Weil sich was ändern lässt: Gegen Spaltung und für Gemeinwohl – Michael Sladek – Danke!

Von der Homepage der EWS-Schönau

Michael Sladek ist gestorben. Stromrebell und mit vielen anderen gemeinsam EWS-Schönau – auch meine Genossenschaft für Erneuerbaren Strom und Gemeinwohl. Und er war mit dabei, als es in Hamburg „Tschüss Vattenfall“ vor etwas über 10 Jahren hieß. Heute ist aus „Unser Hamburg – Unser Netz“ ein wieder zu 100 Prozent kommunales Unternehmen geworden. Leider mit zu wenig Bürger-Beteiligung und zu viel Parteipolitik. Aber eins ist mal klar: Danke, Michael, für eine etwas bessere Welt!

umweltFAIRaendern!

IPPNW fordert Stilllegung der 1300 MW-Reaktoren in Frankreich – 40 Jahre sind genug. Grenzenlose Atomgefahren.

Die deutsche IPPNW hat in einem laufenden Anhörungs-Verfahren Frankreich aufgefordert, die angestrebte Laufzeitverlängerung der zwanzig 1300-MW-Atomreaktoren nicht durchzuführen und stattdessen endlich den überfälligen Atomausstieg einzuleiten. Noch bis zum 30. September können Stellungnahmen eingereicht werden.

Die geplante Verlängerung über eine Betriebsdauer von 40 Jahren hinaus berge unkalkulierbare Risiken für Mensch und Umwelt. Die alten Atommeiler seien in wesentlichen Komponenten nicht nachrüstbar und für neue Risiken wie Terror und Klimafolgen nicht ausgelegt. Gleichzeitig fordert die IPPNW beim laufenden Prüfverfahren europäische und internationale Standards einzuhalten und rechtsverbindlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sowie eine grenzüberschreitende Beteiligung der Bevölkerung nach Maßgabe der Espoo- und der Aarhus-Konvention durchzuführen.

  • Das Haut Comité pour la transparence et l’information sur la sécurité nucléaire (HCTISN) führt eine „freiwillige Öffentlichkeitsbeteiligung“ bis zum 30. September durch. Einen Teil der Informationen stellt HCTISN auf einer unten verlinkten Internetseite auch in englischer Sprache zur Verfügung. Auf der entsprechenden Webseite (in Französisch) besteht die Möglichkeit zur Abgabe von Stellungnahmen durch die potenziell betroffene Öffentlichkeit. Stellungnahmemöglichkeit Online (Link zu HCTISN) 

Die Stellungnahme der IPPNW erfolgt im Rahmen eines von Frankreich als freiwillig bezeichneten Verfahrens. Angelika Claußen, die Co-Vorsitzende der IPPNW hält das für völlig unzureichend. „Frankreich – und auch die Schweiz – sind im Moment dabei, die internationalen Standards zu untergraben und damit demokratische Beteiligungsrechte für die Bürger*innen zu beseitigen. Atommeiler sind maximal für eine Betriebsdauer von 40 Jahren entwickelt und gebaut worden. Eine weitere Laufzeit von immer älteren Reaktoren ist ein Spiel mit dem nuklearen Feuer.“

Auch die geplante Laufzeitverlängerung in der Schweiz hatte die IPPNW vor wenigen Wochen scharf kritisiert. Hier soll aktuell das AKW Leibstadt, unmittelbar an der Grenze zu Deutschland über 40 Jahre hinaus betrieben werden, ohne dass europäische Rechtsgrundlagen umgesetzt werden.

Unabhängiger World Nuclear Industry Status Report 2024 in Wien veröffentlicht

Der neue und vor allem unabhängige Welt-Nuklear-Industrie-Status-Report 2024 ist in Wien der Presse und Öffentlichkeit vorgestellt worden. Ein internationales Team von Experten und Wissenschaftler*innen – unterstützt von Stiftungen und einem Bundesamt – legt seit vielen Jahren diese kritischen Jahresberichte über den Status und die Entwicklungen in der Atomenergienutzung vor. Während die Internationale Atomenergie Agentur (IAEO) aufgrund internationaler Regelungen in Verbindung mit dem Atomwaffensperrvertrag die friedliche Nutzung der Atomenergie zu fördern hat, ist das Team vom WNISR gegenüber kommerziellen, wirtschaftlichen und politischen Interessen der Atomenergie neutral und behält auch einen Blick auf die ökologischen und sozialen Aspekte der Kernspaltung.

Dokumentation: In der Übersetzung der Pressemitteilgung der Autoren und Herausgeber heißt es:

Der World Nuclear Industry Status Report 2024 (WNISR2024) bewertet auf 513 Seiten den Status und die Trends der internationalen Atomindustrie. Er bietet einen umfassenden Überblick über Daten zu Kernkraftwerken, einschließlich Informationen über Betrieb, Produktion, Flottenalter und Bauprojekte. Der WNISR diskutiert den Stand der Neubauprogramme in bestehenden sowie in potenziellen neuen Nuklearstaaten, insbesondere im Fokus auf die Türkei, der einen kritischen Kontext zum laufenden Bau des ersten Kernkraftwerks des Landes bietet. Ein Abschnitt widmet sich den Ambitionen und Perspektiven für den Einsatz von Kernkraft in potenziellen neuen Ländern in Afrika, während der Taiwan-Fokus die aktuelle Situation und die Umsetzung der Atomausstiegspolitik behandelt.

Der WNISR2024 enthält Sonderkapitel mit den Schwerpunkten Kernenergie vs. Erneuerbare Energie und Power Firming sowie dem wachsenden Wettbewerbsdruck auf die Kernenergie, die untersuchen, wie Solar-/Windkraft plus Speicherlösungen zunehmenden Druck auf den Nuklearsektor ausüben. Weitere Fokusthemen umfassen einen Überblick über die Entwicklung von Small Modular Reactors (SMRs); eine Analyse der Abhängigkeit der globalen Nuklearindustrie von Russland mit einer Fallstudie zur Herstellung von Brennelementen russischen Designs; eine Analyse der Militarisierung ziviler Kernkraftwerke anhand der Fallstudie der Tritiumproduktion für Waffen in den USA und deren Bedeutung für Frankreich; sowie eine Bewertung der zivil-militärischen Querfinanzierung im britischen Nuklearsektor, die aufzeigt, wie Steuer- und Gebührenschuldner unwissentlich zivile und militärische Nuklearprojekte subventionieren.

Der Fukushima-Statusbericht bietet einen Überblick über die laufenden Herausforderungen vor Ort und außerhalb des Standorts der Katastrophe von 2011. Der Bericht über den Rückbau betrachtet die aktuelle Situation der mittlerweile über 210 stillgelegten Kernreaktoren, fast ein Drittel aller weltweit jemals zur Stromerzeugung eingesetzten Einheiten. Anhang 1 gibt einen Überblick über alle laufenden Nuklearprogramme nach Region und Land, die nicht in den Fokuskapiteln behandelt werden.

Vierzehn interdisziplinäre Autoren aus Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Südafrika, Taiwan, der Türkei, Großbritannien und den USA, die an renommierten akademischen Einrichtungen wie der Nagasaki University, der University of British Columbia, der Technischen Universität Berlin, der University of Sussex und der University of Johannesburg tätig sind, haben an dem Bericht mitgewirkt, zusammen mit einem Dateningenieur, zahlreichen Lektoren und zwei künstlerischen Designern.

Das Vorwort stammt von Andreas Molin, dem ehemaligen Direktor der Abteilung für Nuklearkoordinierung im österreichischen Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (1995–2021) und aktuellem Mitglied der High-Level Group on Stakeholder Engagement, Trust, Transparency and Social Sciences bei der OECD Nuclear Energy Agency.

  • Dokumentation: 11 September 2024 – 19 September 2024 in Vienna – Global Launch of the World Nuclear Industry Status Report 2024 –  The World Nuclear Industry Status Report 2024 (WNISR2024) will be released on 19 September 2024, during an in-person-only event in Vienna, co-hosted by BOKU University, the Austrian Federal Ministry of Climate Action, Environment, Energy, Mobility, Innovation and Technology, the German Federal Office for the Safety of Nuclear Waste Management (BASE), Friedrich-Ebert-Stiftung, and Heinrich-Böll-Stiftung, followed by a public event at BOKU University in the afternoon.
  • The World Nuclear Industry Status Report 2024

    Global Launch Event

    🗓 Thursday, 19 September 2024

    🕘 9:00–11:00 (CET)

    📍Presseclub Concordia • Bankgasse 8, A-1010 Vienna

    🗣 English

    ➡️ Please RSVP here (in person participation only!)

    Note: the event will prioritize questions from media representatives, however a public event with a similar program will also be held in the afternoon (details below).

    PROGRAM

    There will be a diverse line-up of distinguished speakers:

    Introduction: CHRISHN | President, Federal Office for the Safety of Nuclear Waste Management (BASE), Germany

    Presentation WNISR2024

    Global Overview : MYCLE SCHNEIDER | Independent Analysist, Paris, France, WNISR Coordinator and Publisher

    South Africa and Potential Newcomer Countries in Africa: HARTMUT WINKLER | Prof., Department of Physics, University of Johannesburg, South Africa, WNISR Contributing Author

    Civil-Military Cross-Financing in the U.K. Nuclear Sector: ANDY STIRLING | Prof., Science Policy Research Unit, University of Sussex, U.K., WNISR Contributing Author

    Fukushima Status Report / Japan Focus: TATSUJIRO SUZUKI | Prof., Nagasaki University, Japan, WNISR Contributing Author

    Decommissioning Status Report: CHRISTIAN VON HIRSCHHAUSEN | Prof., Berlin University of Technology, Germany, WNISR Contributing Author

    Small Modular Reactors (SMRs): M.V. RAMANA | Prof., University of British Columbia, Canada, WNISR Contributing Author

    Nuclear Power vs. Renewable Energy Deployment: ANTONY FROGGATT | Independent Energy Consultant, London, U.K., WNISR Co-Lead Author

    BACKGROUND

    The annual World Nuclear Industry Status Report (WNISR) provides a comprehensive overview of nuclear power plant data, including information on operation, production, construction, and decommissioning. The WNISR assesses the status of newbuild programs in existing as well as in potential newcomer nuclear countries. The report also compares the development of nuclear power and renewable energy globally. WNISR2024 includes special focus chapters on Nuclear Power vs. Renewable Energy Deployment and Power Firming and Competitive Pressure on Nuclear Energy, that assess how solar/wind + storage put increasing competitive pressures on the nuclear sector. Further focus chapters include an overview of Small Modular Reactor (SMR) developments; an analysis of the Russia Dependencies of the global nuclear sector with a case study on Russian designed fuel assembly manufacturing; an analysis of the Militarization of Civil Power Plants based on the case study of tritium production for weapons in the United States and its significance for France; and an assessment of Civil-Military Cross-Financing in the U.K. Nuclear Sector discussing how tax- and rate-payers unknowingly subsidize the civil and military nuclear establishments. The Fukushima Status Report provides an overview of ongoing onsite/offsite challenges of the 2011-disaster. The Decommissioning Status Report looks at the current situation of the now over 200 closed nuclear power reactors.

    For more information and past reports, published annually since 2007 see http://www.worldnuclearreport.org/.

    🔴 Please RSVP here (in person participation only!)

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    The World Nuclear Industry Status Report 2024: Public Event

    🗓 Thursday, 19 September 2024

    🕓 16:00-18:00 (CET)

    📍BOKU University • Gregor-Mendel-Straße 33 1180 Vienna Room: SR 13 first floor (MENH 01/43)

    PROGRAM

    Welcome: NIKOLAUSLLNER | Head, Institute of Safety and Risk Science, BOKU University, Austria

    Introduction CHRISHN | President Federal Office for the Safety of Nuclear Waste Management (BASE), Germany

    Presentation WNISR2024

    Global Overview : MYCLE SCHNEIDER | WNISR Coordinator and Publisher, Paris, France

    Decommissioning Status Report: ALEXANDER JAMES WIMMERS | Research Associate, Berlin University of Technology, Germany, WNISR Contributing Author

    South Africa and Potential Newcomer Countries in Africa: HARTMUT WINKLER | Prof., Department of Physics, University of Johannesburg, South Africa, WNISR Contributing Author

    Civil-Military Cross-Financing in the U.K. Nuclear Sector: ANDY STIRLING | Prof., Science Policy Research Unit, University of Sussex, U.K., WNISR Contributing Author

    Small Modular Reactors (SMRs): M.V. RAMANA | Prof., University of British Columbia, Canada, WNISR Contributing Author

    Nuclear Power vs. Renewable Energy Deployment: ANTONY FROGGATT | Independent Energy Consultant, WNISR Co-Lead Author

    Power Firming and Competitive Pressure on Nuclear: DOUG KOPLOW | Founding Director, Earth Track, Cambridge, United States, WNISR Contributing Author

Zwischenlagerung hochaktiver Atomabfälle: Nachschub für das Forschungsprogramm – Atomtransporte mit bestrahlten Brennstab-Segmenten aus Bayern über Hamburg nach Schweden

Im Rahmen der Abfragen von Daten über Atomtransporte durch Hamburg teilt der Senat den beiden Abgeordneten der Linksfraktion in der Bürgerschaft, Stephan Jersch und Norbert Hackbusch, mit, dass unter den insgesamt 16 Transporten mit Kernbrennstoffen im letzten Quartal auch hoch radioaktives Material aus dem AKW Gundremmingen per LKW über die Elbmetropole nach Schweden geliefert wurde. Dabei handelte es sich um sogenannte bestrahlte Brennstabsegmente (BSS) mit verbranntem Uran, die im Reaktor während der Kernspaltung eingesetzt worden sind. Genau Spezifikationen über diese Segmente hat der Senat nicht mitgeteilt. Insgesamt sind 11 Kilogramm hochaktives Material per Spezialbehälter auf dem LKW nach Schweden gegangen. Eine Rücknahme des Atommülls, in dem sich auch Plutonium befindet, ist nicht vorgesehen. (Foto: Andreas Conradt und im Text: Betreiber BGZ)

Hochradioaktive Brennstäbe im Behälter im Hintergrund.

Diese Transporte werden von einigen AKW-Betreibern nach Studsvik geschickt. Transporteur für diese Art von hochradioaktiven Brennelementen war einige Male der französische Konzern Orano. Dabei kommen NCS-Behälter zum Einsatz (Auf dem Betreiber Foto unten ist der Behälter mit Stoßdämpfern für den Transport zu sehen. Die runden Endstücke sollen den Behälter auf dem Fahrzeug fixieren und gegen schwerste Erschütterungen bis hin zum Unfall schützen).

In Studsvik läuft ein Forschungsprojekt, wie sich die bestrahlen Brennelemente aus den Atomkraftwerken langfristig verhalten werden. Immerhin sind sie nicht nur hochradioaktiv. Wenn im Zwischenlagerbehälter richtig was schiefgeht, könnte es zu nuklearen Kettenreaktionen kommen. Also Explosionen im Inneren des Behälters. Für die Zwischenlagerung ist die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung zuständig. Alle Zwischenlager werden neu genehmigt werden müssen, bevor irgendwann mal ein Endlager zur Verfügung stehen wird. Es geht also darum, Sicherheit für die nächsten 50 bis 100 Jahre zu prüfen. Scheitern verboten!

Hantieren für deutsche Sicherheit bei der langfristigen Zwischenlagerung hochaktiver Atomabfälle – Heiße Zellen im schwedischen Studsvik

Die BGZ hatte im Juli über das Forschungsprojekt LEDA (Long-Term Experimental Dry Storage Analysis) informiert. Kurz nachdem UmweltFAIRaendern über einen entsprechen Atomtransport aus dem AKW Lingen berichtet hatte. In Studsvik wird hochradioaktiver Atommüll in heißen Zellen direkt untersucht, also der Behälter in einer extrem gesicherten und isolierten Kammer geöffnet. Alle manuellen Eingriffe werden per Fernhantierung bedient und erfolgen über Öffnungen, die extrem abgeschirmt sein müssen, um derartige Handhabungen durchzuführen. Über Bleiglas-Fenster und Maschinen-Teleskope wird von Außen im Inneren das Material manipuliert.

Foto Betreiber NCS
Foto Betreiber NCS . Möglicher Transportbehälter

Vom 13.6. bis zum 28. August fanden in Hamburg insgesamt 16 Atomtransporte mit Kernbrennstoffen statt, also mit angereichertem Uran. Insgesamt 22 Mal wurden zusätzlich Transporte mit radioaktiven Stoffen durchgeführt. Das sind Stoffe, die radioaktiv sind, aber kein angereichertes Uran enthalten. Bei den sonstigen radioaktiven Stoffen ist auch Uranerz dabei, das über weitere Verarbeitungsschritte zu angereichertem Uran und damit zu Kernbrennstoff für den Einsatz in Atommeiler verarbeitet wird und nach dem Einsatz im Reaktor zu hochaktivem Atommüll. Solche Transporte kommen über den Hamburger Hafen, der für den Transport von Kernbrennstoff aufgrund politischer Verabredungen zwischen dem rot-grünen Senat und den Hafenunternehmen „gesperrt“ ist. (Alles nicht so einfach.)

 

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