Bis zum Super-Gau? Nukleare Sicherheit: Tote und Schwerverletzte – Drohnenangriff auf Personal – AKW Saporischschja

Am immer wieder in Kriegshandlungen beteiligten AKW Saporischschja ist es zum zweiten Mal zu einem Drohnenangriff gekommen, der offenbar gezielt auf Beschäftigte des Atomkomplexes durchgeführt wurde. Ein Mensch wurde diesmal getötet. Mit Bezug auf eine Meldung der Internationalen Atomenergie Agentur (IAEA, immer noch auf X, Twitter) berichtet der Spiegel vom 18. August: „Zudem seien 15 weitere Personen verletzt worden, darunter drei schwer.“ Bereits im Juli gab es einen gezielten Drohenangriff, bei dem der Chefingenieur und sein Fahrer am AKW-Komplex getötet wurden. (Foto: Betreiber, IAEA)

Unklar bleibt offenbar nach derzeitigen Informationen, wer für die Tötung von Mitarbeiter*innen des AKW Saporischschja per Drohnen verantwortlich ist. Das AKW ist von russischen Truppen besetzt, die Anlage mit sechs Atommeilern wird vom russischen Atomunternehmen Rosatom „verwaltet“. Viele der Beschäftigten sind aber Ukrainer*innen, die in dem besetzten AKW arbeiten.

Russland wirft in beiden genannten Fällen der Ukraine vor, gezielt angegriffen zu haben. Die Ukraine bestreitet das. IAEA verurteilt derartige und andere Angriffe auf den Militärkomplex und fordert beide Seite dazu auf, keinerlei Kampfhandlungen welcher Art auch immer rund um die Atomanlagen durchzuführen, nimmt aber keine Stellung zu möglichen Verantwortlichen. Dennoch bleibt die Frage: Kann es sein, dass Russland oder die Ukraine für derartige Angriffe und Tötungen von AKW-Personal verantwortlich sind? Oder sind Milizen oder andere, nicht-staatliche Angreifer verantwortlich?

Immer wieder ist es in den letzten Jahren zu massiven Kampfhandlungen gekommen, dabei ist es zu Schäden an einem Kühlturm gekommen, die Stromleitungen zur externen Energieversorgung sind immer wieder unterbrochen, sodass die Kühlung der abgeschalteten Reaktoren nur noch per Notstrom-Generatoren auf Dieselbasis erfolgen kann. Auch auf andere Atomanlagen hat es wiederholt Angriffe gegeben. In Tschernobyl zerstörte eine Drohne die Funktion des Schutzschildes, der dafür sorgen soll, dass die nach der Katastrophe von 1986 immer noch vorhandene Strahlengefahr eingedämmt wurde. Diese Funktion hat der Schirm durch den Schaden an der Hülle verloren.

Nachdem die Atomanlagen im Ukraine-Krieg als mögliches Angriffsziel eine auch strategische Bedeutung gewonnen haben, sorgten weitere Kriegshandlungen an anderen Ort für eine neue Dimension, die bei der Sicherheit vom Atomenergie bislang fast komplett unbeachtet geblieben war.

Die USA und Israel griffen gemeinsam im Frühjahr 2026 die Atomanlagen im Iran an. (Berliner Zeitung) Dabei sollen die USA auch nach eigenen Angaben mehrfach bunkerbrechende Waffen eingesetzt haben. Da die Urananreicherung – anders als in Betrieb befindliche Atomkraftwerke – nur mit niedrig strahlendem Uran arbeitet, wären die Umweltschäden zwar eine Qualität geringer. Dennoch wären schlimmste Gesundheitsschäden und Umwelt-Langzeitschäden bei einer Uranverstrahlung und Vergiftung zu erwarten.

Auch in der Nähe der vier Atomreaktoren in den Vereinigten Arabischen Emirate soll es in der Folge Kampfhandlungen mit Kriegswaffen bzw. Drohnen gegeben haben.

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