„Falsch und irreführend“ – Betreiber dementiert (BI-)Meldungen zu Atommülllager Ahaus: Hallendach hängt durch, Wände mit Stahlseilen zusammengehalten, Wasseransammlungen

Während hochumstrittene Planungen laufen, über 150 Atommüll-Behälter mit hochradioaktivem Abfällen per LKW von Jülich in das Zwischenlager nach Ahaus zu transportieren, gibt es nun neue Alarmmeldungen. (UPDATE:) Gestern meldeten Bürgerinitiativen sindgemäß: `Das Hallendach des Atommüll-Zwischenlagers hängt offenbar durch und muss mit Stahlseilen stabilisiert werden, um die Statik aufrechtzuerhalten. So habe ein Mitarbeiter der Genehmigungsbehörde im zuständigen Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) die Lage in Ahaus gegenüber Bürgerinitiativen auf Nachfrage bestätigt.´ Die BI Ahaus und die Initiative SOFA aus Münster hatten gestern eine entsprechende Pressemeldung veröffentlicht. Dazu gehört auch ein Brief an die Atomaufsicht im Land NRW, in dem sich Ahaus befindet. Zuständig ist die grüne Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. UPDATE 8.1. 13.40 Uhr. Der Betreiber widerspricht den Meldungen der BIs. „Irreführend und Quatsch„heißt es bei der Münsterländer Zeitung (hinter einer Paywall). ** Weiteren hoch radioaktiven Atommüll jetzt nach Ahaus zu transportieren sei unverantwortlich, argumentieren die Umweltgruppen. Die Genehmigung für den Transport des Atommülls ist bislang nicht erfolgt. Vor den Bundestagswahlen, soviel ist seit Wochen klar, werden die Atomtransporte ohnehin nicht rollen. Initiativen und Umweltverbände fordern seit längerem eine umfassende Nachrüstung für die oberirdischen Zwischenlager, weil Alterungsprozesse, Unsicherheiten bei der Behälterlagerung und auch mangelhafte Auslegung der Gebäude gegenüber den alten und neuen Risiken verbesserte Sicherheits- und Sicherungskonzepte erfordern.

** In der Münsterland-Zeitung widerspricht die BGZ „ausdrücklich. „Es gibt keine Mängel“, betonte er auf Anfrage unserer Redaktion. Die Behauptung „Im Deckenbereich hat sich eine Mulde gebildet, in der sich Wasser ansammelt“ sei falsch und irreführend. Es gebe dort keine Mulde und keine Ansammlung von Wasser. Es habe ab dem Jahr 2018 Baumaßnahmen am Dach gegeben. Diese Maßnahmen seien Bestandteil der „Härtung“. Dabei sei auch eine Schutzwand um das Zwischenlager errichtet worden. Sie soll den Atommüll vor Terrorangriffen schützen.
Für eine „Stützenkopfverspannung“ würden dauerhaft Stahlseile eingesetzt, um die Deckenkonstruktion zu verstärken. Die Bauarbeiten seien erfolgreich abgeschlossen worden.“

UPDATE: Eine entsprechende Pressemeldung der BGZ ist bislang nicht online (stand heute 13.53 Uhr) auf deren Seite! Eine Anfrage von umweltFAIRaendern liegt der Pressestelle im BASE zu diesem Thema seit grad eben vor. Die Antwort ist grad eingegangen und lautet: „Ein Vertreter der BI Ahaus informierte in einem Anruf vom 16.12. über die Vermutung, dass es aktuell statische Probleme beim Lagergebäude des BZA gebe. Herr Dr. Bunzmann verwies darauf, dass für solche Fragen die atomrechtliche Aufsicht über das BZA, das MWIKE, verantwortlich ist. Dabei hat er darauf hingewiesen, dass dem BASE bekannt ist, dass das MWIKE bereits vor einigen Jahren Fragen zur Statik des Lagergebäudes bearbeitet habe. Zum aktuelle Stand zu diesem Sachverhalt kann nur das MWIKE als atomrechtliche Aufsicht Auskunft geben.“ Diese Auskunft habe BASE auch an die Münsterländer Zeitung erteilt. Die Angaben, auf die sich BASE bezieht, sind unten in der PM und dem Brief der Initiativen zu lesen….

Die BGZ teilt auf ihrer Homepage zu Ahaus mit Blick auf die dort gelagerten hochaktiven Abfälle mit:

„Aktuelle Belegung des Brennelemente-Zwischenlagers Ahaus (BZA)

Im BZA werden seit März 1998 sechs CASTOR-V-Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus deutschen Atomkraftwerken gelagert. Die ebenso hier lagernden, deutlich kleineren 305 CASTOR THTR/AVR-Behälter sind mit bestrahlten Brennelementen aus dem stillgelegten Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR) in Hamm-Uentrop beladen. Der Abtransport dieser Brennelemente in das Brennelemente-Zwischenlager Ahaus war eine unverzichtbare Voraussetzung für die Stilllegung dieses Kraftwerkes. Darüber hinaus lagern hier seit 2005 18 Behälter vom Typ CASTOR MTR 2 mit Brennelementen aus dem Forschungsreaktor in Dresden-Rossendorf.“

Hintergrund zum Thema:

Dokumentation: BI Ahaus zu den Zuständen des Zwischenlagers für Atommüll.

Bauliche Mängel am Ahauser Atommüll-Lager

Hallendach hängt durch – Bürgerinitiativen wenden sich an die Atomaufsicht

An den Seitenwänden und der Decke der Ahauser Lagerhalle für Atommüll haben sich jetzt gravierende Mängel in der Statik gezeigt, die zu einem Auseinanderdriften der Wände geführt haben. Als Folge davon hat sich im Deckenbereich eine 2 – 3 cm tiefe Pfütze gebildet, da das Hallendach offenkundig durchhängt. Damit dieser Prozess sich nicht fortsetzt, wurden nun Drahtseile von einer Wand zur anderen gespannt.

Mit diesem Sachverhalt, über den die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ kürzlich unterrichtet worden war, haben mehrere Bürgerinitiativen jetzt in einem Brief die NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur konfrontiert, die zugleich Chefin der NRW-Atomaufsicht ist. Die Initiativen wollen wissen, ob diese gravierenden Vorgänge am Atommüll-Lager in Ahaus der NRW-Atomaufsicht bekannt sind, wie sie sie bewertet und welche Maßnahmen ggf. vorgesehen oder schon ergriffen worden sind.

„Dass das Ahauser Lager mit seinen Wand- und Deckenstärken von nur 20 – 30 cm im oberen Hallenbereich heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr entspricht, haben wir schon seit vielen Jahren immer wieder kritisiert. Alle später errichteten Zwischenlager weisen erheblich dickeres Mauerwerk auf, das zuletzt in Bau befindliche in Lubmin sogar bis zum 180 cm“, so BI-Sprecher Felix Ruwe, „wir fordern deshalb insbesondere im Hinblick auf die drohende Langzeitlagerung von Atommüll in Ahaus den Neubau eines erheblich robusteren Gebäudes.“

„Unter den gegebenen Umständen ist jeglicher weitere Antransport von hochradioaktivem Atommüll, wie er aus Jülich und Garching geplant ist, unverantwortlich“, so Matthias Eickhoff (SOFA Münster). „Ministerin Neubaur muss sich ernsthaft fragen, ob unter den gegebenen Umständen nicht eine Räumungsverfügung für das Ahauser Lager angeordnet werden muss, wie sie für das Atommüll-Lager in Jülich bereits seit 10 Jahren besteht!“


Brief an die NRW-Wirtschaftsministerin und Chefin der NRW-Atomaufsicht Mona Neubaur

BI „Kein Atommüll in Ahaus“ e. V.
SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen

An die
Ministerin für Wirtschaft, Industrie,
Klimaschutz und Energie
des Landes Nordrhein-Westfalen
Frau Mona Neubaur
40190 Düsseldorf

Ahaus, den 06.01.2025

Betr: Atommülllager Ahaus: Akute Sicherheitsmängel der Lagerhalle

Sehr geehrte Frau Ministerin Neubaur,

einer unserer wesentlichsten Kritikpunkte an der gegenwärtigen Form der Zwischenlagerung hochradioaktiven Mülls in Ahaus ist seit vielen Jahren die Struktur der hiesigen Lagerhalle: Deren Wände und Decke weisen im Vergleich zu allen später entwickelten Zwischenlager-Generationen eine viel zu geringe Wand- und Deckenstärke auf. Dies ist erst recht im Hinblick auf die geplante Langzeit-Zwischenlagerung inakzeptabel. Zuletzt hatten wir das in unserer „Stellungnahme zur geplanten Langzeitlagerung von hochradioaktiven Brennelementen in Ahaus“ im August 2024 formuliert, die auch Ihnen vorliegt.

Nun zeigen jüngste Ereignisse, dass unsere Bedenken viel früher als von uns erwartet traurige Realität wurden: Nach uns jetzt zugegangenen Informationen haben sich an den Seitenwänden und der Decke der Ahauser Lagerhalle gravierende Mängel in der Statik gezeigt, die zu einem Auseinanderdriften der Wände geführt haben. Die Folge davon ist, dass sich im Deckenbereich eine Mulde gebildet hat, in der sich Wasser ansammelt. Um ein weiteres Auseinanderdriften zu vermeiden, sind die Außenwände nun provisorisch durch starke Drahtseile miteinander verbunden worden. Dies zeigt ganz deutlich, dass das Gebäude schon gegenwärtig nicht mehr den Anforderungen entspricht, die an ein genehmigungsfähiges Zwischenlager gestellt werden müssten.
Dass es im oberen Hallenbereich des Ahauser Lagers Probleme gibt, ist übrigens auch dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) bekannt. Dies bestätigte der Leiter der Abteilung Genehmigungsverfahren des BASE, Dr. C. Bunzmann, bei einer telefonischen Nachfrage unsererseits am 16.12.2024.

Wir möchten Sie deshalb in Ihrer Eigenschaft als Leiterin der Atomaufsicht in Nordrhein-Westfalen fragen:

  • Waren Ihnen die geschilderten Vorgänge bereits bekannt? Und wenn ja, seit wann?
  • Wie bewerten Sie diese Vorkommnisse?
  • Welche Maßnahmen der Atomaufsicht halten Sie in dem Zusammenhang für geboten? Welche Maßnahmen haben Sie ggf. schon veranlasst?
  • Wäre unter den gegebenen Umständen nicht eine Räumungsverfügung für das Ahauser Lager geboten, wie sie bereits seit mehr als 10 Jahren für das Zwischenlager in Jülich besteht?
  • Teilen Sie unsere Auffassung, dass unter den gegebenen Umständen auf keinen Fall neuer radioaktiver Atommüll (z.B. Brennelemente aus dem AVR Jülich und dem FRM II Garching) nach Ahaus gebracht werden darf?

Sehr geehrte Frau Neubaur, wir bitten baldmöglichst um eine Antwort auf unsere Fragen, noch mehr aber darum, dass angesichts der Misere um das Ahauser Atommüll-Lager die erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden.

Mit freundlichen Grüßen,

i.A.:
Hartmut Liebermann, BI Ahaus
Felix Ruwe, BI Ahaus
Matthias Eickhoff, SOFA Münster
Jens Dütting, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen

Pressemitteilung der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.

Bauliche Mängel am Ahauser Atommüll-Lager: Hallendach hängt durch. Gorleben-BI: Neubau bei verlängerter Zwischenlagerung „von krachender Aktualität“

Schaut man sich das Forschungsprogramm der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) an, dann spielt der Zustand der Lagergebäude nur eine Nebenrolle – für die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ und die BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) hingegen hat der eine große Bedeutung, weil die geringen Wand- und Deckenstärken der Zwischenlagerhallen in Ahaus und Gorleben aus ihrer Sicht keinen hinreichenden Schutz gegen Terrorangriffe oder Flugzeugabsturz bieten.

An den Seitenwänden und der Decke Brennelemente-Zwischenlagers Ahaus (BZA) haben sich jetzt gravierende Mängel in der Statik gezeigt, die zu einem Auseinanderdriften der Wände geführt haben. Als Folge davon hat sich im Deckenbereich eine 2 – 3 cm tiefe Pfütze gebildet, da das 38 Meter breite Hallendach offenkundig durchhängt. Damit dieser Prozess sich nicht fortsetzt, wurden nun Drahtseile von einer Wand zur anderen gespannt.

Felix Ruwe, der Sprecher der Ahaus-BI: „Damit werden die Mängel aber nicht behoben, sondern nur vorübergehend gebremst. Nach unserer Einschätzung handelt es sich um ein meldepflichtiges Ereignis und schränkt die Nutzungsdauer des BZA-Gebäudes stark ein, wir haben die Atomaufsicht informiert. Soviel zu den BGZ-Aussagen bezüglich der „noch lange Zeit sicheren Halle“.“

In einem Brief an NRW-Ministerin Mona Neubaur fordern sie jetzt Klarheit und Konsequenzen: u.a. einen Transportstopp, denn aus dem Forschungszentrum Jülich sollen 125 Castoren in das BZA transportiert werden.

Die Castorhallen in Ahaus und Gorleben sind baugleich, deshalb ruft dieses Ereignis natürlich die Gorleben-BI zugleich mit auf den Plan. Deren Sprecher Wolfgang Ehmke kommentiert: „Es geht in Gorleben bereits jetzt um die verlängerte Zwischenlagerung über das Jahr 2034 hinaus, bereits Ende Januar 2025 will die BGZ über die anstehende Umweltverträglichkeitsprüfung auf einer öffentlichen Veranstaltung informieren, die dem neuen Genehmigungsverfahren vorangestellt wird. Durch das Ereignis in Ahaus bekommt unser wiederholt gestellter Hinweis auf die dünnen Wand- und Deckenstärken und die Forderung nach einem robusten Neubau der Lagerhalle eine krachende Aktualität.“

Wolfgang Ehmke, BI-Pressesprecher, 0170 510 56 06

https://www.bi-luechow-dannenberg.de/2024/12/10/behaelterzulassungen-im-brennelemente-zwischenlager-gorleben-laufen-aus-hersteller-huellen-sich-in-schweigen/

4. Quartal 2024 – 41 mal radioaktiv durch Hamburg – Zwei Transportverbote für radioaktiv kontaminierte Metalle nach Norfolk, USA

Transporte mit radioaktiven Stoffen durch Hamburg, per Schiff, Straße und Schiene. Allein von September bis Anfang Dezember kam es durch die Polizei zu 236 Kontrollen. In zwei Fällen verhängte die Wasserschutzpolizei auf einem Schiff zwei Tage andauernde Transportverbote, weil die radioaktive Ladung (mehrere Container mit kontaminierten Metallen mit Cäsium 137 und Cobalt 60) nicht sachgerecht gesichert war (siehe in der Drucksache die Anlage 3 und 2. Ziel war offenbar der Hafen Norfolk, USA). Das erklärt der Hamburger Senat in seiner Antwort auf eine Schriftliche Kleine Anfrage von Stephan Jersch und Norbert Hackbusch, beide von der Linksfraktion in der Bürgerschaft. In dem Zeitraum fanden sieben Atomtransporte mit sogenanntem Kernbrennstoff per LKW mitten durch Hamburg statt. Weitere 34 Transporte mit radioaktivem Material wurden per Schiff durch den Hafen durchgeführt. Damit sind also allein im letzten Quartal insgesamt 41 Atomtransporte durch Hamburg durchgeführt worden, die in den meisten Fällen in Verbindung mit der Nutzung der Atomenergie stehen. Bei der Uranbrennstoffversorgung sind es meist die Uranfabriken in Deutschland, die als Empfänger oder Absender in Erscheinung treten. Oft handelt es sich auch um Transporte zu Atomanlagen zwischen Schweden, Frankreich und z.B. der Schweiz.

„Im Zeitraum 10. September 2024 bis 6. Dezember 2024 wurden in Hamburg durch die Polizei 236 Kontrollen im Zusammenhang mit dem Transport radioaktiver Güter auf Schiffen, auf der Straße und im Schienenverkehr durchgeführt. 234 Kontrollen verliefen ohne Beanstandungen. Im Zusammenhang mit dem Seeverkehr wurden zwei sicherheitsrelevante Mängel im Zuständigkeitsbereich der Polizei in dem angegebenen Zeitraum festgestellt. Im Straßen- und Schienenverkehr wurde in dem angegebenen Zeitraum kein Mangel durch die Polizei festgestellt.“

Zusammenfassend zu den Daten der SKA und ergänzend zu einem zurückliegenden Atomtransport durch Hamburg teilt der Senat in der Drucksache mit: „Zu den meldepflichtigen Kernbrennstofftransporten für den Zeitraum vom 7. September 2024 bis einschließlich 6. Dezember 2024 siehe Anlage 1, zur Legende siehe Anlage 4. Der Zeitraum der in der Drs. 22/16212 aufgeführten Transportvorgänge endete mit dem 10. September 2024. Daten über die im Gefahrgut-Informationssystem der Polizei (GEGIS) gemeldeten Transporte liegen nur für die jeweils letzten drei Monate vor. Der Abfragezeitraum in GEGIS schließt zeitlich direkt an die Drs. 22/16212 an. In der Anlage 2 sind die Daten sonstiger radioaktiver Stoffe im Zeitraum 11. September 2024 bis einschließlich 6. Dezember 2024 aufgeführt. Die Dauer des Umschlags, die Namen und Adressen der Absender und Empfänger werden in GEGIS nicht erfasst. Darüber hinaus beinhaltet Anlage 2 zusätzlich einen Straßentransport, dessen Daten von einer Kontrolle am 12. September 2024 noch vorliegen. Im Übrigen siehe Drs. 22/10290.“

Im Bremsgang: hochaktive Atomtransporte von Jülich nach Ahaus

Keine Castor-Transporte mit hoch radioaktivem Atom(strahlen)müll von Jülich mitten durch NRW nach Ahaus. Das hat die zuständige Bundesbehörde heute als Antwort auf Druck von Bürgerinitiativen und angekündigten Klagen eines Umweltverbandes erklärt. Juristische Gründe werden dafür genannt. Das bedeutet, dass es offenbar in den relevanten Sicherheits- und/oder Ablauffragen immer noch Defizite gibt. Der WDR hat das gerade veröffentlicht. (Unter dem Text die Fassung, die ChatGPT als KI nach einigen konkreten Hin und Hers mit der Datenbank optimierte – und damit verdreht vereinfachte. Unterkomplex.)

„Vorerst keine Atommülltransporte von Jülich nach Ahaus“ heißt es dort und weiter:  „Rechtliche Gründe sprechen aktuell gegen einen Transport von Atommüll aus dem Jülicher Zwischenlager nach Ahaus.“ So der WDR. Und: „Mehrere Anti-Atom-Bündnisse hatten sich mit einem Schreiben an das Bundesumweltministerium gewandt. Das hat jetzt geantwortet, dass nicht zu erwarten sei, dass in den nächsten Monaten Atommüll vom Zwischenlager in Jülich nach Ahaus transportiert wird.“ Zwar stünde das Genehmigungsverfahren für die Transporte aus Jülich nach Ahaus mit diesem waffenfähigen hochaktiven Atommüll, für welches der Antrag der JEN verantwortlich ist, kurz vor Abschluss. Aber: „Rechtliche Gründe sprechen aktuell gegen den Transport“, ist beim WDR zu lesen. Eine PM ist weder beim BMUV noch bei BASE, der Genehmigungsbehörde für diese Art von Atomtransporten, aktuell online auf der Homepage. Auch .ausgestrahlt, sofa, Bi Ahaus melden online auf den Homepages noch nichts über diesen Brief.

Auch umweltFAIRaendern hatte schon berichtet, dass die Genehmigung für die Atomtransporte nicht mehr in diesem Jahr erwartet würde. Der Landesverband des BUND in NRW hatte angekündigt, gegen eine Transportgenehmigung Klage einreichen zu wollen. Statt die Gefahren von über 150 Atomtransporten nach Ahaus einzugehen, könnte ein verbessertes neues Lager in Jülich vorteilhafter sein. Nicht nur Anti-Atom-Initiativen und -Verbände unterstützen das. Auch der Bürgermeister in Jülich teilt diese Auffassung.

Erst Anfang Dezember hatte das Oberverwaltungsgericht in Münster eine Klage gegen die Aufbewahrung dieser Atom-Abfälle aus Jülich im Zwischenlager Ahaus für rechtlich zulässig erklärt. Dabei spielten aber die Risiken, die mit dem konkreten Transport über Autobahnen, Land- und Kreisstraßen keine Rolle. Schon jetzt erfolgen Straßenbaumaßnahmen, damit in Ahaus die Transporte mit einem Gesamtgewicht von rund 130 Tonnen, auf 13 ! Achsen und mit totaler Überlänge überhaupt fahren können. Aufgrund des extrem hohen Gewichts sind maximale Anforderung an die Brücken und Überquerungen gestellt. Auch bei Auf- und Abfahrten. Bei einer Probefahrt ohne Atommüll hat es diverse Probleme gegeben. Begleitet wird ein solcher Transport von einem Großaufgebot von Polizei und Sicherheitsdiensten. Viele Tausend Personen in der Planung, Vorbereitung und Umsetzung beteiligt. Die Zeche zahlen die Bürgerinnen.

Juristisch problematisch ist die Sache mit dem sogenannten „Sofort-Vollzug“. Ist dieser von der Behörde erteilt, hat eine Klage grundsätzlich keine aufschiebende Wirkung. Würde also nicht verhindern, dass die Klage die Transporte behindert. Die Klagende müsste im Eilverfahren klagen und begründen, warum ein Sofort-Vollzug nicht rechtmäßig wäre. Ein normales Verfahren im Bereich Atomsicherheit dauert in Deutschland viele Jahre. Aber: Seit rund 10 Jahren ist die Frage nach dem Verbleib des Atommülls aus Jülich virulent. Dafür tragen Betreiber und politische Entscheidungsträger unterschiedlicher Parteien und Ministerien in Bund und Ländern bei. Und auch die Bereitschaft, sachgerechte und verhältnismäßige Lösungen hinzubekommen.

Neben den oben genannten Punkten, die halbwegs öffentlich kommuniziert werden, bleibt eines, über das kaum gesprochen wird und strenger Geheimhaltung unterliegt: Der Transport von über 150 Castor-Behälter mit hochaktivem Strahlenmüll ist ein extrem relevantes Angriffsziel. Daher gelten höchste Sicherungs-Anforderungen nicht nur an die technischen und realen Abläufe. Ganz besonders wichtig ist, dass mit dem höchst notwendigen Schutz und minimalst dafür erforderlichen Aufwand eine maximale Sicherheit gegen Angriffe erreicht wird. Dabei wäre nach den wachsenden Krisenregionen in Ost und Nah-Ost auch der Einsatz von Kriegswaffen möglicherweise nicht auszuschließen. Wie konkret die Behörden das machen und was zu Bewertung und Planung für Dienstpläne führt: Geheimsache. Auch unklar, wie weit Polizie und möglicherweise militärische Einrichtungen zur Gefahrenabwehr zusammenabeiten müssen.

  • Über Terrorschutz bei Atomanlagen und über nukleare Kriegsgefahren jenseits der Atombombe hat umweltFAIRaendern vielseitig berichtet. Einfach die Suchfunktion nutzen. Z.B. mal SEWD eingeben.

Und hier noch die Sache mit der KI:

„Die geplanten Castor-Transporte mit hochradioaktivem Atommüll von Jülich nach Ahaus sind vorerst gestoppt. Die zuständige Bundesbehörde nannte rechtliche Gründe für diese Entscheidung. Mehrere Anti-Atom-Bündnisse hatten sich zuvor mit einem Schreiben an das Bundesumweltministerium gewandt. Dieses antwortete, dass in den nächsten Monaten keine Atommülltransporte vom Zwischenlager Jülich nach Ahaus zu erwarten seien.

Obwohl das Genehmigungsverfahren für diese Transporte kurz vor dem Abschluss stand, verhindern derzeit rechtliche Gründe die Durchführung. Eine offizielle Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums oder des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung liegt bislang nicht vor.

Der BUND NRW hatte angekündigt, gegen eine mögliche Transportgenehmigung zu klagen. Statt die Risiken von über 150 Atomtransporten nach Ahaus einzugehen, wird ein verbessertes neues Lager in Jülich als vorteilhafter angesehen. Diese Ansicht teilen nicht nur Anti-Atom-Initiativen und -Verbände, sondern auch der Bürgermeister von Jülich.

Anfang Dezember hatte das Oberverwaltungsgericht Münster eine Klage gegen die Aufbewahrung dieser Atomabfälle im Zwischenlager Ahaus für rechtlich zulässig erklärt. Dabei wurden jedoch die Risiken des konkreten Transports über Autobahnen und Landstraßen nicht berücksichtigt. Derzeit erfolgen Straßenbaumaßnahmen, um die Transporte mit einem Gesamtgewicht von rund 130 Tonnen auf 13 Achsen und mit Überlänge überhaupt ermöglichen zu können. Bei einer Probefahrt ohne Atommüll traten bereits diverse Probleme auf. Solche Transporte erfordern ein Großaufgebot an Polizei und Sicherheitsdiensten, was erhebliche Kosten für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet.

Ein weiterer juristischer Aspekt betrifft den sogenannten „Sofortvollzug“. Wird dieser von der Behörde erteilt, hat eine Klage grundsätzlich keine aufschiebende Wirkung und würde die Transporte nicht verhindern. Die klagende Partei müsste dann im Eilverfahren vorgehen, um die Transporte zu stoppen.“

Dis-Harmonische Töne, Demokratie und ein Streichorchester … Ein Friedenskonzert

Es ist immer ein besonders Vergnügen, das Erste Improvisierende Streichorchester (E.I.S.) zu erleben, allemal dann, wenn es gleich um die Ecke in meiner Kirche am Kloppstockplatz aufspielt und auch, wenn der ehemalige Pastor Uli Hentschel in einer kleinen Ansprache mit „Zwischentönen“ mahnt. „Hat Frieden einen besonderen Klang?“ fragt das seit nunmehr 40 Jahren bestehende Orchester und will mit seinen Friedenskonzerten einen Raum schaffen, „in dem Musizierende und Hörende dieser Frage nachspüren können“. Von Dis-Harmonie spricht der „Orchester-Pastor“, von Zwischentönen, ausgerechnet, wenn vielstimmig gestrichene, geschabte und behauptete Töne im Raum umherfliegen, von allen Seiten kommend, einwirken, Aufmerksamkeit einfordern, sich aufdrängen, verlieren, nachklingen. Ein Konzert fü Frieden eben. Und ein Film von Thomas Deuber über dieses wundervolle demokratische Streichorchester gabs als Zugabe gleich um die Ecke.

  • Das Friedenskonzert mit dem Ersten Improvisierenden Streichorchester  – Benefizkonzert für die »Schule ohne Grenzen« – Deutschunterricht für Flüchtlinge in der Kirchengemeinde Ottensen fand am 22. Dezember in der Christianskirche am Klopstockplatz statt. Der Flyer ist hier als PDF online.
  • Thomas Deuber hat aus Anlass des 40. Jubiläums das Orchester bei Proben, bei Gesprächen und bei einem Event in Osnabrück still und dezent gefilmt und gelauscht und als Premiere seinen Film „Improvisierend miteinander umgehen“ in der Arnold Schnittke Akademie gleich um die Ecke in der MBA 24 präsentiert. „Improvisierend miteinander umgehen“ heißt es auf der Seite der „Kuhkoppel-Produktion“, wo auch einige Bilder über diesen einfühlsamen Film zu finden sind. Töne und Demokratie und ein Orchester. Ein Erlebnisfilm.
  • Foto: Das Foto oben ist entnommen dem Flyer zum Konzert vom E.I.S. – Ich hoffe, es gibt kein Urheberproblem mit der Übernahme hier.

Uli Hentschel sprach beim Friedenskonzert 2024 (Es gilt das gesprochene Wort!)

Hat Frieden einen besonderen Klang? So habt ihr in der Werbung für das heutige Konzert gefragt. JA, ihr habt mit eurer Orchester-Gemeinschaft einen Klangraum geschaffen, „in dem Harmonie, Zwischentöne und Disharmonie ihren Platz finden.“ Und, so möchte ich jetzt ergänzen: auch die Klage hat ihren Platz. Das ist, inmitten des Weihnachtsgedudels auf Märkten und in den Rundfunksendern, schon ein besonderer Klang. Wie gut, dass ihr es Euch und uns mit der Sehnsucht nach Frieden nicht so leicht macht.

Ja, wir brauchen und suchen nach Harmonie, dem Gefühl, es könnte so gut sein, wenn…

Aber wir brauchen auch den Raum, den inneren und äußeren, in dem die Disharmonie nicht verdrängt werden muss. Denn im vergangenen Jahr und im neuen wird es nicht anders sein, wird es Kriege geben, werden viele Menschen dabei begeistert mitmachen. Aber viele andere werden fliehen müssen, und sie werden einen Platz auf dieser Erde suchen, in dem sie leben können. Auch hier in unserem Land. Diese Menschen aus aller Herren Länder werden es schwerer haben als bislang schon. Angefeindet von einigen Medien, Parteien und rassistischen Gruppierungen, schikaniert von zahllosen Gesetzen und Verordnungen und deren „Vollziehern“, brauchen sie Solidarität, im ideellen und im praktischen, unsere Solidarität.

Wir werden uns gegen den zu erwartenden neuen Kanzler und leider auch seine christliche Partei stellen müssen.

Friedrich Merz: „Wenn wir von Leitkultur sprechen, von unserer Art zu leben, dann gehört für mich dazu, vor Weihnachten einen Weihnachtsbaum zu kaufen. … Es ist die Art von christlich-abendländisch geprägter kultureller Identität, die sich über Generationen überträgt, von der unsere Kinder geprägt sind, und die sie dann so oder so ähnlich selbst weitertragen.“ – Es empfiehlt sich also, den GrenzbeamtInnen beim Versuch einer Einreise in unser Vaterland einen Weihnachtsbaum vorzuzeigen.

Jens Spahn hat gefordert, dass man gegebenenfalls „mit physischer Gewalt irreguläre Migrationsbewegungen aufhalten“ müsse. Und er geht davon aus, dass „die Grenze früher oder später geschlossen (wird). Ob in fünf oder in 15 Jahren kann ich Ihnen nicht sagen. Aber es wird passieren.“

Werden wir das verhindern können? Werden wir jedenfalls kleine Räume des Friedens schaffen? Werden wir Ideen und Handlungen entwickeln, um friedenstüchtig zu werden?

Disharmonien erwarten uns, Harmonien mögen uns erfüllen, nicht auszuweichen, sondern das notwendige zu tun. Etwas können Sie jetzt gleich dazu beizutragen mit Ihrem Geld für die Deutschkurse hier in der Gemeinde. Es gibt zudem viele andere Initiativen und Organisationen, die sich für Asyl, Menschenwürde und Solidarität einsetzen.“

Das E.I.S. zum Konzert (siehe PDF oben):Friedenskonzerte spielt das Erste Improvisierende Streichorchester (E.I.S.) seit dem 11. September 2001. Es verwirklicht den Wunsch, den Kriegs- und Flucht-Katastrophen etwas entgegenzusetzen. Die Konzerte drücken die Sehnsucht nach Frieden, Lebendigkeit und Vielfalt aus. Das Thema Frieden ist derzeit so aktuell wie nie zuvor – weltweit, aber auch in Europa. Jedes Jahr sterben zigtausend Menschen in bewaffneten Konflikten. Als Folge befinden sich viele Millionen Menschen auf der Flucht. Dies wird von der Öffentlichkeit unterschiedlich WAHR-genommen. Die Friedenskonzerte sind deshalb auch ein Zeichen der Solidarität mit geflüchteten Menschen. Wir bitten um Ihre wohlmeinende Spende.“

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