Salzstöcke „problematisch“: Hochradioaktives Atommülllager in Granit östlich von Bayreuth „idealer Platz“?

Nach und nach kommt Bewegung in das anlaufende Suchverfahren für ein dauerhaftes unterirdisches Atommülllager für hochradioaktiven Atommüll. Jetzt meldet sich der aus Jena stammende Mineraloge Prof. Dr. Klaus Heide im Rahmen einer Veranstaltung des Freundeskreises der Ev. Akademie Tutzing zu Wort. Salzstöcke wie in Gorleben hält er mit Blick auf die ASSE für problematisch und ungeeignet. Stattdessen sieht er Granit als die „am besten geeignete Umgebung“ und nennt die Kösseine im Fichtelgebirge, östlich von Bayreuth zwischen Weiden in der Oberpfalz und Wunsiedel, einen „idealen Platz“, den man aber noch genauer untersuchen müsse. Bundesweit werden derzeit von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) geologische Daten über den Untergrund in Deutschland ermittelt, um für die dauerhafte Lagerung hochradioaktiver Atomabfälle geeignete Formationen in Salz, Ton und Granit zu identifizieren. Eine Auswahl von Regionen, die in drei vier Jahren festgelegt sein sollen, soll dann zunächst oberirdisch weiter auf eine mögliche Eignung untersucht werden. (Foto: Havariertes „Endlager“ ASSE II)

  • Über die Kritik von Klaus Heide berichtete der Endlagerdialog bereits im Jahr 2014 in Verbindung mit der „Endlager-Kommission“, siehe dazu diesen Artikel und die Links. Die BI Lüchow Dannenberg berichtet in 2015 über eine Studie aus den USA, in der Salz als Wirtsgestein für hochradioaktiven Atommüll als äußerst schlecht geeignet bezeichnet wird. Auf Schattenblick ist ein Beitrag von Klaus Heide aus dem Jahr 2007/8 zu finden, in dem er verglaste Gesteine für die „Endlagerung“ betrachtet.

UPDATE 5/10/17: Die Frankenpost reagiert auch auf die Veranstaltung mit Klaus Heide. „Mineraloge schlägt Kösseine als Atommüll-Endlager vor“ heißt es und der „emeritierte Professor Klaus Heide empfiehlt eine Entsorgung im Granit. Brigitte Artmann von den Grünen hält davon gar nichts.“ Dort heißt es zusätzlich zu dem hier im Text bereits geschriebenen Beitrag : „Dies brachte Heide schließlich zu seiner Kösseine-Schlussfolgerung, wobei er einräumte: Die erforderlichen hohen Schmelztemperaturen und die fehlende Akzeptanz der Bewohner seien große Hindernisse. Zu den Glas-Granit-Ideen des Professors stellte Artmann klar: „Verglasung wurde von den Experten in den Workshops der Endlagerkommission, an denen wir Wunsiedler teilnahmen, explizit ausgeschlossen.““

Laut dem O-Netz (Oberpfalz) ist für Klaus Heide klar: „“Salzstöcke halte ich für problematisch.“ In Gorleben sei auch „bis heute noch kein Kastorbehälter in 650-Meter-Tiefe“. In Asse würden täglich 120 000 Liter Wasser in das Bergwerk eindringen. „Salz fängt an zu fließen“, sagte der Mineraloge. Deutschland sei eines der letzten Länder, das an Salz als mögliche Endlagerstätte festhalte. Weltweit gebe es überall noch keine Lösung. Diskutiert werde die „Subduktionslösung“: die Versenkung von Atommüll ins Erdinnere an den Stellen, wo Kontinente zusammenstoßen, sowie auch die Versenkung in große Meerestiefen. „Wer soll das verantworten?“, fragte Heide.“

Und hat eine Antwort: „“Ich halte Granit für die am besten geeignete Umgebung, die Kösseine (Fichtelgebirge) wäre ein idealer Platz.“ Allerdings müsste auch dies noch genauer erforscht werden. Die erforderlichen hohen Schmelztemperaturen und die Akzeptanz der Bewohner seien große Hindernisse. Auf jeden Fall müsste eine Kontamination nach außen ausgeschlossen sein.“

Laut Wikipedia ist die Kösseine „ein Bergmassiv im Fichtelgebirge und liegt im Nordosten Bayerns südlich von Wunsiedel. Die höchste Erhebung des aus Granit bestehenden Bergstocks ist der gleichnamige Gipfel auf einer Höhe von 939 m ü. NHN.“

Die Veranstaltung mit Klaus Heide fand am 25. September organisiert vom „Freundeskreis Weiden“ statt. Auf dieser Homepage heißt es dazu: „End/ Zwischenlagerung radioaktiver und toxischer Abfälle, um 20:00 Uhr im Martin Schalling Haus, Weiden, Hans- Sachs- Str. 14
Referent: Univ. Prof.i.R.  Dr. Klaus Heide, Emerit. am Institut für Geowissenschaften u. allgemein angewandter Mineralogie der Friedrich Schiller Universität Jena. Der am Institut für Geowissenschaften in Jena emeritierte Professor i.R. Dr. Heide wird sich als anerkannter Experte für angewandte Mineralogie mit den Problemen, die eine Zwischen, bzw. Endlagerung dieser Stoffe mit sich bringt befassen. Als Wirtsgestein kommen in Deutschland wohl nur Salz, Kristalline (Granit) bzw. Ton in Frage. Alle haben bestimmte Eigenschaften mit Vor – aber auch bedeutenden Nachteilen für eine Endlagerung, die ja über Jahrtausende Bestand und auch Sicherheit für zukünftige Generationen haben sollte.“ (Die Infos finden sich auch hier).

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