Terrorschutz: Neubau eines Atommüll-Zwischenlagers in Lubmin

Lange haben sich die Verantwortlichen Zeit gelassen, nun aber ist entschieden: Weil das Zwischenlager für hochradioaktiven Atommüll in Lubmin nicht nachgerüstet werden kann, um den baulichen Schutz gegen Terrorangriffe zu verbessern, muss ein neues Lager gebaut werden. „Als Schutz vor Terrorangriffen plant das bundeseigene Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) den Bau eines neuen Atomlagers für die im Zwischenlager Nord (ZLN) deponierten 74 Castoren mit hochradioaktivem Abfall“, berichtet die Welt. (Foto: Unter diesem Dach lagert derzeit auch hochradioaktiver Abfall in Lubmin, künftig gibt es eine weitere Halle. Foto EWN)

Weiter informiert die Welt: „Als freistehendes Ersatzlager soll der Bau die in Lubmin eingelagerten Behälter voraussichtlich ab Ende 2024 aufnehmen. Mittel- und schwachradioaktiver Abfall soll weiter im Zwischenlager Nord verwahrt bleiben. Unverändert bleibe neben der Anzahl der Castoren auch die derzeitige Befristung der Aufbewahrungsdauer für die Castoren bis 2039.“ Weitere Informationen gibt es hier bei SVZ und hier beim NDR.

In einer dpa-Meldung heißt es außerdem: „Nach Terroranschlägen den USA sowie in Europa, der Bewertung von Täterprofilen und Waffensystemen waren im Frühjahr 2011 alle Betreiber von Atom-Zwischenlagern vom Bundesamt für Strahlenschutz aufgefordert worden, ihre Sicherungsmaßnahmen zu verschärfen.“

Der NDR schreibt unter dem oben angegebenen Link:

35 Millionen Euro für neue Halle

Das bundeseigene Unternehmen wolle von Ende 2024 an die bislang in der Halle 8 gelagerten Castoren mit hochradioaktivem Abfall so besser vor möglichen Terrorangriffen schützen. Zudem entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks eine neue Zerlegehalle für radioaktiven Abfall. Diese rund 35 Millionen Euro teure Halle werde das Herzstück für die Entsorgung von beispielsweise Dampferzeugern und Druckgefäßen.

Cordes: Keine zusätzlichen Kapazitäten für Castoren

Cordes betonte, dass das Zwischenlager keine zusätzlichen Lagerkapazitäten schaffen wolle. Mittel- und schwachradioaktiver Abfall bleibe weiter im Zwischenlager Nord. Unverändert bleibe neben der Anzahl der Castoren auch die derzeitige Befristung der Aufbewahrungsdauer für die Castoren bis 2039.

Höhere Sicherheitsvorschriften nach Terroranschlägen

Nach den Terroranschlägen in New York sowie mehreren europäischen Staaten, der Bewertung von Täterprofilen und Waffensystemen waren im Frühjahr 2011 alle Betreiber von Atom-Zwischenlagern vom Bundesamt für Strahlenschutz aufgefordert worden, ihre Sicherungsmaßnahmen zu verschärfen.“

Weiter heißt es dort: „Von den 74 Castoren stammen 65 aus den stillgelegten DDR-Kraftwerken Lubmin und Rheinsberg (Brandenburg). In neun weiteren sind Abfälle aus den Alt-Bundesländern deponiert: hochradioaktive Altlasten des atombetriebenen Forschungsschiffs „Otto Hahn“ und der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe. Das Akw in Lubmin ging 1973 in Betrieb und erzeugte etwa elf Prozent des in der DDR benötigten Stroms. Bis Ende der 2020er-Jahre soll der Rückbau der radioaktiv belasteten Areale abgeschlossen sein, danach beginne der Abriss. Die Demontage der Kraftwerke in Lubmin und Rheinsberg kostet nach Angaben des EWN rund 6,6 Milliarden Euro.“

Außerdem ergänzt der NDR: “ Die Atomexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, bezeichnete die Entscheidung als längst überfällig. Zudem sei die geplante Inbetriebnahme im Jahr 2024 zu spät. EWN und der Bund als Gesellschafter müssten für eine deutliche Beschleunigung sorgen. Das EWN – damals noch unter dem Namen Energiewerke Nord – hatte im Sommer 2015 seinen Antrag an das damals zuständige Bundesamt für Strahlenschutz zurückgezogen, nachdem sich dieser als nicht genehmigungsfähig erwiesen hatte. Auch die Linken-Abgeordnete Mignon Schwenke begrüßte die Entscheidung mit gemischten Gefühlen. Endlich habe die Hängepartie um die nötigen Sicherheitsmaßnahmen ein Ende, so Mignon. Cordes begründete die lange Prüfungsdauer mit baulichen Besonderheiten. Das Zwischenlager sei ein komplexer Bau; die Halle mit den Castoren sei räumlich mit weiteren Gebäuden verbunden.“ Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel kommentiert hier.

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