Illusion Kernfusion (des Kaisers Wachstum braucht neue Kleider)?

Atomkernspaltung. Nach wie vor maximale High-Tech mit Folgen für Jahrmillionen. Büxe der Pandora. Ein irres Thema, über das wir reden müssen. High-Tech der Alien.Klasse. Outter Space. An die Grenzen des Universums. An die Grenzen des ökonomisch und ökologisch Sinnvollen, Machbaren? Und demnächst Wasserstoffbombe in Zeitlupe. Kontrolliert? Atomfusion? Wow. Was wären das für Folgen. Schon Atomenergie ist entgegen jeder Behauptung nicht „technologieoffen“. Der strahlende Müll bleibt Aufgabe für Jahrmillionen. Fordert Abschirmung und Sicherung. Was aber mit der Fusion? Grüne Bayern Landtag – Eine Veranstaltung. Werden die „richtigen“ Fragen diskutiert? (Fotos: Ich finde auf der Seite der Grünen Fraktion Bayern keine Hinweise, zu den Rechten und Umgang mit den Bildern. Daher gehe ich davon aus, dass ich diese hier rechte- und honorarfrei Nutzen kann.)

Illusion Kernfusion (des Kaisers Wachstum braucht neue Kleider)?

23. September 2025- 20:00 Uhr – Webinar

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Kernfusion – das ist eines der aktuellen Lieblingsthemen von Markus Söder. Nach den Pleiten bei der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke (2023) und bei der Wiederinbetriebnahme alter AKW (2025) stürzt er sich – zusammen mit der von ihm benannten Bundesforschungsministerin Dorothee Bär – voll und ganz auf die Kernfusion. Für beide ist es die Zukunftstechnologie schlechthin.

Dabei sind es nur wenige, die ernsthaft glauben, dass die Kernfusion in den nächsten Jahrzehnten einen Beitrag zur Energieversorgung leisten kann. Doch der Hype ist groß. Forschungsgelder aus Brüssel und Berlin, aber auch Risikokapital-finanzierte Start-ups sollen nach dem Willen Söders vor allem nach Bayern geleitet werden. Sogar der alte AKW-Standort bei Landshut wird bereits als Standort für den ersten deutschen Fusionsreaktor ins Gespräch gebracht.

Es ist mehr als verwunderlich, dass eine Technologie, die seit Jahrzehnten mit Milliardenaufwand subventioniert wird, und vor allem eine Fülle von nicht eingehaltenen Versprechungen vorweisen kann, immer noch, bzw. wieder gepusht wird.

Darüber spricht Martin Stümpfig, MdL im Webinar “Illusion Kernfusion (des Kaiser Wachstum braucht neue Kleider)?” über alte und neue Entwicklungen sowie aktuelle Probleme dieser Technologie.

Als Referenten informieren uns:

  • Dr. Michael Dittmar, Physiker (i.R.) mit wissenschaftlichem Hintergrund am CERN und an der ETH Zürich
  • Dr. Stephan Worseck, Chemiker (i.R.), Bürgerinitiative “Anti-Atom-Bündnis in Berlin und Potsdam”

Wir freuen uns auf einen informativen Abend und eine spannende Diskussion!

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BUND klagt gegen Atomtransporte durch NRW

Nachdem der Widerspruch gegen die geplanten 152 Atomtransporte mit hoch radioaktivem Atommüll von Jülich nach Ahaus von der zuständigen Genehmigungsbehörde abgewiesen wurde (umweltFAIRaendern berichtete), hat der Umweltverband BUND NRW nun in einer PM mitgeteilt, dass er per Eilantrag Klage vor dem Verwaltungsgericht Berlin eingereicht hat. Damit soll zunächst erreicht werden, dass der erteilte Sofort-Vollzug der Genehmigung von BASE ausgesetzt wird und die Atomtransporte nicht durchgeführt werden können, bis es zu einer Entscheidung in der Hauptsache kommt. Damit unterstützt der Umweltverband die Proteste und Aktionen von Anti-Atom-Gruppen und Umweltschützenden. Die PM des BUND NRW gleich unten als Dokumentation.

  • Anti-Atom-Verbände und Initiativen protestieren gegen die geplanten Atomtransporte. Am 4. Oktober soll eine Demonstration in Ahaus stattfinden. Siehe u.a. hier bei der BI Ahaus (11 Uhr, Rathausplatz in der Ahauser Innenstadt).

Weitere Informationen zu den Hintergründen der geplanten Atomtransporte von Jülich (und München-Garching) nach Ahaus:

Wichtig in der Frage des Sofort-Vollzugs ist das vermeintliche Öffentliche Interesse an der Umsetzung der Genehmigungen. Während BASE diese betont, bestreitet der BUND dieses Interesse.  In seiner Begründung, warum der Sofort-Vollzug der atomrechtlichen Genehmigung auf Antrag von JEN bzw. Orano kein Problem wäre, sagt das BASE u.a.: „Gleichzeitig werden mit dem Transport nach Ahaus keine irreversiblen Fakten geschaffen, da die spätere Abtransportierbarkeit gewährleistet ist.“ Damit beruft sich BASE aus ein aberwitziges Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg im Eilverfahren im Zusammenhang mit einem Atomtransport aus La Hague nach Philippsburg, wo das Gericht meinte: Es wäre kein Problem, den Atommüll aus LaHague einfach wieder zurückzuschicken, wenn im Hauptsacheverfahren sich herausstellt, dass der Atomtransport doch rechtswidrig war.

Hier die Meldung als Dokumentation:

Dokumentation der PM:

BUND geht mit Eilantrag gegen Castortransporte vor

10. September 2025 | Atomkraft, AVR Jülich, Atompolitik, Klima & Energie

Transportgenehmigung soll ausgesetzt werden

    • BASE hält am Sofortvollzug der Transportgenehmigung fest
    •  Klage beim Verwaltungsgericht Berlin eingelegt
    • Kein öffentliches Interesse an Atommülltransporten

Düsseldorf, Berlin | Mit einem beim Verwaltungsgericht Berlin eingereichten Eilantrag geht der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegen die Genehmigung für die Castortransporte zur Beförderung von knapp 300 000 radioaktiven Brennelementen von Jülich nach Ahaus vor. Damit will der Umweltverband erreichen, dass die aufschiebende Wirkung seines Widerspruchs vom 26.08.2025 gegen den vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) erlassenen Beförderungsgenehmigungsbescheid wiederhergestellt wird. Die Klage war notwendig geworden, da das BASE den BUND-Antrag auf Aussetzung der sofortigen Vollziehung der am 25.08.2025 erteilten Beförderungsgenehmigung von Jülich nach Ahaus abgelehnt hat.

Das BASE argumentiert, dass im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Interessenabwägung das öffentliche Interesse sowie das private Interesse der Genehmigungsinhaberin für eine jederzeit ausnutzbare Beförderungsgenehmigung die Interessen des BUND an der aufschiebenden Wirkung des Widerspruchs überwiegen würde und die Anordnung der sofortigen Vollziehung deshalb weiter Bestand haben müsse.Der BUND hält die vom BASE für den Sofortvollzug vorgebrachten Gründe nach wie vor für wenig stichhaltig.  Allein der Umstand, dass der jetzt angeblich so dringlich zu beseitigende Rechtszustand seit 12 Jahren untätig hingenommen wurde, dokumentiere das Fehlen jeglicher Dringlichkeit.

Kerstin Ciesla, stellvertretende Landesvorsitzende des BUND: „Es ist dreist vom BASE, auf einem sofortigen Vollzug zu bestehen. Das Bundesamt argumentiert auch damit, dass bereits bestehende Absprachen in erheblichem Umfang getroffen worden seien und dies ohne Sofortvollzug ‚frustrieren‘ würde. Wir sind aber frustriert, dass man so weit reichende Entscheidungen nicht nach Sicherheitsaspekten, sondern nach der Praktikabilität und Finanzierung trifft.“

Der BUND macht mit seinem Eilantrag geltend, dass der Transport der Brennelemente nicht hinreichend sicher ist und deren Verbringung von Jülich nach Ahaus insbesondere auch keinen Sicherheitsgewinn bringt. Der BUND hatte deshalb auch gegen die eigentliche Transportgenehmigung Widerspruch eingelegt. Bis zur Klärung der Sicherheitsfrage im Hauptsacheverfahren müsse deshalb die Genehmigung außer Vollzug gesetzt werden.

Das BASE wiederum begründete den Sofortvollzug mit dem komplexen Planungsprozess der Transporte und den erheblichen finanziellen Aufwendungen der öffentlichen Hand. „Aber genau das spricht ja dafür, ein anhängiges Rechtsmittelverfahren erst abzuwarten ehe die Castorbehälter auf die Straße geschickt werden“, so Ciesla. „Erst nach juristischer Prüfung ist klar, ob die Transporte überhaupt rechtmäßig sind. Wer dies nicht abwarten will, verpulvert unter Umständen viel Geld und Ressourcen der öffentlichen Hand.“

Inzwischen hat das Verwaltungsgericht Berlin dem BASE mitgeteilt, dass es davon ausgehe, dass eine Durchführung des Transports nicht vor der erbetenen Stellungnahme und Aktenübersendung erfolgt und dem Gericht vorab angekündigt wird.

Verwaltungsgericht Berlin, 10. Kammer, Aktenzeichen VG 10 L 474/25

 

Nobelpreisträger warnen vor wachsenden Risiken eines Nuklearkonflikts – IAEA-Chef befürchtet künftig bis zu 25 Atommächten

Die Warnungen vor einem drohenden Nuklearkonflikt nehmen weiter zu. Die bisherigen Atommächte rüsten ihre Waffenarsenale seit Jahren auf und modernisieren die Sprengköpfe, internationale Kontrollsysteme zur nuklearen Rüstungskontrolle sind in den letzten Jahren fast alle ausgelaufen. Die umkämpften Atommeiler in der Ukraine (Tschernobyl, Saporischschja ) zeigen weitere Atomgefahren, die bislang in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle spielten. Zuletzt bombardierten Israel und die USA die Uran-Anlagen im Iran. Nun warnt der Chef der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEA) sogar davor, dass die Zahl der Atomwaffenstaaten von derzeit neun auf künftig 25 ansteigen könnte. In einer gemeinsamen Erklärung fordern 129 Nobelpreisträger konkrete Maßnahmen zur Verhütung eines Atomwaffeneinsatzes.

Als Atommächte gelten bislang die USA, Großbritannien, Frankreich, Indien, Pakistan, Nord-Korea, Russland, China und Israel.  Von insgesamt 12.000 Sprengköpfe wird ausgegangen, Tendenz steigend.

Zur Kontrolle der vermeintlich friedlichen Nutzung der Atomenergie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg (Hiroshima, Nagasaki) der Atomwaffensperrvertrag ins Leben gerufen. Der erlaubt Atomenergie für die Forschung und Stromerzeugung, nicht aber für militärische Nutzungen. Er verpflichtet allerdings auch die Atomwaffenstaaten zur nuklearen Abrüstung, was seit Jahrzehnten nicht erfolgt. Die wachsende Zahl von Atommächten zeigt obendrein Schwachstellen auf. Daher wurde 2017 nach langen Verhandlungen der Atomwaffenverbotsvertrag durch die Vereinten Nationen verabschiedet. Dafür erhielt die Internationale Campagne für ein Atomwaffenverbot ICAN (ICAN Deutschland) den Nobelpreis. Siehe dazu insbesondere auch die IPPNW.

Beim RND heißt es unter dem angegebenen Link: „Aktuell gibt es neun Länder mit Atomwaffen, diese Zahl könnte sich laut der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bald mehr als verdoppeln. Damit steigt das Risiko eines globalen Nuklearkonflikts. IAEA-Chef Rafael Grossi spricht von einer „unberechenbaren und gefährlichen Welt“.“

Auf Nachfrage erklärte Grossi: „Als weiteren Grund zur Sorge nannte Grossi, dass Machthaber mehrerer Länder angekündigt hätten, sich mit Atomwaffen ausstatten zu wollen. Auf die Frage, auf wen er sich damit beziehe, antwortete er: „Als Direktor der IAEA kann ich das nicht sagen. Es handelt sich um wichtige Länder in Asien, Kleinasien und am Persischen Golf. Eine Welt mit 20 bis 25 Staaten mit Atombomben ist unberechenbar und gefährlich.““

Siehe auch hier/Update: IAEA: An der Zaporizhzhya AKW wurden sechs von sieben Sicherheitsstützen verletzt – Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), Rafael Grossi, äußerte Besorgnis über die instabile Sicherheitslage an den Atomstandorten in der Ukraine. Seinen Informationen zufolge wurden an der Zaporizhzhya AKW (ZAES) sechs Verstöße von sieben ‚Säulen der nuklearen Sicherheit‘ festgestellt. Diese Meldung wird von ‚Glavkom‘ zitiert, unter Berufung auf Daten der IAEA. https://112.ua/de/magate-na-zaporizkij-aes-poruseno-sist-iz-semi-stovpiv-adernoi-bezpeki-88000

Neue Uranbrennstoffe erhöhen militärische Risiken

Die nuklearen Risiken steigen auch deshalb weiter an, weil für neue Atom-Techniken die Produktion von höher angereichertem spaltbaren Uran235 immer weiter ausgebaut wird. Eine dieser Entwicklungen nennt sich HALEU, bei dem Uran235 bis maximal 19,75 Prozent angereichert wird und zur Forschung und Entwicklung z.B. neuer Atomreaktoren dienen soll. Atomexperten waren international davor, dass mit neuen Technologien bereits derartige Anreicherungen für nukleare Zündungen ausreichend sind.  Die weitere Verbreitung dieses HALEU-Brennstoffs könnte damit die Risiken auch militärischer Anwendungen deutlich verschärfen.

Erst letztes Jahr haben Experten in den USA vor der Entwicklung und Verbreitung dieses HALEU-Brennstoffes massiv gewarnt. In einer Veröffentlichung im Magazin Science warnen sie, dass dieser Uranbrennstoff ohne weiteres auch für militärische Zwecke missbraucht werden könnte und auch für Atomwaffen nutzbar wäre. Dazu einige Quellen: https://www.scinexx.de/news/energie/wie-gefaehrlich-ist-haleu-uran/ // https://www.science.org/doi/10.1126/science.ado8693  // https://interestingengineering.com/culture/haleu-fuel-weaponization-risk  // https://www.eurekalert.org/news-releases/1046755

Schon in den letzten Jahren werden die Grenzen des Atomwaffensperrvertrags abgesenkt. Damit sind nicht die Maßnahmen des Irans gemeint, der sein Nuklearprogramm mit hohen Urananreicherungen von um die 60 Prozent (zu Forschungs- und Medizinzwecken, wie es dort amtlich heißt) gemeint und zu den Angriffen Israels und der USA führten.

Zivile Reaktoren für Tritium-Erzeugung zur militärischen Nutzung

Um Tritium herzustellen, welches für die Sprengköpfe von Nuklearwaffen als Verstärker benötigt wird, hatten die USA damit begonnen, in zivilen Atomkraftwerken besondere Absorber einzusetzen. In diesen wird das Tritium während der Kettenreaktion zur Stromerzeugung durch Bestrahlung im Reaktor hergestellt und später in militärischen Anlagen abgetrennt und für die Sprengköpfe genutzt. Auch in Frankreich soll das nun künftig im AKW Civaux so gemacht werden. Damit werden auch im Westen die Grenzen zwischen ziviler und militärischer Nutzung immer mehr verwischt.

 

 

Atomforschungsreaktor München Garching 2000 Tage außer Betrieb

Seit nunmehr 2000 Tagen ist der Atomforschungsreaktor Garching außer Betrieb. Zuletzt hatten immer neue Probleme bei der Reparatur an einem Herzstück der Anlage zu weiteren Verzögerungen beim Versuch einer Inbetriebnahme geführt. Die Grüne Landtagsfraktion in Bayern  erinnert jetzt in einer PM an Pannen und Störfalle der letzten Jahre und fordert eine Aufarbeitung. Der Atomforschungsreaktor setzt hochangereichertes, waffenfähiges Uran als Brennstoff zur Herstellung von Neutronen für Forschungszwecke ein. (FOTO: FRM II)

Daran gibt es seit Jahrzehnten massive Kritik. Dennoch haben Gerichte zuletzt den weiteren Betrieb mit diesem Brennstoff gegen Klagen vom BUND Naturschutz Bayern bestätigt. In den nächsten sollen außerdem Atomtransporte mit dem verbrauchten hochaktiven Atommüll von Garching nach Ahaus stattfinden. Aufgrund der damit verbundenen Risiken bestehen höchste Sicherheitsanforderungen auch mit Blick auf den Terrorschutz.

Dokumentation PM Grüne Landtag Bayern.

5. September 2025 – Forschungsreaktor FRM II: 2000 Tage „Herzstillstand“

Landtags-Grüne kritisieren Schönrederei und kündigen Anfrage zur Aufarbeitung der zahlreichen Pannen an

München (5.9.25/fsa) „Am Garchinger Forschungsreaktor herrscht seit 2000 Tagen Herzstillstand“, so Claudia Köhler, Grünen-Landtagsabgeordnete aus dem Landkreis München. Sie bezieht sich auf Staatskanzleiminister Dr. Florian Herrmann, der noch im letzten Jahr überschwänglich schwärmte: „Hier schlägt das Herz der deutschen Kerntechnik-Forschung!“

Claudia Köhler: „Ein guter Kardiologe wäre der Minister nicht. Denn am kommenden Wochenende sind es 2000 Tage, seitdem der Reaktor keine Neutronen mehr produziert. Und es ist immer noch kein Ende abzusehen, schon gar nicht mit der lang geforderten Umrüstung und der Abkehr von hochangereichertem Uran. Es ist höchste Zeit, Schluss zu machen mit dem Schönreden und stattdessen endlich zu handeln.“

Die letzten Neutronen wurden in Garching am 16. März 2020 produziert.

„Durch eine beispiellose Schlamperei wurde damals ein Abgasschlauch nicht angeschlossen und dadurch innerhalb von zwei Wochen mehr als die erlaubte Jahresemissionsmenge des radioaktiven Stoffs C14 in die Luft geblasen“, stellt Claudia Köhler fest. In der Konsequenz musste der Betrieb umgehend eingestellt werden. Das gesamte Sicherheits- und Betriebskonzept kam auf den Prüfstand und musste überarbeitet werden.

Doch das war erst der Anfang einer Pannenserie:

  • Ein Jahr später, 2021, meldete sich die sogenannte „Kalte Quelle“, eine zentrale experimentelle Komponente, vom Dienst ab. Sie erzeugte nicht mehr genügend „kalte“, also langsame Neutronen; eine Reparatur war nicht möglich. Sie musste vollständig ausgebaut und ersetzt werden.
  • Im Januar 2022 meldete die TU München den dramatischsten Rückschlag: Am Zentralkanal trat ungeplant, aber kontinuierlich Flüssigkeit aus. Auch hier: keine Reparatur möglich, ein vollkommener Ersatz war nötig. Dabei stellte sich heraus, dass es nicht einmal eine ausreichende Dokumentation über die Herstellung dieses Zentralkanals gab. Es musste von vorne die Suche nach einem Lieferanten begonnen werden. Die Herausforderung besteht darin, Material zu finden, das den Neutronenbeschuss aushält.
  • Im 1. Quartal 2024 kündigte die TU an, wieder in Betrieb gehen zu können. Doch in nahezu regelmäßigen Abständen wurde dieser Termin verschoben, zuletzt auf Ende 2025 – der Termin ist nach Ansicht der Landtags-Grünen nicht mehr zu halten.

Markus Büchler, Grünen-Landtagsabgeordneter aus Oberschleißheim, erklärt: „Seit sieben Jahren lenken die CSU-Minister und die TU mit Leuchtturmgefasel und Pressemeldungen von der Schlamperei ab. Immer wieder werden wider besseres Wissen eine Wiederinbetriebnahme und angebliche Durchbrüche für die Umrüstung weg vom hochangereicherten Uran (HEU) angekündigt und die Öffentlichkeit hingehalten.“

„In Wirklichkeit ist der FRM II seit Jahren mehr Baustelle als Forschungsstätte. Schon vor den 2000 Tagen Stillstand gab es anhaltende Korrosionsprobleme, Probleme beim Transport von Brennelementen und immer wieder ‚Wartungspausen‘. Der internationalen Forschung hat man 87 Brennelemente-Zyklen versprochen, geschafft hat man mit 47 gerade mal gut die Hälfte. Wenn das so weitergeht, ist der FRM II ein herausragendes Symbol für Aussitzen und Geldverschwendung in der Spitzenforschung“, so Markus Büchler.

Die Grünen-Abgeordneten kündigen eine Anfrage (Anhang) an, in der sie klare Aussagen und zeitnahes Handeln von der Staatsregierung einfordern, um den Ruf Bayerns als verlässlicher Wissenschaftsstandort zu sichern.

Die eingereichte Anfrage ist hier:  

Schriftliche Anfrage
der Abgeordneten Claudia Köhler, Dr. Markus Büchler, Martin Stümpfig BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN vom 02.09.2025

Zum Ersatz des Zentralkanals am Forschungsreaktor FRM II in Garching
Anfang des Jahres 2022 wurde bekannt, dass der Zentralkanal am Forschungsreaktor FRM II
der TU München nicht mehr dicht ist und nicht mehr repariert werden kann. Der Austausch des
Zentralkanals ist bis heute nicht abgeschlossen und in Kombination mit einer Reihe von anderen
Ereignissen liefert der FRM II – entgegen vielfältiger Ankündigungen – seit 2000 Tagen keine
Neutronen mehr.

In diesem Zusammenhang fragen wir die Staatsregierung:

1. a) Wann wurde die Undichtigkeit des Zentralkanals das erste Mal festgestellt und von wem?
b) Wann wurde die Staatsregierung davon informiert?

2. a) Wann wurde von wem festgestellt, dass eine Reparatur nicht möglich ist und ein Austausch
des Kanals erforderlich ist?
b) Wann wurde die Staatsregierung davon informiert?

3. a) Wann wurde der Auftrag zur Fertigung eines neuen Zentralkanals vergeben?
b) Wurde mit der Auftragserteilung eine Terminsetzung mit dem Hersteller vereinbart?
c) Wenn ja, welcher Termin wurde vereinbart?

4. a) Falls ein Termin vereinbart wurde: Was war der Grund bzw. die Gründe dafür, dass der
Termin vom Hersteller nicht eingehalten wurde?
b) Wann wurde der Zentralkanal an die TU München geliefert?
c) Wann hat der Einbau des Zentralkanals begonnen?

5. a) Welche weiteren Gründe gibt es dafür, dass die vielfältigen Ankündigungen der TU München
zur Wiederinbetriebnahme des Reaktors nicht eingehalten wurden?
b) Ist es richtig, dass der zuletzt öffentlich genannte Termin einer Wiederinbetriebnahme zum
Jahresende 2025 wiederum nicht eingehalten werden kann?
c) Wenn ja, was ist die Ursache dafür?

6. a) Ist es richtig, dass es zur Herstellung des ursprünglichen Zentralkanals weder bei der TU
München noch beim damaligen Hersteller eine vollständige Dokumentation gibt?
b) wenn ja, wer ist dafür verantwortlich?

7. a) Ist es richtig, dass ein (regelmäßiger) Austausch des Zentralkanals schon zu Zeit der
Inbetriebnahme absehbar war?
b) Wenn ja, wann hat man damals mit einem ersten Austausch gerechnet?

8. a) Wie hoch waren die erwarteten Kosten für die Herstellung des Zentralkanals zum Zeitpunkt
der Auftragsvergabe?
b) Bei welchem Kostenstand ist man aktuell?

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