt, dass das Kernkraftwerk Brokdorf damit bis zum Ende der Restlaufzeit, Ende 2021, betrieben werden kann.
Zum Wechseln der Brennelemente ist es notwendig, den Reaktordruckbehälter zu öffnen. Dem Fortgang der Arbeiten entsprechend erfolgt dies in den ersten Tagen der für ca. vier Wochen geplanten Revision. Zu Beginn und zum Ende der Revision werden unter anderem auch wieder Funktionsprüfungen an Ventilen im nicht-nuklearen Wasserdampfkreislauf durchgeführt. Dabei kommt es zum Austritt von reinem Wasserdampf in die Umgebung und zu Geräuschentwicklungen kommen, die außerhalb des Kraftwerks wahrnehmbar sind.
Eine besondere Herausforderung bei der diesjährigen Revision stellt der Schutz der beteiligten Personen und der ortsansässigen Bevölkerung vor COVID-19 dar. Die Betreibergesellschaft hat ein umfassendes Schutzkonzept erstellt, mit dem das Infektionsrisiko begrenzt werden soll und dieses mit Gesundheitsbehörde, Arbeitsschutz und Aufsichtsbehörde abgestimmt. Dazu gehören besondere Maßnahmen der Arbeits- und Personalsteuerung, so dass die zeitgleich in der Anlage anwesende Personenanzahl auf 500 begrenzt wird, sowie die Vorhaltung zusätzlicher Flächen, Räume und Sanitäreinrichtungen zur Entzerrung von Personenströmen. Mit diesen Maßnahmen soll u.a. die Einhaltung der Abstandsregelungen gewährleistet werden. Vorsorglich wird eine COVID-19-Teststation auf dem Gelände des Kernkraftwerks eingerichtet.
Sämtliche Arbeiten werden von der Atomaufsichtsbehörde intensiv kontrolliert. Dies schließt auch die Einhaltung der Grenzwerte, wie die Ableitungen radioaktiver Stoffe in Luft und Wasser sowie die durch die Arbeiten in der Anlage bedingte Strahlenexposition, ein. Die Atomaufsichtsbehörde wird Sachverständigenorganisationen wie TÜV NORD EnSys, ESN SZ und ZPP im erforderlichen Umfang hinzuziehen.
Hintergrund:
Die nach der Betriebsgenehmigung des Kernkraftwerks Brokdorf erforderliche Zustimmung der Atomaufsicht zum Wiederanfahren der Anlage nach der Revision wird u.a. abhängig gemacht von der Behebung aufgetretener Mängel, der Erfüllung von Anordnungen und Auflagen und der Realisierung von Ertüchtigungsmaßnahmen.
Das Kernkraftwerk Brokdorf ist eines von drei Kernkraftwerken in Schleswig-Holstein. Während die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel in Folge des Atomausstiegs keine Berechtigung zum Leistungsbetrieb mehr haben und sich das Kernkraftwerk Brunsbüttel bereits in Stilllegung befindet, darf Brokdorf laut Atomgesetz noch bis längstens Ende 2021 Strom produzieren. Für die Zeit danach wurde von der Betreibergesellschaft bereits ein Antrag auf eine Stilllegungsgenehmigung gestellt, über den in einem gesonderten Verfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit entschieden werden wird.