Vorbereitungen angelaufen: Castor-Transporte von Sellafield zum Zwischenlager in Brokdorf

Vorbereitungen angelaufen: Castor-Transporte von Sellafield zum Zwischenlager in Brokdorf

Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) in Brokdorf bereitet sich auf den Antransport und die Einlagerung von Castor-Behältern aus der britischen Plutoniumfabrik in Sellafield vor. Dorthin waren vor 2005 bestrahlte Brennelemente auch aus Brokdorf zur Abtrennung von Plutonium und Uran geliefert worden. Der dabei angefallene Atommüll muss mit Castor-Behältern und den darin eingelagerten Glaskokillen laut internationaler Verträge von der Bundesrepublik zurückgenommen werden. Vermutlich 2025 könnten die erforderlichen Castor-Transporte dann per Schiff aus Großbritannien über die Nordsee und die Elbe angeliefert werden. Die BGZ meldet jetzt per PM (siehe unten), dass die sogenannte Kalthantierung erfolgt ist, bei der die Abläufe der Anlieferung und Einlagerung im Zwischenlager Brokdorf geprobt werden. (Foto: BGZ, Zwischenlager Brokdorf)

Auf Nachfrage von umweltFAIRaendern teilte die BGZ mit, dass der Behälter, der jetzt in Brokdorf genutzt wurde, ein Leerbehälter aus dem Lager in Isar/Ohu war. Dort war er bereits 2023 für die Kalthandhabung genutzt worden. Der Antransport nach Brokdorf erfolge über Schiene und Straße in das Zwischenlager nach Brokdorf.

Die Einlagerungsgenehmigung, dass die hochaktiven Abfälle in Brokdorf künftig aufbewahrt werden dürfen, ist vor wenigen Wochen erteilt worden. Eine Transportgenehmigung ist noch nicht erteilt. Zuletzt war von einem Anlieferungstermin in 2025 gesprochen worden, allerdings sind diese sogenannten Rücktransporte aus Sellafield bereits mehrfach verschoben worden. Rücktransporte stehen noch für Isar/Ohu und Philippsburg (aus La Hague) an. Die Rücktransporte aus Sellafield nach Biblis haben bereits stattgefunden.

Weitere Castortransporte stehen vermutlich nach der Europameisterschaft aus der nuklearen Agenda: Über 150 Behälter mit hochradioaktivem Abfall soll aus Jülich in das Zwischenlager nach Ahaus per LKW rollen. Aufgrund der enormen Transport-Risiken protestieren Anti-Atom-Gruppen dagegen. Der BUND in NRW und die Stadt Ahaus haben Klagen gegen den Transport und die Einlagerung der brisanten Abfälle angekündigt. Auch bei den Grünen im Bund und Land NRW ist man sich nicht einig, wie mit dem Atommüll umzugehen ist. So steht der Neubau eines Zwischenlagers in Jülich auch als Alternative im Raum, um auf Transporte zu verzichten. Alles zum Atomtransporte von Jülich nach Ahaus auf umweltFAIRaendern.de

Dokumentation der PM der BGZ vom 27.06.2024 – Zwischenlager Brokdorf: Probelauf erfolgreich durchgeführt

BROKDORF – Die BGZ hat im Zwischenlager Brokdorf erfolgreich einen Probelauf für die vorgesehene Einlagerung von CASTOR-Behältern mit Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente durchgeführt. Dieser ist Teil der Vorbereitungen für die Rücknahme dieser Abfälle. Ein Termin für den Transport steht noch nicht fest.

„Unser Team absolvierte mit einem leeren, knapp 100 Tonnen schweren CASTOR-Behälter erfolgreich alle Arbeitsschritte, die zur Einlagerung der beladenen Behälter erforderlich sind“, erläutert Marco Paschen, Leiter des Zwischenlagers Brokdorf. Die BGZ habe dadurch gezeigt, dass sie die hochradioaktiven Abfälle aus der Wiederaufarbeitung sicher annehmen und aufbewahren kann.

Unabhängige Sachverständige überwachten im Auftrag des Ministeriums für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein (MEKUN) als für das Zwischenlager Brokdorf zuständige Aufsichtsbehörde den mehrtägigen Probelauf.

Ende März erteilte das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) der BGZ die Genehmigung, sieben CASTOR-Behälter mit verglasten hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung im Zwischenlager Brokdorf aufzubewahren. „Die Behälter sollen in den nächsten Jahren vom britischen Sellafield in das Zwischenlager Brokdorf gebracht werden. Ein Termin für den Transport steht noch nicht fest“, informiert Jonas Wingert, verantwortlich für die BGZ-Kommunikation am Standort Brokdorf.

Eine noch ausstehende Voraussetzung für die Rückführung ist eine Transportgenehmigung nach dem Atomgesetz, die ein von der Energiewirtschaft beauftragtes Unternehmen beim BASE beantragen wird.

Hintergrund:

Bis 2005 wurden Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken zur Wiederaufarbeitung nach Großbritannien und Frankreich transportiert. Die dabei angefallenen, hochradioaktiven Abfälle müssen die Abfallbesitzer, die Betreiber der Atomkraftwerke, gemäß ihren vertraglichen Verpflichtungen nach Deutschland zurückführen. Zur Rücknahme dieser Abfälle hat sich die Bundesrepublik Deutschland auch völkerrechtlich verpflichtet.

Im Jahr 2015 ist ein Konzept zur Verteilung der noch im Ausland lagernden Abfälle aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente mit breitem politischem Konsens verabschiedet worden. Dieses sieht eine bundesweit ausgewogene Verteilung der Behälter vor. Damals sind vier Standorte für die Rückführung festgelegt worden: Biblis in Hessen, Brokdorf in Schleswig-Holstein, Isar in Bayern und Philippsburg in Baden-Württemberg.

Nach Hessen ist die Rückführung bereits abgeschlossen: Im November 2020 wurden sechs Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der britischen Wiederaufarbeitung zum Zwischenlager Biblis transportiert. Für Deutschland war dies der erste große Rücktransport von Atommüll in CASTOR-Behältern seit 2011. Er verlief reibungslos und ohne Störungen.

18 weitere CASTOR-Behälter müssen in den kommenden Jahren noch nach Deutschland zurückgeführt werden, davon sieben Behälter in das Zwischenlager Brokdorf. Nach Abschluss der Rückführung werden die Behälter dann in den Bundesländern aufbewahrt, aus deren Atomkraftwerken anteilig die größte Menge an Kernbrennstoff ins Ausland gebracht wurde.

Die BGZ hat von Beginn an proaktiv über die Rückführung informiert, unter anderem auch bei öffentlichen Veranstaltungen vor Ort in Brokdorf. Sie wird diese Kommunikation fortsetzen. Weitere Informationen finden sich auch hier: https://rueckfuehrung.bgz.de

Dirk Seifert

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