Umweltausschuss im Bundestag: „Austausch über die Atomkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima sowie die aktuelle Situation in Saporischschja“

Wachsende Atomkriegsgefahren wegen Krieg Russlands in der Ukraine: Saporischschja. Da wären natürlich: die tatsächlichen Katastrophen von Tschernobyl, von Fukushima. Atomenergie ist keine zukunftsfähige Technik. Auf Antrag der Linksfraktion wird der Umweltauschuss des Deutschen Bundestages am 15. März 2023 von 11 bis 13 Uhr zu einem „Austausch über die Atomkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima sowie die aktuelle Situation in Saporischschja“ zusammen kommen.

Angelika Claußen von den mit Nobelpreis ausgezeichneten „Internationalen Ärzt:innen zur Verhütung der Atomgefahren“ (IPPNW) wird dabei sein. Außerdem die unabhängige Atomphysikerin Oda Becker.

Themen unter anderem: „Fukushima und Einleitung von radioaktivem Tritium in den pazifischen Ozean“ oder „Die Lage für Technik und Personal des umkämpften AKW in der Ukraine“. Aber auch über bundesdeutsche Uranfabriken oder auch die Bedeutung Russlands in der europäischen Atomwirtschaft, wird zu reden sein.

  • Die Homepage des Umweltausschusses im Deutschen Bundestag ist hier online. Dort werden auch die Termine öffentlicher Anhörungen bekannt gegeben. Hier direkt: https://www.bundestag.de/ausschuesse/a16_umwelt/anhoerungen/937308-937308

DIW legt Studie vor: Atomenergie ist nicht nachhaltig und zukunftungsfähig – Es braucht Klima- und Plutoniumneutralität!

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in seinem aktuellen Wochenbericht die Atomenergie ausführlich unter die Lupe genommen und kommt aus wirtschaftlichen und technischen Gründen dazu, dass diese Risikotechnologie nicht zukunftsfähig ist. Dabei warnen die Wissenschaftler:innen nicht nur mit Blick auf die Legende vom billigen Atomstrom. Von Anfang an habe man die Kosten und Umweltprobleme der Atomenergie immer wieder unterschätzt oder verharmlost. Neben der Klimaneuträlität, die alle zukunftsfähigen Energietechniken sicherstellen müssen, müsste immer auch Plutoniumneutralität garantiert werden. Allzu leicht könnte Plutonium für den Bau und Einsatz von Atomwaffen mißbraucht werden. Atomstromerzeugung ist nicht nur nur teuer und im Fall von Unfällen mit schweren Schäden für Mensch und Umwelt verbunden. Auch das Problem der Endlagerung bleibt ungelöst. Auch kurzfristig gibt es keinen Grund für eine nukleare Laufzeitverlängerung, so Hirschhausen und Kemfert vom DIW. Die letzten drei Atomkraftwerke können Mitte April ohne Probleme für die Stromerzeugung abgeschaltet werden.

Über die Veranstaltung und die Teilnehmer:innen informierte das DIW hier. Das Video der Veranstaltung ist bei Youtube online. An der Diskussion nahmen Wolfram König, (Bundesamt für die Sicherheit der kerntechnischen Entsorgung, Base); Judith Skudelny, (FDP-Bundestagsfraktion); Georg Zachmann, (Bruegel), Claudia Kemfert, (DIW), Christian von Hirschhausen, (DIW) und Petra Jasper (Moderation) teil.

Fukushima mahnt – Keine Atom-Laufzeitverlängerung – Bundesweiter Anti-Atom-Frühling für den Ausstieg

UmweltFAIRaendern dokumentiert:

Dokumentation der Pressemitteilung vom 7. März 2023 vom DIW:

DIW Wochenbericht beleuchtet Perspektiven der Atomenergie in Deutschland und weltweit – Laufende und geplante Projekte entbehren technischer und ökonomischer Grundlagen – Umdenken bei Modellierung von künftigem Energiemix – Erneuerbare Energien stärker in Fokus, Nukleartechnik geht zurück – Vertiefte Forschung in Atomenergie nicht sinnvoll – Endlagersuche sollte forciert werden

Die letzten drei deutschen Kernkraftwerke „Emsland“, „Isar-2“ und „Neckarwestheim-2“ gehen am 15. April vom Netz. Angesichts der Energie- und Klimakrise werden aber nicht nur in Deutschland zunehmend Stimmen laut, die Atomforschung voranzutreiben. Alle derzeit diskutierten neuen Kernkraftprojekte sind aber ökonomisch und technisch weder zukunftsfähig noch sinnvoll. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Wissenschaftler*innen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). „Atomenergie war, ist und bleibt technologisch riskant und unrentabel. Daran ändern auch angeblich innovative Reaktorkonzepte nichts, die in Wirklichkeit ihren Ursprung in der Frühzeit der Atomenergie in den 1950/60er Jahren haben“, erläutert Christian von Hirschhausen, Forschungsdirekter der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im DIW Berlin. Daher könne Atomenergie auch keinen kostengünstigen und zeitnahen Beitrag zum Klimaschutz leisten oder die Stromversorgung sichern. „Neben der Klimaneutralität brauchen wir auch eine Plutoniumneutralität, weil es nicht nur darum geht, CO2 zu reduzieren, sondern auch das gefährliche, langlebige Plutonium in den radioaktiven Abfällen.“

© DIW Berlin

Innovative Atomkonzepte mit alter, nicht bewährter Technologie?

Die DIW-Forscher*innen nehmen drei Reaktorkonzepte unter die Lupe, die aktuell die internationale Atomdebatte bestimmen: Leichtwasserreaktoren, SMR („Small Modular Reactors“) und schnelle Brüter. Kernkraftwerke der dritten Generation, Leichtwasserreaktoren mit einer elektrischen Leistung von 600 bis 1600 Megawatt, basieren auf einer Technologie der 1980er Jahre und werden noch heute gebaut. Als problematisch erweisen sich jedoch überbordende Kosten und Bauverzögerungen, wie sie seit ihrer Entwicklung in besonders eklatanter Weise in den USA und Europa beobachtet wurden.

Befürworter*innen von Kernkraftwerksneubauten sehen insbesondere SMR als Hoffnungsträger, wie sie unter anderem von Microsoft-Gründer Bill Gates propagiert werden. Es handelt sich um Leichtwasserreaktoren mit einer Kapazität in der Regel bis zu 300 Megawatt. Sie sind den Studienautor*innen zufolge allerdings keineswegs innovativ, sondern gehen auf die 1950er Jahre zurück, als Atomkraft als Antriebstechnologie für Militär-U-Boote nutzbar gemacht wurde. Bereits damals konnte sich die Technik wegen Kostennachteilen gegenüber leistungsfähigeren Reaktoren nicht durchsetzen. Heute gibt es einige Pilotprojekte, etwa in den USA, Kanada und Großbritannien, die jedoch Modellrechnungen zufolge wesentlich teurer werden dürften als herkömmliche Reaktoren. Noch dazu ist die Marktnachfrage gering. Trotz jahrzehntelanger Forschung konnte kaum ein Kernkraftwerk des Typs SMR den kommerziellen Leistungsbetrieb aufnehmen. Insbesondere besteht aber keine Perspektive, die erheblichen Größennachteile durch Massenproduktion wettzumachen. Hierfür wäre bei optimistischer Betrachtung der Bau von mehreren Tausend baugleichen Kernkraftwerken notwendig.

„Technisch sind bei Atomenergie keine signifikanten Durchbrüche absehbar.“ Claudia Kemfert

Auch schnelle Brüter und andere nicht leichtwassergekühlte Reaktoren sind auf absehbare Zeit nicht wettbewerbsfähig, wie die DIW-Forscher*innen in ihrer Studie aufzeigen. Die Technik stammt ebenfalls aus dem vergangenen Jahrhundert, die meisten angeschobenen Projekte wurden wegen sicherheitstechnischer Mängel und fehlender wirtschaftlicher Perspektiven gestoppt, so unter anderem der schnelle Brüter im nordrhein-westfälischen Kalkar, der niemals in Betrieb ging und heute zu einem Freizeitpark umgebaut wurde. Da bei schnellen Brütern viel spaltbares Material entsteht, gibt es auch ein größeres Proliferationsrisiko, also die Gefahr der Weitergabe zu Atomwaffenzwecken.

Erneuerbare um ein Vielfaches günstiger als Atomenergie

„Technisch sind bei der Atomenergie keine signifikanten Durchbrüche absehbar“, bilanziert Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt im DIW Berlin. „Atomkraft ist zudem die mit Abstand teuerste Energie – und bei Weitem teurer als Erneuerbare.“ Diese Erkenntnis habe sich inzwischen auch bei der Modellierung von Energiesystemen durchgesetzt. Während zuvor aufgrund überoptimistischer Annahmen immer ein wesentlicher Anteil an Atomenergie angenommen worden sei, richte sich der Fokus nun immer stärker auf Erneuerbare und weg von Kernkraft.

Staatlich geförderte Forschung sollte sich künftig auf die Bereiche konzentrieren, von denen substanzielle Beiträge zur Energiewende zu erwarten sind“, empfiehlt Kemfert. „Dies sind etwa erneuerbare Energien oder Speichermöglichkeiten und andere Flexibilitätsoptionen, Atomkraft gehört definitiv nicht dazu. Die Bundesregierung sollte auch davon absehen, mit Atomkraft erzeugter Energie ein grünes Label anzuhängen, wie es derzeit beim Wasserstoff diskutiert wird. Stattdessen sollte mit Hochdruck nach sicheren Zwischenlagern und einem Endlager gesucht werden, um das Atomkapitel endgültig abzuschließen.“

Links

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Brauchen wir neue Atomkraftwerke? : Nachgeforscht bei Christian von Hirschhausen

Themen: Energiewirtschaft , Industrie , Klimapolitik

Petra Jasper, Pressesprecherin und stellvertretende Abteilungsleitung in der Abteilung Kommunikation

Dokumentation Nr. 2 des DIW Wochenberichts 

  • Studie untersucht Rentabilität und technologische Umsetzbarkeit von Reaktorkonzepten weltweit
  • Trotz bevorstehenden Atomaustiegs auch in Deutschland Debatte über neue Reaktorkonzepte
  • Bestehende und geplante Kraftwerksprojekte sind unwirtschaftlich, auch technischer Durchbruch nicht zu erwarten
  • Umdenken in Energiesystemanalyse zugunsten erneuerbarer Energien weg von Atomenergie
  • Forderungen in Deutschland nach Forschungsförderung für den Neubau von Kernkrafwerken sind Irrweg

Die Möglichkeit, Kernkraftwerke mit geringer Leistung zu bauen, ist seit den 1950er Jahren bekannt und stellt daher keine Innovation dar. Im Gegenteil: Der erste in den USA entwickelte SMR-Reaktor war ein für die US-Marine entwickelter Leichtwasserreaktor für den U-Boot-Einsatz. Nach seinem Einbau in das erste kommerzielle Kernkraftwerk in Shippingport, Pennsylvania, 1957 führte er zum Siegeszug der Leichtwasser-Technologie.info Jedoch wurden diese Reaktoren mit geringen Leistungen lediglich als Ausgangspunkt genommen, um rasch zum Bau von größer dimensionierten Kraftwerken mit höheren Leistungen überzugehen. Die Suche nach Größenvorteilen führte in der Folgezeit dazu, dass die durchschnittliche elektrische Leistung von Kernkraftwerken bereits in den 1970er Jahren auf 500 MW stieg; heute liegt sie über 1000 MW (Abbildung 2).

Tabelle: Historische Beispiele für Reaktoren mit schnellem Neutronenspektrum („Schnelle Brüter“)

Bau- und Betriebszeiten

ReaktorkonzeptLandLeistung (MWth)BaubeginnBetriebStilllegungNoch aktiv (?)Durchschnittliche Kapazitätsauslastung
Experimentalreaktoren
RhapsodieFrankreich40196219671983Keine Angaben
KNK-IIDeutschland5219751977199117,10 Prozent
DFRGroßbritannien6019541959197733,80 Prozent
FBTRIndien40197219852022Keine Angaben
PECItalien120197420222022Keine Angaben
JOYOJapan140197019772007Keine Angaben
BR-10Sowjetunion/Russland55195619592002Keine Angaben
BOR-60Sowjetunion/Russland9195819642022Keine Angaben
EBR-IUSA1,2194719511963Keine Angaben
EBR-IIUSA62,5195819631994Keine Angaben
FermiUSA200195619651972Keine Angaben
FFTFUSA400197019801992Keine Angaben
CEFRChina6520002010Keine Angaben
Demonstratoren
SNR-300Deutschland76219731991Nie in Betrieb
PhoenixFrankreich563196819731983Circa 50 Prozent
PFRVereinigtes Königreich65019661974199420227 Prozent
PFBRIndien1250200320122016Keine Angaben
MonjouJapan714198519941999Von 1996 bis 2010 wegen Unfall außer Betrieb
BN-350Sowjetunion/Russland75019641972202285 Prozent
BN-600Sowjetunion/Russland147019671980202274 Prozent (1982 bis 2009)
BN-800Russland2100200620161983171 Prozent
CRBRPUSAunbekannt1982Nie in Betrieb

1 Baubeginn 1983, keine Bautätigkeit zwischen 1986 bis 2006, dann Wiederaufnahme.

Quelle: Eigene Recherche.

Die Wettbewerbsfähigkeit dieser Reaktoren hängt von drei wesentlichen Parametern ab: dem Uranpreis, den Baukosten und den Entsorgungskosten. In keinem der drei Bereiche ist ein Kostenvorteil für die schnellen Reaktoren abzusehen. Eine Berechnung des Break-Even-Preises von Uran zeigt auf, bei welchem Preis der Betrieb eines hypothetischen schnellen Reaktors mit Wiederaufbereitung genauso teuer wäre wie ein Leichtwasserreaktor ohne Wiederaufbereitung. Überschlägige Berechnungen legen nahe, dass der Uranpreis um ein Vielfaches höher liegen müsste als jener, den man am Markt beobachten kann.info Die Baukosten für den in den USA geplanten Piloten sind nicht absehbar, dürften aber wesentlich höher liegen als die der leichtwasserbasierten Technologielinie, die ihrerseits weit teurer ist als andere Energiequellen. Auch bei den Entsorgungskosten ist von dem Pilotprojekt kein Vorteil absehbar.

Umdenken in der Energiesystemmodellierung hat begonnen

Das geringe Potenzial der Atomwirtschaft zur Entwicklung von wettbewerbsfähigen Reaktorkonzepten wird inzwischen auch in Fachkreisen der Energiesystemmodellierung und integrierter Assessment Modelle (IAM) reflektiert. Diese hatten bisher teilweise sehr hohe Anteile an Atomenergie in Klimaschutzszenarien errechnet. So war bis vor Kurzem zu beobachten, dass Atomenergie als kohlenstoffarme Technologie Berücksichtigung in Klimaszenarien fand – und dies unabhängig von deren offensichtlich fehlenden Wettbewerbsfähigkeit.info Im Mittel gehen Szenarien mit ansteigendem Anteil an Atomenergie davon aus, dass bis zum Jahr 2050 die jährliche weltweite Stromerzeugungsmenge aus Atomenergie etwa 5600 TWh beträgt – was mehr als einer Verdopplung der heutigen Stromerzeugung entspräche. Bei diesen Szenarien nahmen die Modellierer*innen bisher für Atomenergie niedrige Investitionskosten an. Gleichzeitig ging man für Erneuerbare aber von relativ hohen Kosten aus (insbesondere Solar) sowie von überhöhten Systemintegrationskosten für Erneuerbare bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Systemkosten der Atomenergie.

Jedoch hat in den Fachkreisen vor wenigen Jahren ein Umdenkprozess begonnen. Dieser führt dazu, dass sich das Energiemodellierungs-Paradoxinfo abschwächt und einer stärker an realwirtschaftlichen technischen Entwicklungen orientierten Modellierung und zugrundeliegenden Annahmen weicht. Dies zeichnet sich insbesondere durch aktualisierte Kostenannahmen für erneuerbare Energien, insbesondere für die Photovoltaik und die Kosten der Energiesystemintegration aus.info Eine Vielzahl von Modellen identifiziert inzwischen nicht mehr Atomenergie, sondern erneuerbare Energien als den wesentlichen Treiber des zukünftigen Energiemix.

Vergleicht man die Energieszenarien des Berichts des Weltklimarats (IPCC) von 2018 mit dem im Jahr 2022, ist zu beobachten, dass die Anzahl von Szenarien mit einem starken Anstieg an Atomenergie (im Zeitraum zwischen 2020 und 2100) gesunken ist und sich der Anstieg an erneuerbaren Energien erhöht hat (Abbildung 5). Lag im Sonderbericht des IPCC zum 1,5-Grad-Ziel (2018) der Schwerpunkt noch bei zunehmenden Anteilen an Atomenergie (orange Punkte), so hat sich dieser im 6. Sachstandsbericht des IPCC (2022) in Richtung steigender Anteile Erneuerbarer und sinkender Anteile Atomenergie verschoben (grüne Punkte). Auch die Modellier*innen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) weisen in einem kostenoptimalen Dekarbonisierungspfad darauf hin, dass Atomenergie in den nächsten Jahrzehnten weitgehend durch erneuerbare Energien ersetzt werden müsste.info

Irgendwas mit radioaktiver Wissenschaft? „Monumentale Verdrängung: Die neue Pro-Atom-Troika“

Die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ mischen sich mit einem Beitrag der Sozialwissenschaften in die Atomdebatte ein. Wie sehr lassen sich nukleare Realitäten ausblenden? Viele faseln (schwaches Verb) von Renaissance der Atomenergie – aber was mit dem dabei immer entstehenden Atommüll passieren soll, setzt eine ganze Gesellschaft in Angst und Schrecken. Irre. Ja klar, vor allem wenn Fakten ausgeblendet und Ideologie vorgeschaltet wird. Klar ist, die Debatte über Atomenergie beginnt in Deutschland, auch wenn Mitte April die letzten AKWs ohne Weiteres wenn und aber abgeschaltet werden. In den „Blättern“ schreiben über die „Monumentale Verdrängung: Die neue Pro-Atom-Troika“ Achim Brunnengräber, Albert Denk, Lucas Schwarz, Dörte Themann …

„Allen Warnungen vor möglichen Energie-Blackouts zum Trotz scheint die Bundesrepublik gut durch diesen bislang ausgesprochen milden Winter zu kommen. Doch damit ist die aktuelle Pro-Atom-Kampagne nicht beendet, im Gegenteil: Ganz offensichtlich soll die anhaltende Debatte um eine Verlängerung der AKW-Nutzung nur der Einstieg in eine neue Kernkraft-Ära sein. So fordert FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai – ganz im Einklang mit der CDU/CSU – ein „ideologiefreies, realitätsnahes und technologieoffenes Konzept“, das eine Laufzeit über 2023 hinaus avisiert; und die AfD vertritt in ihrer „Resolution zur Kernenergie“ sogar die Meinung, dass moderne Kraftwerke nicht nur die Natur- und Artenvielfalt schützen, sondern ressourcenschonend sind, unabhängig von Importen machen und nahezu CO2-neutral betrieben werden können. … hier weiterlesen: Monumentale Verdrängung: Die neue Pro-Atom-Troika.

Hamburg im Anti-Atom-Frühling: Fukushima mahnt! Atomausstieg vollenden – Lesen ohne Atomstrom

Gegen den wachsenden atomaren Wahnsinn setzt die Umweltbewegung auf den Anti-Atom-Frühling. Wenige Tage vor dem Jahrestag der mehrfachen Nuklear-Katastrophe von Fukushima laufen bundesweit Aktionen zum Ausstieg aus der Atomenergie an – auch in Hamburg. Am 1. März läuft mit viel Prominenz die Veranstaltungsreihe „Lesen ohne Atomstrom“ an. Am 11. März kommt es dann zu einer vom BUND und anderen Anti-Atom-Gruppen organisierten Demonstration in Hamburg. Bereits für das kommende Wochenende ruft ein Bündnis „runterfahren.org“ zu Aktionen zivilen Ungehorsams nach Bayern zum AKW Isar 2 auf. 

Nachdem die Bundesregierung zuletzt die Frist für die Abschaltung  der drei letzen bundesdeutschen AKWs Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 von Dezember 2022 auf Mitte April 2023 verlängert hatte, werden nun bundesweit Anti-Atom-Organisationen aktiv. Mit einem „Anti-Atom-Frühling“ wollen sie unterstreichen, dass es eine weitere nukleare Laufzeitverlängerung nicht geben darf. Unterlassene Sicherheitsprüfungen erhöhen die Risiken schwerer Unfälle. Das Atommüllproblem ist immer noch ungelöst und erneut haben die Verantwortlichen erklärt, dass sich die Suche nach einem Endlager um Jahrzehnte verzögern wird.

Inzwischen hat sich auch bestätigt, dass die AKW-Laufzeitverlängerung wegen eines angeblichen Strommangles angesichts des Krieges von Russland in der Ukraine vollkommener Unsinn war.  Dennoch werden die Ideologen von CDU/CSU, AfD und FDP nicht müde, für diese komplett unsinnige Laufzeitverlängerung und einen neuen Atomeinstieg zu werben – und nicht nur in Süddeutschland weiterhin die erneuerbare Energiewende massiv zu blockieren.

Die Protestaktionen finden auch zum Jahrestag und Gedenken an die mehrfache Atomkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011 statt. Damals  waren nach einem schweren Erdbeben und einem Tsunami die Notstromversorgung des AKWs ausgefallen. Es kam zu Explosionen und Kernschmelzen und massiven Freisetzungen von Radioaktivität. Fast 200.000 Menschen mussten langfristig evakuiert werden. Die Aufräumarbeiten werden noch Jahrzehnte andauern.

  • In Hamburg läuft in Gedenken an die Fukushima-Katastrophe am 1. März das Programm von „Lesen ohne Atomstrom“ mit zahlreichen Veranstaltungen gegen Atomenergie an. Das Programm ist hier online. Die Veranstaltungen sind kostenlos.

Zur Demo für den Atomausstieg und gegen die Laufzeitverlängerung rufen Hamburger Anti-Atom-Organisationen mit den folgenden Hinweisen auf. Hamburg ist auch immer noch von zahlreichen Atomtransporten zur Ver- und Entsorgung von Reaktoren betroffen.

Dokumentation:
Hamburg – Fukushima mahnt! Demo 11.3.23

(11. März 2011 – kein Ende!) – Demo Sa. 11. März 2023, 13 Uhr, Hamburg, Holzdamm 57 am Hbf. // Sofortige Stilllegung aller Atomanlagen – weltweit!  („friedliche“ UND militärische Nutzung der Atomenergie)

Die Atomkatastrophe in Fukushima war und ist keine Naturkatastrophe, sondern ein Verbrechen. Wir vergessen nicht das Leid der Menschen, die von den Katastrophen betroffen sind. In unserem Kampf um ein menschenwürdiges Leben reicht es nicht nur einzelne Symptome der herrschenden Verhältnisse (wie z.B. Unterdrückung, Ausbeutung, Atomtechnologie, Klimakatastrophe, …) isoliert zu kurieren, sondern die gemeinsamen Ursachen (u.a. die machtpolischen und ökonomischen / kapitalistischen Verhältnisse) studieren, angreifen und verändern! Das werden wir nicht ausschließlich erreichen durch Analysen, Argumente, Appelle oder juristische Prozesse, sondern da müssen wir schon selbst Hand anlegen!

– Da war doch was. Wenn wir uns recht erinnern fliegen die Dinger immer wieder in die Luft (Fukushima, Tschernobyl, Harrisburg… und welches kommt als nächstes?).

Auf Ausstiegsdaten können wir uns nicht verlassen. „Atomausstiege“ hatten wir schon mehrfach. Sie wurden immer wieder gebrochen, da müssen wir schon selbst aktiv werden und bleiben! Das gilt auch für den Kohleausstieg 2030/38, der noch weit weg ist. Den letzten Atomausstieg haben sie wenige Monate vor dem eigentlichen Termin wieder gekippt…

Mit der Technik von gestern…

Das „jüngste“ deutsche Atomkraftwerk ist Neckarwestheim 2. Es ging noch vor der deutschen Wiedervereinigung ans Netz. Das Alter hat bereits deutliche Spuren hinterlassen. Mehrere hundert Rohrleitungen im Herzen der Anlage (Dampferzeuger) mussten bereits auf Grund von Rissbefunden verschlossen werden. – Der Reaktordruckbehälter sowie die Dampferzeuger in einem Atomkraftwerk lassen sich bei einer Versprödung nicht austauschen. Eine Katastrophe wie in Fukushima, ist auch bei uns nicht ausgeschlossen – allemal, weil die Reaktoren immer älter werden und Sicherheitsprüfungen und Nachrüstungen in den letzten Jahren nicht mehr im vollem Umfang stattgefunden haben.

… die Probleme von morgen schaffen…

Und dann gibt es doch noch ein Problem mit dem Atommüll. Seit einem halben Jahrhundert wird ein sog. Endlager gesucht, aber nicht gefunden. Bisher gab es in Deutschland drei Versuche ein Endlager zu bauen: – Morsleben stürzt nach und nach ein. – Die Asse läuft langsam mit Wasser voll. – Gorleben wurde gerade noch rechtzeitig gestoppt.

Die zuständige Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat nun bekannt gegeben, dass es mit einem „Endlager“ in dieser Hälfte des 21ten Jahrhunderts leider doch nichts wird. Aktuell steht vor allem Methodenentwicklung im Mittelpunkt -aha…

Ein sicheres Endlager ist technisch und physikalisch gar nicht vorstellbar!

Ach ja, das Uran für den Weiterbetrieb der Atomanlagen kommt nicht aus Deutschland. Uran wird ausnahmslos importiert. Über den Hamburger Hafen sind dabei die Reedereien Hapag-Lloyd und OOCL an Seetransporten von Uranhexafluorid aus Kanada beteiligt. Die Reederei MACS transportiert Yellow Cake (wird zur Herstellung von Uranhexafluorid benötigt) aus Namibia nach Hamburg. Uran kommt aber auch aus Russland nach deutschland (hoppla). Unter anderem Atom-Transporte aus Russland durch Schiffe in und aus dem Hafen konnten wir in Hamburg schon vor einigen Jahren durch Öffentlichkeitsarbeit und Protestaktionen vor Ort stoppen. Dies führte bislang auch zu dem sogennanten freiwilligen Selbstverzicht auf „Kernbrennstofftransporte“ und deren Umschlag im Hamburger Hafen Seitens der Hamburger Hafenbetriebe.

Mithin: Alles was gegen den Betrieb von Atomanlagen vor dem russischen Angriff auf die Ukraine galt, stimmt weiterhin, nur scheint die Halbwertszeit dieses Wissens doch sehr begrenzt zu sein. Es ist nicht so leicht aktuell mit Argumenten gegen den Tunnelblick vieler angesichts von Krieg und Klimakrise anzukommen – aber bei Panik hilft oft erst mal durchatmen, kurz nachdenken und dann erst handeln. Es gibt keine friedliche Nutzung der Atomenergie, es wird immer wieder kriegerisch genutzt. Der Übergang zur militärischen Nutzung ist offen. Oft versteckt letztere sich hinter dem Interesse zur Modernisierung und Ausbau von AKW.

Wenn Du was tun willst komm zur Demo am Samstag den 11.03.23 um 13 Uhr.

Treffpunkt ist am Hauptbahnhof, Holzdamm 57 (hinter dem Ohnsorg Theater). Von der Atomtransporte-Rederei OOCL geht es vorbei an Hapag-Lloyd zum japanischen Generalkonsulat und zur Abschlusskundgebung am Rathaus.

Beteiligt euch gerne auch an unseren regelmäßigen Treffen der Hamburger Anti-Atom-Initiativen:
kontakt[ät]atomtransporte-hamburg-stoppen.de

Vergessen wir das Leid von Fukushima nicht. Stoppen wir diese unnötigen, gefährlichen Atomtransporte und somit auch die Atomkraftwerke sowie die Atomanlagen zu deren notwendigen Versorgung! Atomenergie und Gas sind nicht grün und nachhaltig! Sie werden das Klima nicht retten.
Keine Atomtransporte durch Hamburg und anderswo! Don‘t nuke the climate!

http://www.atomtransporte-hamburg-stoppen.de/
https://sand.blackblogs.org
https://www.umweltgewerkschaft.org
https://mausbremen.blackblogs.org/

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