Uranfabriken in Deutschland – Kleine Anfragen von Linksfraktion im Bundestag

Zwei Kleine Anfragen im Zusammenhang mit dem Betrieb der Uran-Fabriken in Gronau und Lingen, die vom bundesdeutschen Atomausstieg ausgenommen sind, sind von der Linksfraktion an die Bundesregierung unterwegs und warten auf Antwort. Bei der URENCO in Gronau – wo die extrem anspruchsvolle Urananreicherung betrieben wird, geht es um die internationale Expansion des Unternehmens und den Ausbau am bundesdeutschen Standort in Gronau. Nach dem Ukraine-Krieg Russlands hat das Unternehmen strategisch und geopolitisch hohe Bedeutung für die westlichen Atomprogramme. In Lingen will der französischen Atomkonzern Framatome gemeinsam mit dem russischen Atomkonzern Rosatom künftig spezielle Uran-Brennelementen herstellen, die in AKWs russischer Bauweise in Osteuropa eingesetzt werden sollen. Bei Anlagen in Deutschland fördern also unmittelbar die Nutzung der Atomenergie.

Dieser Tage erscheint eine neue Fassung des URAN-Atlas, mit vielen Beiträgen über die Risiken und Nebenwirkungen durch den Einsatz von Uran als Brennstoff in Atomkraftwerken. Siehe dazu hier eine Ankündigung.

Zum Hintergrund

Neue US-Studie: Erhöhte Krebssterblichkeit in der Nähe von Atomkraftwerken – Fachtagung der Ärzt*innen der IPPNW

Seit Jahren warnen Expert*innen, darunter auch der mit einem Nobelpreis ausgezeichneten Ärzt*innen der IPPNW, vor den gesundheitlichen Risiken auch im Normalbetrieb von Atomkraftwerken. Denn unweigerlich kommt es beim Betrieb der Atommeiler zu radioaktiven Abgaben an die Umwelt, z.B. über das Kühlwasser oder über den Kamin in die Luft. So gering diese radioaktiven Abgaben sein mögen: Schon Anfang der 2000er Jahre zeigte eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für Kinder auch. Jetzt zeigt auch eine neue Harvard-Studie: Die Nähe zu Kernkraftwerken ist mit einer erhöhten Krebssterblichkeit verbunden.“ Am 7. März findet aus Anlass der Jahrestage der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima eine Fachtagung der IPPNW statt. Dort werden die gesundheitlichen Folgen der Atomenergienutzung und der radioaktiven Strahlen im Focus stehen.

Über die Folgen von radioaktiver Strahlung, auch im Bereich der sogenannten Niedrigstrahlung bestehen seit Jahrzehnten Kontroversen, obwohl die Forschungen in Zusammenhang mit den Atombomben-Abwürfen 1945 in Japan, die Forschungen nach Tschernobyl 1986 und vielen anderen Anlässen deutlich die Risiken aufzeigen. Es gibt keine ungefährliche Radioaktivität oder gar einen Grenzwert. Und vor allem auf Kinder wirkt radioaktive Strahlung schädlich ein.

Eine amtliche Studie kam 2003 nach einer umfassenden Untersuchung zu der Feststellung, dass es ein erhöhtes Krebsrisiko für Kleinkinder in der Umgebung von Atomanlagen in Deutschland gibt. Interessierte Kreise bestritten diese Fakten mit dem Hinweis, dass das aufgrund der niedrigen radioaktiven Abgaben nicht sein können.

Eine weitere Überprüfung der sogenannten Kik-Studie des BfS von Anfang der 2000er Jahre kam im Jahr 2008 zu diesem Ergebnis über den Zusammenhang von Kinderkrebserkrankungen in Verbindung den Standorten von Atomkraftwerken (hier als PDF beim Bundesamt für Strahlenschutz): „Die Studie umfasste 1.592 an Krebs erkrankte Kinder und 4.735 nicht erkrankte Kinder unter fünf Jahren. Bei den nicht erkrankten Kindern handelt es sich um so genannte Kontrollen, deren Lebensumstände den erkrankten Kindern möglichst gleichen. Untersucht wurden für den Zeitraum von 1980 bis 2003 die 41 Landkreise in der Umgebung der 16 Standorte der insgesamt 22 Atomkraftwerke in Deutschland. Das Risiko, an einem Krebs oder an Leukämie zu erkranken, steigt danach statistisch signifikant mit der Nähe
des Wohnortes zum Standort eines Atomreaktors an. Dieser Befund ist hauptsächlich auf Leukämien bei den unter fünf Jahre alten Kindern zurückzuführen.“ (Siehe ausführlich auch hier beim BfS)

Andere Studien haben z.B. ein erhöhtes Krebsrisiko für Beschäftigte in britischen Atomanlagen aufgezeigt etc. Auch die Internationalen Ärzt*innen zur Verhütung des Atomkrieges IPPNW zeigen mit ihren Studien immer wieder die Risiken der radioaktiven Niedrigstrahlung auf.  Mit Blick auf die genannten Kinderkrebsstudie stellte die IPPNW schon 2007 fest: „Es ist Zeit zu handeln. (PDF)

Dokumentation der o.g. PM hier:

For immediate release: February 23, 2026

Boston, MA—U.S. counties located closer to operational nuclear power plants (NPPs) have higher rates of cancer mortality than those located farther away, according to a new study led by Harvard T.H. Chan School of Public Health.

The study is the first of the 21st century to analyze proximity to NPPs and cancer mortality across all NPPs and every U.S. county. The researchers emphasized that the findings are not enough to establish causality but do highlight the need for further research into nuclear power’s health impacts.

The study was published Feb. 23, 2026, in Nature Communications.

Numerous studies on the potential link between NPPs and cancer have been conducted around the world, with conflicting results. In the U.S., these studies have been rare and limited in their scope, focused on a single NPP and its surrounding community.

To expand the evidence base, the researchers conducted a national assessment of NPPs and cancer mortality between 2000 and 2018 using “continuous proximity.” They used advanced statistical modeling that captured the cumulative impact of all nearby NPPs, rather than just one. The locations and dates of operation of U.S. NPPs—as well as some nearby in Canada—were obtained from the U.S. Energy Information Administration, and county-level data on cancer mortality was obtained from the Centers for Disease Control and Prevention. The researchers controlled for potential confounders in each county, including educational attainment, median household income, racial composition, average temperature and relative humidity, smoking prevalence, BMI, and proximity to the nearest hospital.

The study found that U.S. counties located closer to nuclear power plants experienced higher cancer mortality rates, even after accounting for socioeconomic, environmental, and health care factors. The researchers estimated that over the course of the study period, roughly 115,000 cancer deaths across the U.S. (or about 6,400 deaths per year) were attributable to proximity to NPPs. The association was strongest among older adults.

“Our study suggests that living near a NPP may carry a measurable cancer risk—one that lessens with distance,” said senior author Petros Koutrakis, Akira Yamaguchi Professor of Environmental Health and Human Habitation. “We recommend that more studies be done that address the issue of NPPs and health impacts, particularly at a time when nuclear power is being promoted as a clean solution to climate change.”

The researchers noted that the results are consistent with the results of a similar study they conducted in Massachusetts, which identified elevated cancer incidence among populations living closer to NPPs.

They also noted some limitations to the study, including that it did not incorporate direct radiation measurements and instead assumed equal impact by all NPPs.


Article information

“National Analysis of Cancer Mortality and Proximity to Nuclear Power Plants in the United States,” Yazan Alwadi, Barrak Alahmad, Carolina L. Zilli Vieira, Philip J. Landrigan, David C. Christiani, Eric Garshick, Marco Kaltofen, Brent Coull, Joel Schwartz, John S. Evans, Petros Koutrakis, Nature Communications, February 23, 2026, doi: 10.1038/s41467-026-69285-4

 

Protokoll Landtag NRW. Ausschuss. Wirtschaftsministerin – Zeche zahlt deutscher Kohlestandort – Ein nuklearer Hoffnungsträger THTR Hamm auf dem Atommüll-Schrotthaufen

Vermutlich ist der Titel zu kompliziert. Aber das ist diese ganze Atomsache nun mal. Auch wenn derzeit oft eher verniedlichend von den Perspektiven gesprochen wird, ohne die Risiken zu betrachten. Nicht klug. Ein solches Desaster und WEM es WAS kostet passiert gerade wenig beachtet in Hamm in NRW. Eigentlich müssten die damaligen Betreiber des Atommeilers unter Führung von RWE den Rückbau des Ende der 1980 Jahre stilllegten AKWs bezahlen. Dumm nur, das diese Gesellschaft mit begrenzter Haftung GmbH irgendwie Pleite gegangen ist, weil mit dem sogenannten Thorium-Hoch-Temperatur-Reaktor THTR einfach kein Geld zu verdienen war, weil er einfach nicht funktionierte. Trotz allen offiziellen und nicht-offiziellen „Experten“. Der THTR wurde maximal gehypte damals. Möglicherweise ähnlich, wie heute das herbeireden der Atomfusion, obwohle wir derzeit ganz andere Probobleme haben. Aber: Mehr als eine Milliarde Euro könnte dieser atomare Blödsinn aus den 1970er Jahren kosten, den die damaligen Volksparteien immer mit Unterstützung der FDP gegen alle aufkommenden Widerstände durchgesetzt hatten. Die Zeche zahlt entweder ein Kohleland-Steuerzahler in NRW oder einer aus der Bundesrepublik inkl. exDDR. Eine Grüne Ministerin Mona Neubaur erzählt das Desaster im zuständigen Ausschuss des Landtags NRW im Dezember 2025 so …

Auszug aus dem Protokoll der Sitzung aus der Parlamentsdokumentation NRW, hier mit dem Link zur dortigen Quelle, als PDF:

9 Aktuelle Entwicklungen beim THTR-300 (Bericht auf Wunsch der Landesre-
gierung)

Ministerin Mona Neubaur (MWIKE) berichtet:

Seit dem 1. Dezember 2025 befinden wir uns daher nun in der in der Bundesrepublik
Deutschland historisch einmaligen Situation, die Sicherheit des Betriebs eines im
sicheren Einschluss befindlichen Kernkraftwerks im Wege der Ersatzvornahme ge-
währleisten zu müssen. Das bedeutet, dass die Atomaufsicht des Ministeriums für
Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie mithilfe des fachkundigen Unterneh-
mens „RWE Nuclear“ die sicherheitstechnisch notwendigen Aufgaben und Maßnah-
men durchführt.

Die anfallenden Kosten werden zuerst vom MWIKE getragen. Ein entsprechender
Titel wurde vorsorglich in den Haushalt 2025 aufgenommen. Dieser Titel steht mei-
nem Haus auch für das Jahr 2026 und die weiteren Jahre zur Verfügung.“

Frankreich nimmt neuen mobilen Atomreaktor in Betrieb

Frankreich nimmt seit Anfang Januar schrittweise einen neuen Atomreaktor in Betrieb. Nach dem über viele Jahre verzögerten und extrem überteuerten Groß-Reaktor EPR in Flammanville ist es bereits der vierte „Mini-Reaktor“, der seit 2019/20 in Betrieb geht. Zwei weitere Reaktoren dieser Baureihe sind in Arbeit und sollen bis 2030 fertiggestellt sein. Der vergleichsweise kleine Reaktor hat eine Leistung von 150 MW. Zuvor war ein solcher Atomreaktor nach einer üblichen Testphase im April 2024 offiziell in Dienst gestellt worden. Der neue Reaktor wird an Bord eines mit Atomwaffen bestückten U-Boots namens De Grasse eingesetzt und die sowohl dem Antrieb als auch der Energieversorgung. Darüber berichtet u.a. das Online-Portal Militär-Aktuell. Foto: KI generiert.

Der erste Reaktor dieser Baureihe wurde laut ES&T (2020) ca. 2019/20 in Betrieb genommen: „Die Aufnahme in den aktiven Dienst ist – so das französische Verteidigungsministerium – für 2021 geplant. Bis 2025 sollen drei weitere Barracuda-Boote („Duguay-Trouin“, „Tourville“, „de Grasse“) ausgeliefert werden, zwei weitere werden die Flottille der nuklearangetriebenen Barracudas bis 2029/2030 vervollständigen („Casabianca“ und „Rubis“).“

Atomangriffs-U-Boot Duguay-Trouin (S636)  Über diese Boote heißt es bei itamilradar.com: “A few weeks after the Chief of the Defense Staff, Thierry Burkhard, praised them before the Senate Defense Committee in November 2023, the Chief of the Naval Staff also had high praise for the SNAs built by the Cherbourg shipyard of Naval Group. A successful milestone for the nuclear submarine Suffren, built in Cherbourg “These are excellent vessels. I often say that these Suffren-class nuclear attack submarines are war beasts,” he explained. Facing the senators, Admiral Vaujour detailed the high level of performance of these “sea hunters.””

Auf NAVAL heißt es mit  Stand 2007 weiter: „Barracuda Kernantriebssystem – Das Kernantriebssystem ist ein neues Hybriddesign, das elektrischen Antrieb für wirtschaftliche Geschwindigkeiten und Turbo-Mechanischen Antrieb für höhere Geschwindigkeiten bietet. Das Kraftwerk wird auf Technologien basieren, die für den 150MW K15 Druckwasserreaktor entwickelt wurden, der im U-Boot der Triomphant-Klasse und im Flugzeugträger Charles de Gaulle installiert ist. Thermodyn von Le Creusot wurde ausgewählt, um die beiden Turbogeneratoren und eine Antriebsturbine für jedes Schiff bereitzustellen.“

Wikipedia schreibt: Die Boote haben einen Druckwasserreaktor K15 mit einer Leistung von 150 MW, der zwei Turbosätze mit je 10 MW antreibt, die zwei Elektromotoren speisen. Als Notaggregate sind zwei MAN-Dieselgeneratoren mit je 480 kW (653 PS) Leistung verbaut.

Die Suffren-Klasse, auch als Barracuda-Klasse bezeichnet, ist eine Klasse von im Zulauf befindlichen nukleargetriebenen Jagd-U-Booten der französischen Marine. Die „De Grasse“, das vierte nuklear angetriebene Angriffs-U-Boot der Barracuda-Klasse.

Weitere zum Hintergrund auf umweltFAIRaenern.de

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