Atomenergie Welt-Status-Bericht: „Von der Dauerkrise zum freien Fall: Der Abgesang der internationalen Atomindustrie“

Soeben ist in Paris der nagelneue „World Nuclear Industry Status Report 2017“ (WNISR) erschienen. Der Bericht listet seit vielen Jahren die weltweite Situation der Atomenergie und Anlagen auf und gibt so einen kritischen Überblick. In der Ankündigung heißt es: „Der WNISR bewertet den Status von Neubauprogrammen in den derzeitigen Nuklearländern sowie in potenziellen neuen Anrainerstaaten.“ Außerdem enthält der Bericht 2017 „eine neue Bewertung aus Sicht eines Equity-Analysten zur Finanzkrise des Nuklearsektors und einiger seiner größten industriellen Akteure.“ In dem unter der Regie von Mycle Schneider (Foto) verfassten Lagebericht stellt „Öko-Pinonier“ S. David Freemann fest: „Die Welt braucht keine Kernkraftwerke mehr zu bauen, um den Klimawandel zu vermeiden und schon gar nicht um Geld zu sparen. Wenn Sie irgendwelche Zweifel an dieser Tatsache haben, lesen Sie bitte die World Nuclear Industry.“

Weiter heißt es zum Inhalt des Berichts: „Der Statusreport von Fukushima liefert nicht nur ein Update über die Onsite- und Offsite-Ausgaben sechs Jahre nach Beginn der Katastrophe, sondern auch die neuesten offiziellen und neuen unabhängigen Kostenschätzungen der Katastrophe. Die Kapitel zu den Schwerpunktthemen enthalten detaillierte Analysen zu Frankreich, Japan, Südkorea, Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Das Kapitel Kernenergie vs. Erneuerbare Energien enthält weltweit vergleichende Daten zu Investitionen, Kapazität und Erzeugung aus Kernenergie, Wind- und Solarenergie. Anhang 1 schließlich gibt einen Überblick über alle anderen Länder, in denen Kernkraftwerke in Betrieb sind.“

Die Online-Fassung als HTML ist hier nachzulesen. Die PDF-Fassung kann hier heruntergeladen werden (oder hier). Die Berichte der letzten Jahre sind hier ebenfalls online als PDF abrufbar.

Im Wendland.net (Lüchow Dannenberg) wird für den kommenden Samstag (18:00 Uhr, Trebeler Bauernstuben, Trebel) eine Veranstaltung zum neuen Bericht angekündigt. Dort heißt es: „International kämpft die Atomindustrie mit sinkenden Großhandelspreisen und bis zu 90%igen Börsenverlusten. Das ist das Ergebnis einer Studie, an der der internationale Energie- und Atompolitikexperte Mycle Schneider maßgeblich beteiligt war. Am Samstag stellt er die Studie in Trebel vor.“ 

In der Kurzzusammenfassung des Berichts (PDF) heißt es beispielsweise zum Thema „Starts und Stopps“: „Im Jahr 2016 wurden zehn Reaktoren in Betrieb genommen, fünf in China, je einer in Indien (Kudankulam-2), Pakistan (Chasnupp-3), Russland (Novoronezh-2-1), Südkorea (Shin-Kori-3) und den USA (Watts Bar-2, nach 43 Jahren Bauzeit). 2016 wurden zwei Reaktoren geschlossen, Novovoronezh-3 in Russland und Fort Calhoun-1 in den USA. In der ersten Jahreshälfte 2017 wurden weltweit zwei Reaktoren in Betrieb genommen, je einer in China (Yangjiang) und Pakistan (Chasnupp-4, gebaut von einer chinesischen Firma), während zwei Reaktoren stillgelegt wurden, die ältesten in Südkorea (Kori-1, nach 40 Jahren Betrieb) bzw. in Schweden (Oskarshamn-1, nach fast 46 Jahren Betrieb).“

In der Gesamtschau ist über „Betriebs- und Konstruktionsdaten Reaktorbetrieb“ zu lesen: „In 31 Ländern sind Kernkraftwerke in Betrieb. Diese Länder betreiben insgesamt 403 Reaktoren (ohne Langzeitausfälle), nur eine Einheit mehr als Mitte 2016, 35 weniger als der Höchstwert von 438 im Jahr 2002. Die installierte Gesamtkapazität erhöhte sich im vergangenen Jahr um weniger als ein Prozent auf 351 GW, was dem Niveau des Jahres 2000 entspricht. Die installierte Leistung erreichte 2006 mit 368 GW ihren Höchstwert. Die jährliche nukleare Stromerzeugung erreichte im Jahr 2016 2.476 TWh – 14 Prozent mehr als im Vorjahr, aber rund 7 Prozent weniger als der historische Höchstwert von 2006. Der globale Anstieg um 35 TWh im Jahr 2016 ist wie bereits 2015 auf den Produktionsanstieg in China zurückzuführen, wo die nukleare Erzeugung um 23 Prozent oder 366 TWh zunahm.“

Ausführlich geht der Bericht auch auf die massiven wirtschaftlichen Probleme der Atomkonzerne ein und betrachtet das Desaster von Toshiba/Westinghouse und Areva/EDF.

Keine Atomtransporte in Hamburg? BUND hat nachgefragt – wieder 33 strahlende Frachten in drei Monaten

Angeblich will der rot-grüne Senat die Atomtransporte zumindest im Hamburger Hafen abschaffen. Doch nach nun über zwei Jahren im Amt, können die Versorgungstransporte für den Betrieb von Atomkraftwerken weiterhin ungestört stattfinden. Allein im Zeitraum Juni bis August sind erneut 33 Atomtransporte über Hamburg abgewickelt worden. Das ergibt sich aus der neuen Anfrage der Hamburger Linksfraktion (PDF).

„Atomtransporte – Was tut die Politik?“. Das wollte auch der Arbeitskreis Energie des Hamburger BUND in Erfahrung bringen und hatte im Frühjahr die Senatsbehörden sowie die Bürgerschaftsfraktionen angeschrieben, wie es denn mit der Umsetzung der rot-grünen Koalitionsvereinbarung zur Beendigung der Atomtransporte im Hafen stehe. Das Fazit des BUND-AK: „Doch nach über zwei Jahren im Amt gibt es keine greifbaren Ergebnisse.“

Dabei besteht echter Handlungsbedarf. Beim BUND ist zu lesen: „In 2016 waren es laut einer Anfrage der LINKEN 175 Atomtransporte, davon 75 Kernbrennstofftransporte. Hamburg ist weiterhin eine der weltweiten Drehscheiben für die Versorgung von Atomkraftwerken mit Uranprodukten. Eine besondere Bedeutung haben die Transporte zu den Atomfabriken in Gronau und Lingen. Mit deren Uranbrennstoffen werden unter anderem die AKWs in Fessenheim, Cattenom, Doel und Tihange versorgt.“

Auf der Homepage des BUND Hamburg heißt es seitens des AK: „Da Selbstbeschränkungen der Wirtschaft meist keine Wirkung zeigen, forderten wir in einem Schreiben den Senat auf, ein zeitnahes und konsequentes Verbot von Atomtransporten in Hamburg zu erlassen. Die rot-grüne Koalition in Bremen hat gezeigt, wie es geht: Mit einer Teilentwidmung wurde der Umschlag von Kernbrennstoffen untersagt. Trotz Klagen von drei Atomkonzernen hat diese Regelung bis heute Bestand. In Hamburg lehnte die Bürgerschaft im Mai 2014 diese Vorgehensweise ab.

Vor diesem Hintergrund baten wir in unserem Schreiben Senat und Fraktionen um die Beantwortung der folgenden Fragen:

  1. Bis wann will der Hamburger Senat die „freiwillige Selbstbeschränkung“ für Atomtransporte auf den Weg bringen?
  2. Warum werden nicht zuerst bei den öffentlichen Hafenbetrieben entsprechende Verbotsregelungen getroffen?
  3. Welche Schritte wollen Sie unternehmen, wenn die Hafenbetriebe einer freiwilligen Regelung nicht zustimmen?“

Die Antworten der Fraktionen und Behörden sind unter dem oben genannten Link nachlesbar.

Über 30 Nazis im Bundestag? Zdebel warnt vor Wahl der AfD

„Zum ersten Mal seit 1945 könnte bei den anstehenden Bundestagswahlen wieder eine Nazi-Formierung in den Reichstag einziehen“, warnt Hubertus Zdebel, Bundestagskandidat der Münsteraner LINKEN. Hintergrund ist eine Untersuchung des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS), wonach bis zu 32 Anhänger von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke in den Bundestag einziehen könnten – bei einem AfD-Ergebnis von 8,5 Prozent.

Zdebel weiter: „Die AfD ist der Wolf im Schafspelz. Nach außen gibt sie sich einen seriös-bürgerlichen Anstrich, doch hinter der Fassade tummeln sich Hitler-Verehrer, Holocaust-Verharmloser und Stiefel-Nazis. Die jüngsten Email-Leaks der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel geben einen Einblick in die wirkliche Gedankenwelt der AfD. Weidel hetzt in der besagten Mail gegen eine ‚Überfremdung durch Araber, Sinti und Roma‘ und bezeichnet die Regierung als ‚Schweine‘, die nur ‚Marionetten der Siegermächte‘ seien. Das ist reiner Nazi-Sprech.

Am Wahltag kommt es darauf an, die AfD so klein wie möglich zu halten. Eine starkes Ergebnis für DIE LINKE wäre zugleich ein wichtiges Signal gegen rassistische Stimmungsmache und rechte Parolen.“

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