Keine Atomkraftwerke in Polen – Nein sagen bei der laufenden Bürger:innenbeteiligung – Einwendung als Mustervorlage

Polen will neue Atomreaktoren bauen. Seit langen Jahren wird das Thema dort vorangebracht. Die Klimakatastrophe ließe sich zwar schneller und kostengünstiger mit Erneuerbaren Energie bekämpfen, aber das Thema dürfte für die rechte Regierung in Polen nur am Rande von Bedeutung sein. Klar ist: Ein Land mit Atomreaktoren hat in der weltweiten Wahrnehmung auch machtpolitische Vorteile. Jetzt läuft das Verfahren einer Bürgerbeteiligung im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung nach EU-Recht. Und hier haben EU-Bürger:innen das Recht, Einspruch zu erheben. umweltFAIRaendern dokumentiert im folgenden einen Vorschlag für eine solche Einwendung als Mustervorlage, die übernommen, geändert, ergänzt, gekürzt oder verlängert werden darf. Sie sollte aber – in der einen oder anderen Weise – unbedingt bis zum 13. Dezember bei der zuständigen Stelle per Mail eingegangen sein. (Foto: Polnische Atomkraftgegner bei Protest am AKW Brokdorf)

Bitte diesen Link oder diese Mail weiterverbreiten!

  • Der Vorschlag als Vorlage für Texterverarbeitung – .RTF ist Einwendung UVP Verfahren AKW Polen. – BITTE prüft in jedem Fall die Daten.
  • Informationen der Bundesregierung im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligung sind hier online.

ENTWURF – DOKUMENTATION – COPY …. PASTE … Editieren …. und abschicken:

Name Anschrift

Ort,Datum

Generalny Dyrektor
Ochrony Srodowiska

  1. Wawelska 52/54

PL – 00-922 Warszawa

Per Email:  npp.poland.DE@gdos.gov.pl

 Stellungnahme im grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren zum Bau eines Atomkraftwerks in Polen

Sehr geehrter Herr Generaldirektor.

zum polnischen Kernenergieprogramm wie es in den ausgelegten Unterlagen in deutscher Sprache dargestellt ist, nehme ich wie folgt Stellung:

Durch die geplante Errichtung von Atomkraftwerken in Polen sehe ich Leib und Leben, meine Gesundheit sowie die meiner Kinder und künftiger Enkel, mein Erbgut, mein Eigentum und die Sicherstellung unbelasteter Nahrung gefährdet.

Die historische Entscheidung, in Polen kein Atomkraftwerk zu bauen, war eine große Errungenschaft des Demokratisierungsprozesses, den das Land Ende der 80er Jahre, Anfang der 90er Jahres des vergangenen Jahrhunderts durchlaufen hat.

Ich habe Ihr Land immer als positives Beispiel angesehen, dass eine Energieversorgung ohne Atomkraft möglich ist. Es ist eine absurde Situation, dass die polnische Regierung nun genau gegenläufig zur Entwicklung in Deutschland neue Reaktoren in Polen bauen will.

Ich halte den Einstieg in ein Kernenergieprogramm für eine völlig falsche und gefährliche Entscheidung: Die wichtigsten Klimaziele Polens werden nicht erreicht und die Gefahr schwerer nuklearer Unfälle wird neu in Kauf genommen.

Ihr Plan, Kernkraftwerke zu bauen, steht im Widerspruch zu dem überwiegenden weltweiten Trend eines rückläufigen Baus von Reaktoren, der bereits vor vor der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl1986 eingesetzt hat, nach Fukushima 2011 weiterging  und weiter anhält. Zusätzlich zu den bekannten schwerwiegenden Problemen der Hochrisikotechnologie Kernenergienutzung – jahre- und jahrzehntelange Verzögerungen bei der Fertigstellung von Neubauten, Unfallrisiken und das ungelöste Atommüllproblem – habe ich die Sorge, dass ihr Land bisher keine Erfahrung mit einer  Aufsichtsbehörde für nukleare Sicherheit sowie an anderen notwendigen Behörden und Infrastrukturen hat.

Unrealistische Bauzeiten

Nach dem derzeitigen Plan gehen Sie davon aus, dass der erste Reaktor innerhalb von 10 oder 11 Jahren (im Jahr 2033) in Betrieb genommen werden kann. Dieser Zeitrahmen ist völlig unrealistisch, wenn man bedenkt, dass die derzeitigen Bauzeiten für Kernkraftwerke in der Europäischen Union und den USA bei etwa 20 Jahren liegen.

Ungesicherte Finanzierung

Das erste Kernkraftwerk soll von der US-Firma Westinghouse gebaut werden. Noch bevor ein Geschäftsvertrag abgeschlossen wurde, erklärte der polnische Premierminister Anfang November 2022, dass das erste KKW mit drei AP1000-Reaktoren bis zu 20 Milliarden Dollar kosten könnte. Dies ist unrealistisch, wenn man die Kosten der laufenden Projekte für den Bau neuer Kernkraftwerke in Europa und den USA bedenkt. Weder in den UVP-Unterlagen noch in anderen Dokumenten wurde bisher ein Finanzierungskonzept für das erste KKW in Polen (oder für das gesamte PPEJ-Programm) vorgelegt. Da die Finanzierung auch nach mehr als einem Jahrzehnt der Vorbereitungsarbeiten nicht gesichert ist, scheinen weitere Verzögerungen unvermeidlich.

Ich bitte Sie dringend, die vorgesehenen Mittel stattdessen für den Einsatz von erneuerbaren Energien zu verwenden. Erneuerbare Stromerzeugungstechnologien werden immer billiger und tragen so schnell und zuverlässig zur Energieversorgungssicherheit bei.

Abhängigkeit von Russland bei der Uranversorgung

Die Versorgung der Reaktoren  mit dem Brennstoff Uran würde über die European Supply Agency erfolgen. Anders als bei erneuerbaren Energien wäre Ihr Land  dabei völlig vom Ausland abhängig. Zu der Abhängigkeit von den USA beim Bau der Reaktoren und bei Dienstleistungen käme bei der Brennstoffversorgung auch noch die Abhängigkeit von der Russischen Föderation dazu. 20 % des in der EU verbrauchten Urans kommen aus Russland, 22 % aus Kasachstan.

Kernenergie als Hochrisikotechnologie ist kein Beitrag zum Klimaschutz

In den EIA-Dokumenten wird behauptet, dass das polnische KKW nur etwa 6 g CO2 eq/Kilowattstunde emittieren wird. Betrachtet man jedoch die CO2 Emissionen aus dem vorgelagerten Teil des allgemeinen Lebenszyklus der Kernenergie, insbesondere aus dem Uranabbau und der Uranverarbeitung, sind die Zahlen viel höher und dürften weltweit noch steigen (aufgrund der Erschöpfung reicher Uranerze). In der Metastudie von Nugent und Sovacool aus dem Jahr 2014 wurde für die Kernenergie ein Median von 66 g CO2 eq/kWh berechnet. Internationale Studien wie die des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zeigen eindeutig, dass die CO2 Emissionen der Windenergie deutlich niedriger sind als die von Kernkraftwerken.

Keine Betriebserfahrung mit dem Reaktortyp Westinghouse AP1000 in Europa

Das erste polnische Kernkraftwerk soll aus drei AP1000-Reaktoren des US-Unternehmens Westinghouse bestehen. Den EIA-Unterlagen zufolge sollte für das erste polnische KKW ein Reaktor ausgewählt werden, der bereits über Betriebserfahrung verfügt. Bislang ist jedoch noch kein AP1000-Reaktor in Europa in Betrieb. Sein passives Sicherheitskonzept und seine modulare Bauweise können deshalb nicht als „bewährt“  bezeichnet werden. Da Ihr Land zudem keine Erfahrung mit dem Betrieb und der Überwachung von Kernkraftwerken hat, erfüllt mich das mit besonderer Sorge. Die Zulassung dieses Reaktortyps in den USA erfolgte bereits 2006 – vor der Katastrophe von Fukushima.

Fehlender Schutz gegen Terrormaßnahmen, Sabotage und Kriegseinwirkungen

Die vorgesehenen AP1000-Reaktoren sind nicht ausreichend gegen Terror und Sabotage geschützt. Beispielsweise würden sie  dem Absturz eines großen Verkehrsflugzeugs, wie er von Al Quaida in den USA geplant war nicht standhalten. Einwirkungen von außen können beim AP1000 zu großen Unfällen und zur Freisetzung großer Mengen radioaktiver Strahlung führen.

Völlig unzulänglich ist der Schutz vor Kriegseinwirkungen. Gerade die aktuelle weltpolitische Lage nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und den Erfahrungen mit den nuklearen Anlagen in der Ukraine zeigen, dass die Gefahren von Angriffe auf Atomanlagen größer werden

Beides – Terrorangriffe und Kriegseinwirkungen können nicht nur die Verstrahlung der Umgebung, sondern auch weiter Teile Nord- und Mitteleuropas zur Folge haben.

Schwere Unfälle, die weite Teile Europas betreffen, sind nicht auszuschließen

In den UVP-Dokumenten wird ein schwerer Unfall berechnet, der aber keineswegs den schlimmstmöglichen Unfall darstellt. Unabhängige Studien zeigen, dass ein Unfall mit Versagen des Containments schwerwiegende Auswirkungen haben. Unter verschiedenen ungünstigen Wetterbedingungen könnte jedes Land in Europa schwer kontaminiert werden.

Sichere Entsorgung von Atommüll ist nicht garantiert

Es gibt keinen Nachweis für die sichere Entsorgung der abgebrannten Brennelemente und radioaktiven Abfälle, die beim Betrieb und der Stilllegung des Kernkraftwerks anfallen würden. Dafür wären Anlagen zur Konditionierung und Verpackung der Abfälle, Zwischen- und Endlager erforderlich, von denen bisher keine fertiggestellt wurden und für deren Bau in den UVP-Unterlagen keine Zeitpläne angegeben sind. Das UVP-Dokument bezieht sich auf Polens Nationales Abfallwirtschaftsprogramm, das die Richtlinie 2011/70/Euratom über nukleare Abfälle umsetzen soll, aber auf die Version von 2015, die bereits veraltet ist. Selbst die Europäische Kommission hält Polens Abfallbewirtschaftungspläne für unzureichend,. Es wurde meines Wissens bereits ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.

Im Nationalen Entsorgungsprogramm deutet Polen an, sich an einem multinationalen Endlager beteiligen zu wollen – allerdings nicht auf polnischem Staatsgebiet. Dieser Versuch ist zum Scheitern verurteil. Bisher hat sich kein EU-Mitgliedstaat bereit erklärt, den Atommüll anderer Länder aufzunehmen.

Da die polnischen Nuklearpläne Auswirkungen auf ganz Europa haben können, fordere ich eine öffentliche Anhörung mit der Möglichkeit der Online-Beteiligung und einer Verdolmetschung möglichst in die deutsche, zumindest aber  in die englische Sprache.

Erneuerbare Energien, Effizienz und Einsparung statt Kernenergie

Eines der größten Risiken beim Bau von Kernkraftwerken besteht darin, dass es zu Verzögerungen von bis zu mehreren Jahrzehnten kommt und ein Teil der Anlagen sogar aufgegeben wird. Wichtige Zeit wurde dann für die Energiewende vertan. Die nötige Förderung Erneuerbarer Energien findet parallel meist gar nicht oder nicht im nötigen Umfang statt. Oft wird dann noch auf CO2-intensive Kohlekraftwerke als Übergangstechnologie gesetzt, die dann bei einem Scheitern der Atomkraftpläne aus Mangel an schnell einsetzbaren Alternativen weiter betrieben werden müssen.

Ich fordere daher einen Plan B, bestehend aus dem massiven Ausbau von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz- und Einsparungs-Maßnahmen und der verbindlichen Ankündigung eines Datums, ab dem dies umgesetzt wird, wobei mehr als 2 Jahre nicht akzeptabel sind: Für die Lösung der Klimakrise sind wir alle verantwortlich. Sie kann nicht warten.

Bitte informieren Sie mich über die weiteren Planungen und den Fortgang des Verfahrens.

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Am Rande der Atomwaffenfähigkeit: Neue Uranbrennstoffe – USA bremst teilweise deutschen Urananreicherer URENCO aus

Die USA sind dabei, neuartige Uran-Brennstoffe zu entwickeln und müssen dabei verloren gegangene technische Fähigkeiten im Atomsektor neu entwickeln. Es geht um die Aufrüstung der gesamten Uran-Verarbeitung inklusive der Anreicherung für Reaktoren und für Atomwaffen. Fast die gesamte Uran-Produktion der USA funktioniert nur noch mit ausländischen Konzernen, vor allem in Russland und Europa. Vor allem mit Blick auf die Atomwaffen-Arsenale ist das für die USA ein erhebliches Problem. Rein technisch könnte ein teilweise deutsches Unternehmen helfen, die URENCO mit Sitz in Gronau.

Dort wird Uran für zivile Atomenergie angereichert, maximal 6,5 Prozent sind innerhalb der Anlagen in der Produktion erlaubt, ausgeliefert werden darf  aber nicht mehr als mit 5 Prozent Anreicherung dieses brisanten Materials. Doch die USA setzen derzeit auf die nationale Karte: America first, das gilt im Atombereich nicht nur für die Republikaner unter Trump, sondern auch für die Demokraten. „Trotz seiner Präsenz im Inland (gemeint ist die USA, umFAIR) wäre es Urenco nach der derzeitigen US-Nichtverbreitungspolitik verboten, Uran für militärische Zwecke zu liefern. Nach US-amerikanischer Auslegung der Verträge kommt das Unternehmen nicht in Frage, da es sich in ausländischem Besitz befindet und die Zentrifugentechnologie des Unternehmens außerhalb der USA entwickelt wurde.“ Das ist eine aktuelle Meldung von PhysicsToday (PT). Der Artikel handelt eigentlich von neuartigen Uran-Brennstoffen, die für die Forschung an neuen Reaktor-Konzepten – vor allem für militärische Zwecke – benötigt werden.

Diese „Neben“-Information ist wichtig, weil URENCO – ein deutsch-britisch-niederländisches Unternehmen – gern geliefert hätte! Und die Bundesregierung – die nach dem Vertrag von Almelo im Kontrollausschuss der URENCO über die ausschließlich zivile Nutzung sitzt – hätte nicht „so richtig“ was dagegen gehabt. URENCO kann die Spaltbarkeit von Uran anreichern. Das können weltweit nur wenige, ist technisch extrem anspruchsvoll und hat immer auch was mit Atombomben zu tun.

  • Im wesentlichen geht es in dem genannten Artikel um den Wiederaufbau der Atommacht USA im Bereich der Uranverarbeitung der eigenen Reaktoren, deren Laufzeit teilweise verlängert werden soll. Außerdem soll der dringend benötigte neue bis ca. 19,75 Prozent angereicherte Uranbrennstoff – sogenannter HALEU, der für die Forschung an neuen kleinen, modularen Reaktoren – sogenannten SMR benötigt wird – in eigener nationaler Regie hergestellt werden. Bislang liefert vor allem Russland diesen Brennstoff. Bei Physics Today heißt es: „The initial phase of the new contract covers final construction of the centrifuge cascade and production of 20 kg of HALEU, in the form of uranium hexafluoride, by the end of 2023. DOE and Centrus will split the $60 million cost. A second phase, funded by DOE at $90 million, calls for delivery of 900 kg by the end of 2024. The contract includes multiple three-year options.“
  • Bedenkt man, dass bei der URENCO mit Standorten in Deutschland, Großbritannien, Niederlande und USA einige zehntausend Tonnen angereichertes Uran herstellt werden und auch der Iran die Anreicherung bestens beherrscht, dann ist schon überraschend, was in den USA derzeit wieder aufgebaut werden muss, wie PT berichtet „Highly enriched uranium, which is considered a proliferation threat, is enriched in uranium-235 above 20%. HALEU has 6–19.75% 235U enrichment, and material at the high end of that range will be necessary to fuel many advanced reactors. Those include the sodium-cooled fast reactor that TerraPower and GE Hitachi Nuclear Energy plan to build in Wyoming with $2 billion in DOE funding and the four high-temperature gas-cooled reactors that X-energy will build with $1.2 billion from DOE. The 2021 Infrastructure Investment and Jobs Act appropriated $2.5 billion of those funds. (See Physics Today, November 2021, page 25.) Both reactor projects are scheduled for completion by 2028.“
  • Es gab Stimmen in den USA, die bereits in der Trump-Zeit dafür plädierten, dass die deutsch-britisch-niederländische URENCO nicht nur die AKWs ausschließlich zur Stromerzeugung beliefert. Auch für die Lieferung von bis 19,75 Prozent angereichertem Uran, also eben noch unter der Schwelle der Atomwaffenfähigkeit, sollte URENCO den Brennstoff für die neue Reaktorforschung liefern. Zumindest teilweise, denn die USA brauchen auch Brennstoff der waffenfähig ist, für die U-Boot- und Flugzeugträger-Reaktoren und natürlich für Sprengköpfe von Atomwaffen. Vor diesem Hintergrund entschieden die USA unter Trump, aber auch dem demokratischen Präsidenten Biden, komplett auf den Aufbau einer neuen nationalen Urananreicherung zu setzen. Physics Today: „The Inflation Reduction Act, enacted in August, appropriated $700 million toward establishing a domestic supply chain for HALEU. DOE anticipates purchasing up to 25 tons of HALEU annually from suppliers in the US for a fuel bank, according to responses posted on 15 November to questions the agency received from industry. In a conference call with investors the week prior, Centrus CEO Daniel Poneman, a former deputy secretary of energy, said that while the appropriation in the new law won’t be sufficient to meet DOE’s plans, it indicates a strong commitment by Congress and the administration to advanced reactors. Given the capacity of Centrus’s 16-centrifuge demonstration cascade and the use of low-enriched uranium feedstock, 25 tons of HALEU production would require 480 of its centrifuges.“ (am besten übersetzen bei deepl.com)

Das Thema neue Uranbrennstoffe ist überaus komplex und hat neben überaus anspruchsvollen chemischen, physikalischen und technischen Schwierigkeiten immer auch die Dimension des Missbrauchs für Atomwaffen. Viele Stimmen gehen weltweit davon aus, dass es eine Trennung von ziviler und militärischer Atomenergie nicht geben kann. Wer in der Lage ist, Atomkraftwerke zu betreiben und die Brennstoffkette technisch zu beherrschen, ist auch in der Lage, Atomwaffen herzustellen oder dies jedenfalls in kurzer zusätzlicher Zeit zu erreichen.

  • Über den Uranbrennstoff HALEU und die Uranium Enrichment Company URENCO auf umweltFAIRaendern.de
  • Atomenergie und URENCO-Uran: Wachsende zivil-militärische Grauzone
  • In einem bzw. künftig zwei Atomreaktoren der USA wird in speziellen Brennelementen vor allem Tritium erzeugt. Die Reaktoren erzeugen zwar auch Strom fürs öffentliche Netz, aber die gesamte Betriebsführung ist auf die Erzeugung dieses Tritiums optimiert. Tritium wird in Atomsprengköpfe eingebaut und erhöht die Wirkkraft um ein Vielfaches. Die Verlagerng der Produktion von Material zur Herstellung von Atomwaffen in vermeintlich zivile Stromreaktoren hatte zu heftigen Protesten geführt, weil damit eine Grenze der zivil-miliärischen Nutzung der Atomenergie überschritten wurde – eigentlich ein schwerer Verstoß gegen die Richtlinien der IAEO. Selbst für einen Atomwaffenstaat gilt, dass die Anlagen und Technologie strikt getrennt voneinander betrieben werden müssen. URENCO hätte gern herkömmliches Uran zur Nutzung in diese Militär-Reakoren geliefert und die Bundesregierung hat dagegen zumindest öffentlich keinen Widerspruch formuliert oder Unwissenheit behauptet. Weitere Informationen über Tritium  für Atomwaffen aus zivilen Reaktoren, die URENCO und die Bundesrepublik Deutschland.

URENCO reichert den spaltbaren Anteil des Uran 235 auf 3-5 Prozent an, damit Brennstoff für den Einsatz in (Leichtwasser-)Atomkraftwerken entsteht. Aber: Mit dieser Technik der Anreicherung in Zentrifugen kann auch Sprengstoff für Atomwaffen hergestellt werden. Das dürfte über den Konflikt mit der Urananreicherung im Iran bekannt sein. Eine Technik und Fähigkeit, die jeden Staat in den berechtigten Verdacht bringt, damit auch wirklich Atomwaffen herzustellen. Weil Deutschland und die Niederlande keine Atomwaffenstaaten sind, ist es URENCO trotz der Beteiligung von Großbritannien aufgrund des Atomwaffensperrvertrages untersagt, Uran für militärische Anwendungen herzustellen. Strenge internationale Regelungen kontrollieren, dass bei URENCO keine Anreicherung für Atomwaffen erfolgt. Die Frage aber ist: Was gehört dazu, bis URENCO militärischen Zwecken dient? Nur die Herstellung von Uran über 20 Prozent Anreicherung des spaltbaren Isotops 235, wie es internationale Regularien und Definitionen z.B. der IAEO vorschreiben? Die USA sagen: Auch die Beihilfe ist zu vermeiden. Was wäre das?

  • Der neue Uran-Konzern, der in den USA für das zivile und militärische Atomprogramm bzw. die Herstellung von Brennstoffen für neuartige Klein-Reaktoren derzeit hochgefahren wird, heißt Centrus Energy.

Es geht um eine elementare Trennung, die kaum funktionieren kann, die aber eine leichtfertige Verbreitung von Atomwaffen extrem teuer macht, deutlich erschwert und damit die Zahl der Atomwaffenstaaten zumindest begrenzt. Aber: Auch der Einsatz von Uranbrennstoff unter 20 Prozent oder sogar unter fünf Prozent kann direkt zur Herstellung von Atomwaffen beitragen oder im Kontext seines Einsatzes direkt militärischen Interessen dienen:

Uran-Reaktoren an Bord von mit Atomwaffen bestückten U-Booten oder auf Flugzeugträgern. Frankreich betreibt seine mit Atomwaffen bestückten U-Boote mit Atomreaktoren, die unter 20 Prozent angereichertes Uran verwenden. Das wäre nach internationalen Standards kein Waffen-Uran. Und URENCO dürfte nach diesen Kriterien möglicherweise bis zu 19,75 Proezent angereichertes Uran herstellen. Frankreich hat aber eigene Anlagen – dank früherer Unterstützung durch URENCO, um dieses Uran selbst herzustellen. Aber: Darf und sollte URENCO nun URAN anreichern, das für U-Boot Antriebe genutzt wird, mit denen Atomwaffen durch die Weltmeere „dampfen“, wenn auf atomwaffen-bestückten us-amerikanischen Booten und Schiffen kein atomwaffenfähiges Uran mehr eingesetzt werden würde?

Schon der Einsatz von „normalem“ Uran in „normalen“ Reaktoren, in denen aber für Atomwaffen notwendige Materialien hergestellt werden, kann wie oben gezeigt militärischen Interessen dienen. Weil die USA keine Militär-Reaktoren mehr haben, war dort URENCO im Gespräch, um „normales“ Uran für einen Reaktor zu liefern, in dem Tritium als Booster für Atomwaffen erzeugt wird. Die USA haben – unter Trump – auf diese Lieferungen von URENCO verzichtet. Auch, um die Kosten für den Aufbau einer rein amerikanischen Wiederaufarbeitung zu rechtfertigen. Auch eine Variante von „America First“.

In Deutschland werden vielfach sogenannte SMR (Smart-Modular-Reactors) als der „neue hippe Schrei“ einer vermeintlichen Renaissance der Atomenergie verkauft, beworben und schön geredet. Dass damit auch U-Boot-Antriebe und Uran-Motoren für militärische Einrichtungen gemeint sind, wird eher selten wahr genommen. Dass in der Grauzone dieser Technologieforschung mit Dual-Use – militärischen Aspekten – ein Unternehmen wie URENCO, mit einem Unternehmenszweig in Deutschland, NRW, Gronau sich neue Geschäftsfelder verspricht, erwartet, erhofft – eigentlich nicht überraschend. Aber kaum mediales Thema. Dabei ist die technische Fähigkeit Deutschlands, bei URENCO in Gronau jederzeit auch atomwaffenfähiges Uran für militärische Zwecke herstellen zu können, sicherlich vielen anderen Staaten auf der Weltbühne bekannt und wird dort auch als machtpolitisches Mitspracherecht einer nuklearen Macht im Wartestand interpretiert.

  • Alles zu SMR-Reaktoren auf umweltFAIRaendern.de
  • URENCO ist mit seiner Uranfabrik in Gronau bis heute vom Atomausstieg ausgenommen und versorgt Atommeiler von vier Standorten aus mit Uranbrennstoff. Auch die benachbarte Uranfabrik in Lingen, die Brennelemente aus Uran-Brennstoff fertigt, ist vom Atomausstieg ausgenommen. In der großen Koalition haben die Grünen gegenüber der FDP auf eine Stilllegung der Anlagen nach Atomrecht verzichtet. URENCO entwickelt eine eigene Uran-Batterie.

Geld spielt keine Rolle: Militärisch motivierte neue Reaktoren als Atombatterien

Milliarden-Beträge stecken Staaten und Unternehmen in Canada, den USA, in China, Russland, Großbritannien und auch Frankreich sowie vielen anderen Staaten, in diese Forschung. Angetrieben werden diese Entwicklungen nicht, weil sie billig oder preiswert oder einfache Lösungen für die Energieversorgung wären. Wind und Sonne mit Batterien sind echt leichter. Aber: Mit militärische Anwendungen in den Basen, auf Schlachtschiffen und U-Booten und von Waffensystem, Drohnen, Sensoren, Clouds zur Datenverarbeitung: Es braucht immer mehr Stromversorgung, um Militärlager und Bewaffnung sowohl auf der Basis zuhause, als auch in schwierigen Lagen und Ländern und bei „Operationen“ gewährleisten zu können.

Dafür werden mit neuen Uran-Brennstoffen neue Reaktor-Konzepte erforscht, die kleinen Uran-Batterien ähnlich sein sollen. Einmal eingeschaltet, möglichst um fünf Jahre lang als geschlossemes wartungsfreies System funktioneren. Die hat sogar vielleicht Klima-Vorteile: Die Versorgung mit Diesel, Öl oder Kohle-Strom und Wärme und der damit verbundene logistische und finanzielle Aufwand der Versorgung militärischer Einrichtungen mit diesen fossilen Brennstoffen könnte entfallen. Damit auch die mit den Versorgungsrouten verbundenen Verwundbarkeiten und Kosten.

Die Einsparungen, die hier entstehen könnten, sind die Gegenrechnung was die Kosten künftiger neuer Atomreaktor-Techniken angeht. Möglicherweise ist das der Hintergrund, warum unternehmen von Musk und Gates – aber auch viele andere weltweite Akteure mit viel Geld diese neuen Militär-Reaktoren erforschen, entwickeln und bauen wollen. Auch mit dem Hintergedanken: Gelingt es über die militärischen Interessen an dieser Technik, Modelle zur Serienreife zu entwicklen, dann könnten nach einer erweiterten militärischen Anwendung – wo Geld nur in Grenzen Bedeutung hat – durch Fertigung in hohen Stückzahlen auch Anwendungen im zivilen Bereich, bei der Rohstoffförderung in abgelegenen Regionen der Welt oder für Städte in Polargebieten entstehen. Und für viele Staaten könnte ein solcher kleiner Modul-Reaktor auch nur eine schmutzige Atomwaffe sein, besser die, als nichts was radioaktiv ist.

Teilweise deutsche URENCO plant weiter für neue Uranmärkte

Über URENCO wird bei physicstoday vor diesem Hintergrund berichtet – mit Unterstützung der Übersetzung von deepl.com: „Urenco, das europäische Konsortium, das die einzige Urananreicherungsanlage in den USA betreibt, verfolgt unterdessen ebenfalls Pläne zur Herstellung von HALEU. Nach Angaben von Magnus Mori, Vizepräsident für Marketing und Vertrieb, will Urenco die HALEU-Kapazitäten entweder in seiner Anlage in Eunice, New Mexico, oder in einer Anlage in Capenhurst, Großbritannien, erweitern. Mit einem Kostenaufwand von 250 bis 400 Millionen Dollar könnte Urenco Material mit einer Anreicherung von bis zu 20 % produzieren, so Mori auf der Wintertagung der American Nuclear Society in Phoenix, Arizona, am 14. November. Das Projekt würde sechs bis sieben Jahre dauern, einschließlich der Zeit, die für die Ausarbeitung eines Lizenzantrags und die behördliche Genehmigung erforderlich ist, sagte er. Mori erklärte gegenüber Physics Today, dass eine Entscheidung über den Bau des Reaktors erst nach Abschluss der laufenden Planungs- und Konstruktionsarbeiten getroffen werden wird.“

Ich hoffe, bei Übersetzungen bzw. Übertragungen einer US-Debatte um die militärische Seite der Atomenergie und neuer Uranbrennstoffe sind solche längeren übersetzten Zitate zulässig, ohne urheberrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen.

Von wegen Sanktionen: Russisches Atomknowhow und Uran-Brennstoff treiben weiterhin westliche Atombranche

Das österreichische Umweltbundesamt hat in einem Hintergrundpapier die Rolle Russland in der westlichen Atomwirtschaft untersucht. Klaus Gufler und Franz Meister zeichnen für das Papier über den Staatskonzern Rosatom verantwortlich, in dem vom Uranabbau, über die Konversion und Anreicherung, die Brennelementeherstellung und viele weitere Industriedienstleistungen sowie Unternehmen detailliert berichtet. „Die Analyse der Rosatom-Aktivitäten bzw. Rosatom-Verflechtungen mit der EU zeigt eindeutig eine starke Abhängigkeit der EU von Rosatom. Damit erhöht die Nutzung der Kernenergie keineswegs die Versorgungssicherheit, sondern hat die Euratom Betreiberstaaten in eine Abhängigkeit von Russland gebracht. Kernenergie ist mitnichten eine „heimische“ Energie, zumal der Grundrohstoff Natururan zu über 99% importiert werden muss.“

Trotz der Boykott-Maßnahmen gegen Russland: Geht es um die Atomwirtschaft scheinen CDU/CSU, AfD, Freie Wähler und FDP nur wenige Probleme zu haben, wenn Atomgeschäfte mit Russland weitergehen, sei es um AKWs in Osteuropa mit Brennstoff zu beliefern oder aber Lieferungen von Uran nach Frankreich und Deutschland einfach weitergehen. Während diese Parteien für die Laufzeitverlängerung trommeln, gibt es von den Grünen bislang keine ernsthaften Bemühungen, die atomaren Russlandgeschäfte einzudämmen oder gar Maßnahmen, um die Atomlieferungen zur Uranfabrik in Lingen, die an diesen russischen Atomschiebereien beteiligt ist, zu unterbinden.

ZUSAMMENFASSUNG des Hintergrundpapieres als Dokumentation:

Die Analyse der Rosatom-Aktivitäten bzw. Rosatom-Verflechtungen mit der EU zeigt eindeutig eine starke Abhängigkeit der EU von Rosatom. Damit erhöht die Nutzung der Kernenergie keineswegs die Versorgungssicherheit, sondern hat die Euratom Betreiberstaaten in eine Abhängigkeit von Russland gebracht. Kernenergie ist mitnichten eine „heimische“ Energie, zumal der Grundrohstoff Natururan zu über 99% importiert werden muss.
Die staatliche Atomenergiegesellschaft Rosatom ist eine klassische Holdingstruktur und umfasst rund 300 Unternehmen. Rosatom arbeitet nicht nur in der zivilen Nutzung der Kernenergie, sondern mit 90.000 der insgesamt 275.000 Beschäftigten auch für den Kernwaffenkomplex.

Euratom Betreiberstaaten kooperieren in unterschiedlichen Formen mit Rosatom. Importiert wird russisches Natururan, russische Uranprodukte, russische Brennelemente und russische Dienstleistungen im Bereich Bau, Betrieb, Rückbau und Modernisierung von Kernkraftwerken.

Die EU muss 99,5% des Natururans importieren. Rund 20% des Urans für Betreiber aus Euratom Staaten kam 2020 aus Russland und 19% aus Kasachstan. Bezogen auf die Uranproduktion der jeweiligen Länder zeigt sich: 12% der kasachischen und ca. 90% der russischen Uranproduktion werden nach Europa exportiert. Rosatom kontrolliert neben den Minen in Russland direkt auch 22% der kasachischen Uranproduktion, wodurch Rosatom ca. 15% der globalen Uranproduktion beherrscht. Damit ist Rosatom der zweitgrößte Uranproduzent der Welt.

In der EU deckt Rosatom rund 26% der Urananreicherungsdienstleistungen ab. Rosatom exportiert angereicherte Uranprodukte unter anderem nach Frankreich, Deutschland, Spanien, Großbritannien, Belgien, Schweden, Finnland, Schweiz und Tschechien. 48% der Exporte der Rosatom im Bereich der Anreicherungsdienstleistungen gehen in diese Länder. Die Exporte in die USA, Kanada und Mexiko machen 36% der Exporte aus. Rund 30% von Rosatoms Auslandsumsatz geht auf Einnahmen aus dem Brennstoffzyklus zurück.

Im Jahr 2021 versorgte Rosatom 21 Kernreaktoren in der EU mit Brennelementen. Bulgarien, Ungarn, Slowakei und Tschechien sind zu 100% von Brennelementen von Rosatom abhängig – Finnland zu 35%. Im Zuge einer Kooperation zwischen Rosatom und Framatome werden drei Reaktoren in Westeuropa mit Brennelementen versorgt.

Verflechtungen zwischen Rosatom und europäischen Unternehmen gibt es unter anderem in Frankreich (Framatome und GE Alstom), Deutschland (Siemens und Nukem), Ungarn (Ganz EEM) und Tschechien (ARAKO). Die Verknüpfungen zwischen Rosatom, Framatome, Siemens, GE Steam Power und Alstom werden im Bereich Neubauprojekte von russischen Kernkraftwerken (z.B.: Hanhikivi in Finnland, Akkuyu in der Türkei, El Daaba in Ägypten, Leningrad II in Russland) deutlich.

Im Bereich Ersatzteile und Servicedienstleistungen spielt Rosatom vor allem bei russischen Reaktortypen in der EU eine wichtige Rolle. Auch entwickelt, liefert und modernisiert Rosatom Simulatoren für das Training der Operateure von WWER Reaktoren.

Rosatom ist wichtiger Hersteller von Werkstoffen und Legierungen (z.B.: Zirkaloy) welche auch für die kerntechnische Industrie hoch relevant sind.

Neue Broschüre: Atommüllbehörde erklärt oberirdische Zwischenlagerung hochradioaktiver Strahlenabfälle – zwischen Normalbetrieb und Krieg

Weil sich die Endlagersuche deutlich verlängern, wird der bislang angefallene hochradioaktive Atommüll über noch viele Jahrzehnte oberirdisch gelagert werden. Ehemals was vorgesehen, dass diese Zwischenlagerung rund 40 Jahre seit Inbetriebnahme der Stahlbetonhallen dauern wird. Für 2030 ff war mal Gorleben als Endlager geplant. Dann wurde nach Fukushima auf Anfang der 2050er Jahre verschoben.  Jetzt kann man davon ausgehen, dass es zumindest für einen Großteil des Abfalls frühestens ab 2080 in ein unterirdisches Lager gehen wird und vor 2120 die Einlagerung nicht abgeschlossen sein wird. Von wachsenden Terrorrisiken oder gar Kriegsszenarien war dabei nicht die Rede. Die sind im Plan Atomenergie und Strahlenmüll einfach nicht erlaubt: Bei der Terrorabwehr – dem sogenannten Schutz gegen Störmaßnahmen und sonstigen Einwirkungen Dritter (SEWD) kommt es zu immer neuen „Anpassungen“ – zuletzt 2021. Aber Krieg ist nun gar nicht auf dem Zettel: „Der Schutz gegen SEWD beinhaltet jedoch nicht den Schutz des Zwischenlagers gegen kriegerische und militärische Auseinandersetzung. Der militärische Angriff Russlands auf die Ukraine stellt in dieser Hinsicht einen Präzedenzfall dar. Atomrechtliche Behörden und Betreiber bleiben soweit möglich arbeitsfähig. Eine umfassende Sicherheit kann jedoch nur in einem funktionierenden Staat und bei gegebener innerer Sicherheit gewährleistet werden.“ So schreibt das Amt. Gegen die ein oder andere Waffe mag auch ein Atommülllager standhalten, so Base. Aber: „Einen vollständigen Schutz gegen jeglichen denkbaren Angriff mit Kriegswaffen durch die Streitkräfte eines anderen Staates können diese allerdings nicht gewährleisten.“

Was aber, wenn der Krieg doch kommt? Atomenergie ist in allen Anwendungsfällen eine Katastrophentechnik! Doch auch im vermeintlichen Normalbetrieb bleiben viele Fragen, von denen wir derzeit nicht wissen, ob die oberirdischen Zwischenlagerung in Castor-Behältern die nächsten Jahrzehnte funktionieren wird und die Behälter dich bleiben.

Die Schutzkonzepte basierten vor allem darauf, einen möglichst dick konstruierten Stahlbehälter zu Nutzen, in dem das hochradiokative Strahlenzeug mit doppeltem Deckel verpackt wurde. Dass sollte halten, so die Behörden. Die Gebäude sollten eigentlich nur vor der „Witterung“ schützen. Erst nach den Anschlägen von 911 sollte diese auch ein wenig zur Abwehr beitragen, aber ob die Hallen und in der Folge die Behälter auch tatsächlich halten, wenn ein A380 gewollt oder ungewollt ins Dach einschlägt ist bis heute umstritten. Klar aber war: Waffen, die auf die Seitenwände gerichtet werden, würden die Wände und möglicherweise auch die Castoren durchschlagen. Und deshlb werden seit Mitte der 2010er Jahre aufgrund „neuer“ Terrorszenarien neue Abwehrmassnahmen geplant und nachgerüstet. Was genau gemacht wird, bleibt aber geheim. Auch vor Gericht gibt es keine Möglichkeiten, zu überprüfen, ob der staatliche verordnete Terrorschutz ausreichend ist. Damit das „unter Kontrolle“ bleibt, hat die 17. Atomgesetznovelle den Spielraum für Kläger und Gerichte maximal zugungsten staatlicher Autorität eingeschränkt.

 

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