Stopp Castor: Aktionen und Protest gegen hochgefährliche Atommülltransporte aus München-Garching (und Jülich) nach Ahaus

Die Proteste gegen die anstehenden Atommülltransporte mit hoch radioaktivem Atommüll aus dem Atomforschungsreaktor München-Garching und Jülich in das Zwischenlager in Ahaus nehmen zu. Am 4. Oktober ist eine Demonstration in Ahaus geplant. Nun rufen Initiativen und Umweltverbände auch für den 9. Oktober zum Protest nach München-Garching auf. Auch der BUND Naturschutz in Bayern unterstützt die Aktion. Die Stadt Ahaus hatte bereits Widerspruch gegen die Atomtransporte aus Bayern eingelegt. Damit ist – bis zu einem Bescheid der zuständigen Genehmigungsbehörde BASE – ein Transport aus Garching nicht möglich. Ein weiterer Widerspruch gegen die Genehmigung ist zusätzlich auf dem Weg.

Da der Betreiber, die TU München bzw. der beauftragte Transportunternehmer Orano.NCS bislang keinen Antrag auf Sofort-Vollzug gestellt haben, ist durch den Widerspruch der Transport aus München nicht möglich. Sollte der Widerspruch von BASE abgelehnt werden, könnte dann eine Klage erfolgen. Solange der Sofort-Vollzug nicht beantragt und von BASE erteilt worden ist, hätte eine Klage dann aufschiebende Wirkung.

Hier von der Seite der BAAK (Bayern Allianz)

Donnerstag, 9. Oktober um 10:45 Uhr am Forschungsreaktor Garching bei München, James-Franck-Straße 1 ( Zeit und Ort aktualisiert am 27.09.2025)

Warum? Der Atommüll aus dem Forschungsreaktor enthält auch nach dem Einsatz hoch angereichertes Uran (HEU), das für Atombomben missbraucht werden könnte.
Die im August genehmigten Transporte nach Ahaus (NRW) sind ein Sicherheitsrisiko und keine Lösung.
Gemeinsam fordern wir:

•    Keine Transporte mit waffenfähigem Uran nach Ahaus
•    Einsatz von waffenfähigem Uran im Reaktor stoppen: kein Weiterbetrieb ohne Abrüstung
•    Entwicklung und Bau einer Anlage zur Verdünnung des Urans in Garching – so wird das Uran abgereichert und entschärft.
•    Neubau eines möglichst sicheren Zwischenlagers in Garching

An der Aktion sind (bisher) beteiligt: Umweltinstitut, .ausgestrahlt, Bayern Allianz für Atomausstieg und Klimaschutz. Weitere Organisationen sind angefragt / in Abstimmung.
Mach gerne mit:
-Verbreite den Aktionsaufruf
-Kommt zur Aktion (uns ist bewusst, dass unter der Woche manche nicht können)
-Als Organisation: Zeichnet das Forderungspapier (siehe unten)/ Factsheet, dass wir veröffentlichen und an die Presse geben wollen
(Koordination hd@umweltinstitut.org)
Wichtig: Hier das Forderungspapier der bayerischen Gruppen zur Aktion in Garching: (klicken zum PDF-Download) (Stand 16.09.2025) Siehe auch direkt hier.

 

Produktion von Uran-Brennelementen in der EU stark rückläufig (Bilanz der Jahre 2013 – 2023)

Für den Betrieb von Atomkraftwerken braucht es Uran-Brennelemente. In der EU werden solche nuklearen Kernbrennstoffe mit angereichertem Uran in Deutschland, Schweden, Frankreich, Spanien und Rumänien* hergestellt. Trotz allem Gerede vom weltweiten und europäischen Atom-Hype: In den Jahren von 2013 bis 2023 ist die Produktion von Uran-Brennelementen in der Europäische-Union stark rückläufig: Laut Angaben der EU ist in diesem Zeitraum insgesamt ein Rückgang von 22,0 % zu verzeichnen war. Besonders in Schweden bei Westinghouse in Västeras ist der Rückgang mit 34 Prozent sehr stark, gefolgt von einem weiteren Einbruch um 29 Prozent in Deutschland bei der ANF in Lingen. (Foto: Uran-Brennelemente in einem Lagergestell bei der ANF Lingen, ca 1990)

(*Rumänien betreibt sogenannte Candu-Reaktoren, die ohne angereichertes Uran für den Betrieb auskommen. Die Brennelemente werden im Land selbst hergestellt, mit Uran aus Rumänien. In sogenannten Leichtwasserreaktoren könnte dieser Brennstoff nicht eingesetzt werden. (Siehe hier))

  • Was die Daten nicht zeigen, ist die Herkunft des Urans und wo die Anreicherung und Vorbereitung für die Verarbeitung zu Brennelementen erfolgt. Uranbergbau gibt es in der EU nicht in relevanter Form. Neben Kasachstan, Canada, Niger und Namibia als Uranlieferanten ist bei der Anreicherung neben der URENCO mit Anlagen in Gronau (BRD) und Almelo (NL) in der EU auch und vor allem Russland zu nennen. Auch Frankreich reichert Uran an.

Auf der Euro-Stat-Seite der EU ist eine Übersicht unter dem Titel „Nuclear energy statistics“ online. Die Daten sind derzeit von 2013 bist 2023, sodass z.B. bei der EU-Stromerzeugung aus Atommeiler auch noch Deutschland mit angeführt wird. Die letzten AKWs wurden dann Mitte April 2023 stillgelegt worden, sodass der Atomstromanteil in der EU vermutlich weiter gesunken sein muss. Auch Daten zur Urananreicherung sind auf der genannten Seite zu finden. Deutschland ist mit der URENCO-Anlage in Gronau an der Urananreicherung beteiligt. In der Statistik befinden sich außerdem Daten zur Herstellung von Plutonum-Mischoxid-Brennelementen, MOX. Demnach stellt seit 2015 nur noch Frankreich innerhalb der EU solche Plutonium-Brennelemente für den Einsatz in Atomkraftwerken her.

In Sachen Brennelemente-Fertigung in der EU ist bei Euro-Stat zu lesen:

Production of fresh fuel assemblies

The fuel assembly constitutes the base element of the nuclear reactor core. The material used is the low enriched uranium (3% to 4% U235) produced by the enrichment plants. The standard pressured water reactor core contains about 157 fuel assemblies (depending on the reactor type). The uranium oxide (black powder) is pressed into pellets (small cylinders), then placed inside rods (tubes of about 1 cm diameter, 4 m length ) which are inserted into the basic element of nuclear fuel, the „assembly“. The term „fresh fuel“ indicates that it is the first use of uranium extracted from mines as opposed to the „MOX fuel“ which is mainly made of recycled material. MOX (mixed oxide) assemblies are not included in this section but are covered in section „Production of MOX fuel elements“.

Production of fresh fuel elements are measured in tonnes of heavy metal (tHM).

Only 5 EU countries produced fresh fuel elements in 2023: Germany, Spain, France, Romania and Sweden (see Table 4 and Figure 2), with an overall decrease from 2013 to 2023 of 22.0%. Sweden recorded the largest decrease in production of fresh fuel elements over the past decade (-34.0%), followed by Germany (-29.0%), Spain (-19.5%) and France (-18.2%). Romania recorded an increase of +1.7%.

Production of fresh fuel assemblies, 2013 – 2023 (tonnes of heavy metal (tHM))

Uranfabrik Lingen: Russland-Geschäfte zur wirtschaftlichen Rettung?

Ohne die angestrebten Geschäfte mit dem russischen Atomkonzern Rosatom könnte die Uranfabrik in Lingen möglicherweise dichtgemacht werden. Nur noch wenige Atomkraftwerke werden aus Lingen mit Uran-Brennelementen beliefert. Die zum französischen Konzern Framatome gehörende Anlage in Lingen ist schon seit vielen Jahren nicht mal mehr zur Hälfte ausgelastet. (Brennelementefertigung bei ANF Lingen, Foto Framatome.)

Frankreichs Atomprogramm unter dem Dach von EdF und Framatome ist massiv verschuldet und Teil der finanziellen Krise des Landes. Von einem Schuldenberg von ca. 50 Milliarden Euro ist immer wieder Rede. In diesem Zusammenhang ist der wirtschaftliche Betrieb der ANF Lingen derzeit sicher als eine dauerhafte Belastung anzusehen. Allein schon deshalb sind die Pläne für eine Kooperation mit Rosatom zur künftigen Fertigung von VVER-Brennelementen von großer Bedeutung für den Standort. Bereits jetzt kommen große Mengen des Urans, welches in Lingen für die herkömmliche Brennelemente-Fertigung eingesetzt wird, über Russland.

Siehe dazu:

Geschäftsfeld Maschinenbau für Uran-Fertigung

Wichtig aber auch: In Lingen werden auch Maschinen und Komponenten zur Brennelemente-Herstellung gebaut und exportiert. In den letzten Jahren war Kasachstan einer der wichtigen Geschäftspartner. Auch dort kooperiert Framatome mit Rosatom.

Im Lagebericht teilt die ANF Lingen für das Geschäftsjahr 2023 mit: „Im Berichtszeitraum wurden insgesamt 111.375 (Vorjahr: 113.400) Brennstäbe gefertigt und zu 599 (Vorjahr: 544) Brennelementen unterschiedlicher Auslegung montiert. Wie geplant wurde kein Tails-Urandioxidpulver (Vorjahr: 106 t) mehr hergestellt und nach Frankreich ausgeliefert, da die Produktion bereits in 2022 kontrolliert beendet wurde.“

Im Bericht der Wirtschaftsprüfer für den Bericht 2023 heißt es auch: „Die Produktionsmengen lagen dagegen etwas unter dem Vorjahresniveau und damit in etwa im prognostizierten Rahmen. Im Detail wurden 111.375 Brennstäbe (Vorjahr: 113.400) zu 599 Brennelementen (Vorjahr: 544) montiert.“

Mit Blick auf die Daten in dem Bericht betrug der Gewinn (genauer: das Jahresergebnis vor Ergebnisabführung) der Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF Lingen) gemäß dem Jahresabschluss für 2023 TEUR 8.519 (also 8,519 Millionen Euro). Als Umsatzerlöse werden Beträge in Höhe von TEUR 119.496 ausgewiesen, also etwa 119,496 Mio. €. Für das Jahr 2024 beläuft sich laut dem Geschäftsbericht aus dem Frühjahr 2025 der Gewinn rund 20,6 Millionen Euro, die komplett an Framatome abgeliefert werden.

Uran-Brennelemente-Fertigung weiterhin nicht ausgelastet

Die Verarbeitung von Uran für Brennstoff nimmt bei der ANF Lingen seit Jahren ab und ist deutlich unter 50 Prozent der möglichen zulässigen Produktion. Um die Urangeschäfte anzukurbeln, will Frankreich gemeinsam mit Russland von Lingen aus besonders geformte Brennelementen für die russischen Reaktoren bauen, die in Osteuropa vielfach im Einsatz sind. Diese haben bereits teilweise Verträge mit Westinghouse in Schweden, aber es mangelt noch an Zulassungen für den Einsatz der eigenständig entwickelten VVER-Brennelemente, wie diese genannt werden.

Framatome will mit russischer Hilfe einerseits preiswerte VVER-Brennelemente anbieten, die außerdem noch mit russischer Hilfe über alle erforderlichen Genehmigungen zum Einsatz in den Reaktoren verfügen. Scheitert dieses Geschäft, weil angesichts des Krieges in der Ukraine solche Atomgeschäft zu viele Sicherheitsrisiken bedeuten?

Als Antwort auf eine schriftliche Anfrage eines grünen Abgeordneten (Harald Ebner, siehe dazu unten) hat die alte Bundesregierung Zahlen genannt, wie schlecht die Auslastung der Uranfabrik in Lingen ist. Zuletzt hatte ein Abgeordneter der Linken solche Daten abgefragt.

Daten zur Brennelemente-Fertigung veröffentlicht Framatome für den Standort in den Betriebsberichten.

  • Juli 2025: 10 Brennelemente mit 4,588 tU
  • Juni 2025: Es wurden 18 Brennelemente mit 8,259 tU ausgeliefert
  • Mai 2025: Es wurden 36 Brennelemente mit 19,252 tU ausgeliefert
  • April 2025: Im April 2025 wurden 34 Brennelemente mit 17,425 tU ausgeliefert
  • März 2025: Im März 2025 wurden 59 Brennelemente mit 20,401 tU ausgeliefert
  • Februar 2025: Im Februar 2025 wurden 100 BE mit 27,845 tU ausgeliefert.
  • Januar: Keine Angaben – nicht online.

In der Summe  – ohne die Daten von Januar: Von Februar bis Julia August 2025 wurden bei der ANF Lingen 257  Brennelemente hergestellt und dabei 97,770 Tonnen Uran ausgeliefert.

Die dafür durchgeführten Atomtransporte zu den jeweiligen Empfängern sind über die Exportgenehmigungen zur Ausfuhr von Kernbrennstoffen bei der BAFA bzw. dem BMU einzusehen. Eine Liste mit den durchgeführten Atomtransporten und dem Absender (und Empfänger) ANF Lingen ist beim BASE online verfügt. Kernbrennstoffe werden überwacht. In ihnen ist das spaltbare Uran235 per Urananreicherung für die Nutzung im Reaktor von ca. 0,7 Prozent im Naturzustand auf 3 – 6 Prozent erhöht worden, um die Kettenreaktion zu ermöglichen.

Dokumentation über die Daten zur Auslastung der BE-Fertigung in Lingen in den letzten Jahren: 

Drucksache 20/10863 – 80 – Deutscher Bundestag – 20. Wahlperiode

124. Abgeordneter Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), (PDF)

Transportbehälter für frische Brennelemente, Foto ca. 1990 bei ANF Lingen.

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Auslastung der Uran-Brennelementefabrik der Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) in Lingen jeweils in den Jahren 2020 bis 2024 gemessen an der Kapazität der Anlage und bezogen auf das Jahr 2010, und an welche Atomkraftwerke sind im Jahr 2022 und 2023 von Lingen aus frische Brennelemente geliefert worden?

Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Jan-Niclas Gesenhues vom 27. März 2024

Die Angaben der atomrechtlichen Aufsichts- und Genehmigungsbehörde (Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz) zur Auslastung der Brennelementfertigung der Brennelementfertigungsanlage Lingen können für die Jahre 2020 bis 2023 der nachfolgenden Tabelle entnommen werden (die zugrundeliegenden Daten sind für die Jahre 2020 bis 2022 öffentlich zugänglich, siehe https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Nuclear_energy_statistics#Production_of_fresh_fuel_assemblies, Excel-Tabelle unter „Source data for tables and graphs“). Für das Jahr 2024 liegen noch keine Angaben vor.
Jahr

Tabelle

Jahr – Uranmasse der hergestellten Brennelemente (Megagramm) – Auslastung bezogen auf genehmigte Kapazität (Prozent) – Auslastung bezogen auf 2010 (Prozent)

2020 193,0 30 42
2021 185,0 28 41
2022 169,3 26 37
2023 178,1 27 39

Neben Brennelementen wurden weitere Produkte wie Uranoxidpulver und Brennstäbe ausgeliefert, die signifikante Fertigungskapazitäten banden.

In den Jahren 2022 und 2023 wurden folgende Atomkraftwerke mit frischen Brennelementen beliefert:
– Beznau, Schweiz
– Blayais, Frankreich
– Borssele, Niederlande
– Dampierre, Frankreich
– Doel, Belgien
– Forsmark, Schweden
– Gösgen, Schweiz
– Leibstadt, Schweiz
– Olkiluoto, Finnland
– Ringhals, Schweden

Unverantwortliche Atomenergie: AKW-Betreiber Hamm meldet Insolvenz – Wer zahlt die Milliarden-Euro-Zeche?

Der Betreiber des seit Jahren stillgelegten Hochtemperatur-Reaktors in Hamm-Uentrop (NRW) hat Insolvenz angemeldet. Zuvor hatte die „Hochtemperatur-Kernkraftwerk Gesellschaft mit begrenzter Haftung (GmbH)“ (HKG) per Gerichtsverfahren versucht, die Stilllegungs- und Rückbaukosten des in den 1980er Jahren havarierten Atommeilers auf das Bundesland NRW abzuwälzen und war damit gescheitert. Es geht dabei um Kosten, die offiziell bei rund 750 Mio. Euro veranschlagt werden, die aber ohne Probleme auch die Milliarden-Euro-Grenze überschreiten können. Hinter der GmbH stehen die Energieriesen RWE und Preußen Elektra, die nun die Kosten auf die Steuerzahler:innen abwälzen wollen, nachdem schon der Betrieb wirtschaftlich ein Desaster war. In kleinerem Umfang sind an der GmbH aber auch die NRW-Städte Bielefeld, Aachen, Hagen und Wuppertal beteiligt, die für die Kosten grade stehen müssten.

Über die Betreibergesellschaft berichtet „energiefirmen„:  „RWE Power, Eon-Tochter Preussen Elektra und kommunale Energieversorger betroffen – Die Betreibergesellschaft des THTR-Reaktors in Hamm-Uentrop ist die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG). Hauptanteilseignerin ist die RWE Power AG mit rd. 39 Prozent, gefolgt von der Eon Tochter Preussen Elektra (ca. 39%) sowie der Arbeitsgemeinschaft Versorgungsunternehmen (AGV) mit rd. 22 Prozent. Die AGV ist ein Zusammenschluss von kommunalen Energieversorgern, darunter u.a. die Stadtwerke Bielefeld, Stadtwerke Hagen, Stadtwerke Aachen und die Stadtwerke Wuppertal (WSW).“ Außerdem werden auf der Betreiberseite THTR auch Dortmund und Bremen genannt.

Aktuell berichtet u.a. die Wirtschaftswoche jetzt zu der Insolvenz der HKG und schreibt: „Die HKG-Gesellschafter sehen sich nicht in der Pflicht, einzuspringen. „Die Gesellschafter der HKG sind über die bereits geleisteten Beiträge hinaus nicht zu weiteren Zahlungen verpflichtet“, heißt es dazu etwa vom Energiekonzern RWE. HKG-Geschäftsführer Dannert verweist wiederum auf den Bund und das Land NRW: Man habe nichts unversucht gelassen, durch Verhandlungen mit den Rahmenvertragsparteien eine Insolvenzanmeldung zu vermeiden. „Da diese Gespräche jedoch bislang ohne Ergebnis geblieben sind, ist es nun Sache der für die Kernenergie zuständigen Behörden beim Bund und im Land NRW, die weitere Abwicklung zu organisieren“, so Dannert.“

Update 06102025 – auf Telepolis wird über die Kosten berichtet, die für den Bau des THTR entstanden: „Die Baukosten von insgesamt 2.045 Millionen Euro für den THTR-300 wurden maßgeblich vom Steuerzahler finanziert. Mit 1.284 Millionen Euro war der Bund und mit 233 Millionen Euro war das Land NRW beteiligt, während sich der Anteil der Betreibergesellschaft auf 167 Millionen Euro beschränkte und die Hersteller 100 Millionen Euro zu den Baukosten beitrugen. 261 Millionen Euro wurden über Darlehen finanziert.“

Und Telepolis erwähnt auch einen wichtigen Aspekt, der für den Bau dieser Reaktorlinie damals sehr wichtig war. „Der Hochtemperaturreaktor war eine Weiterentwicklung der militärischen Graphitreaktoren zur Plutoniumerzeugung, und in den Brennelementkugeln war offensichtlich auch auf 93 Prozent angereichertes, waffenfähiges und leicht abtrennbares Material enthalten. Mit der Technik des Hochtemperaturreaktors wollte sich die damalige Bundesregierung wohl auch die Zugriffsmöglichkeit auf waffenfähiges Material erhalten.“ In dem Artikel wird auch darauf hingewiesen, dass die deutschen Pläne zu heftigen Auseinandersetzungen mit den USA führten. Dabei spielten auch die deutschen Deals mit Brasilien eine wichtige Rolle. Bezogen auf den THTR schreibt Christoph Jehle auf Telepolis: „Die Lieferungen von hochangereichertem Uran für Hochtemperaturreaktoren wurden allerdings im Jahre 1977 von US-Präsident Jimmy Carter wegen der erhöhten Proliferationsgefahr bei diesem Brennstoff gestoppt“.

Neuordnung Entsorgung 2017 – AKW Betreiber zahlen Rückbau – Staat übernimmt Atommüll-Entsorgung

Für Stilllegung und Rückbau der alten Atommeiler sind in Deutschland die ehemaligen AKW-Betreiber zuständig. Aus den über die Jahre des Betriebs gebildeten steuerfreien ! Rückstellungen werden die Kosten des Rückbaus, der meist deutlich über zehn Jahre dauert, finanziert. Nach dem Atomausstieg in Folge der Katastrophe von Fukushima hat die Bundesregierung im Jahr 2017 einen „Neuordnung der nuklearen Entsorgung“ beschlossen, weil schon damals die Atomkonzerne „drohten“, sich Arm zu rechnen, um sich nach den fetten Jahren mit großen Atomstromgewinnen von den Kosten der Atommüll-Entsorgung zu drücken.

Darauf hatte die damalige Bundesregierung die Atomkonzerne zwar für die Kosten zum Rückbau der Atommeiler weiterhin in der Pflicht belassen, ihnen aber die Kosten für die dann erforderliche langfristige Lagerung aller Atomabfälle gegen eine einmalige Zahlung von rund 24 Mrd. Euro abgenommen. Damit sind die Atomkonzerne seit 2017 per Gesetz und mit einem zusätzlichen Vertrag von der weiteren Haftung für die Kosten der Atommüllentsorgung entlastet und die Steuerzahler:innen in der Verantwortung. CDU/CSU und SPD sowie FDP und Grünen hatten dem damals im Bundestag zugestimmt.

Damit blieb aber grundsätzlich das Risiko bestehen, dass die jeweiligen AKW-Betreiber weiterhin die Möglichkeit hatten und haben, sich im Zweifelsfall von der Verantwortung für die Finanzierung für Stilllegung und Rückbau zu verabschieden.

Aus den rund 24 Mrd. Euro der Atomkonzerne für den Atommüll wurde der im staatlichen Besitz befindliche Kerntechnische Entsorgungsfond KENFO gegründet. Dessen Aufgabe ist es, die von den Atomkonzernen eingezahlten Beträge künftig derart anzulegen, dass damit die langfristigen Kosten der Atommüll-Entsorgung bezahlt werden können.

Welt-Nuklear-Industrie-Status-Report 2025 veröffentlicht – wissenschaftliche Fakten statt Behauptungen

Wo viele behaupten, schwadronieren oder einfach nur plappern, liefert ein Bericht Fakten, Knowhow, Zahlen und Daten: Der neue 589 Seiten starke Jahresbericht „World Nuclear Industry Status Report“ (WNISR) ist jetzt in Rom veröffentlicht worden. Seit Jahren wird der unter maßgeblicher Regie von Mycle Schneider herausgegebene unabhängige Bericht von vielen Fachleuten mit großem Aufwand und vielseitiger Expertise recherchiert und publiziert. Während in vielen Medien von einem neuen nuklearen Mega-Hype in allen Länder außer Deutschland berichtet wird, zeigt der Report in aller Nüchternheit auf Basis technischer und ökonomischer Grundlagen auf, dass es mit einer weltweiten Renaissance der Atomenergie nicht weit her.

Dokumentation: Von der Homepage des „Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung“ 

Global Launch des World Nuclear Industry Status Report 2025 in Rom

Pressemitteilung, Stand: 16.09.2025

Am 22. September wird in Rom bei einem Global Launch die 2025er Ausgabe des World Nuclear Industry Status Report (WNISR) vorgestellt. In der italienischen Hauptstadt steht Herausgeber Mycle Schneider nach Brüssel (WNISR 2023) und Wien (WNISR 2024) der internationalen Presse sowie den deutschsprachigen Korrespondent:innen fachkundig zur Verfügung, um Fragen zur aktuellen Lage und den Aussichten der internationalen Atomindustrie zu beantworten.

Umfangreiches Referenzwerk zu den Fragen der Atomkraft

Wo werden Atomkraftwerke gebaut und wo welche außer Dienst gestellt? Welche Mittel werden für neue Reaktormodelle bereitgestellt? Wie sind die zeitlichen, finanziellen Perspektiven? Antworten auf die vielen Fragen rund um die Atomkraft ermöglichen solide recherchierte Fakten, weltweit zusammengetragen und einmal jährlich übersichtlich aufbereitet – in dieser Tradition steht der WNISR.

Dem WNISR-Team ist es auch in diesem Jahr gelungen, ein umfangreiches Referenzwerk zur Atomkraftpolitik und -programmen zusammenzustellen. Der Jahresbericht wird von einem internationalen Expert:innen-Team erstellt, das an Universitäten und Thinktanks in Österreich, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Norwegen, Singapur, Südafrika, Südkorea, der Türkei und den USA tätig ist. Es handelt sich um eine umfassende, transparente Datensammlung und -analyse zu Planung, Bau, Betrieb und Stilllegung von Atomkraftwerken weltweit.

Der aktuelle Bericht behandelt wirtschaftliche sowie technische Aspekte und beschäftigt sich eingehend mit Themen wie den Small Modular Reactors (SMR), dem Status in Fukushima oder dem Stand der AKW-Stilllegungen. In einer Sonderanalyse geht es um die Systemkompatibilität von Atomkraft und Erneuerbaren Energien sowie der Frage, ob diese komplementär oder widersprüchlich zu bewerten sind.

Hintergrund zum World Nuclear Industry Status Report (WNISR)

Der WNISR erscheint seit 2007 jährlich in verschiedenen Formaten. Im Laufe der Jahre hat es sich zu einem Referenzwerk entwickelt, das wissenschaftlich unabhängig erarbeitet wird und Ankündigungen aus dem privatwirtschaftlichen Sektor kritisch hinterfragt.

Das BASE fördert die Studie finanziell, gemeinsam mit einer Reihe weiterer Institutionen. Für Fragen / Gespräche steht in Rom der BASE-Abteilungsleiter Forschung Jochen Ahlswede gern zur Verfügung.

Medien Briefing in Rom

Wann: 22. September 10.00 bis 12.30 Uhr, Wo: Europa Space, Akkreditierung: Journalist:innen vor Ort können sich über die Webseite des Kyoto Clubs anm-elden., Livestream: Streaming per YouTube-Kanal

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