Moratorium gefordert: Linke macht Uran-Exporte-Verbot zum Thema im Umweltausschuss

Nach dem per Eilbeschluss gerichtlich angeordneten Export-Verbot für Uran-Brennstoffe in marode Atommeiler im benachbarten Ausland fordert der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel und die Fraktion DIE LINKE die Bundesregierung und das Umweltministerium auf, endlich die lange überfälligen gesetzlichen Grundlagen für ein solches Uran-Export-Verbot zu schaffen. Bis dahin müsse ein Moratorium weitere Uran-Exporte stoppen. Zdebel und die LINKE fordern zur nächsten Sitzung des Umweltausschusses einen Bericht, in dem das Bundesumweltministerium und auch das Wirtschaftsministerium Farbe bekennen sollen und das im Koalitionsvertrag versprochene Uran-Export-Verbot endlich umsetzen:

„Die Bundesregierung muss auf das vorläufige Urteil zum Export-Stopp jetzt mit einem Moratorium für alle Uran-Exporte in marode Atommeiler Belgien, Frankreich, der Schweiz und ggfls. auch anderen Anrainerstaaten reagieren. Im Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien verabredet, Uran-Exporte in marode grenznahe Atommeiler rechtssicher zu unterbinden. Jetzt muss das Verbot endlich kommen. Die Bundesrepublik muss dafür sorgen, dass es für gefährliche Atommeiler keine Unterstützung mit Atom-Brennstoffen aus den bundesdeutschen Uranfabriken in Gronau und Lingen mehr gibt. Mit einem Uran-Export-Stopp ist es aber nicht getan. Die Uranfabriken müssen endlich in den Atomausstieg einbezogen und stillgelegt werden.“

Der Umweltausschuss des Bundestages findet in der nächsten Woche statt und tagt nicht-öffentlich. Zdebel und die LINKE hatte wiederholt mit Anträgen versucht, eine Stilllegung der Uranfabriken zu erreichen und sind mit dem Anliegen an den Regierungsfraktionen sowie der FDP und AfD gescheitert.

Uran-Exporte vorerst untersagt: Kein Brennstoff aus Lingen für marode belgische Reaktoren

In einem Eilverfahren hat das Verwaltungsgericht Frankfurt einer Klage von Atom-Gegner*innen stattgegeben. Damit ist die Auslieferung von frischen Uran-Brennemelemten aus der Fabrik im emsländischen Lingen in die maroden belgischen Atomreaktoren nahe Doel vorerst gestoppt. Die Klage richtet sich gegen die Ausfuhrgenehmigung der Brennelemente, die von der Bundesanstalt für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft (BAFA) regelmäßig erteilt wird, wenn sogenannte Kernbrennstoffe (angereichertes Uran) exportiert werden sollen. Schon seit Jahren verspricht die Bundesregierung auf Basis des Koalitionsvertrages von CDU/CSU und SPD ein rechtssicheres Verbot von Uranexporten in gefährtliche Atomkraftwerke im benachbarten Ausland auf gesetzlicher Grundlage herzustellen. Doch bis heute ist davon weit und breit nichts zu sehen. Die SPD im Bundesumweltministerium verweist auf die vermeintlich unwillige CDU. Die Atomkraftgegner*innen sorgen mit diesem vorläufigen Urteil erstmal für mehr Druck. Denn solange die Sache nicht in der Hauptsacke geklärt ist, können die Uran-Brennelemente nicht ausgeliefert werden. Weitere AKWs im benachbarten Ausland dürften nun ebenfalls Sorgen bekommen: Denn auch in Frankreich und der Schweiz und für andere belgische Reaktoren (Tihange) bräuchte es die eine oder andere Genehmigung für den Export. Die Initiativen fordern ein Moratorium für Uran-Exporte von der Bundesregierung.

  • Alles zum Thema Uran-Export auf umweltFAIRaendern.
  • Die taz berichtet über das Verbot hier. Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Linke) nimmt hier Stellung.

Dokumentation der PM der beteiligten Gruppen:
Gericht untersagt Brennelement-Export nach Belgien –  richtungsweisender Erfolg für Anti-Atom-Bündnis- „Regierung muss Moratorium für BE-Exporte verhängen!“
Aachen / Berlin / Bonn / Lingen / Münster / München , 19. Oktober 2020

Im Rechtsstreit um die Ausfuhrgenehmigung von Brennelementen aus Lingen ins belgische Doel hat der Aachener Kläger einen wichtigen Etappensieg errungen:
Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat in einem Beschluss vom Freitag festgestellt, dass bis zum endgültigen Urteil im Hauptverfahren die Brennelemente nicht geliefert werden dürfen. In seiner Begründung lässt das Gericht Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Exportgenehmigung erkennen. Das Anti-Atom-Bündnis, welches die Klage unterstützt, fordert von der Bundesregierung klare Konsequenzen und ein Moratorium für derartige Brennelement-Exporte.

Das Verwaltungsgericht Frankfurt hat in seinem Beschluss vom letzten Freitag den für Oktober und November beantragten Sofortvollzug für einen Brennelement-Export zu den umstrittenen Pannenmeilern Doel 1 und 2 in Belgien einen Riegel vorgeschoben.
Durch die aufschiebende Wirkung der Klage eines Aachener Atomkraftgegners gegen die Genehmigung der Exporte dürfen die Brennelemente seit Monaten nicht geliefert werden. Die EdF-Tochter ANF, die Betreiberin der Brennelement-Fabrik in Lingen, hatte mit zwei Eilanträgen versucht, diese aufschiebende Wirkung durch ein Gericht aufheben zu lassen und die sofortige Vollziehbarkeit des Brennelement-Exports durchzusetzen. Damit ist sie nun auf ganzer Linie gescheitert.

Für den Aachener Kläger ist das ein bedeutender Etappensieg. Die ihn vertretende Rechtsanwältin, Dr. Cornelia Ziehm, zeigt sich äußerst zufrieden: „Das VG Frankfurt/Main hat die Anträge der Advanced Nuclear Fuels GmbH im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes auf ganzer Linie zurückgewiesen. Das Gericht erachtet es als durchaus möglich, dass betroffene Bürger und Bürgerinnen die Rechtmäßigkeit atomrechtlicher Exportgenehmigungen zur Überprüfung stellen können. Zudem nimmt das Gericht ein überwiegendes Schutzinteresse des klagenden Aacheners an, weshalb durch Export der Brennelemente nach Doel keine Fakten geschaffen werden dürften. Das heißt, die ANF darf zunächst keine Brennelemente nach Doel exportieren. Der Beschluss ist damit ein wichtiger Schritt hin zu einem Schutz der Bürger und Bürgerinnen gegen die Gefahren, die mittels Brennelementen aus Deutschland vom Betrieb ausländischer Pannenreaktoren ausgehen.“

Ob die Klage im Hauptsacheverfahren überwiegende Aussicht auf Erfolg hat, lässt das Gericht offen. Es sieht jedoch einige Gründe, die für die Zulässigkeit und Begründetheit und damit den letztlichen Erfolg der Klage sprechen. Das Gericht zieht u. a. in Zweifel, dass die Ausfuhrgenehmigung rechtmäßig erteilt wurde.

Das die Klage unterstützende Bündnis von Anti-Atom-Initiativen aus Aachen, Bonn, Münster und Lingen sowie der Ärzteorganisation IPPNW und dem Umweltinstitut München fordert deshalb von der Bundesregierung ein sofortiges Moratorium für alle Brennelement-Exporte, insbesondere für solche zu grenznahen Atomreaktoren.

„Spätestens jetzt, da von einem Gericht die Rechtmäßigkeit dieser Brennelement-Exporte in Frage gestellt wird, ist jede weitere Ausfuhrgenehmigung für Kernbrennstoffe ins grenznahe Ausland nicht nur verantwortungslos und politisch skandalös, sondern auch juristisch heikel,“ betont Alexander Vent vom Lingener Bündnis AgiEL.“Die Bundesregierung muss diese Exporte endlich und mit sofortiger Wirkung stoppen.“

„Mag sein, dass das BMU in den letzten Jahren einiges versucht hat, um innerhalb der Koalition einen Stopp der Brennelement-Exporte zu erreichen. Nur das Naheliegende wurde nicht getan, nämlich das BAFA anzuweisen, solche Ausfuhrgenehmigungen zu verweigern. An dieser Stelle muss das BMU nun endlich die Verantwortung übernehmen,“ ergänzt Katrin Wolfarth vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie. „Und das BMWi muss endlich seine Blockadehaltung aufgeben, mit der bisher alles verhindert wurde, was einen Stopp der Brennelementlieferungen hätte herbeiführen können.“

Hintergrund:

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ist generell eine dem Bundswirtschaftsministerium (BMWi) nachgeordnete Behörde. Im Falle der Ausfuhrgenehmigungen von Kernbrennstoffen ist jedoch das Bundesumweltministerium (BMU) weisungsbefugt. Allerdings hat es keine Möglichkeit, die Weisungen dienstrechtlich durchzusetzen, falls das BAFA sich weigert und das BMWi untätig bleibt.

Der Betrieb von Doel 1 und 2 ist nach Urteilen des EuGH und des belgischen Verfassungsgerichtshofs wegen einer fehlenden grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeits-prüfung rechtswidrig, wird aber bis Ende 2022 gerichtlich noch geduldet.

Die bundesweit einzige Brennelementefabrik steht in Lingen und wird von Framatome, einer Tochter des staatlich-französischen Atomkonzerns EDF betrieben, vor Ort auch als ANF (Advanced Nuclear Fuels) bekannt. Die Brennelementefabrik verfügt bislang trotz des beschlossenen deutschen Atomausstiegs über kein Stilllegungsdatum und versorgt neben den letzten noch laufenden deutschen AKW vor allem die Reaktoren Doel in Belgien, Cattenom in Frankreich sowie Leibstadt und Gösgen in der Schweiz.  Aktuell regt sich auch in Baden-Württemberg juristischer Widerspruch gegen eine im September erteilte neue Exportgenehmigung für Brennelemente von Lingen für das Schweizer AKW Leibstadt.

Herausgeber der PM:

Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie
Stop Tihange Deutschland e. V.
Bündnis AgiEL – AtomkraftgegnerInnen im Emsland
AntiAtom Bonn
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster
IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung eines Atomkriegs / Ärzte in sozialer Verantwortung)
Umweltinstitut München

Friede Freude Atommülllager Suche: Experiment versucht – Experiment gescheitert

Alles wird besser. Fehler nicht wiederholt. Gemeinwohl und gemeinsam. Und totale Transparenz und totale Beteiligung – aber na klar. Jedenfalls so, wie Behörden und Unternehmen das gerne hätten. Eine Live-Veranstaltung hatte die zuständige Atommüll-Behörde wenige Tage vor der Auftaktveranstaltung abgesagt. Was folgte? In einer Infotainment orientieren Videoübertragung, in denen die Zuschauer*innen immer mal auch persönlich angesprochen wurden, absolvierte ein Team von Moderatoren eine freundlich zugewandte Endlager-Show, in der in jedem Fall für Konflikte kein Platz war. Aber: Nichts geht verloren, so das permanente Versprechen. Die Moderation hatte von einem Experiment gesprochen, so eine Öffentlichkeitsbeteiligung ohne reale Menschen im Saal. Ok. Und das ist komplett und umfassend gescheitert. Kommt es nun zu einer Wiederholung?

Unterirdisch, so könnte man sagen, ist nicht nur das Ziel der Endlagersuche für die hochradioaktiven Abfälle. Unterirdisch war auch diese Veranstaltung, die mit Öffentlichkeitsbeteiligung nur soviel zu tun hatte: Es gab eine Sendung und es haben Menschen zugesehen und konnten Botschaften senden! Die taz berichtet von „Kritik an Endlagerkonferenz„. Der Endlagerdialog titelt richtig: „Auftaktveranstaltung Fachkonferenz: Technisch und inhaltlich ein Desaster„. Das Atommüll-Bundesamt sendet seine Botschaften auf diesem Youtube-Kanal. Dort sind auch die Video-Sendungen vom Wochenende zu finden. Salzstangen und Popcorn bereit legen für diese Blockbuster im Format 9.25 und 6.39 Stunden – in Farbe!

Uran-Brennstoff: Gericht untersagt Exporte – Bundesregierung muss endlich Verbot gesetzlich regeln

„Dass die Uran-Brennstoffexporte aus Lingen für belgische Atommeiler gerichtlich gestoppt wurden, ist eine gute Nachricht und ein Erfolg der Anti-Atom-Gruppen. Und es ist eine Blamage für die Bundesregierung, die trotz entsprechender Absprachen im Koalitionsvertrag bis heute kein generelles Exportverbot für Uran zum Einsatz in gefährlichen AKWs zustande gebracht hat. Es ist höchste Eisenbahn, dass die Bundesregierung jetzt endlich ein solches Uran-Export-Verbot regelt.“ Mit diesen Worten kommentiert der aus Münster stammende Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) ein Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt.

Die Uranfabriken in Lingen und Gronau sind vom Atomausstieg immer noch ausgenommen und verfügen weiter über unbefristete Genehmigungen. Die Uranfabriken versorgen auch uralte und gefährliche Atomkraftwerke in den Nachbarländern und stellen damit deren Betrieb sicher. Zdebel und die Fraktion DIE LINKE haben wiederholt mit Anträgen im Bundestag Druck auf die Bundesregierung ausgeübt, diese Uranexporte durch die Stilllegung der beiden Uranfabriken zu beenden. Die Anträge wurden wiederholt von den Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD abgelehnt.

Geklagt hatte ein Bürger aus Aachen mit Unterstützung zahlreicher Anti-Atom-Gruppen. Das Urteil bezieht sich zunächst nur auf das Eilverfahren, weil Brennelemente für das marode belgische AKW Doel ausgeliefert werden sollen. Das Urteil in der Hauptsache steht noch aus.

Hochradioaktiver Castor-Transport zum Zwischenlager Biblis

Die Planungen für einen Atomtransport mit hochradioaktiven Abfällen aus der Plutoniumfabrik in das Zwischenlager Biblis sollten nach Forderungen der Polizeigewerkschaften angesichts der Corona-Belastungen abgesagt werden. Ende Oktober soll der Castor-Transport starten. Rund 6.000 Polizist*innen könnten bei dem Atomtransport zum Einsatz kommen. Ein erster Transportversuch für die sechs Castor-Behälter war bereits im April abgesagt worden. Möglicherweise aber untersagt auch der hessische Verwaltungsgerichtshof den Atomtransport von Sellafield per Schiff über Nordenham und per Bahn nach Biblis. Weil erhebliche Mängel für die geplante Zwischenlagerung in Biblis bestehen, verlangt der BUND Hessen im Eilverfahren mit dem Rechtsanwalt Wollenteit Sicherheitsnachrüstungen in Biblis, bevor eine Einlagerung der brisanten Atomabfälle erfolgt. Eine Entscheidung könnte diese Woche fallen. (Foto: Bahn-Spezialwaggon für Castorbehälter, BfS)

Atomkraftgegner*innen, die mit Aktionen auf die gefährlichen Atomschiebereien und die weitere Atommüllproduktion auch in bundesdeutschen AKWs hinweisen wollen, berichten, dass die Polizei inzwischen vor Ort in Nordenham zusammengezogen wird. Dazu mehr Informationen auf Castor-Stoppen.

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