Bayern: Hochradioaktiver Atommüll – Einlagerung von Castoren im Zwischenlager bei Isar2 genehmigt

Die zuständige Bundesbehörde hat die Einlagerung von weiteren sieben Castor-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll für das Zwischenlager am AKW Isar in Bayern genehmigt. Dieser brisante Atommüll kommt aus Sellafield in Großbritannien, wo er im Auftrag der hiesigen AKW-Betreiber – auch bayerischen – bei der Plutoniumabtrennung (sogenannte Wiederaufarbeitung) aus deutschen Brennstäben angefallen ist. Entsprechend internationaler Verträge hatte sich die Bundesrepublik verpflichtet, diese Abfälle aus der Plutoniumabtrennung wieder zurückzunehmen. In Bayern streiten vor allem CSU und sogenannte „Freie Wähler“ für eine Laufzeitverlängerung des AKW Isar 2 – wollen aber mit dem angefallenen Atommüll „besser“ nichts zu tun haben. Im Koalitionsvertrag hat sich die Landesregierung als ungeeignet für die Atommüllendlagerung erklärt.

Ein erster Rücktransport derartiger in Glas eingeschweißter Atomabfälle war bereits vor einiger Zeit in das Zwischenlager Biblis erfolgt. Auch zum Zwischenlager nach Brokdorf sollen noch derartige Castor-Transporte folgen. Vergleichbare Abfälle, allerdings aus der französischen Plutoniumfabrik La Hague, sollen auch noch ins Zwischenlager nach Philippsburg gebracht werden. Seit Jahren ist es immer wieder zu erheblichen Verzögerungen bei den Rücktransporten gekommen. Genehmigungen für den Transporte von Castoren aus Sellafield nach Niederaichbach liegen noch nicht vor. Der Transport wird per Schiff vermutlich über Nordenham und dann per Schiene an die Isar gehen.

Im Zuge der Laufzeitverlängerungsdebatte der Regierung CDU/CSU und FDP und der Katastrophe von Fukushima 2009/2011 zeigte sich dann: Die Atomenergie ist in Deutschland am Ende, ein Endlager in Gorleben nur mit Gewalt durchsetzbar. Die Erkenntnis, dass Atomenergie auch in hochindustriellen Staaten wie Japan nicht kontrollierbar ist und die vielen breit getragenen Großdemonstrationen und Widerstandsaktionen der Anti-Atom-Bewegung  führten schließlich zum Neustart bei der Endlagersuche, in der Gorleben schließlich sogar als ungeeigneter Standort ausgeschlossen wurde.
Um den Neustart überhaupt auf den Weg zu bringen, hatte das Bundesland Niedersachsen zugestimmt, dass Gorleben im Verfahren bleiben könne, wenn nicht weiterer hochradioaktiver Atommüll ins Zwischenlager transportiert würde. Dem hatte auch das Bundesland Bayern zugestimmt.

Sieben Castor-Behälter mit in Glas verpacktem hoch radioaktivem Abfall dürfen nach Medienberichten nun laut erteilter Genehmigung ins das Zwischenlager in Niederbayern. Die Genehmigung habe das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) erteilt, teilte die BGZ, die  Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung, mit. Ein Transporttermin stehe noch nicht fest.

UmweltFAIRaendern.de dokumentiert die PM der BGZ zur Einlagerungsgenehmigung: 

Zwischenlager Isar: Aufbewahrung von Wiederaufarbeitungsabfällen genehmigt

NIEDERAICHBACH – Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hat der BGZ die Genehmigung erteilt, sieben CASTOR-Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung im Zwischenlager Isar aufzubewahren.

„Die nun erteilte Genehmigung nach dem Atomgesetz bescheinigt uns, dass das Konzept der Zwischenlagerung trägt und die Behälter im Zwischenlager Isar sicher aufbewahrt werden können“, erläutert Stefan Weber als Leiter der Abteilung Genehmigungen bei der BGZ.

Der Leiter des Zwischenlagers Isar, Markus Luginger, ergänzt: „Die Behälter mit verglasten Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland sollen in den nächsten Jahren vom britischen Sellafield in das Zwischenlager Isar gebracht werden. Ein Termin für den Transport steht noch nicht fest.“ Für die Rückführung sei zudem eine Transportgenehmigung nach dem Atomgesetz erforderlich, die ein von der Energiewirtschaft beauftragtes Unternehmen beim BASE beantragt hat. Diese ist allerdings noch nicht erteilt.

Stefan Mirbeth, verantwortlich für die BGZ-Kommunikation am Standort Isar, erläutert: „Im Jahr 2015 ist ein Konzept zur Verteilung der noch im Ausland lagernden Abfälle aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente mit breitem politischem Konsens verabschiedet worden. Dieses sieht eine bundesweit ausgewogene Verteilung der Behälter vor.“ Damals sind vier Standorte für die Rückführung festgelegt worden: Biblis in Hessen, Brokdorf in Schleswig-Holstein, Isar in Bayern und Philippsburg in Baden-Württemberg. „Diese Verteilung ist fair, denn sie orientiert sich am Verursacherprinzip“, macht Mirbeth deutlich und ordnet ein: „Der meiste Kernbrennstoff wurde aus niedersächsischen AKW zur Wiederaufarbeitung ins Ausland gebracht. Nach Niedersachsen wurden demnach auch 108 CASTOR-Behälter zurückgeführt.“ Mirbeth weiter: „Fast ebenso viel Material wurde aber auch aus bayerischen AKW zur Wiederaufarbeitung ins Ausland gebracht. Nach Bayern wurde allerdings bislang kein einziger CASTOR-Behälter transportiert.“

Nach Hessen ist die Rückführung bereits abgeschlossen: Im November 2020 wurden sechs Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der britischen Wiederaufarbeitung zum Zwischenlager Biblis transportiert. Für Deutschland war dies der erste große Rücktransport von Atommüll in CASTOR-Behältern seit 2011. Er verlief reibungslos und ohne Störungen.

18 weitere CASTOR-Behälter müssen in den kommenden Jahren noch nach Deutschland zurückgeführt werden, davon sieben Behälter in das Zwischenlager Isar. Nach Abschluss der Rückführung werden die Behälter dann in den Bundesländern aufbewahrt, aus deren Atomkraftwerken anteilig die größte Menge an Kernbrennstoff ins Ausland gebracht wurde.

Hintergrund

Bis 2005 wurden Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken zur Wiederaufarbeitung nach Großbritannien und Frankreich transportiert. Gemäß ihren vertraglichen Verpflichtungen müssen die Abfallbesitzer, die Betreiber der Atomkraftwerke, ihre noch im Ausland lagernden Wiederaufarbeitungsabfälle nach Deutschland zurückführen. Zur Rücknahme dieser Abfälle hat sich die Bundesrepublik Deutschland auch völkerrechtlich verpflichtet.

Die BGZ hat von Beginn an proaktiv über die Rückführung informiert, so beispielsweise vor rund 500 Bürger*innen in Niederaichbach. Sie wird diese Kommunikation fortsetzen. Weitere Informationen finden sich auch hier: https://rueckfuehrung.bgz.de/“

 

Atomstrom und Super-GAU in Deutschland werden abgeschaltet

Am Samstag sind Atomstromerzeugung und Super-GAU eines Atomreaktors Geschichte. Als letzte AKWs gehen Landshut 2, Neckarwestheim 2 und Emsland in Lingen am 15. April vom Netz. Es bleiben Atommüllberge mit enormen Risiken und Uranfabriken, die vom Ausstieg bislang ausgenommen sind. Aber dennoch ist es ein großartiger Erfolg der bundesdeutschen Anti-Atom-Bewegung, mit vielen Mühen, mit vielen Erfolgen. Die Kosten der Atomenergie sind nicht nur die unverantwortlichen Umwelt- und Gesundheitsrisiken und der bleibende Atommüll. Es ging immer auch um die Frage nach gesellschaftlicher Macht und Teilhabe, um demokratische Spielregeln. Als sozialer und politischer Konflikt ging es immer auch um die Zukunftsfähigkeit dieser Gesellschaft und dieser Welt.

Eigentlich über alle Jahrzehnte seit den 1970er Jahren war eine gesellschaftliche Mehrheit gegen die Atomenergie. Diese Ablehnung in den Parlamenten aber zur Mehrheit zu bringen und umzusetzen, dafür hat es fast noch mal die letzen Jahre gebraucht. Viele Länder haben den Weg des atomaren Wahnsinns nicht beschritten. Andere haben nach den Katastrophen von Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima ihren Einstieg zum Ausstieg gemacht. Wer heute noch an Atomkraft festhält, der muss sich angesichts von Kosten und Risiken fragen lassen, ob er nicht vielleicht militärische Motive hat. Frankreich hat das mit seinem Präsidenten Macron zuletzt deutlich angesprochen. Zum Atomstrom gehört immer auch das Risiko der Atomwaffe. Der BUND hatte erst vor wenigen Wochen seinen Beitritt zur „Internationalen Kampagne für ein Atomwaffenverbot“ erklärt und ist nun Partner von ICAN. Deutschland müsse den Atomausstieg vollenden und den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen unterschrieben, so der BUND.

Informationen zu den Demonstrationen in München (Isar2) sowie Neckarwestheim und Emsland gibt es hier: Anti-AKW-Frühling. Dort auch Informationen, wie gemeinsam angereist werden kann.

Außerdem zum Thema:

Lieb Vaterland – Udo

Vor einem Jahr habe ich diesen Song, dieses Video von Udo Jürgens hochgeladen. Was das bei umweltFAIRaendern soll, hat komischerweise nie jemand gefragt. Jetzt ist ein Bild als Verstärker dabei, vielleicht eine noch brisantere Lage von Staat und Gesellschaft und Weltlage? Ende des Jahres ist es auch zehn Jahre her, dass Udo Jürgens nach seinem Konzert in Zürich einfach so starb. Hoffentlich hatte er noch einen griechischen Wein. Merci. Und ICH GLAUBE … .

Mit dem Bus zum Atomausstieg: Atommeiler werden stillgelegt – Uranfabriken müssen folgen

BUND, .ausgestrahlt und viele Anti-Atom-Organisationen werden am 15. April die Abschaltung der letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland feiern. Anti-Atom-Frühling heißt die Kampagne. Während die Stilllegung von Isar 2 in München gefeiert wird, begleiten Umweltverbände und Gruppen die Abschaltung in Neckarwestheim 2 direkt am Reaktor. Im emsländischen Lingen werden sie die Reaktorabschaltung begrüßen, aber auch die Stilllegung der Uranfabriken einfordern, die bislang von diesem Atomausstieg ausgeklammert bleiben. Im Norden gibt es unter anderem die Möglichkeit, mit einem Bus ab Hamburg über Bremen anzureisen. Auch für Menschen in Schleswig-Holstein und im nordöstlichen Niedersachsen vielleicht interessant. Der Bus hat auch einen Zwischenhalt in Harburg.

Am 15. April werden die letzten drei Atomreaktoren in Deutschland abgeschaltet – ein Erfolg, der vor allem den Umweltverbänden und noch mehr den Menschen zu verdanken ist, die dafür seit Jahren auf die Straße gehen. Doch der Protest muss weitergehen: Obwohl es bis heute weltweit keine Endlagerstätte für den hochradioaktiven Müll gibt, produzieren die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen weiter und unterstützen damit den Betrieb von Atomkraftwerken weltweit.

Die Brennelementefabrik in Lingen wird ihre Produktion sogar noch deutlich steigern und AKW mit Brennelementen aus Deutschland beliefern.

Das ist kein Atomausstieg. Wir werden daher weiter gebraucht!

Erfolge feiern und weiterkämpfen für den wirklichen Ausstieg – gleich aus zwei guten Gründen fahren wir nach Lingen und haben dafür einen Bus am 15.04. zum AKW und zur Brennelementefabrik organisiert.

Zeitplan für den Bus und die Demo

7:30 Uhr Hamburg Hbf (Kirchenallee Höhe Schauspielhaus)

8:00 Uhr Bahnhof Harburg Zustieg hier (Uhrzeit wird ggf. noch korrigiert)

9:45 Uhr Zustieg Hugo-Schauinsland-Platz (vor dem Cinemaxx-Kino am Hauptbahnhof Bremen) (Uhrzeit wird ggf. noch korrigiert)

Start: Auftaktkundgebung an der Brennelementefabrik 13.00 Uhr
Demo: 14.30-15.00 Uhr von Brennelementefabrik zum AKW
Abschlusskundgebung ab 15.00 Uhr am Haupttor des AKW

Mehr zur Veranstaltung findet Ihr hier.

Die Rückfahrt in Lingen startet um 17:00 Uhr.

Plätze im Bus könnt Ihr hier reservieren.

Kosten: Jede*r soviel sie/er kann und möchte!

SICHER DIR DEINEN PLATZ FÜR DEN BUS

Lasst uns den Atomausstieg gemeinsam zu Ende bringen!

Hochradioaktiver Atommüll – Geiselhaft für künftige Generationen oder alles unter Kontrolle?

Klar ist: Bis der hochradioaktive  Atommüll aus der Atomstromerzeugung unter die Erde kommt, wird er noch jahrzehntelang oberirdisch aufbewahrt werden. Geplant war das mal alles anders und entsprechend waren auch die Sicherheitskonzepte für die ehemals Zwischenlagerung genannte Aufbewahrung angelegt. Und immer mehr sehen wir: Atomanlagen und Terror- und Kriegsgefahren bieten extrem zusätzliche Risiken des Atomstroms. Nach 40 Jahren oberirdischer Lagerung sollte der Atommüll – in neue Behälter verpackt – tief unter die Erde gehen, so eingebaut, dass künftige Generationen für eine Million Jahre sicher leben könnten, ohne sich um diesen Müll jemals kümmern zu müssen. Das war auf vielfältige Weise nicht zutreffend. Was aber machen wir nun, wenn klar ist, dass dieser aberwitzig gefährliche Atommüll möglicherweise noch im Jahr 2080 einfach an über 15 Standorten quer in der Bundesrepublik rumlagert? Der Atommüllreport wird sich auf einer Fachtagung im Juni 2023 in Hannover mit dem Problem befassen. Das Nationale Begleitgremium bei der Endlagersuche hat sich vor wenigen Tagen erst mit dem Desaster befasst. Klimakatastrophe, Atomkatastrophe? Brauchen wir Heiße Zellen und verbunkerte, tiefergelegt neue Langfrist-Lager?

Die Debatte um den weiteren Umgang mit dem hochradioaktiven Atommüll hält seit Jahrzehnten an. Gelöst ist nichts, ein Endlager gibt es nicht. Die Zwischenlagerung war für nur 40 Jahre geplant. Nun dürften es 100 Jahre werden, bevor dieser Müll – wenn überhaupt – jemals tief in die Erde kommt. Nichts ist klar, aber alles unter Kontrolle. Jedenfalls wenn man den staatlichen Stellen und den ihr gehörenden Atommüll-Gesellschaften mit begrenzter Haftung glauben will. Wo die Bundesgesellschaft für Endlagerung nicht klar kommt, hilft die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung und dann kommt ja noch das Bundesamt für Sicherheit der kerntechnischen Entsorgung – BASE, das Bundesumweltministerium, die Bundesregierung – und dann noch die EU und der liebe Gott.

Aber was, wenn ein sehr schneller oder sehr schwerer Flieger in ein Atommülllager donnert – gezielt vielleicht? Oder gar ein Raketenangriff als Terrorangriff oder im Verlaufe von Kriegshandlungen? Was, wenn sich nach 60 Jahren zeigt, dass der Atommüll in den Behältern zerbröselt und in Folge sich eine kritische Masse und eine Explosion im Behälter entwickelt? Was, wenn die Dichtungen bei den Behälterdeckeln nicht dichthalten. Es gibt viele Stellschrauben, die zu radioaktiven Freisetzungen führen könnten. Wie gehen wir mit diesen und vielleicht noch ganz anderen Risiken um? Darüber diskutieren Fachleute oder Betroffene – meist jenseits der medialen Aufmerksamkeit – die in vielen Fäller lieber von neuen Atomkraftwerken schwadroniert.

Zum Thema siehe auch:

NO1 – Dokumentation von der Seite Atommüllreport:

Zwischen. Sicher? Ende? Fachtagung Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle

23. Juni 2023, 11.00 – 16.30 Uhr Raschplatzpavillion Hannover

Spätestens seit der offiziellen Bekanntgabe, dass die Standortsuche für ein tiefengeologisches Lager mehrere Jahrzehnte länger dauern wird, ist offensichtlich, dass eine sichere Zwischenlagerung der radioaktiven Abfälle und bestrahlten Brennelemente für viele weitere Jahrzehnte gewährleistet werden muss. Es muss sichergestellt werden, dass auch im Jahr 2100 eine sichere Lagerung und eine sichere Handhabung der Abfälle möglich ist. Bei einem so langen Zeitraum hilft es nicht weiter, mit besseren Rechenmethoden eine etwas längere Haltbarkeit der Castor-Behälter nachzuweisen oder über Anordnungen den Verbleib der radioaktiven Abfälle in Zwischenlagern ohne Genehmigung zu regeln. Stattdessen muss jetzt ein Konzept für die offensichtlich notwendige Langzeit-Zwischenlagerung erarbeitet werden. Mit der Fachtagung Zwischenlagerung möchte der Atommüllreport einen Beitrag zur Diskussion leisten.

Programm

(Stand 13.03.2023)

11.00 – 11.15 Begrüßung und politische Einführung

11.15 – 12.00 Aktuelle Probleme bei der Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle und Anforderungen an eine sichere Lagerung für die nächsten Jahrzehnte (Oda Becker, Physikerin)

12.00 – 12.45 Was machen andere? Zwischenlagerkonzepte international (N.N.)

12.45 – 13.45 Mittagspause

13.45 – 14.45 15-Minuten-Schlaglichter: (1) Konzeptionslosigkeit bei der Lagerung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle (Ursula Schönberger), (2) Gefahrenpotential für die Zwischenlager in Brunsbüttel und Lubmin durch LNG-Terminals, (3) Kosten der Langzeit-Zwischenlagerung und verlängerten Standortsuche sowie deren Kostendeckung (Prof. Dr. Wolfgang Irrek)

14.45 – 15.15 Kaffeepause

15.15 – 16.15 Gesprächsrunde 

16.15 – 16.30 Ausblick

Teilnahmebeitrag

Im Teilnahmebeitrag sind Verpflegung und Getränke enthalten.

Normal 30.- Euro, Ermäßigung auf Anfrage möglich

Vertreter*innen von Behörden und Firmen 100.- Euro

Anmeldung unter: info@atommuellreport.de

Veranstaltungsort: Raschplatzpavillion Hannover, 5 Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof https://pavillon-hannover.de/

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No 2 – Dokumentation von der NBG-Homepage: End­la­ger­su­che dau­ert län­ger – was nun? Fo­kus Zwi­schen­la­ge­rung, 21.03.2023

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe standen die Zwischenlager in Deutschland im Mittelpunkt. Ihre Genehmigungen laufen in den nächsten Jahren peu à peu aus, da ist noch kein Endlager in Sicht. Durch die jetzige zeitliche Verzögerung, stellt sich die Frage: Wie geht es weiter mit den Zwischenlagern und welche Rolle spielt die Sicherheit dabei?

Viele haben es schon geahnt, manche gewusst, seit Ende letzten Jahres ist es nun offiziell. Die Endlagersuche dauert länger, keine Standortentscheidung also im Jahr 2031. Jetzt ist die Rede von 2046 oder gar 2068 – eine Verzögerung um Dekaden. Und das hat auch gravierende Auswirkungen auf den Umgang mit den Zwischenlagern in Deutschland, wie Armin Grunwald, in seinem Impulsvortrag am Anfang unterstrich. Der Ko-Vorsitzende des NBG gab zunächst einen kurzen Überblick zum Thema.

Endlager – Zwischenlager: zwei Seiten einer Medaille

16 Zwischenlager gibt es in Deutschland – sowohl zentrale wie in Ahaus oder Gorleben, als auch dezentrale Zwischenlager wie in Biblis oder Grohnde. Diese entstanden in den letzten 20 Jahren an den Atomkraftwerken, damit kein aufwendiger Transport der radioaktiven Abfälle nötig ist. Für den Bau sind die jeweiligen Landesbehörden zuständig, betrieben werden die meisten dieser Zwischenlager von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) und die Genehmigungen für den Betrieb stellt das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) aus. Ein feinziseliertes Netz an Zuständigkeiten.

Was alle Zwischenlager verbindet – ihre Genehmigungen für den Weiterbetrieb laufen in den nächsten 24 Jahren aus – in Gorleben bereits 2034. Doch bis dahin gibt es noch kein Endlager. Was macht man in der Zwischenzeit mit den Zwischenlagern? Je länger die Endlagersuche dauert, desto virulenter wird das Problem. Zwei Seiten einer Medaille – davon ist das NBG seit Jahren überzeugt. Auch deshalb und trotz Gegenwind vom Bundesumweltministerium hat sich das Gremium immer wieder mit dem Thema Zwischenlagerung beschäftigt – zuletzt 2022 mit einer eigenen Veranstaltung in Ahaus.

Nicht gewappnet für Krieg

In dieser Tradition setzt das NBG die Diskussion darüber nun mit diesem Online-Austausch fort. Das Ziel: ein Forum für unterschiedliche Sichtweisen bieten. Mit dabei ist unter anderem Josef Klaus, Bürgermeister der bayerischen Gemeinde Niederaichbach.

Er vertritt mit ASKETA auch die Standortgemeinden mit kerntechnischen Anlagen in Deutschland und weiß aus eigener Erfahrung: Die Menschen vor Ort hatten sich notgedrungen mit den Zwischenlagern arrangiert – in der Hoffnung, dass diese mit dem baldigen Bau eines zentralen Endlagers obsolet werden. Die jahrzehntelange Verzögerung der Endlagersuche mischt die Karten nun neu. Die große Sorge: Aus den temporären Zwischenlagern werden de facto Langzeitlager.

Und was ist mit der Sicherheit? Alle Zwischenlager in Deutschland liegen oberirdisch. Der Krieg in der Ukraine zeigt, dass Atomanlagen in Europa zum Ziel von Angriffen werden können. Sind die Zwischenlager in Deutschland gegen solche kriegerischen Attacken überhaupt gewappnet? Nein, sagt Michael Hoffmann. Und er muss es wissen. Er ist Bereichsleiter bei der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). Die Behälter würden schon einiges aushalten, aber die Zwischenlager seien nicht auf eine kriegerische Bedrohung ausgerichtet. Ernüchternde Worte!

Sicherheit als oberste Priorität

Zudem wurden die sicherheitstechnischen Zwischenlager-Genehmigungen für 40 Jahre ausgestellt. Wie kann man in Hinblick auf den neuen Zeithorizont nun gewährleisten, dass die Behälter auch nach 40 Jahren noch intakt sind und z.B. durch Korrosion nicht geschädigt werden? Während Michael Hoffmann von der BGZ auf internationale Forschung verweist und davon ausgeht, dass es auch nach 40 Jahren wenig Verschleiß z.B. an den Behälterdichtungen geben wird, sind da andere Diskussionsteilnehmende eher skeptisch.

Juliane Dickel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fände es jenseits der theoretischen Forschung wichtig, einige Behälter stichprobenartig zu öffnen und sich den Inhalt genauer anzuschauen. Sie sieht auch Nachrüstungsbedarf an den Zwischenlager-Gebäuden und appelliert, die Sorgfalt und Sicherheit nicht unter Zeitdruck über Bord zu werfen.

Befristete oder unbefristete Genehmigungen?

Eine kontroverse Diskussion entbrennt sich auch bei der Frage, wie es nun mit den Genehmigungen für die Zwischenlager weitergeht. Fakt ist: neue müssen her. Doch sollten diese befristet oder unbefristet ausgestellt werden? Florence-Nathalie Sentuc von der Entsorgungskommission (ESK) fände die unbefristete Variante bis zur Benennung des Endlagerstandorts sinnvoll. Natürlich müsse das an regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen gekoppelt werden.

Ganz anders sehen das aber viele teilnehmende Bürger*innen und Umweltaktivisten wie Wolfgang Ehmke. Er sprach von Zwischenlagern als „tickende Zeitbomben“ und sieht unbefristete Genehmigungen äußerst kritisch. Man würde dadurch faktisch aus Zwischenlagern Langzeitlager machen und die Kontrolle – insbesondere durch die Zivilgesellschaft – aus der Hand geben.

Verbindliche Zeitpläne & Entscheidungen

Stattdessen befürworten viele Teilnehmende einen „Masterplan“ für die Zwischenlager-Problematik – besonders unter Einbeziehung der Menschen vor Ort. Denn es gebe – so formuliert es ein Landrat aus Bayern – neben dem Sicherheitsaspekt auch eine gesellschaftspolitische Dimension.

Es geht um einen Zeitraum von Jahrzehnten, der mehrere Generationen umfasst. Wer wird am Ende die politische Verantwortung übernehmen, wenn etwas schiefläuft? Umso wichtiger ist es, Vertrauen aufzubauen und die Öffentlichkeit bei Entscheidungen mitzunehmen. Und wie? Indem z.B. die verantwortlichen Akteure Zeitpläne veröffentlichen, die verbindlich sind und indem sie die Sorgen der Menschen vor Ort ernst nehmen.

All diese Aspekte und Diskussionspunkte aus der Veranstaltung finden Sie auch im Video-Mitschnitt auf unserem Youtube-Kanal.

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