Nothing! Nothing! Compares2U. Nothing!
COMPARES 2 U – Sinéad Marie Bernadette O’Connor
Die zuständige Genehmigungsbehörde BASE hat die Erlaubis erteilt, dass hochradioaktiver Atommüll aus Frankreich im Zwischenlager am stillgelegten AKW Philippsburg eingelagert werden darf. „Die Entscheidung ist jetzt offiziell: Vier sogenannte Castor-Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen aus AKWs sollen in Philippsburg bei Karlsruhe gelagert werden,“ heißt es beim SWR. Die richtigere Information stammt von der staatlichen Betreiber-Gesellschaft des Zwischenlagers für hochradioaktive Abfälle, der BGZ.
Jahrelang wurden bestrahlte Brennelemente aus den AKWs in Plutoniumfabriken in Frankreich und England gebracht. Dabei fiel weiterer Atommüll an, den Deutschland zurück zu nehmen verpflichtet ist. Eine große Zahl dieser in Glas-Kapseln verpackter hochaktiver Abfälle lagert bereits in Gorleben. Jüngst wurde solcher Müll aus Sellafield nach Biblis transportiert, wobei weit über 10.000 Sicherheitskräfte im Einsatz waren, um den hochgefährlichen Atommüll vor Anschläge durch Terroristen zu schützen. Der Krieg in der Ukraine, bei dem auch Atomanlagen zum Ziel militärischer Angriffe geworden sind, dürfte die Sicherheits, bzw. wie Behörden sagen: Sicherungsanforderungen noch einmal deutlich erhöhen. Weitere solcher „Rücktransporte“ sollen noch in die AKWs in Brokdorf und Isar1 bei Landshut erfolgen.
Vermutlich schon im nächsten Jahr sollen hochradioaktive Atommülltransporte per CASTOR und LKW von Jülich in das Zwischenlager nach Ahaus transport werden. Bis zu 150 Atomtransporte müssten dann mit höchstem polizeilichen und extrem Aufwand quer durch NRW stattfinden. Dabei wäre es möglich, vor Ort ein neues Zwischenlager zu bauen, um die extrem aufwendigen und gefährlichen Atomtransporte zu vermeiden.
Nicht nur aus Jülich, sondern auch aus dem Atomforschungsreaktor in München Garching soll demnächst hochradioaktiver Atommüll nach Ahaus, – obwohl die Betriebsgenehmigung bereits Mitter der 2030er Jahre abläuft. Gesetzlich geregelt ist, dass es dann eine nach Wissenschaft und Technik auf dem neuesten Stand seiende neue Betriebsgenehmigung braucht. Wie das funktionieren soll, dürfte die BGZ schon heute sehr beschäftigen. Forschungsprogrammse sind angelaufen, die aber kritisiert werden. Zuletzt hatte der BUND die Sicherheitsmängel und Probleme bei der Zwischenlagerung in einer Untersuchung prüfen lassen.
Dokumentation von der PM der BGZ:
PHILIPPSBURG – Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hat der BGZ die Genehmigung erteilt, vier CASTOR-Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung im Brennelement-Zwischenlager Philippsburg aufzubewahren.
„Die nun erteilte Genehmigung nach dem Atomgesetz bescheinigt uns, dass das Konzept der Zwischenlagerung trägt und die Behälter im Zwischenlager Philippsburg sicher aufbewahrt werden können“, erläutert Stefan Weber als Leiter der Abteilung Genehmigungen bei der BGZ.
Die Behälter mit verglasten hochradioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland sollen in den nächsten Jahren vom französischen La Hague in das Zwischenlager Philippsburg gebracht werden. „Ein Termin für den Transport steht noch nicht fest“, betont der Leiter des Zwischenlager-Standorts Philippsburg, Dr. Steffen Vonderau. Für die Rückführung sei zudem eine Transportgenehmigung erforderlich, die ein von der Energiewirtschaft beauftragtes Unternehmen beim BASE beantragt hat. Diese ist allerdings noch nicht erteilt.
Im Jahr 2015 haben Bund, Länder und AKW-Betreiber das Rückführungskonzept im Konsens beschlossen. Dieses sieht eine bundesweit ausgewogene Verteilung der Behälter vor. Damals sind vier Standorte für die Rückführung der Abfälle festgelegt worden: Biblis in Hessen, Brokdorf in Schleswig-Holstein, Isar in Bayern und Philippsburg in Baden-Württemberg.
„Diese Verteilung ist fair, denn sie orientiert sich am Verursacherprinzip“, macht Stefan Mirbeth, verantwortlich für die BGZ-Kommunikation am Standort Philippsburg, deutlich. „Nach Abschluss der Rückführung werden die hochradioaktiven Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in den Bundesländern zwischengelagert, aus deren Atomkraftwerken anteilig die größte Menge an Kernbrennstoff zur Wiederaufarbeitung ins Ausland verbracht wurde.“
Nach Hessen ist die Rückführung bereits abgeschlossen: Im November 2020 wurden sechs Behälter mit hochradioaktiven Abfällen aus der britischen Wiederaufarbeitung zum Zwischenlager Biblis transportiert. Für Deutschland war dies der erste große Rücktransport von Atommüll in CASTOR-Behältern seit 2011. Er verlief reibungslos und ohne Störungen.
18 weitere CASTOR-Behälter müssen in den kommenden Jahren noch nach Deutschland zurückgeführt werden, davon vier Behälter in das Brennelement-Zwischenlager Philippsburg. Bei den Behältern, die von La Hague nach Philippsburg kommen sollen, handelt es sich um CASTOR-Behälter des Typs HAW28M, die auch für die Rückführung verglaster hochradioaktiver Abfälle an die Standorte Biblis, Gorleben, Isar und Brokdorf eingesetzt wurden bzw. noch werden.
Hintergrund:
Bis 2005 wurden Brennelemente aus deutschen Atomkraftwerken zur Wiederaufarbeitung nach Großbritannien und Frankreich transportiert. Gemäß ihren vertraglichen Verpflichtungen müssen die Abfallbesitzer, die Betreiber der Atomkraftwerke, ihre noch im Ausland lagernden Wiederaufarbeitungsabfälle nach Deutschland zurückführen. Zur Rücknahme dieser Abfälle hat sich die Bundesrepublik Deutschland auch völkerrechtlich verpflichtet.
Die BGZ hat von Beginn an proaktiv über die Rückführung informiert, unter anderem auch bei zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen wie etwa im November 2021 in der Bruhrainhalle in Philippsburg. Sie wird diese Kommunikation fortsetzen. Weitere Informationen finden sich auch hier: https://rueckfuehrung.bgz.de/
Die Gefahren einer nuklearen Katastrophe durch einen Einsatz von Atomwaffen oder in Folge von Angriffen auf nukleare Anlagen sind größer denn je. Vor allem die Internationalen Ärzt:innen zur Verhütung eines Atomkrieges (IPPNW) warnen, angesichts der Drohungen eines nuklearen Desasters. Die unfassbare Zerstörungsgewalt der Atomenergie ist 1945 mit den Atombomben-Abwürfen Anfang August über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki demonstriert worden. Wäre Nazi-Deutschland nicht vorher besiegt worden: Die Bomben hätten Berlin und eine andere deutsche Stadt getroffen! Im Kino läuft gerade“Openheimer“ an. Die Opfer sind dabei weniger Thema. Viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Atomwaffen oberirdisch gezündet, wobei Menschen und Umwelt massiv verstrahlt wurden. Bis heute dauert das Leid der Menschen in Japan, in Kasachstan, den Marschall Insel und anderswo an. Es braucht Gedenken! Es braucht ein Atomwaffenverbot. Weltweit! Am 6. August: IPPNW und Greenpeace und das Metropolis-Kino in Hamburg – Eintritt Frei: Nie wieder Hiroshima. Stoppt die Atomenergie!
SONNTAG, 06.08.2023, 16:00 UHR IM METROPOLIS KINO,
KLEINE THEATERSTR. 10, 20354 HAMBURG
6. August: Nie wieder Hiroshima!
Am 6. August 1945 zerstörten die USA mit der Atombombe „Little Boy“ die japanische Stadt Hiroshima, drei Tage später mit einer weiteren Bombe Nagasaki. Von den 350.000 Einwohner:innen Hiroshimas starben bis Ende des Jahres 1945 etwa 140.000. Viele Überlebende („Hibakusha“) leiden bis heute unter den Spätfolgen der radioaktiven Strahlung.
Die IPPNW – Internationale Ärzt:innen zur Verhütung des Atomkrieges – wurden vor 40 Jahren von einem US-amerikanischen und einem russischen Kardiologen gegründet. Heute hat die Organisation weltweit rund 150.000 aktive Ärzt:innen. Für ihre Aufklärungsarbeit zu den Gefahren eines Atomkriegs erhielt die IPPNW 1985 den Friedensnobelpreis, 2017 die von der IPPNW initiierte Kampagne ICAN.
ICAN hat das UN-Atomwaffenverbot auf den Weg gebracht, das am 22. Januar 2021 in Kraft getreten ist. Weltweit sind dem Vertrag inzwischen 68 Staaten beigetreten.
Mit einem Filmprogramm erinnnern das Metropolis Kino, Greenpeace und die IPPNW Hamburg an die Opfer der Atombombenabwürfe. Sie sind herzlich eingeladen!
Eintritt frei!
Karten erhältlich unter www.metropoliskino.de
oder an der Kinokasse.
Mit Einführung. Anschließend Diskussion mit Ärzt*innen der IPPNW.
SONNTAG, 06.08.2023, 16:00 UHR, METROPOLIS KINO
V.i.S.d.P.: Ute Rippel-Lau, Behrkampsweg 31, 22529 Hamburg, Christoph v. Lieven c/o Greenpeace, Hongkongstr. 10, 20457 Hamburg
Während interessierte Kreise immer noch eine wunderbar schöne Geschichte der nukleare Zukunft träumen und dabei wie im Rausch sämtliche Unfall-Risken und die ungelöste Atommüllentsorgung irgendwie vergessen, macht die Realität des nuklearen Wahnsinns deutlich: Atomenergie nimmt die Menschheit in die Geiselhaft der Gefahr einer weitreichenden radioaktiven Verseuchung der Umwelt. Und: Die Kosten für die Umgang mit dem atomaren Erbe steigen und steigen. Und nur, weil die Staaten die Verantwortung für den Atommüll übernehmen und die Unternehmen von den damit verbundenen Risiken entlasten, bleibt der Unsinn vom Gerede von billiger Atomenergie. Niemals war Atomenergie billig.
Niemals wäre sie ohne die staatlichen Beihilfen, Förderungen, Steuerbevorteilungen und Kostenübernahmen für private Konzerne machbar gewesen. In 2017 hat der Bundestag eine Neuregelung bei der Finanzierung der Atommülllagerung durchgeführt. Gegen eine geringe Gebühr von rund 24 Mrd. Euro hat der Bundestag mit CDU/CSU und SPD und den Grünen dafür gestimmt, den Unternehmen den Atommüll quasi abzukaufen. Im Gegenzug sind die Konzerne aus jeder Haftung für weiter steigende Kosten raus. Nun haften die Bürger:innen.
War der Plan bislang, ab den 2050er Jahren den hochaktiven Atommüll in einem Endlager zu verbudeln, ist nun klar, vor 2080 oder aber auch erst im nächsten Jahrhundert, bleibt das Zeug oberirdisch. Auch der Schacht Konrad für leicht- und mittelaktive Abfälle verschiebt sich schon wieder. Und bei den staatlichen Forschungsprojekten aus den 1950er und 60er Jahren läuft es ohnehin jeder bisherige Plan zum Rückbau und zur Stillegung schief. Ausgerechnet die Grünen, die zuletzt zugestimmt hatten, dass die Konzerne aus der Haftung entlassen wurden, hatten im April noch mal den ökonimischen Wahnsinn der Atomenergie, in einer Studie auflisten lasten. UmweltFAIRaendern reicht diese Studie hiermit noch mal nach.
Dokumentation: Bundestagsfraktion DIE Grünen – April 2023: Studie – Atomkraft ist ein Milliardengrab (Die Studie ist direkt hier als PDF)
Atomkraft ist weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll. Eine aktuelle Studie belegt, dass Atomkraft ein Milliardengrab für Steuerzahler*innen und Staat ist. Erneuerbare Energien sind nicht nur kosteneffizienter, sondern auch das bessere Mittel zum Klimaschutz.
07.04.2023
Ökonomische Aspekte der Atomkraft
Atomkraftwerke sind eine ständige Bedrohung für unsere Sicherheit, produzieren Unmengen an hochradioaktivem Müll, der uns noch über eine Million Jahre belasten wird, und sind darüber hinaus deutlich klimaschädlicher als erneuerbare Energien. Die aktuelle Studie „Ökonomische Aspekte der Atomkraft“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Technischen Universität Berlin belegt zudem klar, wie ungeheuer kostspielig diese Hochrisikotechnologie ist. Sie ist weder wirtschaftlich noch konkurrenzfähig zu kostengünstigeren Alternativen wie den erneuerbaren Energien.
Atomkraft war, ist und bleibt eine der teuersten Stromerzeugungstechnologien. Die Kosten zur Produktion von einer Kilowattstunde Atomstrom sind bis zu viermal so hoch, wie die Kosten einer Kilowattstunde Wind- oder Solarenergie. Da Atomkraft wirtschaftlich nicht wettbewerbsfähig ist, ist Atomenergie bei Bau und Betrieb der Kraftwerke immer auf hohe staatliche Subventionen angewiesen. Für Steuerzahler*innen und öffentliche Haushalte ist Atomkraft wirtschaftlich ein Milliardengrab. In den USA wurden wegen fehlender Wettbewerbsfähigkeit zwischen 2009 und 2021 zwölf AKW vom Netz genommen, obwohl diese noch genehmigte Laufzeiten zwischen 10 und 20 Jahren hatten.
Während Solar- und Windkraftanlagen über die Jahre immer günstiger geworden sind, sind die Kosten für Atomkraftwerke über die Jahrzehnte stetig angestiegen. Die Kostenversprechen der Atomenergie haben sich somit als falsch erwiesen. Im Vergleich zu den 70er Jahren stiegen die Baukosten teilweise um das Fünffache und die tatsächlichen Baukosten liegen deutlich über den prognostizierten Projektkosten.
Auch der Rückbau der Atomkraftwerke dauert Jahrzehnte und kostet Unmengen an Geld. Aktuelle Schätzungen gehen von einer Milliarde Euro pro Atomkraftwerk aus. Auch die Kostenrisiken für die Endlagerung des Atommülls werden vom Staat getragen.
Eine Laufzeitverlängerung würde enorm viel Geld verschlingen. Das Beispiel Frankreich zeigt: Um einen Reaktor zehn Jahre länger laufen zu lassen, fallen im Schnitt zusätzliche Kosten von 1,7 Milliarden Euro pro Reaktor an und das allein dafür, dass zwingend notwendige Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt und die daraus folgenden Umbaumaßnahmen umgesetzt werden.
Wirtschaftlich behindern Atomkraftwerke den Ausbau der Erneuerbaren, denn jeder Euro für Brennstäbe oder zur Lagerung von zusätzlichem Atommüll fehlt für Investitionen in Wind und Sonnenenergie. Atomstrom ist bis zu viermal so teuer wie Strom aus Wind und Sonne. Die Kosten für die Energiewende, inklusive Speicher- und Netzausbau, liegen insgesamt deutlich unter denen für Atomkraft. Jeder Cent für Atomkraft ist eine Fehlinvestition in eine nicht wettbewerbsfähige Hochrisikotechnologie und sollte besser in unsere nachhaltigen erneuerbaren Energien investiert werden.
In einer russsischen Uranfabrik in Nowouralsk ist ein Rosatom-Mitarbeiter ums Leben gekommen, nachdem das gasförmige Uran-Hexafluorid aus einem undicht gewordenen Behälter freigesetzt worden ist. Das sogenannte UF6 wird benötigt, um Uran zum Brennstoff für Atomkraftwerke oder für Atomwaffen anzureihern. In den letzten Jahren sind immer wieder auch Behälter mit abgereichertem UF6 aus den Uranfabriken der URENCO in Gronau und Almelo (NL) nach Russland transportiert worden. Atomkraftgegner:innen hatten gegen die Ausfuhrerlaubnis deutscher Bundesbehörden scharf protestiert. Daher, so spekuliert die taz in ihrem Bericht, könnte es sein, dass der Unfall durch einen Behälter aus Deutschland oder den Niederlanden ausgelöst worden sein könnte. Über 100 Menschen sollen in der Folge in Krankenhäuser untersucht worden sein. (Foto: ? Bitte Melden! UF6 auf einem LKW Transport.)
Dokumentation einer PM zu dem Vorfall und zur Berichterstattung:
Gronau/Münster, 17. Juli 2023
Atomunfall in russischer Uranfabrik: ein Toter – stammte defektes Uranfass aus Gronau oder Almelo?
Anti-Atomkraft-Initiativen fordern Aufklärung
– 6. August Mahnwache vor Urananreicherungsanlage Gronau
Anti-Atomkraft-Initiativen aus NRW und Niedersachsen sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), die Ärzteorganisation IPPNW und die unabhängige russische Umweltorganisation Ecodefense befürchten, dass womöglich ein defektes Uranfass aus der westfälischen Urananreicherungsanlage Gronau oder der niederländischen Urananreicherungsanlage Almelo die Ursache für den tödlichen Unfall in der russischen Atomfabrik Novouralsk war. Dort starb in der letzten Woche nach russischen Angaben mindestens ein Arbeiter, weil ein Fass mit Uranhexafluorid undicht geworden war. Über 100 Personen wurden nach der „Explosion“ ins Krankenhaus eingeliefert. Betreiber der Atomanlage in der „geschlossenen Stadt“ in der Nähe von Ekaterinburg am Ural ist der Staatskonzern Rosatom.
Seit Mitte der 1990er-Jahre hat der deutsch-niederländisch-britische Atomkonzern Urenco aus den Uranfabriken in Gronau/Westfalen bzw. Almelo/Niederlande mehrere Zehntausend Tonnen abgereichertes Uranhexafluorid als Abfallstoff nach Russland geschickt, um die wesentlich teurere Entsorgung in Deutschland und den Niederlanden zu umgehen. Ein Hauptziel war dabei der Atomkomplex von Novouralsk. Zuletzt waren 2019/20 nochmal 18 000 Tonnen Uranhexafluorid als Uranmüll von Gronau nach Novouralsk gegangen.
„Es ist sehr traurig, dass ein undicht gewordenes Uranfass aus Gronau oder Almelo die Ursache für den tödlichen Unfall in Novouralsk gewesen sein kann. Die russische Umweltorganisation Ecodefense hat schon mehrfach berichtet, dass der Zustand der Uranfässer in Novouralsk und in den anderen Lagerstätten in Sibirien oftmals sehr schlecht ist. Die ersten Uranfässer aus Gronau lagern ja schon fast 30 Jahre vor Ort unter freiem Himmel. Wir fordern deshalb von Urenco, aber auch von der Atomaufsicht in Düsseldorf und Berlin, eine klare Auskunft darüber, ob eines der Gronauer oder Almeloer Uranfässer hier beteiligt ist. Und welche Lehren sind aus dem Unfall für die Uranfabrik Gronau zu ziehen? Den Betroffenen und den Angehörigen des Verstorbenen sprechen wir unser tiefes Mitgefühl aus,“ erklärte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.
“Die Explosion mit tödlichem Ausgang sowie die Freisetzung von hochtoxischem und radioaktivem Material in Novouralsk sind die Konsequenzen einer extrem niedrigen Sicherheitskultur in der russischen Atomindustrie. Russische Umweltschützer haben viele Male vor Unfällen in den russischen Urananreicherungsanlagen gewarnt sowie vor der Einfuhr von Uranmüll aus Gronau und Almelo. Aber die russische Regierung hat nicht zugehört. Deshalb sind weitere derartige Unfälle zu befürchten, weil die russische und die europäische Atomindustrie primär an ihren Profit und ihre geostrategischen Interessen denken,“ ergänzte Vladimir Slivyak, Ko-Vorsitzender der russischen Umweltorganisation Ecodefense und Träger des Alternativen Nobelpreises.
Der tragische Unfall bestätigt zugleich die Gefährlichkeit der Urananreicherung und der damit verbundenen Urantransporte. Uranhexafluorid (UF6) ist der Grundstoff für die Urananreicherung. Er bildet schon bei Berührung mit Luftfeuchtigkeit die äußerst toxische Flusssäure. Ein Unfall mit UF6 hat in Gronau 2010 zur Verstrahlung eines Arbeiters geführt. Die Initiativen und Verbände fordern deshalb schon lange einen Transportstopp für UF6. Auch gegen den unverantwortlichen Export nach Russland gab es im Münsterland, in den Niederlanden und auch in Russland immer wieder Proteste. Die letzten Transporte 2019/20 verstießen sogar gegen die damals schon geltenden EU-Sanktionen gegen Russland, da abgereichertes UF6 von Rosatom unter anderem zur Herstellung von panzerbrechender Uranmunition verwendet werden kann.
Am Sonntag, 6. August, findet um 13.30 Uhr vor der Urananreicherungsanlage Gronau zum 78. Jahrestag der Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki eine Mahnwache statt. Zugleich soll daran erinnert werden, dass Urenco die Verantwortung für den eigenen Atommüll in Russland nicht einfach wegdelegieren kann. Diese Exporte nach Russland waren ein klares Zeichen der Verantwortungslosigkeit. Zugleich fordern die Initiativen und Verbände von der Atomaufsicht in Düsseldorf und Berlin endlich klare Schritte zur Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau im Rahmen des deutschen Atomausstiegs.
Kontakt:
Matthias Eickhoff, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Tel. 0176-64699023
Dr. Angelika Claußen, IPPNW, Tel. 0172-5882786
Vladimir Slivyak, Ecodefense, Tel. 0178-1792352
Weitere Infos:
www.sofa-ms.de, www.bbu-online.de, www.ippnw.de, www.bi-luechow-dannenberg.de
Verwendete Quellen:
https://taz.de/Wiederaufbereitungsanlage-in-Russland/!5947408/