Krieg in der Ukraine: Großbritannien liefert panzerbrechende Uran-Munition – Mediziner:innen warnen

Im Kampf der Ukraine gegen russische Truppen könnte künftig auch Uran-Munition zum Einsatz kommen. Das abgereicherte Uran ist extrem hart und kann daher gepanzerte oder verbunkerte Ziele besonders gut durchschlagen. Großbritannien hatte Lieferungen solcher Waffen an die Ukraine jetzt angekündigt. Als Folge eines Einsatzes derartiger Waffen werden über die kriegerischen Wirkungen hinaus radioaktive Partikel großflächig und dauerhaft in der Umwelt verteilt und könnten damit zu langanhaltenden Schädigungen für Mensch und Umwelt führen. Die mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Internationalen Ärzt:innen gegen Atomkriegsgefahren (IPPNW) warnen vor dem Einsatz derartiger Waffen.

Abgereichertes Uran entsteht in großen Mengen bei der Anreicherung von Uran, damit es für die Kernspaltung genutzt werden kann. Einerseits braucht es auf 2 – 5 Prozent angereichertes Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken. Für den Einsatz von Atomwaffen wird das spaltbare Uran 235, welches nur zu 0,7 Prozent im Natururan enthalten ist, auf bis zu 90 Prozent angereichert. Die dabei enstehenden großen Mengen abgereichertes Uran werden aufgrund der enormen Härte und Durchschlagskraft teilweise zu panzerbrechenden Waffen verarbeitet und sind in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder in Kriegshandlungen eingesetzt worden. Siehe dazu auch unten die Informationen der IPPNW.

Laut einer Meldung bei z.B. t-online hatte Großbritannien die Lieferung von so genannter Uran-Munition im Zusammenhang mit Panzerlieferungen angekündigt: „Am Montag hatte die britische Regierung mitgeteilt, dass sie zusätzlich zu den bereits versprochenen Kampfpanzern vom Typ Challenger 2 der Ukraine auch Munition liefern werde. Dazu gehöre panzerbrechende Munition aus abgereichertem Uran, entgegnete Verteidigungsstaatssekretärin Annabel Goldie auf eine Frage im Oberhaus. „Solche Geschosse sind sehr effektiv darin, moderne Panzer und gepanzerte Fahrzeuge zu bezwingen“, betonte Goldie. Putin behauptete, es handele sich um „Waffen mit einer nuklearen Komponente“.“

Dokumentation IPPNW-Pressemitteilung vom 22. März 2023

Ärzt*innenorganisation fürchtet langfristige Gesundheits- und Umweltschäden für die Ukraine

Großbritannien liefert panzerbrechende Uranmunition

Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW verurteilt den Beschluss der britischen Regierung, panzerbrechende Uranmunition (Depleted Uranium, DU) in die Ukraine zu liefern. Durch den Einsatz von DU entstehen zusätzlich weitreichende und anhaltende Umwelt- und Gesundheitsschäden für die Menschen, die bereits unter dem Krieg leiden. Die Ärzt*innenorganisation appelliert an die Bundesregierung, auf Großbritannien und die Ukraine einzuwirken mit dem Ziel, auf die Ausfuhr von Uranmunition zu verzichten. Die IPPNW verurteilt zudem den Einsatz von Uranmunition durch die russische Armee, den das Genfer Internationale Zentrum für humanitäre Minenräumung in einem Fall bereits bestätigt hat.

DU schädigt das Leben auf zweifache Weise: Als Schwermetall ist es ein chemisches Zellgift, als Alphastrahler verursacht es radioaktive Schäden. Beide Wirkungen potenzieren sich. Der Einsatz dieser Munition führt zu toxischen und radiologischen Langzeitschäden. Italien hat im Jahr 2009 den kausalen Zusammenhang von DU-Munition und bestimmten Krebserkrankungen anerkannt und 30 Millionen Euro als Wiedergutmachungsfonds für kranke Soldaten bereitgestellt.

„Munition mit abgereicherten Uran wurde in den Balkan-Kriegen, im Kosovo-Krieg und in den beiden Irakkriegen 1991 und 2003 eingesetzt. Es kam zu einem Anstieg der Fehlbildungen, sowie Krebs bei Kindern und Erwachsenen. Die Ukraine sollte nicht zulassen, dass Soldaten und Zivilbevölkerung im eigenen Land durch den Einsatz von DU-Munition langfristigen Gesundheits- und Umweltschäden ausgesetzt werden“, so die IPPNW-Vorsitzende Dr. med. Angelika Claußen.

Abgereichertes Uran entsteht bei der Anreicherung von Kernbrennstoff für Atomkraftwerke und von waffenfähigem Uran für Atombomben. Weltweit nutzen Militär und Rüstungsfirmen Waffen mit Uranmunition, zum Beispiel um Panzer zu zerstören oder Bunker zu sprengen. Unter anderem besitzen die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland, Griechenland, die Türkei, Israel, Pakistan, Saudi-Arabien und Thailand diese Waffen.

„Bei der Explosion von Uranmunition bildet sich ein Aerosol mit Partikelgrößen im Nano-Bereich. Diese Partikel gelangen durch Einatmen, durch Aufnahme mit dem Wasser oder Nahrungsmitteln, aber auch über Wunden in den menschlichen Körper. Das Uran-Aerosol kann durch den Wind weiträumig verteilt werden. Im Blut gelöstes DU wird in wenigen Tagen über die Nieren ausgeschieden, aber im Skelett eingelagerte Uranpartikel liegen dort jahrelang und bestrahlen die umliegenden Zellen mit Alpha-Teilchen. Das verursacht Knochentumore und Leukämie. Eingeatmete Uranpartikel werden in der Lunge abgekapselt oder in regionale Lymphknoten transportiert, wo sie dauerhaft verbleiben und Krebs erzeugen können“, erklärt Claußen.

Die gesundheitlichen Schädigungen durch Uranmunition für Zivilbevölkerung, Soldaten und Umwelt sind nach Ansicht der IPPNW so gravierend, dass sie international geächtet werden muss.

Den Report „Die gesundheitlichen Folgen von Uranmunition – Die gesellschaftliche Debatte um den Einsatz einer umstrittenen Waffe“ der internationalen Ärzt*innenorganisation IPPNW in Zusammenarbeit mit der International Coalition to Ban Uranium Weapons (ICBUW), finden Sie unter www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Frieden/IPPNW_ICBUW_Report_DU_Munition_2012.pdf

Kontakt:
Lara-Marie Krauße, IPPNW-Pressesprecherin, Tel. 030 / 69 80 74 15, Email: krausse@ippnw.de

 

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Nach dem Atomausstieg: „Lemke will mehr Unabhängigkeit von Russland bei Kernenergie“

Die letzten drei AKWs gehen Mitte April definitiv vom Netz, sagt die Grüne Umweltministerin. Dringend nötig. Und es gibt eine weitere Meldung aus dem BMU: „Lemke will mehr Unabhängigkeit von Russland bei Kernenergie“ (z.B. auf wirtschaft.com). Während Öl und Gas teilweise boykottiert  werden, laufen die nuklearen Lieferungen aus Russland an die EU ohne Probleme weiter. Noch peinlicher: Ausgerechnet im emsländischen Lingen demonstrieren Frankreich und Russland eine Atompartnerschaft der besonderen Art. Künftig wollen die beiden Konzerne im Atomausstiegsland Deutschland ihre nukleare Angebotspalette erweitern. Böse Geschäfte oder Forschungsfreiheit? Die Uranfabriken gehörten stillgelegt. Hier die Meldung der dts-Nachrichtenagentur …

„Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) spricht sich dafür aus, Europa bei der Atomenergie von Russland unabhängiger zu machen. Die Bundesregierung setze sich dafür ein, die europäische Abhängigkeit von Russland „im zivil-nuklearen Bereich zu reduzieren“, sagte die Grünen-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagsausgaben). Europa ist stark abhängig von russischem Uran für Brennelemente.

20 Prozent stammen aus Russland, weitere 20 Prozent aus Kasachstan. Dort wird der Abbau und die Aufbereitung des Urans vom russischen Staatskonzern Rosatom betrieben. Nach Angaben der Europäischen Atomgemeinschaft Euroatom nimmt Russland durch den Uranhandel jährlich mehr als 450 Millionen Euro ein. Während die USA und die EU immer neue Sanktionspakete gegen Russlands fossile Energieträger beschließen, ist die Atomindustrie bis heute von Sanktionen verschont geblieben. „Über die Sanktionen gegen Russland entscheidet die Europäische Union“, sagte Lenke dazu. „Die Beratungen unter den EU-Mitgliedstaaten dazu dauern an.“ (dts Nachrichtenagentur)“

Quartal 1/2023 – Atomtransporte durch Hamburg: 31 mal radioaktiv über Straße und Hafen

Sechszehn Atomtransporte mit angereichertem Uran für den Betrieb von Atommeilern und weitere 15 radioaktive Transporte mit Uranprodukten oder auch Cobald-Quellen sind von Anfang Dezember 2022 bis zum 2. März 2023 über Hamburgs Straßen gerollt oder durch den Hafen verschifft worden. AKWs in der Schweiz oder in Frankreich haben Brennelelmente aus Schweden erhalten, angereichertes Uranhexafluorid ging von der Fabrik im niederländischen Almelo nach Schweden. Bei den sonstigen radioaktiven Stoffen ist zum Beispiel Uranerz aus Namibia zur weiteren Verarbeitung für Atomkraftwerke umgeschlagen worden, Hexfluorid kam aus Canada und Cobald-60 Quelen gingen in die USA. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Schriftlichen Kleinen Anfrage der Bürgeschaftsabgeordneten Norbert Hackbusch und Stephan Jersch (DIE LINKE)

In zwei Fällen wurde auch Se-75 (Selen) im Zusammenhang mit einer Materialprüfungsanstalt aus Bitterfeld per PKW bzw. LKW in Hamburg transportiert. Bei Kontrollen durch die Polizei wurden einzelne Unregelmäßigkeiten festgestellt, so der Senat. Unstimmigkeiten in den Mitteilungen des Senats und den Listen über Kernbrennstofftransporte, die im Zusammenhang mit Transporten in das französische AKW Golfech stehen, konnte der Senat nach eigenen Angaben wegen der „für die Beantwortung einer Schriftlichen Kleinen Anfrage zur Verfügung stehenden Zeit nicht aufklären.“ Schon eine kuriose Antwort, wenn man bedenkt, dass es hier um angereichertes Uran und Katastrophenschutz geht, sollte beim Transport etwas schief gehen.

Zukunftscamp gegen Atom- und Klimakatastrophe – Unterstützer:innen gesucht!

Gegen die wachsenden Risiken einer Atom- und Klimakatastrophe wollen die beiden mit Nobelpreis ausgezeichneten Organisationen ICAN und IPPNW mit einem Zukunftscamp im Juli 2023 in NRW aktiv werden. Am Luftwaffenstützpunkt Nörvenich, in der Nähe der klimaschädlichen Braunkohle-Tagebaue und -Kraftwerke, wird aktuell der Atomwaffen-Einsatz geprobt. Im Ernstfall werden von deutschen Piloten diese Atombomben in die von der NATO vorgesehenen Ziele geflogen. Der Standort Büchel in der Eifel, an dem die Waffen sonst lagern, wird „mordernisiert“. Die „Internationalen Ärzt:innen zur Verhütung des Atomkriegs“ (IPPNW) und die „Internationale Campagne für ein Atomwaffenverbot“ (ICAN) haben viel dazu beigetragen, den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen auf den Weg zu bringen. Auch der BUND hat sich der Kampagne ICAN jüngst angeschlossen und fordert von Deutschland, endlich diesen Vertrag zu unterzeichnen.

„Die atomare Bedrohung ist seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wieder stark in die Öffentlichkeit gerückt. Atomanlagen als Kriegsziele, die Gefahr eines atomaren Supergaus und eine mögliche Eskalation hin zu einem Atomkrieg, verängstigen die Menschen, nicht nur in Europa“, erklärt Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender in der genannten PM zur neuen Partnerschaft des Umweltverbandes bei ICAN. Der Atomwaffenverbotsvertrag wurde 2017 in den Vereinten Nationen von 122 Staaten angenommen und trat 2021 in Kraft. „Die Bundesregierung fordern wir auf, dem Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen endlich beizutreten – als klares Bekenntnis gegen diese Massenvernichtungswaffe“, so Bandt.

Das Zukunftscamp von ICAN und IPPNW soll vom 4. bis zum 9. Juli 2023 stattfinden.

Dokumentation: 04.-09. Juli 2023 Nörvenich bei Köln – ICAN- & IPPNW-Zukunftscamp für atomare Abrüstung und Klima-Aktion

IPPNW und ICAN Deutschland laden Euch zu einem Camp zwischen dem Hambacher Forst und der Airbase Nörvenich bei Köln ein!

Am Fliegerhorst Nörvenich übt die Bundeswehr den Einsatz von Atombomben. Die entsprechenden Kampfjets sind zur Zeit hier stationiert, da am Atomwaffenstützpunkt Büchel Umbaumaßnahmen stattfinden. Nörvenich befindet sich nur ein paar Kilometer entfernt vom Hambacher Forst, der zu einem Symbol für erfolgreichen Widerstand gegen Umweltzerstörung geworden ist. Zwischen Hambach und Nörvenich wollen wir für eine Zukunft für alle arbeiten, damit Ressourcen in Klimaschutzmaßnahmen und nicht in Massenvernichtungswaffen investiert werden!

Die US-Atombomben in Deutschland sollen ab 2023 durch das neueste Modell B61-12 ersetzt werden. Jede der in Deutschland stationierten US-Atombomben könnte das Zentrum einer Millionenstadt zerstören.

Zugleich fehlen die Milliarden, die in ihre Aufrüstung investiert werden, zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Folgen.

Wir sagen: Nein zu neuen Atombomben.
Wir fordern den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland und den Beitritt Deutschlands zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag.

Auf dem Programm stehen:
• Workshops und Panels
• Statements von Atomwaffenüberlebenden
und internationalen Gästen
• kreativer Protest und gewaltfreie Aktionen
• Lagerfeuer, vegan/vegetarisches Kochen,
Workshops, Singen und Theater
• Geburtstagsfeier für das Atomwaffen-
verbot am 7. Juli

Wir freuen uns auf Euch!

Infos und Anmeldung:
buechel.nuclearban.de

 

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