Vattenfall, die Kohle und der Hamburger Hafen: Brunsbüttel Ports ver- und entsorgen

Im großen Stil verfeuert Vattenfall in Hamburg weiterhin klimaschädliche Kohle in den (Heiz-)Kraftwerken Wedel, Tiefstack und Moorburg. Dazu wird die benötigte Import-Kohle über den Hamburger Hafen antransportiert und Reststoffe müssen abtransportiert werden. Für die Logistikdienstleistungen hat Vattenfall jetzt mit der privaten Brunsbüttel Ports GmbH neue Verträge abgeschlossen, in denen die Zusammenarbeit von Moorburg nun auch auf Tiefstack und Wedel ausgeweitet wird. Das hat heute „Hafen Hamburg“ auf seiner Internetseite mitgeteilt. Die Versorgung der klimaschädlichen Kraftwerke mit Kohle war wiederholt Anlass auch zu Protesten auf der Elbe. Zuletzt hatte Greenpeace anlässlich des G20-Gipfels im Juli mit Aktionen auf dem Fluss protestiert. Auch „Gegenstrom Hamburg“ sorgte mit Aktionen gegen die Kohlelieferungen für Proteste, zuletzt mit einer Aktion auf der Katwykbrücke.

Dokumentation der PM von „Hafen Hamburg“ zur künftigen Zusammenarbeit zwischen Vattenfall und Brunsbüttel Ports (Wikipedia):

SCHRAMM Ports & Logistics (Brunsbüttel Ports) wächst auf 15 Standorte / Zuschlag für Vattenfall Kraftwerkslogistik / Erneutes Wachstumsplus

Brunsbüttel Ports erhält Zuschlag für die Verlängerung der Logistikdienstleistungen am Vattenfall Heizkraftwerk Moorburg.  Zusätzlich übernimmt das Unternehmen die Umschlagslogistik für die Vattenfall Heizkraftwerke Tiefstack und Wedel. Positives Signal für weiteres Wachstum. Zusätzliche Mitarbeiter und noch engere Verzahnung im Wirtschaftsraum Unterelbe / Hamburg.

Im Rahmen der Ausschreibung für die Umschlagslogistik von Stoffströmen an verschiedenen Standorten der Vattenfall Heizkraftwerke hat die Brunsbüttel Ports GmbH nicht nur den Zuschlag für die Verlängerung des bestehenden Auftrages am Standort Moorburg erhalten, sondern ebenfalls für die Logistik an den weiteren Standorten von Vattenfall in Wedel und Hamburg Tiefstack.

Damit weitet Brunsbüttel Ports unter der Dachmarke SCHRAMM Ports & Logistics seine Aktivitäten im Raum Hamburg aus. Seit 2013 hat das Brunsbütteler Unternehmen bereits die Ver- und Entsorgungslogistik für das Heizkraftwerk Moorburg im Hamburger Hafen übernommen, wo täglich große Mengen Brennstoffe und Nebenprodukte umgeschlagen werden. Diese werden auch in Zukunft von den Mitarbeitern der Brunsbüttel Ports GmbH verantwortungsvoll und mit großer Erfahrung im Rahmen der mehrjährigen Verlängerung des Vertrages bewältigt. Zusätzlich wird Brunsbüttel Ports nun zukünftig auch an den Standorten Wedel und Tiefstack für die Umschlagslogistik von Stoffströmen und zudem für die Instandhaltung der Umschlags-Anlagen verantwortlich sein.

Unter der Dachmarke SCHRAMM Ports & Logistics bildeten die Brunsbütteler Häfen sowie der Glückstädter Hafen, der Rendsburg Port, zwei Logistikstandorte im Hamburger Hafen sowie sechs Standorte in Schweden einen starken Verbund von bisher 13 Hafen- und Logistikstandorten in Norddeutschland und Skandinavien. Mit der Ausweitung der Aktivitäten der Brunsbüttel Ports im Hamburger Raum wächst die SCHRAMM Ports & Logistics nun auf insgesamt 15 Standorte.

Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports GmbH und SCHRAMM Ports & Logistics, freut sich über den Zuschlag an den drei Heizkraftwerksstandorten: „Unsere Dienstleistungen decken die gesamte Kette der Ver- und Entsorgungslogistik ab. Die Zusammenarbeit mit Vattenfall ist hoch professionell und effizient, und wir freuen uns, nicht nur die Verlängerung des bestehenden Auftrages am Standort Moorburg erhalten zu haben, sondern in Zukunft zusätzlich auch noch an zwei weiteren Standorten unseres Kunden aktiv sein zu dürfen.“
Ergänzend führt Schnabel aus: „Die Ausweitung unserer Aktivitäten in Hamburg bedeutet eine noch engere Verzahnung im Wirtschaftsraum Unterelbe und ist ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit innerhalb der Metropolregion Hamburg. Durch unsere zwei neuen Standorte steigt auch die Anzahl unserer Mitarbeiter deutlich an. Unsere Hafengruppe ist damit auch weiterhin auf einem soliden, nachhaltigen und gesunden Wachstumskurs.“

Im Rahmen der kürzlich vom Zentralverband der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) veröffentlichten Jahreszahlen der deutschen Seehäfen weist Frank Schnabel auf die positiven Umschlagszahlen der Hafengruppe Brunsbüttel Ports in diesem Jahr hin: In den ersten 10 Monaten erzielte die Brunsbütteler Hafengruppe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Umschlagsplus von rund 11%. Im Brunsbütteler Elbehafen stieg die Güterumschlagmenge sogar um rund 12 %. In den Brunsbütteler Häfen stieg außerdem die Anzahl der abgefertigten Seeschiffe um rund 23 % und die Anzahl der Binnenschiffe um 8 %.

Hamburg: Statt Erneuerbare Energien Moorburg Kohle-Wärme? Technisch möglich – politisch nicht gewollt

Hamburg muss nach dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ die Fernwärme von Vattenfall übernehmen und von Kohle auf erneuerbare Energien umstellen. Die dafür von der Hamburger Umweltbehörde heute vorgestellten Pläne stoßen bei Klima-Initiativen aber auf Kritik, weil nicht ausgeschlossen ist, dass künftig auch das Kohlekraftwerk Moorburg Zugang in das Fernwärmenetz bekommt. Möglich würde dies durch den geplanten Neubau einer Fernwärmetrasse vom Süden unter der Elbe hindurch nach Bahrenfeld. Gegenüber dem DLF (Audio-Link) bestätigt heute ein Behördensprecher: Technisch wäre mit dieser neuen Leitung ein Anschluss von Moorburg möglich, politisch aber nicht gewollt. (Der NDR berichtet hier) Die Bürgerschaftsfraktionen von CDU und FDP hatten aber genau das mehrfach vorgeschlagen. Neue politische Mehrheiten könnten diese technischen Möglichkeiten also künftig nutzen, um Vattenfall und Moorburg mit Wärme durch klimaschädliche Kohleverbrennung einzubeziehen. Vor einer solchen Möglichkeit warnen BUND und andere Klimaschutz-Initiativen. Aus ihrer Sicht wäre eine erneuerbare Wärmeversorgung auch ohne eine solche neue Fernwärmetrasse möglich. In einer Pressemeldung fordert der BUND Hamburg eine verbindliche Zusicherung, dass keine Wärme aus dem Kohlekraftwerk Moorburg ins Netz eingespeist wird. (siehe PM unten, Foto: Jens Kerstan (links))

Nach den Plänen der Umweltbehörde sollen die mit Kohle befeuerten Kraftwerke in Wedel bis 2022 abgeschaltet und Tiefstack bis 2024 auf Gas umgestellt werden sowie vor allem südlich der Elbe erneuerbare Energie-Anlagen errichtet werden. Die zu Vattenfall gehörende Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm (MVR) soll künftig ebenfalls für die Versorgung des Hamburger Westens mit Wärme eingesetzt werden. Um all das zu ermöglichen, ist die neue Fernwärmetrasse aus Sicht der Umweltbehörde erforderlich. Die Einbeziehung der MVR in diese Planungen bringt Vattenfall schon einen ersten Vorteil für das Kohlekraftwerk Moorburg: Dadurch, dass die Wärme von der MVR nun in den Hamburger Westen geleitet werden soll, übernimmt Moorburg die bisher von der MVR gelieferte Wärme für die Ölfirma Schindler. Damit bekommt Moorburg dann staatliche Fördermittel, weil die Anlage dann in Kraft-Wärme-Kopplung betrieben wird. Damit verbunden sind erhöhte CO2-Emissionen in Moorburg.

Technisch wird so also der Anschluss für Moorburg auch an die Fernwärme möglich. Ein solcher Anschluss ist derzeit zwar politisch nicht gewollt, wird aber unter einer anderen Mehrheit möglich: Die nächste Bürgerschaftswahl in Hamburg ist 2020, bei der der derzeit amtierende rot-grüne Senat seine Mehrheit verlieren könnte und mit CDU und FDP eine Vattenfall-freundlichere Regierung an die Macht kommen könnte.

  • Heute stellt der grüne Umweltsenator Jens Kerstan die Pläne im Energienetzbeirat vor. Die Sitzung ist öffentlich und findet in der Umweltbehörde in Wilhelmsburg ab 17 Uhr statt.

Der BUND Hamburg nimmt per PM folgendermaßen Stellung: „BUND fordert verbindliche Zusicherung, dass keine Wärme aus dem Kohlekraftwerk Moorburg ins Netz eingespeist wird“ und schreibt: „Zur Ankündigung von Umweltsenator Jens Kerstan, bei der Hamburger Fernwärmeversorgung in den nächsten acht Jahren aus der Kohlenutzung auszusteigen, erklärt BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch:

„Ein Ausstieg aus der Kohlewärme bis 2025 in Hamburg ist ganz klar ein richtiger Schritt, den der BUND unterstützt. Die Kohlekraftwerke Wedel und Tiefstack, die derzeit in das Hamburger Fernwärmenetz einspeisen, müssen schnell vom Netz.

In dem heute vorgestellten Konzept für die zukünftige Fernwärmeversorgung müssen wir uns allerdings die Details anschauen. Neben dem skizzierten Zeitplan spielt es eine entscheidende Rolle, wie der zukünftig technisch mögliche Anschluss des umstrittenen Vattenfall-Kohlekraftwerks Moorburg an das Fernwärmenetz dauerhaft verhindert werden kann. Ohne eine verbindliche Zusicherung, dass keine Moorburg-Wärme in das Wärmenetz eingespeist wird, könnte sich der Kerstan-Plan als Dolchstoß für den Klimaschutz erweisen.““

Außerdem:

DPA meldet dazu laut welt.de: „Das Hamburger Fernwärmenetz soll bis 2025 vollständig ohne den Energieträger Kohle auskommen und überwiegend aus Erneuerbaren Energien gespeist werden. Energiesenator Jens Kerstan (Grüne) präsentierte am Donnerstag ein Bündel verschiedener Maßnahmen, mit denen das überalterte Kraftwerk Wedel ersetzt werden soll. Es soll nunmehr in fünf Jahren vom Netz gehen. Um das Fernwärmenetz weiterhin mit Energie zu versorgen, will die Stadt unter anderem industrielle Abwärme aus großen Industriebetrieben südlich der Elbe nutzen sowie Energie aus Abfall und Abwasser. Zudem ist ein großer unterirdischer Energiespeicher geplant.

Die notwendigen Investitionen bezifferte Kerstan auf ungefähr 600 Millionen Euro, wobei noch Einzelheiten zu klären seien. Für die rechnerisch rund 500 000 Haushalte im Hamburger Fernwärmenetz seien durch die Umstellung keine außerordentlichen Preissteigerungen zu erwarten. Das zweite große Kraftwerk Tiefstack, das den Hamburger Osten weitgehend mit Fernwärme versorgt, soll 2024 von Kohle auf Erdgas umgestellt werden. Am Ende würden so rund 600 000 Tonnen CO2 eingespart, das wären fast zwei Drittel des heutigen Ausstoßes.

Hamburgs Klimaschutz und der Kohleausstieg: Nichts geht ohne Vattenfall

Mindestens Frank Drieschner von der Zeit ist euphorisiert, wenn er von den Plänen der grün geführten Hamburger Umwelt- und Energiebehörde schreibt. Da berichtet er schon mal über die wichtigsten „Verschwörungstheorien“ (Die Zeit, Januar 2017), die gegen die (bislang bekannten) Pläne aus dem Hause Jens Kerstan vorgebracht werden könnten. Nun versteigt er sich sogar dazu, dass aus dieser Behörde gar eine „Revolution“ angezettelt wird. Worum es geht? Hamburg hat irgendwie erkannt, dass der Einsatz von Kohle zur Verbrennung für Wärme- und Stromerzeugung nicht mehr „State of the Art“ ist. Und muss endlich was tun, um die selbst gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Dumm nur: Noch entscheidet die Behörde eigentlich nichts, denn Mehrheitseigentümer ist Vattenfall. (Foto: Blick auf Moorburg aus der Umweltbehörde)

Wedel soll abgeschaltet, Tiefstack auf Gas statt Kohle umgestellt werden. Das Ganze soll bis 2025 umgesetzt werden. Ersetzt werden soll vor allem Wedel mit vielen erneuerbaren Anlagen. Wie genau das gehen soll wird Senator Kerstan am Donnerstag (2.11.) dem Energienetzbeirat erklären.

Bemerkenswert ist, dass sich der Zeit-Kollege kaum die Mühe macht, sich mit den tatsächlichen Macht- bzw. Eigentumsverhältnissen auseinander zu setzen. Dann würde sich zeigen: Vattenfall würde für sein Kohle-Monster Moorburg in diesen neuen Plänen gewinnen. Soweit derzeit bekannt, würde als Folge der Planungen der Umweltbehörde das Klimakiller-Kraftwerk Moorburg mit steigenden CO2-Emissionen Wärme-Dampf im Umfang von rund 500 GWh pro Jahr an die Ölfirma Schindler liefern. Ein wichtiger Deal für Vattenfall, denn dann könnte das Unternehmen endlich die Kraft-Wärme-Kopplung-Prämien für Moorburg einkassieren. Siehe dazu auch dieses Papier der LAG Energie der Grünen (PDF).

Was Drieschner in der Zeit als Revolution einer Behörde einordnet, ist aber im Grunde nichts anderes, als die Umsetzung des erfolgreichen Volksentscheids „Unser Hamburg – Unser Netz“. Nach der vollständigen Rekommunalisierung des Strom- und Gasnetzes, steht noch die Übernahme der Fernwärme aus. Mit dem Volksentscheid haben die HamburgerInnen auch entschieden: Eine klimaverträgliche Energieversorgung muss her.

Noch aber hat es diese Rekommunalisierung der Fernwärme nicht gegeben und daher ist immer noch Vattenfall einer der großen Player in der Hamburger Fernwärme. Als Reaktion auf „Unser Hamburg – Unser Netz“ hatte sich die damals allein regierende SPD mit einem Minderheitsanteil von 25 Prozent in die drei Netzgesellschaften eingekauft (So sollte die Zustimmung zum Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ in der Vorstellung von Bürgermeister Olaf Scholz geschwächt werden – erfolglos, wie wir heute wissen).

Die Stadt Hamburg kann bislang Investitionen von Vattenfall verhindern, aber ohne deren Zustimmung nichts Gestaltendes durchsetzen. Anders gesagt: Ohne Vattenfall geht derzeit gar nichts. Das gilt nicht nur direkt bei Hamburg Wärme, wie das gemeinsame Unternehmen mit der Stadt heißt. Sondern z.B. auch bei der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm (MVR), die zu 55 Prozent Vattenfall (und zu 45 Prozent der Hamburger Stadtreinigung) gehört. Die MVR spielt heute in der Fernwärmeversorgung eine wichtige Rolle. Außerdem ist da noch neben dem maroden Kraftwerk in Wedel das Heizkraftwerk in Tiefstack, dessen (Kohle-)Wärme ebenfalls ins Fernwärmenetz eingespeist wird. Fast die Hälfte der Hamburger Fernwärme stammt laut Vattenfall aus Tiefstack.

  • Die Übernahme der Fernwärme von Vattenfall kann nach dem Volksentscheid per Kaufoption zu 2019 erfolgen. Das entsprechende Verfahren zum Rückkauf ist gerade angelaufen. Hinter vorgehaltener Hand wird derzeit aber darüber „gemunkelt“, dass der Senat möglicherweise eine Verschiebung des Rückkaufs anstreben könnte. Dem widerspricht allerdings ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen von SPD und Grünen, in dem der Rückkauf klar vorgesehen ist. Siehe dazu: Unser Hamburg – Unser Netz: Senat rekommunalisiert Fernwärmeversorgung

Klar ist daher: Wenn Vattenfall keine Vorteile aus einem solchen Deal zieht, kann die Umweltbehörde derzeit eigentlich kaum etwas tun. Daher ist die Frage „was nützt es dem Klima“ und „was nützt es Vattenfall“ immer gemeinsam zu beantworten!

Neben dem direkten Vorteil für Vattenfall sehen Klima-Schutz-Verbände und -Initiativen in einer wichtigen weiteren Komponente der bisher bekannten Planungen ein gravierendes Risiko: Die Umweltbehörde will im Süden der Stadt erneuerbare Anlagen installieren, deren Wärme aber im Nordwesten gebraucht wird. Daher soll eine Wärme-Leitung unter der Elbe gebaut werden. Sie soll von der mehrheitlich Vattenfall gehörenden MVR unter der Elbe über Othmarschen nach Bahrenfeld gebaut werden.

  • Vattenfall hatte ehemals vor, die Müllverbrennungsanlagen komplett zu verkaufen. So ist die Anlage in der Borsigstraße inzwischen auch bei der Stadtreinigung. Einen Verkauf der MVR hatte Vattenfall dann aber nicht weiter verfolgt. Als Grund dafür gilt die strategische Rolle dieser Anlage im Fernwärmenetz, mit der Vattenfall im Poker um die künftige Wärmeversorgung und Moorburg eine starke Stimme behält!

Solange sie für erneuerbare Energie genützt würde, mag das auf den ersten Blick in Ordnung gehen. Doch die Verbände und Initiativen kritisieren diese „Moorburg-Trasse 2.0“ heftig. Sie kritisieren nicht nur, sie haben auch fundierte Alternativen benannt, um den Anteil der Erneuerbaren in der Wärmeversorgung zu erhöhen und dennoch auf diese „Moorburg-Trasse 2.0“ zu verzichten. (Siehe Hamburger Energietisch und hier und hier der BUND Hamburg, außerdem oben das Papier der LAG Energie der Grünen, siehe auch diesen Artikel in der Taz Nord: „Umweltsenator contra Vattenfall – Heizen ohne Kohle„.)

Der Grund für die massive Kritik: In Verbindung mit der Leitung von Moorburg zu Schindler und der neuen Leitung unter der Elbe durch, würde bei der MVR technisch die Möglichkeit errichtet, auch Moorburg in die Fernwärme einzubinden. Das wollen der Grüne Senator und seine Partei nicht und würde auch dem derzeitigen Koalitionsvertrag widersprechen. Aber andere politische Mehrheiten könnten das ab 2020 ganz anders bewerten und die technischen Möglichkeiten nutzen. FDP und CDU haben immer wieder den Anschluss von Moorburg als Ersatz für Wedel gefordert und auch bei der Hamburger SPD-Spitze hat Vattenfall irgendwie mehr Freunde als der Klimaschutz!

Wie so oft, steckt der Teufel eben im Detail oder um es mit einer anderen Volksweisheit zu sagen: Es ist nicht alles CO2-frei, was behauptet wird.

Hamburg und Vattenfall: Rückwärts beim Klimaschutz – Gemeinsam mit dem BUND zur Klima-Konferenz nach Bonn

Klimaschutz der nordischen Art: In Stade darf ein neues Kohlekraftwerk (taz) gebaut werden und das Vattenfall-Kohlemonster in Moorburg sorgt für fetten Zuwachs bei den klimaschädlichen Treibhausgasen. Auch in den Kraftwerken Wedel und Tiefstack setzt Vattenfall immer noch auf Kohle als Brennstoff zur Strom- und Wärmeerzeugung. Grund genug, zur anstehenden Klimakonferenz COP23 in Bonn auch von Hamburg aus zur Demonstration am 4. November zu reisen. Der BUND Hamburg, der hier zur Demonstration aufruft, hat das in die Hand genommen und bietet Bus-Tickets für eine gemeinsame Anreise an.

  • Zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens findet vom 6. bis zum 17. November die 23. Weltklimakonferenz (COP23) in Bonn statt. Zahlreiche Aktionen und Demonstrationen finden aus diesem Anlass statt. Dazu gehören ein Gegengipfel, Aktionen von EndeGelände im Rheinland, ein internationales Jugend-Camp und eben die Demonstration am 4. November. Der Arbeitskreis Energie des BUND Hamburg bietet eine gemeinsame Fahrt mit dem Bus am 4. November nach Bonn zur Demo anlässlich der Klimakonferenz. Tickets können in der Geschäftsstelle für 35 Euro (normaler Preis) und für 30 Euro (ermäßigter Preis für Schüler*innen, Rentner*innen etc.) erworben werden. Außerdem gibt es auf Initiative des BUND Tickets bei den Grünen und DIE LINKE. E-Mail-Bestellungen dazu bitte an: Hamburg@bund.net
  • Neue lange Leitung – Hamburgs unnötige Fernwärme-Baustelle

Energiewende: Hamburg macht Rückschritte“ berichtet der NDR und schreibt: „In Hamburg ist die Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern im vergangenen Jahr um 20 Prozent angestiegen. 94 Prozent des Stroms in Hamburg stammten aus nicht nachwachsenden Rohstoffen wie Kohle oder Erdöl, teilte das Statistikamt Nord am Mittwoch mit. Der Anstieg dieser fossilen Energieträger gehe vor allem auf das neue Kraftwerk Moorburg zurück: Es sei im Laufe des Jahres stark hochgefahren worden. Die Menge des aus Kohle erzeugten Stroms stieg gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Millionen Megawattstunden (MWh) auf 8,5 Millionen MWh. Die gesamte Stromerzeugung stieg auf zehn Millionen MWh, das sind 17 Prozent mehr als 2015.“

Die Taz-Nord berichtet ebenfalls und bringt die Reaktion der grün geführten Hamburger Umwelt- und Energiebehörde: „Die Umweltbehörde erklärte die Entwicklung mit der Inbetriebnahme des Kohlekraftwerks Moorburg. Die Anlage hatte im Jahr 2015 in mehreren Schritten mit der Stromerzeugung begonnen. Die beiden Kraftwerksblöcke haben eine Leistung von jeweils 827 Megawatt. “ Für die Hamburger Klimabilanz ist der in Hamburg verbrauchte Strom maßgeblich und nicht die Erzeugung“ , sagte Behördensprecher Jan Dube.“

Als wäre das wirklich ein Grund zur Beruhigung, wenn eine andere Bezugsgröße die Hamburger Bilanz verbessert, aber die erhöhten CO2-Emissionen, die Vattenfall zu verantworten hat, dennoch die Klimakatastrophe anheizen.

Weiter heißt es bei der Taz-Nord dazu: „Hinter der rückläufigen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien steckt kein Trend“ , versicherte Behördensprecher Dube. Die niedrigere Zahl sei mit Sonderfaktoren zu erklären, beispielsweise mehr Flautetagen für die Windkraft oder Veränderungen in der Struktur und im Betrieb von Müllverwertungsanlagen. Der Ausbau der ökologischen Stromerzeugung gehe weiter. Dube erwähnte den geplanten Ersatz des Kohlekraftwerks Wedel durch erneuerbare Komponenten und die jüngste Inbetriebnahme von modernen Windrädern im Stadtteil Curslack und beim Unternehmen Arcelor Trimet. (dpa)“

Gegen die Moorburg-Emissionen hilft der Ersatz in Wedel, von dem Dube spricht, jedoch gar nichts. Im Gegenteil: Eine der Planungsvarianten der grünen Umwelt- und Energiebehörde sieht vor, dass Vattenfalls Kohlemonster Moorburg sogar künftig noch besser ins Geschäft kommt und einen größeren Industriebetrieb mit Wärme versorgen darf. Siehe dazu: Neue Fernwärmetrasse: Moorburger Kohle-Wärme durch die Hintertür? Behörde leitet Planverfahren ein

Vattenfall ist in Hamburg immer noch ein Garant für die Klimakatastrophe: In den Vattenfall-Kraftwerken Wedel (Fernwärme und Strom), Tiefstack sowie Moorburg erzeugt Vattenfall immer noch Strom und Wärme mit Kohle. Und immer noch wird dies in gewohnter Schönfärberei präsentiert. So ist z.B. über das Kraftwerk Tiefstack bei Vattenfall zu lesen: „Das Kraftwerk ist sowohl für die Grundlast- als auch für die Spitzenlastproduktion ausgestattet. Die Grundlasteinheit wird mit Steinkohle betrieben, während die zwei für die Spitzenlastversorgung genutzten Heizkessel mit Erdgas und leichtem Heizöl befeuert werden. Die Kraftwerke sind mit modernsten Rauchgasreinigungsanlagen bestückt. Diese sorgen dafür, dass die aus dem 120 Meter hohen Schornstein abgegebenen Rauchgase die zulässigen Grenzwerte deutlich unterschreiten.“

Sind die Schornsteine hoch genug, dann schaffen es die „modernsten Rauchgasreinigungsanlagen“ wenigstens, die Grenzwerte zu unterschreiten. Danke Vattenfall.

Mit hohen Schornsteinen ist den NachbarInnen des Kohle-Heizkraftwerks in Wedel nicht wirklich geholfen. Nicht nur Lärm und CO-Emissionen sind den Vattenfall-NachbarInnen mit Blick auf das marode Heizkraftwerk Wedel ein Dorn im Auge. Immer wieder kommt es trotz zahlreicher Nachrüstungen zum Partikel-Auswurf, der auf Gärten, Autos und sonstigen Flächen „abregnet“. „Nachbarn des Kraftwerks fordern Betriebsstopp“ heißt es deshalb im Abendblatt über die Forderungen der betroffenen BürgerInnen. Die SHZ berichtet: „Die Genehmigung muss entzogen werden“.

Fernwärme Hamburg und Energienetzbeirat: Umweltbehörde erklärt Wedel-Ersatz zur Geheimsache

Die Grün geführte Umweltbehörde hat gestern im Energienetzbeirat die Planungen für den Ersatz des maroden Heizkraftwerks Wedel für die Fernwärmeversorgung der Hansestadt zur Geheimsache erklärt und keine weiteren Informationen zum Stand der Prüfung der Szenarien und zur bevorstehenden Investitionsentscheidung gegeben. In der „Aussprache“ fand dies vielfältige Kritik unter den Mitgliedern des Netzbeirats und seines Sprechers Professor Dr. Werner Beba. Der Beirat gilt als Beratungsgremium der Umweltbehörde. Als Minderheitspartner von Vattenfall in der Hamburg Wärme GmbH ist die Umweltbehörde beteiligt, wenn es darum geht, die Investitionen zum Wedel-Ersatz auf den Weg zu bringen. Entscheidungen sollen im Herbst getroffen werden, derzeit läuft eine detaillierte Prüfung.

Für den Anschluss von neuen CO2-armen Anlagen im südlichen Hafenbereich soll eine neue Fernwärmetrasse unter der Elbe über Othmarschen nach Bahrenfeld verlegt werden. Als Folge der Planungen würde das Vattenfall-Kohlekraftwerk Moorburg im südlichen Hafen einen wichtigen Industriekunden mit Wärme versorgen, der bislang an die Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm angeschlossen ist. Vattenfall würde damit den Betrieb des 1600 MW Kohlekraftwerks wirtschaftlich verbessern und die Kraft-Wärme-Kopplung deutlich ausbauen. Das aber ist aus Sicht des BUND und anderer Klimaschützer im Energienetzbeirat nicht sinnvoll. Statt der sogenannten Süd-Variante favorisieren sie eine veränderte Nord-Variante. Dies würde auch dazu führen, das Heizkraftwerk Wedel früher abschalten zu können.

Die Umweltbehörde sicherte jedoch zu, bis zum 26. Oktober – vor einer Entscheidung bei Hamburg Wärme – den Beirat umfassend über die laufenden Prüfungen der Szenarien zu informieren. Die nächste (öffentliche) Sitzung des Beirats wird am 2. November stattfinden. Ein bereits vorliegender Antrag des BUND (PDF) zur Beschlussempfehlung für den Beirat könne dann noch entsprechend aktualisiert und zur Abstimmung am 2. November gestellt werden.

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