Unsere Zukunft: Atomwaffenfrei! Friedenspolitisches Seminar in Salecina

Berge, Wandern, Information und Diskussion über und gegen Atomwaffen. Das gibt es im September an einem besonderen Ort: Oben im Ferien- und Bildungszentrum Salecina, in der Schweiz. „DFG-VK Köln“ und die „Kampagne Büchel ist überall – atomwaffenfrei jetzt“ haben den Sommerevent organisiert, der sich mit den wachsenden Risiken eines Atom-Krieges auseinandersetzt und über Vorschläge und Konzepte für nukleare Abrüstung nachdenken wird.

  • Das Programm ist hier als PDF – Anmeldung ist notwendig. Alles Infos dazu im Flyer!

Ein paar Zeilen zum Inhalt aus dem Programm-Flyer:

Unsere Zukunft: Atomwaffenfrei! Friedenspolitisches Seminar – 2. – 7. September 2023

Das friedenspolitische Seminar orientiert sich an den Zielvorstellungen einer atomwaffenfreien Welt, über die Aufgabe der nuklearen Teilhabe europaweit und den Beitritt weiterer Staaten zum Atomwaffenverbotsvertrag (AVV).
Es bietet Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten für Friedensbewegte im generationenübergreifenden internationalen Austausch in erholsamer Umgebung mit Ausflugs- und Wandermöglichkeiten.

Zum inhaltlichen Einstieg gibt es erläuternde Darstellungen sowohl zur aktuellen weltweiten atomaren Bedrohung als auch zu den völkerrechtlichen Vereinbarungen und internationalen Verträgen. Anknüpfend an die Ergebnisse der AVV-Überprüfungskonferenz in New York und das 1. Treffen der Staaten in Wien, die den AVV ratifiziert haben, wollen wir einen Ausblick auf die nächste Staatenkonferenz in New York wagen.

Die zu bearbeitenden Fragen sind:

  • Wie können wir erreichen, dass Atomwaffen aus Europa abgezogen und vernichtet werden?
  • Welche außerparlamentarischen politischen Strategien und Aktionen sind dafür wirkungsvoll zu entwickeln?
  • Welche länderübergreifenden Initiativen sind denkbar, bzw. erforderlich?

Zu den verschiedenen Aspekten gibt es jeweils Inputs mit anschl. Diskussion. Es werden sowohl persönlich in Salecina anwesende Referent*innen als auch solche über Videozuschaltung beteiligt sein. Es wird auch flexible Programmpunkte für Arbeitsgruppen und für die Freizeitgestaltung geben, über die gemeinsam entschieden wird.
Mit gemeinsamen Überlegungen zur praktischen Umsetzung behandeln wir spannende Themen um unserer Arbeit in unseren Gruppen vor Ort in eine gute Perspektive zu liefern

Referent:innen

  • Roland Blach koordiniert die Kampagne «Büchel ist überall!
    atomwaffenfrei jetzt!»
  • Dr. Angelika Claußen ist Vorsitzende der IPPNW
  • Heidemarie Dann ist aktiv im Hiroshima-Bündnis Hannover
  • Regina Hagen ist eine der Sprecher*innen der Kampagne
    «Büchel ist überall! atomwaffenfrei jetzt!»
  • Margarete Müller engagiert sich im Friedensbüro Hannover
  • Andreas Zumach ist freier Journalist , Berlin, von 1988-2020
    UNO-Korrespondent in Genf für die Berliner „tageszeitung“
    (taz) und zahlreiche weitere Medien
  • Moderation: Michael Sünner (DFG-VK Köln

Warten auf den Super_GAU: Update 171 – IAEA Director General Statement on Situation in Ukraine

In der Ukraine halten nach dem Angriff Russlands die Auseinandersetzungen um den Atomkomplex in Saporischschja mit seinen sechs Reaktoren und dem vor Ort befindlichen Atommülllager mit hochradiaktivem, abgebrannten Uranbrennstoff an. Die Kühlung der abgeschalteten Reaktoren könnte wegen fehlender Stromversorgung versagen. Möglicherweise reichen die vorhandenen Notstromaggregate nicht aus. Ober weil das zur Kühlung notwendige Wasser nicht mehr zur Verfügung steht. Auch Waffeneinsatz oder Verkettungen technischer Probleme mit menschlichen Fehleinschätzungen sind in der aktuellen Kriegssituation möglich. Keine Seite ist offenbar bereit, die Atomanlagen bei den Kampfeinsätzen auszunehmen. Der nukleare Wahnsinn in der Realität eines Krieges: Die IEAO gibt sich alarmiert, ist mit Beobachtern vor Ort. Hinweise, auf Minen, die Russland gelegt haben soll, hat die IAEO nicht entdeckt. Ein zweites nukleares Katastrophengebiet Marke Tschernobyl wäre für die Ukraine ein schwerer Schlag. Eine nukleare Katastrophe mit weitreichenden Folgen für die Ukraine und je nach Szenario auch für andere Regionen und Staaten können nicht ausgeschlossen werden. Wie werden eigentlich Atomanlagen in Deutschland geschützt?

Aktuell: IAEA: Inspektoren sollen AKW Saporischschja auf Sprengstoff untersuchen – Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat erweiterten Zugang zu der Anlage des AKW Saporischschja gefordert.
https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-ukraine-mittwoch-256.html#Sprengstoffuntersuchung

Die aktuelle PM als Dokumentation: https://www.iaea.org/newscenter/pressreleases/update-171-iaea-director-general-statement-on-situation-in-ukraine

Experten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), die sich im ukrainischen Kernkraftwerk Saporischschja (ZNPP) aufhalten, haben in den letzten Tagen und Wochen Teile der Anlage inspiziert – einschließlich einiger Abschnitte des großen Kühlteichs – und auch regelmäßige Begehungen des Geländes durchgeführt, ohne dabei sichtbare Anzeichen von Minen oder Sprengstoffen zu entdecken, sagte Generaldirektor Rafael Mariano Grossi heute.

Die IAEO-Experten haben um zusätzlichen Zugang gebeten, der notwendig ist, um die Abwesenheit von Minen oder Sprengstoffen auf dem Gelände zu bestätigen, sagte Generaldirektor Grossi. Insbesondere der Zugang zu den Dächern der Reaktorblöcke 3 und 4 sei unerlässlich, ebenso wie der Zugang zu Teilen der Turbinenhallen und zu einigen Teilen des Kühlsystems der Anlage, fügte er hinzu.

Generaldirektor Grossi betonte, wie wichtig es sei, dass das IAEO-Team alle Teile des KKW ZNPP überprüfe, um die vollständige Einhaltung der fünf Grundprinzipien für den Schutz des größten europäischen Kernkraftwerks während des derzeitigen militärischen Konflikts zu überwachen, nachdem es in den letzten Tagen widersprüchliche Aussagen und Behauptungen zur militärischen Situation am Standort gegeben habe.

„Angesichts der zunehmenden militärischen Spannungen und Aktivitäten in der Region, in der sich dieses wichtige Kernkraftwerk befindet, müssen unsere Experten in der Lage sein, die Fakten vor Ort zu überprüfen. Ihre unabhängige und objektive Berichterstattung würde dazu beitragen, die derzeitige Situation am Standort zu klären, was in einer Zeit wie dieser mit unbestätigten Behauptungen und Gegenbehauptungen von entscheidender Bedeutung ist“, sagte Generaldirektor Grossi.

Wie bereits erwähnt, hat die IAEO Kenntnis von Berichten, wonach Minen und andere Sprengstoffe in und um das KKW ZNPP platziert wurden.

Die fünf Grundprinzipien für den Schutz des ZNPP, die Generaldirektor Grossi am 30. Mai vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aufgestellt hat, besagen, dass es keine Angriffe von oder gegen die Anlage geben darf und dass sie nicht als Lager oder Basis für schwere Waffen – Mehrfachraketenwerfer, Artilleriesysteme und Munition sowie Panzer – genutzt werden darf.

Generaldirektor Grossi erklärte, das IAEO-Team habe in jüngster Zeit keinen Beschuss oder Explosionen gemeldet und fügte hinzu, die militärische Präsenz auf dem Gelände scheine unverändert.

Unabhängig davon berichtete das IAEO-Team, dass die einzige verbleibende externe 750-kV-Hauptstromleitung gestern Nachmittag wieder an das Kernkraftwerk angeschlossen wurde, etwa 12 Stunden nachdem sie plötzlich unterbrochen worden war, so dass die Anlage auf eine Notstromversorgung angewiesen war.

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

Weitere Informationen:

Radioaktives Wasser ins Meer – Fukushima wird zum internationalen Konfliktfall

Japan will kontaminiertes Wasser ins Meer leiten – und macht sich damit keine Freunde unter den Anrainerstaaten Südkorea, China und Russland – von Lila Okamura und Achim Brunnengräber (dieser Text ist opensource und wurde zuerst veröffentlicht bei der “Berliner Zeitung” – https://www.berliner-zeitung.de/open-source/konfliktfall-fukushima-japan-moechte-kuehlwasser-in-den-pazifik-leiten-li.351342 – siehe dazu unten!)

Fukushima wird zum internationalen Konfliktfall

Japan will kontaminiertes Wasser ins Meer leiten – und macht sich damit keine Freunde unter den Anrainerstaaten Südkorea, China und Russland

Lila Okamura und Achim Brunnengräber

Die japanische Regierung und Tepco, der Energieversorger und Betreiber von Kernkraftwerken (KKW) in Japan, befinden sich in einer verzwackten Situation. In den nächsten Monaten soll damit begonnen werden, tritiumhaltiges Wasser, das bei der Kühlung des 2011 havarierten KKW Fukushima Daiichi anfällt, durch einen 800 m langen Untersee-Tunnel in den Pazifik zu leiten. Anrainerstaaten, Umweltverbände und die Fischereiindustrie protestieren heftig dagegen.

Das Thema stand auch beim G7-Gipfel im April in Japan auf der Tagesordnung. Zwar war der Gipfel den Themen „Klima, Energie und Umwelt“ gewidmet, der japanische Umweltminister spielte dabei aber keine wesentliche Rolle. Das METI, das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (Ministry of Economy, Trade and Industry), war federführend. Es ist ein starker Verfechter der Atomenergie.

Es hatte eifrig versucht, dass die die „Einleitung des verarbeiteten Wassers“ im Abschlusscommuniqué der G7 gebilligt wird. Darin sollte festgehalten werden, dass die Verklappung weder für Menschen noch für die Umwelt schädlich sei. Die G7 hat dem aber nicht zugestimmt. Der entsprechende Passus wurde im Paragraf 71 des Communiqués – insbesondere auch auf Initiative der deutschen Delegation hin – abgeschwächt.

Im Communiqué steht auch, dass Japan hinsichtlich des Rückbaus und der Aufräumarbeiten in Fukushima gut vorankommt. In Fukushima läuft aber längst nicht alles nach Plan. Das Gegenteil ist der Fall, wenn die erheblichen Schwierigkeiten Japans bei den Stilllegungs- und Rückbaumaßnahmen genauer betrachtet werden. Sie haben bereits über 84 Mrd. (!) Euro gekostet. Aber nicht nur das: die geplante Einleitung des aufbereiteten, radioaktiven Wassers ins Meer könnte sich noch zu einem veritablen internationalen Konfliktfall entwickeln.

(1) Die Stilllegung der Reaktoren

In den havarierten Reaktoren 1-3 des AKW Daiichi befanden sich mehr als 1.500 hoch radioaktive Brennstäbe. Am 28. Februar 2021 wurden die letzten sechs der 566 Brennstäbe aus dem Reaktorblock 3 entfernt. Im Reaktorblock 1 bleiben aber noch 392 und im Block 2 noch 615 Brennstäbe. In 10 Jahre wurden also nur rund ein Drittel der Brennstäbe geborgen.

Außerdem sind 900 Tonnen geschmolzener atomarer Brennstoff zu entsorgen. Allerdings fehlen wichtige Details über die genaue Menge und den Zustand der Kernschmelze im Inneren der Anlage. Solche Informationen sind aber notwendig, um die geeigneten Technologien für die Entfernung der restlichen Brennstäbe und der Trümmer zu entwickeln zu können.

Und immer wieder werden neue Details bekannt. In einer Sitzung der Atomaufsichtsbehörde am 24. April 2023 berichtete Tepco, dass die geschmolzenen Brennelemente höchstwahrscheinlich Löcher im Druckbehälter des Reaktorblocks 1 verursacht haben.

Zeitpläne sollen dessen ungeachtet Planungssicherheit geben und Sachverstand vermitteln. Tepco und die japanische Regierung haben bereits Ende Dezember 2011 einen mittel- und langfristigen „Stilllegungsplan“ formuliert. Demnach sollen die Folgen der Havarie bis spätestens 2051 beseitigt sein. Allerdings hat die Regierung ihre Roadmap bis 2020 schon zum sechsten Mal überarbeitet. Bis zum Abschluss der Arbeiten wird es eher noch ein halbes Jahrhundert dauern.

(2) Aufbereitetes radioaktives Wasser

Täglich dringen mehr als 100 Kubikmeter Grundwasser in das Reaktorinnere, das so radioaktiv verseucht wird. Tepco hat deshalb eine sogenannte Eiswand gebaut, die 2017 fertig gestellt wurde und das Grundwasser am Eindringen hindern soll. Die aufwendige Anlage, die den Boden um das Kraftwerk gefrieren lässt, konnte das Eindringen aber nicht gänzlich stoppen.

Zur Lagerung des Wassers wurden 1.000 massive Tanks auf dem Gelände des KKW aufgestellt. Nach einem heftigen Erdbeben in der Region im Februar 2021 mussten 53 dieser Tanks umgesetzt werden, da sie sich um bis zu 19 Zentimeter verschoben hatten. Deren Gesamtkapazität von 1,32 Millionen Kubikmeter ist bereits zu 96 Prozent ausgeschöpft.

Japan will deshalb über Jahrzehnte hinweg mehr als eine Million Tonnen aufbereitetes Wasser ins Meer leiten, obwohl es nicht vollständig von Radionukliden gereinigt werden kann und hohe Mengen Tritium enthält. Tepco wird von Umweltverbänden wie dem BUND oder Greenpeace kritisiert, weil es keine Angaben über die radioaktiven Reststoffe macht, die im Wasser verbleiben. Das Verfahren zur Dekontaminierung, ALPS (Advanced Liquid Processing System), kann nur 62 bestimmte Radionuklide behandeln.

Das Ökosystem des Pazifiks würde folglich belastet, ohne dass die Konsequenzen genau bestimmt werden können. Über die Auswirkungen herrschen allerdings ganz unterschiedliche und interessengeleitete Meinungen vor, die von entsprechenden wissenschaftlichen Studien unterfüttert werden. Sie reichen von Unbedenklichkeit bis zur langfristigen Zerstörung der Meeresressourcen.

Von der IAEA wird die Einleitung des Wassers gebilligt. Sie begleitet den Prozess mit einer Task Force. Anrainerstaaten wie Südkorea, China, Taiwan oder der Inselstaat Mikronesien kritisieren das Vorgehen dagegen. Die Verklappung des verseuchten Wassers in den Ozean könnte zu immensen wirtschaftlichen Einbußen führen, wenn Exportbeschränkungen verhängt werden oder sich die Meerestiere aus der Region nicht mehr verkaufen lassen.

Vor dem Reaktorunfall war die Fischereiwirtschaft von Fukushima von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Heute beträgt deren Wirtschaftskraft nur noch 14 Prozent des Niveaus von vor der Katastrophe; ganz abgesehen von dem Reputationsverlust des Industriezweigs. Es verwundert deshalb nicht, dass sich auch der japanische Fischereiverband JF Zengyoren sehr deutlich gegen die Verklappung ausspricht.

(3) Dekontamination der Region

Greenpeace beziffert die Menge an radioaktiven Abfällen auf 17 Millionen Tonnen. Sie werden in großen Müllsäcken in gerodeten Gebieten und auf Feldern abgestellt. Dort sollen die Säcke bleiben, bis sie in ein Zwischenlager gebracht werden, das es noch nicht gibt. Auch ein Endlager für die hochradioaktiven Atomabfälle aus den KKW ist nicht in Sicht. Selbst die Suche nach einem Standort dafür ist ins Stocken geraten.

Derweil helfen Notlösungen. Im Jahr 2016 gab das japanische Umweltministerium bekannt, dass Stoffe und Gegenstände mit weniger als 8000 Becquerel pro Kilogramm Cäsium nicht mehr als kontaminierter Abfall eingestuft werden und keinen Entsorgungsbeschränkungen unterliegen. Der kontaminierte Boden kann nun etwa für die Aufschüttung von Böschungen verwendet und Gegenstände können recycelt werden.

Die landwirtschaftliche Produktion in Fukushima und benachbarten Regionen war nach der Havarie um fast 90 Prozent zurückgegangen. Sie hat sich mittlerweile aber wieder erholt. Der Agrarsektor konnte seine Exportmenge sogar über das vor-Katastrophen-Nivea hinaus erhöhen. Nach wie vor bestehen aber in dutzend Ländern außerhalb der EU weiter Einfuhrbeschränkungen für landwirtschaftliche Produkte. Eine entsprechende Verordnung der EU wird im Juni dieses Jahres überprüft; auch deshalb will Japan vermitteln, dass sich die Lage vor Ort verbessert hat.

Insgesamt wurden über 160.000 Anwohner*innen aus der Region evakuiert. Mehr als 27.000 Personen können noch immer nicht in ihre Häuser zurückkehren, weil sie in Sperrgebieten liegen. Wie viele zurückkehren wollen, ist unklar. Mit dem Neubau von Straßen und Infrastruktur soll der Anreiz dazu erhöht werden. Zugleich mehren sich die Stimmen, die sich für zusätzliche Entschädigungen an die Opfer aussprechen.

Enormes menschliche Leid besteht auch weiterhin: Bei den Familien, die durch die Evakuierung der Region voneinander getrennt und provisorisch untergebracht wurden, treten bis heute psychische und physische Probleme auf. Viele Menschen aus der Region fühlen sich ausgegrenzt, sie leiden unter dem Stigma der Reaktorkatstrophe. Die umgesiedelten Kinder wurden an ihren Schulen gemobbt, als „verstrahlt“, „radioaktiv“ oder „ansteckend“ beschimpft.

Lehren aus der Katastrophe?

Tepco und die japanische Regierung werben um Vertrauen und versprechen Transparenz. Beide aber sind bei ihren Aufräumarbeiten sowohl mit nationalen wie internationalen Konflikten konfrontiert, die sie nicht ohne weiteres auflösen können. Auch gegen internationales Recht dürfte Japan verstoßen. Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen UNCLOS (United Nations Convention on the Law of the See) verpflichtet die Vertragsstaaten, die Ökosysteme der Meere zu schützen und zu bewahren.

Trotz PR-Kampagnen sowie bi- und multilateraler Gespräche gelingt es der Regierung bisher weder, die G7 als Unterstützer ihrer Maßnahmen zu gewinnen oder die Anrainerstaaten zu besänftigen, noch die Widerstände der Fischereiindustrie zu überwinden.

Dessen ungeachtet hält Japan an der Atomkraft fest: „Wir müssen die Kernenergie voll ausschöpfen“, gab Ministerpräsident Fumio Kishida Anfang dieses Jahres die energiepolitische Richtung vor. Im Februar 2023 hat das Kabinett sogar das Atomgesetz geändert. Atomkraft wird darin erstmalig als Staatspflicht bezeichnet.

Nicht nur Leichtwasserreaktoren, auch Technologien wie die Modularen Kleinreaktoren (Small Modular Reactors, SMR) oder die Kernfusion sollen gefördert werden. Die alten KKW können nun bis zu 70 Jahre am Netz bleiben, obgleich ganz Japan Erdbebengebiet ist.

Ein erneuter Super-GAU wird ausgeschlossen. Auch nach Tschernobyl, das 1986 nicht hätte passieren dürfen, oder dem AKW in Saporischschja in der Ukraine, das nicht hätte zum Angriffsziel werden dürfen, folgt Japan dem Prinzip Hoffnung; anders lässt sich kaum erklären, warum sich Japan – bisher vergeblich – um den Segen der Staatengemeinschaft bemüht.

Lila Okamura ist Politologin und unterrichtet Umweltpolitik an der Senshu Universität in Tokio.
Achim Brunnengräber ist Politologe und forscht zur Klima-, Energie- und Atompolitik an der FU Berlin.

Die Berliner Zeitung veröffentlichte diesen Text mit dem Hinweis:

Jetzt schnell: Einwenden gegen die Laufzeitverlängerung des AKW Borssele und neuer Reaktoren in den Niederlanden

UmweltFAIRaendern stellt hier eine Stellungnahme gegen die in den Niederlanden geplante Laufzeitverlängerung für das Uralt-AKW Borssele sowie gegen den Bau neuer Atomreaktoren zum download bereit. Im sog. Scoping-Verfahren für die Umweltverträglichkeitsprüfung haben EU-Bürger:innen das Recht, im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung eine Stellungnahme abzugeben. Sie muss unbedingt bis zum 11. Juli unterschrieben bei der zuständigen Stelle in den Niederlanden per Mail eingegangen sein.

Nukleare Aufrüstung: Immer mehr Atomwaffen und einsatzbereite Sprengköpfe

Die Aufrüstung von Atomwaffen wächst massiv an: „Alle Atomwaffenstaaten haben laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI ihre nukleare Aufrüstung forciert. In ihrem Jahresbericht warnen die Forscherinnen und Forscher vor der steigenden Zahl einsatzfähiger Atomwaffen. „Wir driften in eine der gefährlichsten Perioden der Menschheitsgeschichte“, sagte SIPRI-Direktor Dan Smith. Er forderte, die Nukleardiplomatie wiederherzustellen und die internationalen Kontrollen von Atomwaffen zu verstärken“ heißt es bei den Tagesthemen. Sipri hat seinen neuen Jahresbericht soeben veröffentlicht. UmweltFAIRaendern dokumentiert die Meldung und den Bericht gleich im Anschluss. Die Modernisierung von Atomwaffen vieler Staaten zielt darauf, kleinere Nuklearsprengköpfe zu entwickeln. Dabei wächst die Sorge, dass die Begrenzung der nuklearen Sprengkraft auf kleinere Räume zu einem frühzeitigeren Einsatz solcher Waffen führen könnte.

Die USA und Russland sind weiterhin die führenden Atomwaffenstaaten mit hunderten von Sprengköpfen. Bisherige Kontrollsysteme sind in den letzten Jahren weitgehend zusammengebrochen. Vor allem die US-Administration unter dem Ex-Präsidenten Trump hat dazu beigetragen, kollektive Sicherheitssysteme zu untergraben oder abzuschaffen. China ist dabei, sein nukleares Atomwaffenpotential deutlich aufzustocken, ist aber noch weit von den Zahlen der USA und Russland entfernt. Weitere Atomwaffenstaaten sind Pakistan, Indien, Norkorea, Irael, Großbritannien und Frankreich.

Zuletzt hatte Frankreichs Präsident Macron den Zusammenhang von Atomkraftwerken und Atomwaffen noch einmal deutlich unterstrichen:

Auch im Zusammenhang mit den Forschungen an neuen kleinen Atomreaktoren wachsen die Sorgen in Sachen militärischer Mißbrauch und Verbreitung von Atomwaffen-Materialien. So werden die Anreicherungen mit Uran 235 für diese neue Reaktoren erhöht. Außerdem entsteht Kernbrennstoff, der für mindestens „schmutzige“ Atomwaffen eingesetzt werden könnte.

Dokumentation von der SIPRI-Seite.

States invest in nuclear arsenals as geopolitical relations deteriorate—New SIPRI Yearbook out now

(Stockholm, 12 June 2023) The Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) today launches its annual assessment of the state of armaments, disarmament and international security. A key finding of SIPRI Yearbook 2023 is that the number of operational nuclear weapons started to rise as countries’ long-term force modernization and expansion plans progressed.

Read this press release in Catalan (PDF), French (PDF), Spanish (PDF) or Swedish (PDF).

Click here to download the sample chapter of SIPRI Yearbook 2023 on world nuclear forces.

Nuclear arsenals being fortified around the world

The nine nuclear-armed states—the United States, Russia, the United Kingdom, France, China, India, Pakistan, the Democratic People’s Republic of Korea (North Korea) and Israel—continue to modernize their nuclear arsenals and several deployed new nuclear-armed or nuclear-capable weapon systems in 2022.

Of the total global inventory of an estimated 12 512 warheads in January 2023, about 9576 were in military stockpiles for potential use—86 more than in January 2022 (see the table below). Of those, an estimated 3844 warheads were deployed with missiles and aircraft, and around 2000—nearly all of which belonged to Russia or the USA—were kept in a state of high operational alert, meaning that they were fitted to missiles or held at airbases hosting nuclear bombers.

Russia and the USA together possess almost 90 per cent of all nuclear weapons. The sizes of their respective nuclear arsenals (i.e. useable warheads) seem to have remained relatively stable in 2022, although transparency regarding nuclear forces declined in both countries in the wake of Russia’s invasion of Ukraine in February 2022.

In addition to their useable nuclear weapons, Russia and the USA each hold more than 1000 warheads previously retired from military service, which they are gradually dismantling.

SIPRI’s estimate of the size of China’s nuclear arsenal increased from 350 warheads in January 2022 to 410 in January 2023, and it is expected to keep growing. Depending on how it decides to structure its forces, China could potentially have at least as many intercontinental ballistic missiles (ICBMs) as either the USA or Russia by the turn of the decade.

‘China has started a significant expansion of its nuclear arsenal,’ says Hans M. Kristensen, Associate Senior Fellow with SIPRI’s Weapons of Mass Destruction Programme and Director of the Nuclear Information Project at the Federation of American Scientists (FAS). ‘It is increasingly difficult to square this trend with China’s declared aim of having only the minimum nuclear forces needed to maintain its national security.’

Although the UK is not thought to have increased its nuclear weapon arsenal in 2022, the warhead stockpile is expected to grow in the future as a result of the British government’s announcement in 2021 that it was raising its limit from 225 to 260 warheads. The government also said it would no longer publicly disclose its quantities of nuclear weapons, deployed warheads or deployed missiles.

In 2022 France continued its programmes to develop a third-generation nuclear-powered ballistic missile submarine (SSBN) and a new air-launched cruise missile, as well as to refurbish and upgrade existing systems.

India and Pakistan appear to be expanding their nuclear arsenals, and both countries introduced and continued to develop new types of nuclear delivery system in 2022. While Pakistan remains the main focus of India’s nuclear deterrent, India appears to be placing growing emphasis on longer-range weapons, including those capable of reaching targets across China.

North Korea continues to prioritize its military nuclear programme as a central element of its national security strategy. While North Korea conducted no nuclear test explosions in 2022, it conducted more than 90 tests of missiles. Some of these missiles, which include new ICBMs, may be capable of carrying nuclear warheads. SIPRI estimates that the country has now assembled around 30 warheads and possesses enough fissile material for a total of 50–70 warheads, both significant increases over the estimates for January 2022.

Israel—which does not publicly acknowledge possessing nuclear weapons—is also believed to be modernizing its nuclear arsenal.

‘Most of the nuclear-armed states are hardening their rhetoric about the importance of nuclear weapons, and some are even issuing explicit or implicit threats about potentially using them,’ said Matt Korda, Associate Researcher with SIPRI’s Weapons of Mass Destruction Programme and Senior Research Associate with the FAS Nuclear Information Project. ‘This elevated nuclear competition has dramatically increased the risk that nuclear weapons might be used in anger for the first time since World War II.’

‘With billion-dollar programmes to modernize, and in some cases expand, nuclear arsenals, the five nuclear weapon states recognized by the Nuclear Non-Proliferation Treaty seem to be moving further and further from their commitment to disarmament under the treaty,’ said Wilfred Wan, Director of SIPRI’s Weapons of Mass Destruction Programme.

Nuclear diplomacy dealt a further blow by Russia’s invasion of Ukraine

Nuclear arms control and disarmament diplomacy suffered major setbacks following Russia’s full-scale invasion of Ukraine in February 2022. In the wake of the invasion, the USA suspended its bilateral strategic stability dialogue with Russia. In February 2023 Russia announced it was suspending its participation in the 2010 Treaty on Measures for the Further Reduction and Limitation of Strategic Offensive Arms (New START)—the last remaining nuclear arms control treaty limiting Russian and US strategic nuclear forces. Talks about a follow-on treaty to New START, which expires in 2026, were also suspended. Nevertheless, by SIPRI’s assessment, both countries’ deployed strategic nuclear forces remained within the New START limits as of January 2023.

Iran’s military support to Russian forces in Ukraine and the political situation in Iran also overshadowed talks on reviving the Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA), the 2015 agreement meant to prevent Iran from developing nuclear weapons. The JCPOA’s revival now seems increasingly unlikely.

The USA and the UK both declined to release information to the public concerning their nuclear forces in 2022, which they had done in previous years.

‘In this period of high geopolitical tension and mistrust, with communication channels between nuclear-armed rivals closed or barely functioning, the risks of miscalculation, misunderstanding or accident are unacceptably high,’ says Dan Smith, SIPRI Director. ‘There is an urgent need to restore nuclear diplomacy and strengthen international controls on nuclear arms.’

Global security and stability in increasing peril

The 54th edition of the SIPRI Yearbook reveals the continuing deterioration of global security over the past year. The impacts of the war in Ukraine are visible in almost every aspect of the issues connected to armaments, disarmament and international security examined in the Yearbook. Nevertheless, it was far from being the only major conflict being waged in 2022, and acute geopolitical tensions, mistrust and division had been growing long before Russia’s full-scale invasion of its neighbour.

‘We are drifting into one of the most dangerous periods in human history,’ says Dan Smith, SIPRI Director. ‘It is imperative that the world’s governments find ways to cooperate in order to calm geopolitical tensions, slow arms races and deal with the worsening consequences of environmental breakdown and rising world hunger.’

In addition to the usual detailed coverage of nuclear arms control, disarmament and non-proliferation issues, the SIPRI Yearbook presents data and analysis on developments in world military expenditure, international arms transfers, arms production, multilateral peace operations, armed conflicts and more. Special sections in SIPRI Yearbook 2023 explore the rise of private military and security companies such as the Wagner Group, and the related impact on peace and security; how the war in Ukraine has affected governance of space and cyberspace; the attacks on nuclear power plants during the fighting in Ukraine, and their implications; and the regulation of new technologies such as autonomous weapon systems.

For editors

The SIPRI Yearbook is a compendium of cutting-edge information and analysis on developments in armaments, disarmament and international security. Three major SIPRI Yearbook 2023 data sets were pre-launched in 2022–23: total arms sales by the top 100 arms-producing companies (December 2022), international arms transfers (March 2023) and world military expenditure (April 2023). The SIPRI Yearbook is published by Oxford University Press. Learn more at www.sipriyearbook.org.

For information or interview requests contact Amelie Lutz (amelie.lutz@sipri.org, +46 76 628 61 33)  or Stephanie Blenckner (blenckner@sipri.org, +46 8 655 97 47).

×