Radioaktives Atomerbe und nukleare Zukunftsdrohungen: Atommüllkonferenz (AMK) und Fachtagung vom Atommüllreport

Die Bedrohungen wachsen, die Atommülllagerung in oberirdischen Hallen bleibt noch für viele Jahrzehnte oder gar 100 Jahre. Und trotz der ungelösten Atommüllentsorgung wird munter an einem radioaktiven Neustart gearbeitet. Dabei würden die Erneuerbaren Energien aus Sonne und Wind für Klimaschutz und Energiewende ausreichen. Die bundesweiten Anti-Atom-Gruppen wollen am 10. Oktober in Göttingen bei über die aktuelle Risiken und Nebenwirkungen der Atomenergie beraten. Der Atommüllreport, ein eher wissenschatlich ausgerichteter Zusammenschluss mehrer Umwelt- bzw. Anti-Atom-Verbände, lädt am 20. November zu einer Fachtagung nach Hannover ein. Thema dort: Kleine Reaktoren, große Fragen: Was steckt wirklich hinter SMR?

umweltFAIRaendern dokumtentiert im folgenden die beiden Veranstaltungen, für die jeweils Anmeldungen erforderlich sind.

29. Atommüllkonferenz

Samstag, 10. Oktober 2026

11.00 – 17.00 Uhr

Volkshochschule Göttingen
Bahnhofsallee 7
37081 Göttingen
[Karte]

Bei der Atommüllkonferenz handelt es sich um ein Treffen der Anti-Atom-Bewegung, das dem gegenseitigen Austausch und der Planung gemeinsamen Vorgehens dient. Sie ist ein fachlich-politisches, parteiunabhängiges Forum für Betroffene und kritische Akteure von den Standorten, an denen sich Atommüll befindet oder die Lagerung vorgesehen ist. Ausdrücklich erwünscht ist die Teilnahme unabhängiger, kritischer Wissenschaftlerinnen und von Vertreterinnen von Verbänden und NGOs, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Auf der 29. Atommüllkonferenz wird es fünf kurze Fachvorträge zu den Brennpunkten Lingen, Schacht KONRAD, sowie den Castortransporten von Jülich nach Ahaus geben. Inhaltliche Schwerpunkte bilden die Konsequenzen der verlängerten Zwischenlagerung, für die Standortsuche für das Atommülllager für hochradioaktive Abfälle und das Freimessen von radioaktiven Abfällen. Wir besprechen die Planungen für das Frühjahr 2027.

In den Arbeitsgruppen werden wir uns mit Zwischenlagerung (AG1), der Standortsuche (AG2), dem Freimessen von radioaktiven Abfällen (AG 3) und ggf. mit den Castortransporten Jülich Ahaus(AG4) beschäftigen.

Einladung/ Programm [.pdf]

Programm

11.00 – 11.15 Uhr Eröffnungsplenum

Begrüßung, politische Einführung Ursula Schönberger und Henning Garbers

11.15 – 12.30 Uhr Fachvorträge I – V

11.15 – 11.30 Uhr Fachvortrag I: Brennelementfabrik Lingen: Genehmigung erteilt – Protest beendet?

Der Einstieg des russischen Staatskonzern Rosatom in die Brennelementfertigung in Lingen ist nun durch die staatlichen Stellen genehmigt worden. Die dabei erteilten Auflagen reichen bei weitem nicht aus, mögliche Sabotage und Spionage durch Russland zu verhindern. Welche Möglichkeiten bestehen nun noch die gefährliche Kooperation zu verhindern und was planen die beteiligten Umwelt-Initiativen und Organisationen?
Helge Bauer von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt berichtet über die geplanten Aktivitäten des Lingen-Bündnis.

11.30 – 11.45 Uhr Fachvortrag II: 152 Castoren von Jülich nach Ahaus – Wie geht es weiter?

Seit Ende März werden voraussichtlich insgesamt 152(!) CASTOR-Behälter mit Brennelement-Kugeln aus dem alten Forschungsreaktor Jülich nach Ahaus transportiert. Ziel der jeweils 170 km langen Fahrt mitten durch das Ruhrgebiet ist das „Zwischenlager“ in Ahaus. Begleitet werden alle Transporte von Protestaktionen eines unermüdlichen Bündnisses nicht nur am Abfahrts- und Zielort. Aktive von vor Ort berichten über die gelaufenen Transporte, die Risiken, die politische Auseinandersetzung und ihre bisherigen Erfahrungen mit Aktionen. Bei Interesse kann sich auch eine Arbeitsgruppe bilden, die über künftige Proteste berät.
Referentin: Marita Boslar(Stopp Westcastor)

11.45 – 12.00 Uhr Fachvortrag III: Wie steht’s eigentlich bei Schacht KONRAD?

Probleme mit der Statik, mit dem Wasserrecht, mit der Logistik – die Liste ist lang, die Errichtung eines Atommüllendlagers in einem alten, maroden Eisenerzbergwerk einfach keine gute Idee. Seit zwei Jahren läuft eine Klage auf Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses und längst ist klar, dass eh noch ein weiteres Lager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall gesucht werden muss.
Zum Sachstand berichtet Ursula Schönberger (Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD)

12.00 – 12.15 Uhr Fachvortrag IV: Sachstand Antrag ZL Gorleben

Am 22. Juni 2026 verkündete die BGZ das Zwischenlager Gorleben um 20 Jahre verlängern lassen zu wollen. Ein gleichlautender Antrag wurde gleichzeitig für das Zwischenlager Ahaus angekündigt. Eingereicht wurde der Antrag schließlich am 29. Juli 2026 in all seiner Knappheit, der in diesem Vortrag kurz skizziert werden soll.
Referent: Rainer Behnecke (Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg)

12.15-12.30 Uhr Fachvortrag V: Sachstand Konferenz zur Standortsuche

Spätestens in 15 Monaten will die BGE ihren Standortregionenvorschlag vorlegen. Aber noch lässt sie die Öffentlichkeit im (türkisen) Dunkel, wo es gerade konkret wird. Parallel läuft mit der geplanten Änderung des Gesetzes quasi die Regeländerung im laufenden Spiel. Der Vortrag soll einen Überblick über aktuelle Diskussionen um die Ausgestaltung der Regionalkonferenz und die Novelle des Stand AG geben und auf die AG am Nachmittag vorbereiten.
Referent: Bernd Redecker (BUND)

12.30 – 13.30 Uhr Mittagspause

13.30 – 15.45 Uhr Arbeitsgruppen

AG 1: Zwischenlagerung

Am Tag vor der Statuskonferenz Zwischenlagerung hat die BGZ den Verlängerungsantrag für Gorleben mit einer Laufzeit von 20 Jahren angekündigt. Wir wägen ab was dieses für die zu erwartenden 100 Jahre Einlagerung bedeutet.
Moderation: Rainer Behnecke und Dr. Peter Widmayer (BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg)

AG 2: Standortsuche: Vorbereitung für eine Konferenz für Betroffene und Interessierte

Am 27.11.26 wird die BGE den nächsten Zwischenstand für die Endlagersuche bekanntgeben. Mit jedem Einengungsschritt wächst das Interesse in den Regionen, die sich dann ausmalen können, definitiv als Endlagerregion festgelegt zu werden. Gleichzeitig arbeitet das Bundesumweltministerium daran, das Standortauswahlgesetz (StandAG) zu novellieren, das erklärte Ziel ist: der Standort soll schneller als  erst in den 70er Jahren feststehen. Wir wollen mit einer Konferenz Betroffenen und Interessierten aus den Regionen ein Angebot machen, sich zu informieren, Mängel des Gesetzes und des Suchverfahrens identifizieren und eine Vernetzung organisieren. Die Konferenz soll im März 2027 stattfinden. In der AG arbeiten wir gemeinsam weiter am Programm.
Input und Moderation: Wolfgang Ehmke (Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg), Jan Warode (BUND) und Bernd Redecker (BUND)

AG 3: Freimessen / Strahlenschutz

Wie immer gibt es zu Beginn einen Erfahrungsaustausch der beteiligten Gruppen. Dazu gehört ein Bericht vom Genehmigungsverfahren zum Abbau des Berliner Forschungsreaktors BER II, bei dem vor einigen Monaten die Öffentlichkeitsbeteiligung mit Online-Konsultation stattgefunden hat. Schwerpunkt-Thema wird sein, die Praxis der Freimessung und vor allem die vorbereitenden Schritte kritisch zu betrachten.
Moderation: Gertrud Patan (Initiative AtomErbe Obrigheim und BBU)

AG 4: Castortransporte 2026

Diese Arbeitsgruppe kann sich spontan bei Bedarf zusammenfinden. Moderation: Marita Boslar (Stopp Westcastor)

15.45 – 16.00 Uhr Kaffee Pause

16.00 – 17.00 Uhr Abschlussplenum

  • Berichte aus den Arbeitsgruppen
  • Aktionsvorschläge, konkrete Planungen
  • Ausblick, Ankündigungen, Absprachen

Anmeldung

Wir bitten um eine Anmeldung (formlos) per Email an anmeldung@atommuellkonferenz.de

Wir bitten bei der Anmeldung um die Angabe der Zugehörigkeit zu Initiativen, Verbänden, NGOs oder Gruppen. Bei keiner oder sonstiger Zugehörigkeit wird im Einzelfall über die Teilnahme entschieden.

Kostenbeitrag
Zur Finanzierung bitten wir um einen Kostenbeitrag von 25,- € (inkl. Tagungsgetränken und -imbiss).
Überweisung an die AG Schacht KONRAD e.V. Konto 4067 8836 00 – GLS Gemeinschaftsbank eG (BLZ 430 609 67)
IBAN DE76 4306 0967 4067 8836 00     Stichwort: AMK
(da die Teilnahme nicht am Kostenbeitrag scheitern soll, kann auf Anfrage davon abgesehen werden)

Veranstaltungsort

Volkshochschule Göttingen, Bahnhofsallee 7, 37081 Göttingen

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Atommüll-Report Fachtagung

SMR: Kleine Reaktoren, große Fragen

Fachtagung Atommüllreport 2026: 

Kleine Reaktoren, große Fragen: Was steckt wirklich hinter SMR?

20. November 2026 | 11:00–16:30 Uhr | Hannover, Pavillon am Raschplatz

Politische, sicherheitstechnische und energiepolitische Folgen der SMR-Debatte zwischen Versprechen, Interessen und Risiken

Die Europäische Union hat im März 2026 eine eigene Strategie zu Small Modular Reactors (SMR) vorgelegt und markiert damit eine politische Verschiebung hin zu einer stärkeren Reaktivierung und industriepolitischen Absicherung der Atomenergie. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Stränge: Leichtwasser-SMR, sogenannte Advanced Modular Reactors (AMR) mit unterschiedlichen Kühl- und Brennstoffkonzepten sowie Mikroreaktoren für sehr kleine Leistungsbereiche und potenziell dezentrale Anwendungen.

Auch in Deutschland gewinnt die Debatte über eine mögliche Renaissance der Atomenergie in Teilen der Politik wieder an Sichtbarkeit – insbesondere in Unionskreisen wird SMR zunehmend als politisches Argument gegen eine konsequent auf erneuerbare Energien ausgerichtete Energiepolitik genutzt und zur Offenhaltung atomarer Optionen herangezogen.

SMR werden häufig mit der Erwartung verbunden, durch Modularisierung, Standardisierung und mögliche Serienfertigung wirtschaftliche und sicherheitstechnische Vorteile zu erreichen. Fachlich ist jedoch seit langem klar, dass eine industrielle „Fließbandproduktion“ solcher Reaktoren mit Anforderungen an nukleare Sicherheit, Zulassung, Qualitätssicherung und internationale Kontrolle nicht vereinbar ist. SMR bleiben damit auch in modularer Bauweise komplexe Einzelanlagen ohne Standardisierung im Sinne industrieller Massenfertigung.

Vor diesem Hintergrund stellt sich weniger die Frage nach ihrer technischen Reife, sondern warum SMR dennoch politisch und industriepolitisch als Zukunftsoption etabliert werden – und welche energiepolitischen Interessen und strukturellen Dynamiken dahinterstehen.

Die Fachtagung Atommüllreport 2026 nimmt diese Entwicklungen in den Blick. Sie analysiert die SMR-Strategie der EU ebenso wie die energiepolitischen Debatten in Deutschland und ordnet die unterschiedlichen Reaktorkonzepte – von Leichtwasser-SMR über AMR bis hin zu Mikroreaktoren – technisch und regulatorisch ein.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Konsequenzen für Atommüll, Sicherheit und Kontrolle. Auch kleinere Reaktoren erzeugen hochradioaktive Abfälle; eine mögliche Ausweitung der Reaktoranzahl würde neue Abfallströme, zusätzliche Standorte und komplexere Transport- und Zwischenlagerketten erzeugen. Damit würden sich auch die Anforderungen an Endlagerung, Sicherung und internationale Kontrolle erheblich verschärfen.

Gleichzeitig wird die energiepolitische Dimension der SMR-Debatte in ihren politischen und strukturellen Zusammenhängen betrachtet: Welche Rolle spielt SMR in der EU-Strategie als industrie- und finanzpolitisches Förderfeld? Welche Akteure und Interessen prägen die Debatte – und welche Rolle spielen öffentliche Finanzierungsinstrumente, Garantien und industriepolitische Absicherungen? Welche Folgen hat dies für die Energiewende, Investitionsprioritäten sowie für Fragen realer Energieabhängigkeit und Energiesouveränität?

Die Fachtagung richtet sich an alle, die die aktuellen atompolitischen Entwicklungen einordnen und die dahinterliegenden energie- und industriepolitischen Dynamiken besser verstehen wollen – von Entscheidungs- und Finanzierungsstrukturen über industriepolitische Weichenstellungen bis hin zu langfristigen Folgen für Umwelt, Sicherheit und Atommüllpolitik.

Programm:

MMR, SMR, AMR – Versprechen und Wirklichkeit. Versuch einer Einordnung
Dr. Christoph Pistner, Physiker, Öko-Institut

SMR und die Atommüllfrage: Abfallströme und Sicherheitsfragen im Realitätscheck
Oda Becker
, Physikerin, Hannover

Kleine Reaktoren – Große Geldgeber: Zur Rolle der Weltbank bei der Renaissance der Atomkraft 
Ute Koczy, Senior Campaignerin urgewald, Schwerpunkt Weltbank

Die SMR-Strategie der EU-Kommission: Nachhaltigkeit und Energiesouveränität?
Patrick Schukalla,
Geograph, IPPNW

Panelgespräch: Austausch zu den zentralen Themen der Fachtagung

Zeit für Austausch
Gemeinsames Mittagessen und Kaffeepause bieten Raum für persönlichen Austausch, Vernetzung und vertiefende Gespräche

Teilnahmebeitrag: 30 € regulär, 10 € ermäßigt (Studierende, Auszubildende, Erwerblose), 100 € für Teilnehmende aus Behörden, Institutionen und Unternehmen

Anmeldung per Mail an info@atommuellreport.de

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