Atomgigant AREVA am Abgrund: Eine Zeitbombe der französischen Atomindustrie

areva-01Der französische Atomgigant AREVA ist wirtschaftlich schwer angeschlagen und hat im letzten Jahr über vier Milliarden Euro Verlust eingefahren. Hinzu kommen völlig aus dem Ruder gelaufene AKW-Neubauprojekte in Flamaville und im finnischen Olkiluoto. Erst vor wenigen Wochen kam die nächste Hiobsbotschaft für den Konzern. Materialfehler im Herzstück der Neubauten, den Reaktordruckbehältern, könnten die Projekte zum völligen Desaster machen. Auch Neubau-Aufträge z.B. in China sind betroffen. Damit nicht genug: Arte-TV berichtet nun auch von Ermittlungsverfahren der französischen Staatsanwaltschaft gegen den Konzern, die richtig unangenehm werden könnten und bei denen es um dubiose Geschäfte im Umfang von drei Milliarden Euro bei der Übernahme eines Unternehmens UraMin geht und nicht nur die Firmenspitze betrifft, sondern ein ganzes Netzwerk von Profiteuren bis in die Regierung hinein. Es geht um vermeintliche Uranminen, in denen es aber kein Uran gab. Arte spricht davon, dass es hier um die Enthüllung eines Skandals geht, der sich „in Frankreich zu einer Staatsaffäre auswachsen könnte.“

Dazu ist auf der Seite von ARTE-TV zu lesen: „Die französische Justiz setzt sich nun ernsthaft mit der Areva-UraMin Affäre auseinander. Am 28. Mai hat sie zwei neue Ermittlungsverfahren gegen “Unbekannt” eingeleitet – ein anderes läuft bereits seit April. Das erste Ermittlungsverfahren, das die Bedingungen und Umstände des UraMin-Kaufes betrifft, wurde wegen “Betrugs, Veruntreuung und Bestechung ausländischer Amtsträger” eingeleitet. Das zweite Verfahren wurde wegen der „Verbreitung falscher Informationen, Verwendung oder Vorlage falscher Bilanzen, Machtmissbrauch und der Fälschung von Dokumenten und der Verwendung von gefälschten Dokumenten” eingeleitet und soll sich in erster Linie gegen Anne Lauvergeon richten.“ Lauvergeon ist die ehemalige Chefin der Anfang 2000 neu gegründeten AREVA, die vom Uranbergbau über den Bau von Atomkraftwerken bis hin zur Wiederaufarbeitung und Plutonium tätig ist.

Die umfangreiche Recherche ist vollständig samt vieler Videos und interessanter grafischer Darstellungen auf der Homepage von Arte dokumentiert und gliedert sich in vier Episoden, deren „Überschriften“ ich hier gleich zum „anfüttern“ mal übernehme. Zur Einleitung heißt es u.a.: „Alles beginnt 2007: Damals erwirbt der französische Nukleargigant Areva das kleine kanadische Unternehmen UraMin, das in drei afrikanischen Ländern Uranminen besitzt. Diese Transaktion – eine der größten, die in Frankreich seit dem Jahr 2000 getätigt wurde – erweist sich für den von Anne Lauvergeon alias „Atomic Anne“ geleiteten Konzern als finanzielle Katastrophe. Welche Geheimnisse verbergen sich hinter diesem Fiasko? In dieser weltumspannenden Affäre treffen wir auf Staatschefs, Finanzhaie aller Art, zwielichtige Politiker, gescheiterte Industriebosse…“

Episode 1

Ein französischer Abgeordneter, der Ex-Berater eines afrikanischen Staatschefs, ein Privatdetektiv und Whistleblower, sowie ein dem Geheimdienstmilieu nahestehender Krimiautor enthüllen die Hintergründe des UraMin-Deals von 2007. Auf dieser drei Milliarden Euro-Transaktion lastet heute ein schwerer Korruptions-Verdacht. Der Kauf von UraMin ist zweifellos einer der Gründe für den wirtschaftlichen Niedergang des Areva-Konzerns, der vor kurzem Rekordeinbußen eingestehen musste.

EPISODE 2

Eine Reise nach Bakouma, zur scheinbar vielversprechendsten Lagerstätte von UraMin. Heute gleicht der Ort einer Geisterstadt. Areva hat seine Verpflichtungen verletzt und den Ort verlassen. Nie hat der Konzern dort auch nur ein einziges Gramm Uran abgebaut. Zudem ist die örtliche Bevölkerung nun auch vermutlich radioaktiver Verseuchung ausgesetzt. Wir zeigen Ihnen Exklusiv-Bilder dieses Standorts, der inmitten eines Bürgerkriegslandes liegt.

EPISODE 3

Wer ist für diese Katastrophe verantwortlich? Wer profitiert davon? Einer der Protagonisten dieser Affäre ist der konservative französische Abgeordnete Patrick Balkany, ein enger Vertrauter von Nicolas Sarkozy, der zum Zeitpunkt der Investition in Milliardenhöhe französischer Staatspräsident war. Auch ein belgischer Milliardär ist in die Affäre verwickelt. Er agiert im Auftrag der französischen Staatsführung. Dabei geht es um zehntausende Dollar Schmiergeld in Zentralafrika.

EPISODE 4

In Frankreich hat die Justiz in Zusammenhang mit dieser politisch brisanten Affäre, bei der Stillschweigen und sogar Einschüchterungen an der Tagesordnung sind, zwei gerichtliche Ermittlungen eingeleitet. Sie könnten zu Anne Lauvergeon führen, der Ex-Chefin von Areva, die zu den Anschuldigungen bislang schweigt. Welche Rolle spielte die französische Staatsführung unter Nicolas Sarkozy? Wird dieser Skandal auch Südafrika erfassen, wo immer wieder Korruptionsvorwürfe laut werden? Die UraMin-Affäre wird wohl noch weite Kreise ziehen.

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2 Gedanken zu „Atomgigant AREVA am Abgrund: Eine Zeitbombe der französischen Atomindustrie

  1. Ich will nichts kommentieren. Gut berichtet ist es auch ohne meinen Kommentar. Ich will mit dir mailen, Dirk. Also schreib mich mal an.

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