Krieg und Krise: Wachsende atomare Risiken – Erzählungen über Stahl und Beton

In der Ukraine wird aktuell eine Bedrohung der Atomenergie sichtbar, die gern meist verdrängt oder ausgeblendet wird, – die aber seit vielen Jahren in einem wachsenden Maß auch die Atomanlagen der Bundesrepublik und anderswo betrifft: Wachsende Terrorrisiken bzw. die Gefahr von Angriffen und Sabotage gegen nukleare Anlagen, seien es Atomkraftwerke oder Atommüllzwischenlager mit z.b. hochradioaktivem Strahlenmaterial oder auch Uranfabriken wie in Gronau oder Lingen. Atomanlagen können ohne weiteres zum Angriffsziel werden – das hatte sich schon im Rahmen der Terroranschläge im September 2001 in den USA gezeigt. Um den Terrorschutz auszubauen, wird in Lubmin bei Greifswald erstmals wieder ein Atom-Zwischenlager neu errichtet. Und eine zuständige Atombehörde erklärt im vermeintlichen Faktencheck, wie das mit Beton und Stahl und der Sicherheit so funktioniert. Die Atom- und Strahlenkommission des BUND hat sich dazu gerade sehr kritisch geäußert. (Foto GNS, Castorbehälter für hoch radioaktive Brennelemente, wie sie an vielen bundesdeutschen Zwischenlagern zum Einsatz kommen.)

Spätestens sei den Anschlägen von 911 wurden auch von bundesdeutschen Sicherheits- und Atombehörden Schritt für Schritt die sogenannten Sicherungsmaßnahmen erweitert und Nachrüstungen an Atomanlagen angeordnet. Gerichte hoben die Genehmigung für Zwischenlager Brunsbüttel auf. Weil erforderliche bauliche Nachrüstungen bei dem Zwischenlager in Lubmin bei Greifswald, nicht möglich sind, muss nun sogar erstmals ein komplettes Atommülllager neu gebaut werden. Die Öffentlichkeitsbeteiligung im Genehmigungsverfahren ist gerade angelaufen.

Über die Terror-Gefahren sprechen die Behörden ungern bis gar nicht. Fast alles unterliegt dem Geheimschutz und das Ausmaß der Bedrohung ist schwer einzuordnen. Es gibt gute Gründe, warum die einzelnen Abwehrmaßnahmen nicht öffentlich diskutiert werden. Dass aber Atomenergie nicht nur im Falle technischer Fehler einen Super-GAU auslösen kann und Atommüllberge erzeugt – sondern eine Atomexplosion auch als Folge von Terrorangriffen möglich ist, sollte eine Gesellschaft als Risiko bewusst diskutieren und in seinen Entscheidungen einbeziehen, wenn es um die Frage einer nachhaltigen ökologischen Gesellschaft geht. Das gilt insbesondere auch vor dem Hintergrund der jetzigen Angriffe von Russland auf die Ukraine. Selbst die IAEO warnt, dass auch ohne Einsatz von Nuklearwaffen eine Atomkatastrophe möglich wäre. Atomenergie ist damit unter egal welchem Blickwinkel für eine zukunftsfähige Gesellschaft untragbar und erhöht auch im Krisenfall die Risiken für die Gesellschaft, die sie betreibt.

  • Die BI Lüchow Dannenberg berichtet auch über „Krieg und Atomkraft schließen einander aus„. Ebenso die Internationalen Ärzt*innen gegen den Atomkrieg IPPNW warnen auf vielfältige Weise gegen den atomaren Wahnsinn. Angesichts der nun in der Ukraine sichtbar werdenden nukleare Risiken im Kriegs- und Krisenfall sollte allen klar sein: Atomenergie ist keine Alternative – auch keine Laufzeitverlängerungen, denn auch diese könnten als Anschlagsziele genutzt werden. Über die nukleare Situation in der Ukraine informiert das Bundesumweltministerium hier.
  • Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BaSE) ist im Bereich des Bundesumweltministeriums zuständig für die Genehmigung von Atommüllzwischenlagern und auch teilweise für Atomtransporte. In Fragen des Terrorschutzes und der sogenannte Schutz gegen Störmaßnahmen und sonstige Einwirkungen Dritter (SEWD) arbeiten Atomaufsichtsbehörden und Sicherheitsbehörden und Nachrichtendienste engstens zusammen. Während die Sicherheit vor allem Bezug auf die Technik zum sicheren Betrieb der entsprechenden Atomanlage bezeichnet, wird zur Abwehr von Angriffen bzw. Störungen von Sicherung gesprochen, was polizeiliche, administrative und auch bauliche Maßnahmen umfasst. Dazu gehören z.B. auch Stahlbeton-Wände oder auch Decken, Vereinzelungsanlagen oder auch Kerosinabflussrinnen etc.
  • Über den Neubau des Zwischenlagers in Lubmin für die Aufbewahrung von hochradioaktiven Abfällen siehe bei umweltFAIRaenern auch: Stahlbeton und mehr gegen Terrorgefahren: Zwischenlager für hochradioaktiven Atommüll in Lubmin nimmt erste Genehmigungshürde. Die Antragsunterlagen im laufenden Genehmigunsverfahren sind bei der zuständigen Behörde BaSE hier online zur Einsicht.

Außerdem auf umweltFAIRaendern zum Thema SEWD siehe hier und aktuell auch hier: Neue Reaktorsicherheit mit Schwerpunkt nuklearer Anti-Terrorschutz und: TÜV-Nord-Seminar zur Atomanlagen-Sicherung

Keine Uran-Brennstoff-Connection in Lingen: Kooperationsantrag zurückgezogen

Wirtschaftsminister Robert Habeck hat heute auf einer Pressekonferenz erklärt, dass die von dem französischen Atomkonzern Framatome und dem russischen Pendant TVEL angestrebte nukleare Kooperation bei der Uranbrennelemente-Fertigung der ANF in Lingen nicht zustande kommen wird. Habeck erklärte, das russische Unternehmen, das zum Staatskonzern Rosatom gehört, den im Frühjahr 2021 gestellten (update: der ) Antrag zu einer Kooperation (sei) zurückgezogen (worden) hat.* „Der Antrag ist nicht mehr zur Bearbeitung in diesem Ministerium.“ Diese Maßnahme sei schon ein paar Tage her, ergänzte der Minister auf Nachfrage. Weitere Hintergründe nannte er nicht. Noch am Dienstag hatte sein Ministerium auf Nachfrage zum Thema Auskünfte verweigert. (Foto: Habeck 2016)

UPDATE 250202022: * Es gibt Hinweise, dass der französische Konzern Framatome und nicht TVEL den Antrag zurückgezogen hat. Tatsächlich hatte Habeck nur gesagt, der ‚Antrag sei zurückgezogen worden`, ohne konkret zu sagen, wer das getan hat. Dass Russland das getan hätte, war meine – vermutlich falsche  – Schlussfolgerung. Dafür bitte ich um Entschuldigung. 

Siehe zum Hintergrund auch:

Neue Reaktorsicherheit mit Schwerpunkt nuklearer Anti-Terrorschutz und: TÜV-Nord-Seminar zur Atomanlagen-Sicherung

Die grüne Bundesumweltministerin Steffi Lemke hat ihr nukleares Beratungsgremium neu berufen. Die Reaktorsicherheitskommission hat eine neue Spitze erhalten. Darüber informiert das BMU in einer PM. Da in der Bundesrepublik nicht mehr so viel Reaktor-Sicherheit während des Betriebs gefordert wird, – nur noch drei Reaktoren sind bis Ende des Jahres in Betrieb – rückt der Anti-Terrorschutz immer stärker in den Focus. Bei den Behörden wird in diesem Zusammenhang lieber von Sicherungsmaßnahmen gesprochen. Außerdem wird das in Rechts- und sonstigen Expertenkreisen als „Störungen und sonstige Einwirkungen Dritter“ (SEWD) bezeichnet. Der TÜV Norddeutschland veranstaltet dazu seit vielen Jahren auch ein Symposium Anlagensicherung. Die nächste Veranstaltung für ausgesuchte und sicherheitsüberprüfte Experten findet im Oktober 2022 in Hamburg statt.

Die TÜV Nord Seminare bzw. die Teilnahme an ihnen erfordert: „Die Inhalte der Vorträge und Diskussionen auf dem Symposium Anlagensicherung unterliegen dem Geheimschutz. Für die Teilnahme an diesem Symposium ist der Umgang mit Informationen des Geheimhaltungsgrades VS-NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH mit der Anmeldung nach zuweisen. (Anlage 04 VS-NfD-Merkblatt) Merkblatt über die Behandlung von Verschlusssachen des Geheimhaltungsgrades „VS – NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH“ (Anlage 4 des Handbuches für den Geheimschutz in der Wirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie) Link: https://bmwi-sicherheitsforum.de/handbuch/anlagen/“

Dokumentation PM BMU zur RSK : 22.02.2022: Vorsitzende der Reaktor-Sicherheitskommission neu berufen

Steffi Lemke hat Richard Donderer zum neuen Vorsitzenden der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) bestellt. Die RSK berät das BMUV in Fragen der Sicherheit und der Sicherung von kerntechnischen Anlagen.

Bundesumwelt- und -verbraucherschutzministerin Steffi Lemke hat Herrn Richard Donderer zum neuen Vorsitzenden der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) bestellt. Als neue Stellvertreter wurden Herr Dr. Christoph Pistner und Herr Dr. Thomas Riekert berufen. Die Ministerin sprach den Expertinnen und Experten der RSK ihren Dank für die bisher geleistete Arbeit und ihr zukünftiges Engagement aus.

Richard Donderer vom Physikerbüro Bremen war bislang Stellvertreter des mit Ende letzten Jahres ausgeschiedenen RSK-Vorsitzenden Herrn Rudolf Wieland. Der neue Vorsitzende sowie seine beiden Stellvertreter Dr. Christoph Pistner vom Öko-Institut und Dr. Thomas Riekert von TÜV NORD EnSys sind langjährige Mitglieder der RSK und haben ausgewiesene breite Kompetenzen auf dem Gebiet der nuklearen Sicherheit.

Die RSK besteht für das Jahr 2022 aus derzeit 12 Mitgliedern, die ehrenamtlich tätig sind. Sie werden durch das BMUV berufen, sind unabhängig und nicht an Weisungen gebunden.

Die RSK berät das BMUV in Fragen der Sicherheit und damit verbundenen Fragen der Sicherung (Schutz vor Diebstahl von Nuklearmaterial, Sabotage und Terrorangriffen) von kerntechnischen Anlagen. Auch vor dem Hintergrund, dass spätestens Ende dieses Jahres die letzten deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet werden, ist das BMUV weiterhin auf eine kritische Beratung durch die RSK zu Fragen der nuklearen Sicherheit angewiesen. Eine der Aufgaben bis Ende dieses Jahres ist es, die zukünftige Struktur und Arbeitsweise der Reaktor-Sicherheitskommission nach dem deutschen Atomausstieg festzulegen.

UND

TÜV Norddeutschland: Seminar-Nr.: 30407201 – Symposium Anlagensicherung

Mit dem Symposium Anlagensicherung trägt TÜV NORD zur Weiterentwicklung des hohen Niveaus der Anlagensicherung der kerntechnischen Einrichtungen in Deutschland bei. Ausgehend von den erfolgreichen Veranstaltungen in den letzten Jahren haben wir das Themenspektrum erweitert. Aufgrund des großen Interesses an der Veranstaltung sind wir erneut an einem Veranstaltungsort im Herzen Hamburgs. Für das Symposium 2022 haben wir wieder praxisrelevante Themen für Sie zusammengestellt. Nutzen Sie die Gelegenheit, sich während unseres zweitägigen Symposiums vom 11. – 12. Oktober 2022 über aktuelle Entwicklungen zu informieren, sich mit Branchenkollegen, Behördenvertretern sowie den TÜV NORD-Sachverständigen auszutauschen, bestehende Kontakte zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen. Freuen Sie sich auch auf eine tolle Abendveranstaltung. Am Ende der Veranstaltung erhalten Sie eine Teilnahmebescheinigung als Nachweis Ihrer persönlichen Qualifikation.

Inhalt

Programmablauf 11.10.2022

12.30 Uhr Imbiss & Registration im Foyer

TÜV NORD Akademie

13.30 Uhr Begrüßung und Einleitung in das Thema

Dr. Jörg Aign, TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG

Block 1:

„Neues vom SEWD-Regelwerk“

Moderation: Holger Lucassen, MELUND

13.45 Uhr Die neue Regelung der nuklearen Sicherung

Dr. Edgar Mergel, BMU

14.15 Uhr Die Atomgesetznovelle zur Anlagensicherung – Aktueller Überblick und Rechtsfragen

Prof. Dr. Tobias Leidinger, Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

14.45 Uhr Radikalisierung im digitalem Zeitalter

Prof. Dr. Stefan Harrendorf, Uni Greifswald

15.15 Uhr Gefahrenlagen sicher managen – Anonyme Drohbriefe und Erpresserschreiben

Leo Martin und Patrick Rottler, Institut für forensische Textanalyse

15.45 Uhr Kaffeepause im Foyer

Block 2:

„IT-Security“

Moderation: Holger Lucassen, MELUND

16.15 Uhr WLN 2021/01 „IT-Angriffe auf kritische Infrastrukturen im Zusammenhang mit der Schadsoftware Triton/TriSIS“

Dr. Claudia Quester, GRS

16.45 Uhr Von der zentralen Netzleittechnik bis zur Schaltanlage: Ein ganzheitliches System zur Angriffserkennung in Zeiten zunehmender Digitalisierung

Richard Stüber, Rhebo GmbH

17.15 Uhr Passwörter, Zwei-Faktor-Authentisierung und Biometrie: Sicherheit vs. Komfort!

Prof. Dr. Rainer W. Gerling

17.45 Uhr – 18.00 Uhr Diskussionsrunde und Zusammenfassung des Tages

19.00 Uhr – 22.30 Uhr Abendveranstaltung

Programmablauf 12.10.2022

Block 3:

„Schutzkonzepte“

Moderation: Dr. Thomas Riekert, TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG

9.00 Uhr SEWD-RL sonstige radioaktive Stoffe in kerntechnischen Anlagen – SisoraK

Benjamin Brück, BMU

9.30 Uhr Auswirkungen der SEWD-Richtlinie SisoraK auf Kernkraftwerke im Rückbau

Dr. Heinrich Harke, PreussenElektra GmbH

10.00 Uhr Übersicht über das Anlagensicherungskonzept des Zwischenlagers für sonstige radioaktive Stoffe am Standort Philippsburg

Dr. Thomas Keuter, BGZ

10.30 Uhr Security Performance Measurement

Dr. Jürgen W. O. Harrer

11.00 Uhr Kaffeepause im Foyer

Block 4:

„Innovative Schutzmaßnahmen“

Moderation: Dr. Thomas Riekert, TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG

11.30 Uhr Flexible Sensorlösungen für smarte Objektsicherung

Mathias Bischoff, SICK Vertriebs-GmbH

12.00 Uhr KI in der Bildauswertung

angefragt

12.30 Uhr Drohnen als Herausforderung für den Perimeterschutz und die Informationssicherheit

Kurt Bratz und Kristin Klinner, Bosch Sicherheitssysteme GmbH,

13.00 Uhr Abschlussdiskussion und Schlussrede

Dr. Thomas Riekert, TÜV NORD EnSys GmbH & Co. KG

13.15 Uhr Gemeinsames Mittagessen im Foyer

Ca. 14.15 Uhr Ende der Veranstaltung

Zielgruppe

Das Symposium richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die als verantwortliches Personal für die Sicherung kerntechnischer und strahlenschutzrelevanter Anlagen tätig sind sowie an Mitarbeiter von Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden, Sachverständige, Hersteller von Sicherungstechnik und interessierte Personen aus diesem Kreis. Die Inhalte der Vorträge und Diskussionen auf dem Symposium Anlagensicherung unterliegen dem Geheimschutz. Für die Teilnahme an diesem Symposium ist der Umgang mit Informationen des Geheimhaltungsgrades VS-NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH mit der Anmeldung nach zuweisen. (Anlage 04 VS-NfD-Merkblatt) Merkblatt über die Behandlung von Verschlusssachen des Geheimhaltungsgrades „VS – NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH“ (Anlage 4 des Handbuches für den Geheimschutz in der Wirtschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie) Link: https://bmwi-sicherheitsforum.de/handbuch/anlagen/

Abschluss

Teilnahmebescheinigung der TÜV NORD Akademie

Hinweise

Behördenvertreter erhalten einen Rabatt von 50 % auf die Teilnahmegebühr. Auf Grund der derzeitigen COVID-19 Pandemie behalten wir uns vor, eine zusätzliche Hygienepauschale von 50,00 € netto zu erheben, sofern die Veranstaltung nur unter eingeschränkten Bedingungen stattfinden kann. Die Hygienepauschale wird auf der Rechnung ausgewiesen sein.

Teilnahmegebühr

Präsenz-Veranstaltung

797,30 € (inkl. USt)
670,00 € (zzgl. USt)

Preis pro Person
inkl. Seminarunterlagen und Verpflegung

Uran-Connection: Französisch-russischer Atomdeal in Lingen? Habecks Ministerium schweigt

Das von den grünen geführte Bundeswirtschaftsministerium schweigt sich weiterhin darüber aus, wie es um den angestrebten Deal einer französischen-russischen Uran-Brennstoff-Connection steht. Nach bisher vorliegenden Informationen soll die TVEL, eine Tochter des russischen Atomkonzerns Rosatom, sich mit 25 Prozent an den Aktivitäten der französischen Framatome in Deutschland beteiligen. Dazu gehört auch die seit Jahren wirtschaftlich angeschlagene Uranfabrik in Lingen. Die Anlage stellt Brennelemente für Atomkraftwerke in aller Welt her und ist bislang – wie auch die Uranfabrik in Gronau – vom Atomausstieg ausgenommen. Anti-Atom-Initiativen warnen vor einem solchen Uran-Deal, weil damit der angestrebte Ausstieg auch aus diesen Anlagen schwieriger werden dürfte. Die Grünen (und Linken) hatten im Bundestag immer wieder die Stilllegung beantragt. Nun könnte das grüne Umweltministerium mit Unterstützung des grünen Wirtschaftsministeriums beim Ausstieg konkret werden. (Foto: Standort Uranfabrik in Lingen, neulich Areva – jetzt Framatome.)

Die folgenden Fragen gingen per Mail und per Datum 22022022 an die Pressestelle des Bundeswirtschaftsministerium raus:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

im Rahmen einer Recherche möchte ich sie bitten, mir möglichst zeitnah zu dem folgenden Sachverhalt Informationen zukommen zu lassen:

Die beiden Unternehmen Framatome und die zur Rosatom gehörende TVEL wollen auch in Deutschland ihre Zusammenarbeit vertiefen. Laut einer älteren Spiegel-Nachricht geht es um eine Beteiligung im Bereich von 25 Prozent. Eine solche Kooperation würde auch die Brennelementefertigung der ANF am Standort Lingen umfassen. Dort werden bekanntlich Uran-Brennstoffe für den Betrieb von AKWs in aller Welt – insbesondere auch im grenznahen Bereich hergestellt. Der Betrieb der Anlage ist bislang vom Atomausstieg ausgenommen, die Betriebsgenehmigung unbefristet.

Nach meinen Informationen steht eine Entscheidung ihres Hauses bzw. der Bundesregierung noch aus, ob diese Kooperation in der Bundesrepublik zulässig ist.

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Informationen über den aktuellen Stand und den Umfang dieser Kooperation Informationen zukommen lassen und insbesondere Auskunft geben könnten, bis wann die Bundesregierung bzw. ihr Haus eine Entscheidung treffen wird bzw. aufgrund eventueller rechtlicher Vorgaben (welcher?) treffen muss bzw. mir mitzuteilen, ob und in welcher Weise und mit welchen Gründen eine Entscheidung in dieser Sache bereits getroffen wurde. Vielleicht können Sie auch Angaben machen, welche Kriterien für eine solche Prüfung und Entscheidung überhaupt herangezogen werden können bzw. müssen.

Ungeachtet des Atomausstiegs in der Deutschland, der ja möglicherweise auch noch die Stilllegung der Uranfabriken in Gronau und Lingen zum Ziel haben wird: Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Ukraine drängt sich natürlich die Frage umso mehr auf, ob eine verstärkte Zusammenarbeit eines französischen Unternehmens auf deutschem Boden mit einem zu Rosatom gehörenden Unternehmen im Bereich nuklearer Kernbrennstoffe vertretbar ist. Wenn Sie dazu etwas sagen könnten, wäre ich Ihnen dankbar. Möglicherweise gehört dieser Vorgang aber auch auf die Liste, der Sanktionen, die im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise gegen Russland verhängt werden?“

Die Antwort aus dem Ministerium kam prombt: …. „vielen Dank für Ihre Anfrage. Dazu teile ich Ihnen namens des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz dieses mit: Das BMWK äußert sich aus Gründen des Datenschutzes nicht zu einzelnen Investitionsprüfverfahren, auch nicht dazu, ob eines eröffnet wurde. Hier können Sie Informationen über Investitionsprüfungen im Allgemeinen erhalten. Zu Fragen der Fertigung von Brennelementen und der Urananreicherung wenden Sie sich bitte an das dafür zuständige Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.“

 

Nukleare Gefahren: Uran-Connection Gronau, Lingen, Garching – Atomdeal im Abschaltjahr – Militärischer Missbrauch

Gemeinsam mit Angela Wolff in der jungewelt.de in einem Schwerpunkt am 19. Februar 2022 über die Notwendigkeiten und Aufgaben beim Atomausstieg. Nach der Abschaltung des Atomstroms braucht es nun noch die Abschaltung der Uranwirtschaft und der Forschung mit atomwaffenfähigem Uran – in Gronau, in Lingen, in Garching – und in Büchel. Und, warum die Grünen in ihrer neuen Aufgabe in der Bundesregierung zu liefern haben. Für den Atomausstieg in Deutschland, gegen jede nukleare Teilhabe, für ein Signal zur nuklearen Abrüstung in Europa und überall.

Schwerpunkt Junge Welt am 19.02.2022

  • Energieversorgung: Atomdeal im Abschaltjahr! Die Grünen wollten die Lücke im Atomausstieg schließen. Statt dessen könnte mit Habecks Zustimmung Russland hierzulande ins Atomgeschäft einsteigen. Von Angela Wolff
  • Militärischer Missbrauch: Nukleare Gefahr, Technische Universität München betreibt in Garching Forschungsreaktor mit atomwaffentauglichem Uran. Von Dirk Seifert

Aus meinem Artikel vom 19.02.2022, Seite 3 / Schwerpunkt zum „Militärischer Missbrauch: Nukleare Gefahr – Technische Universität München betreibt in Garching Forschungsreaktor mit atomwaffentauglichem Uran Von Dirk Seifert“

Nach Störfällen und weiteren Problemen wird der Atomforschungsreaktor in Garching weiterhin abgeschaltet bleiben: „»Sicher ist, dass wir im ersten Halbjahr 2022 nicht anfahren werden«, teilte eine Sprecherin der TU auf jW-Anfrage mit. Kein Problem ist demnach das fast volle Lagerbecken mit hochradioaktiven Brennelementen. »Da wir noch Platz in unserem Abklingbecken haben (47 von 50 Positionen belegt), ist ein Wiederanfahren auch ohne Abtransporte möglich und geplant.« Eigentlich sollten erste Abtransporte in das Zwischenlager nach Ahaus in NRW längst erfolgt sein. Doch immer wieder kam es zu Verzögerungen. Erst verspätete sich die Genehmigung für den erforderlichen Transport- und Lagerbehälter MTR3. Dann wurden die sogenannten Terrorschutzanforderungen erhöht.“
 
In der jungen welt ist ausserdem zu lesen: „Noch ist der Genehmigungsantrag für die Einlagerung in Ahaus nicht vollständig, teilte das zuständige Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) dieser Zeitung mit. Der Ahaus-Betreiber, die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), gibt sich aber optimistisch: »Aufgrund geänderter Anforderungen beim Schutz des Zwischenlagers gegen Angriffe von außen (der sogenannte Schutz gegen Störmaßnahmen und sonstige Einwirkungen Dritter, SEWD) sind nur noch Unterlagen zur IT-Sicherheit vorzulegen«, heißt es gegenüber jW. Das solle »zeitnah« erfolgen. Außerdem ist die Genehmigung für maximal »zwei Transporte mit je einem Behälter mit fünf Brennelementen« noch nicht erteilt. Wie eine Sprecherin des Bundesamts BASE mitteilte, sollen Schwerlasttransporter zum Einsatz kommen, die »zur Erfüllung der Anforderungen zum Schutz gegen ›Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter‹ (SEWD) speziell ausgestattet sind.« Das Gesamtgewicht eines unbeladenen Fahrzeugs liege bei etwa 40 Tonnen. »Weitere Angaben zur konkreten sicherungstechnischen Ausstattung des Beförderungsmittels unterliegen zwecks Gewährleistung eines effektiven Schutzes gegen SEWD der Geheimhaltung.«“
Das Uran, welches in Garching eingesetzt wird, stammt zum einem erheblichen Teil aus Russland. In Frankreich wird es zu den speziellen Brennelementen verarbeitet, die in München gebraucht werden. 

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