Uranbergbau bedroht eines der größten Wildschutzreservate in Tanzania.
Uranabbau in Tanzania? Über die aktuelle Situation der Vorbereitungen für den geplanten Uranbergbau in dem ostafrikanischen Staat informiert das freie Radio Dreyeckland in einem Audio-Beitrag. Gesprächspartner ist Sigfried Schröder vom Büro der Rosa Luxemburg Stiftung in Dar es Salaam, der in dem 16 minütigen Interview ausführlich über die Interessen der Regierung berichtet, die sich durch den Uranbergbau steigende Steuereinnahmen erhofft. Fehlende staatliche Strukturen werden dort durch die Konzerne ergänzt oder ersetzt, so dass in vielen Fragen keine unabhängigen Informationen zugänglich sind oder Aufklärung über Probleme nicht geleistet wird. Besonders weit fortgeschritten ist ein Uran-Projekt im Selous Game Reserve im Südwesten des Landes, an einem der für die Wanderung der dort zahlreichen Elefanten wichtigen Pfad zu den angrenzenden Gebieten in Mozambique. Obwohl als Weltnaturerbe geschützt, erlaubte die UN – mit Auflagen – den künftigen Bergbau. Noch ist die Mkuju River Mine nicht in Betrieb…
Radio Dreyeckland bericht auf seiner Homepage: „Im September 2011 übergaben mehrere Nichtregierungsorganisationen, darunter das Uranium Network, der NABU und Rettet den Regenwald, der tansanischen Botschaft in Berlin 20.000 Unterschriften gegen den Abbau von Uran im ostafrikanischen Tansania.
Seither gingen die Probebohrungen in Tansania weiter, ein Urangebiet im Selous Game Reserve wurde von der UNESCO aus dem Status als Weltnaturerbe ausgenommen – auf Antrag der tansanischen Regierung. Die Schürfrechte zum Abbau der dortigen Uranvorkommen sind vergeben. Noch zögern die Minengesellschaften, unter anderem, weil der Preis für Uran gefallen ist.
In Bahi, einem Reisanbaugebiet in Tansania, wurden ebenfalls größere Uranvorkommen ausgemacht, die Probebohrungen sind bereits abgeschlossen. Indes gewinnt der Widerstand gegen den Abbau des Urans an Zeit und schaut auf die Gefahren.
Im Juni dieses Jahres legte das Regionalbüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine 72-seitige Broschüre vor: „Uranium Mining – Impact on Health and Environment“. Der Broschüre ging eine Vernetzung tansanischer Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen, kritischer JournalistInnen und verschiedener Antiatomgruppen afrikanischer Länder voraus.
Wie die Chancen einer Abwendung des Uranabbaus aussehen und welche Stolpersteine den GegnerInnen in den Weg gelegt werden, darüber sprachen wir mit Siegfried Schröder, dem Leiter des Regionalbüros der Rosa Luxemburg Stiftung aus Daressalam.“
HINWEIS: Woche der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Dar Es Salaam vom 19.9. bis 28.9.2014. Im Rahmen dieser Woche wird auch das Thema Tanzania und Uran auf dem Veranstaltungskalender stehen. U.a. wird in der Hauptkirche St. Petri eine Uranausstellung vom 22. – 27.9. gezeigt und am 22.9. mit einer gemeinsamen Veranstaltung von Rosa-Luxemburg-Stiftung, Robin Wood und der Kirche eröffnet
Anthony Lyamundu (Mitte) mit den TeilnehmerInnen einer internationalen Konferenz zu den Auswirkungen des Uranbergbaus in der Bahi-Region im Oktober 2013. Foto: Dirk Seifert
„Uranabbau – ein profitables Geschäft für multinationale Unternehmen auf der einen Seite. Eine enorme Belastung für die Bevölkerung und die Umwelt auf der anderen Seite. In Tansania soll künftig radioaktives Uran gefördert werden. In der Bevölkerung wächst der Widerstand.“ So heißt es in einem Artikel der Kirchen-Zeitung aus Österreich im Mai 2014, der über die Inforeise von Anthony Lyamunda aus Tanzania und den dort drohenden Uranbergbau berichtet.
Anthony Lyamundas Rundreise ging über die Niederlande und Deutschland auch nach Österreich, wo er bei einer Veranstaltung von PLAGE über den drohenden Uranbergbau in Tanzania berichete. Lyamunda kommt aus der Regio Bahi, nördlich der Hauptstadt Dodoma, wo derzeit die Erkundung der Uranvorkommen stattfindet. 2009 gründete er die Bürgerrechtsorganisation CESOPE (Civil Education is the Solution to Poverty and Environmental Management).
Lyamundu war bei seiner Rundreise unter anderem auch als Redner beim Ostermarsch an der Uranfabrik in Gronau und der Demonstration zum Tschernobyl-Jahrestag am AKW Brokdorf dabei (siehe die Links unten). Außerdem war er in Berlin, in Stuttgart, Freiburg und eben auch in Salzburg. In Münster traf er den Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel.
Während in Bahi noch erkundet wird, steht im südlichen Tanzania eine Uranmine bereits kurz vor der Inbetriebnahme. Noch stehen einige Genehmigungen aus und vor allem der weltweite Uranpreis ist derzeit noch zu niedrig, um mit der Produktion tatsächlich zu beginnen. Die Mkuju River Mine liegt eingebettet in dem als Weltnaturerbe geschützten Selous Game Reserve, einem überaus wertvollen Gebiet mit enorm großem Wildtierbestand. Trotz massiver internationaler Proteste hatte die UN die Uranmine mit einigen Auflagen genehmigt.
Bedroht durch Uranbergbau in Tanzania. Elefanten im Selous Game Reserve und auf dem Wildlife Corridor. Foto: Elke Kuhne
Ausgerechnet in einem der bedeutsamsten Wildschutzgebiete will das ostafrikanische Tanzania mit dem Einstieg in den Uranbergbau beginnen. Im Selous Game Reserve im Südwesten des Landes, an einem der für die Wanderung der dort zahlreichen Elefanten wichtigen Pfad zu den angrenzenden Gebieten in Mozambique, soll das dreckige und gefährliche Uranprojekt starten. Obwohl als Weltnaturerbe geschützt, erlaubte die UN – mit Auflagen – den künftigen Bergbau. Noch ist die Mkuju River Mine nicht in Betrieb, noch wäre Zeit, das unverantwortliche Abenteuer Uranbergbau zu stoppen.
Bedroht durch Uranbergbau: Weltkulturerbe Selous Game Reserve und der Wildlife Corridor in Tanzania. Foto: Dirk Seifert
Deshalb fand im Oktober 2013 mit zahlreichen ExpertInnen aus aller Welt eine internationale Konferenz über die Risiken des Uranbergbaus in Dar Es Salaam statt. Jetzt ist die Dokumentation dieser überaus wichtigen Tagung erschienen. Die Dokumentation mit ihren zahlreichen Fakten zu unterschiedlichen Themen und auch den Erfahrungen aus anderen Ländern kann hoffentlich dazu beitragen, zu verhindern, dass Tanzania die gleichen Fehler macht, wie andere arme Staaten, die sich Einnahmen aus dem Bergbau erhoffen. Hoffnungen, die meist nicht erfüllt werden. Gemeinsam mit dem Legal and Human Rights Centre Tanzania hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung (Büro Ostafrika) jetzt die Broschüre „Uranium Mining – Impact on Health and Environment“ veröffentlicht. Sie ist – in englischer Sprache – hier online als PDF. Die Stiftung hatte auch die Konferenz im Oktober maßgebilch unterstützt. (Siehe auch unten die Ankündigung der RLF…)
Rosa-Luxemburg-Stiftung, S. Schroeder, Dr. R. Mtonga, LHRC, Dr. H.K. Bisimba, Mrs. M. Hamid. (Foto: RLS)
In einer Pressemeldung der Rosa-Luxemburg Foundation in Dar Es Salaam heißt es zu der Veröffentlichung: „Auf dem Gelände unseres Kooperationspartners, dem Legal and Human Rights Center, wurde am 28. Mai 2014 die brandneue Broschüre zum Uranabbau in Tanzania der Öffentlichkeit vorgestellt. In Beiträgen verschiedener RednerInnen wurden nicht nur die verheerenden Umwelt- und Gesundheitsschäden beschrieben, die der Uranabbau unweigerlich mit sich bringt. Es wurde auch erneut zum Dialog zwischen Wissenschaft, Regierung und Zivilgesellschaft in Tansania aufgerufen. Zudem wurden die wirtschaftlichen Kosten der Uranförderung angesprochen.
So wies Mahfoudha Hamid, stellvertretende Vorsitzende der tansanischen Menschenrechtskommission, in ihrer Rede auf den hohen Energieeinsatz hin: „Der Uranbergbau benötigt sehr viel Energie. Deshalb fragen wir unsere Regierung, wie gut sie darauf in Zeiten vorbereitet ist, in denen Energieknappheit allerorten diskutiert wird. Wie geht die Regierung mit dem enormen Energiebedarf anderer Wirtschaftszweige und der Bevölkerung um?“
Mit einer Mischung aus wissenschaftlicher Expertise und einem Crashkurs in politischer Bildung schärfte Dr. Robert Mtonga aus Sambia, Co-President der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW), der Menge ein: „Alle Regierungsmitglieder haben nur Zeitverträge, und diese sind von den Wählerinnen und Wählern unterschrieben. Wir AktivistInnen sind nicht eine schlechte Gesellschaft, wir sind die Zivilgesellschaft!” Im Weiteren führte er aus, dass das gesundheitliche Wohl der Bevölkerung immer an erster Stelle der Besorgnis einer Regierung zu stehen habe, auch wenn mächtige wirtschaftliche Interessen im Spiel sind.
Der Büroleiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Ostafrika, Siegfried Schröder, verwies in seiner Präsentation der wesentlichen Inhalte der Publikation vor allem auf die seit langem bekannten und bisher nicht gelösten Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit dem Uranbergbau sowie die Gefahren der Endlagerung von Rückständen aus dem Bergbau, den sog. ‚Tailings‘. Mit Bezug auf die aktuelle Diskussion in Deutschland sagte er: “Jetzt, da Deutschland nach jahrzehntelanger Nutzung dieser gefährlichen Technologie den Ausstieg aus der Atomenergie entschieden hat, versuchen die großen Energiekonzerne die kostenintensive Abfalllagerung an den Staat abzuschieben. Genauso geht es auch in Tanzania um Verantwortung für den Gesamtprozess und die Frage, wer die tatsächlichen Kosten für die Lagerung von radioaktivem Abfall hinterher tragen wird.“
Im Anschluss mischte sich das Publikum mit interessanten Kommentaren und Fragen ein. Was dabei den meisten unter den Nägeln brannte, war die zweifelhafte Rolle der tansanischen Regierungsbehörden, die Wachstum und Arbeitsplätze in Aussicht stellen, ohne jedoch transparent auf die Risiken des Uranabbaus zu verweisen. Besonders wurde bemängelt, dass ein Umweltverträglichkeitsgutachten für das Mkuju-River-Projekt nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, gleichzeitig aber eine erste Schürfgenehmigung erteilt wurde. (Text: Therese Wenzel / Dar es Salaam)“
Die Deutsche Botschaft in Tanzania hatte bereits vor einigen Tagen die Dokumentation auf Facebook angekündigt: „Launch of publication „Uranium Mining – Impact on Health and Environment“. Following up the „International Conference on Uranium Mining: Impact on Health and Environment“ in Oct. 2013 which was attended by civil society as well as officials of the Government of Tanzania, the Rosa-Luxemburg-Foundation and Legal and Human Rights Centre officially launched the corresponding publication this week. The booklet provides concerned citizens, NGOs and political decision makers with information not only about the short-term socio-economic benefits but also reflects about the possible long-term consequences of uranium mining on health and environment.“
Impact on Health & Environment. Study published by the RLS East Africa Office
The catastrophic events at Fukushima Nuclear Power Plant in Japan on 11 March 2011 should sound as a vivid reminder of how profoundly hazardous uranium activities are. Even after three long years, the lives of hundreds of thousands of people in Japan and across the world continue to be affected by this disaster especially the thousands who remain in make shift camps because of radioactive contamination. To this date, hundreds of tons of radioactively contaminated water are reportedly still leaking out of the damaged reactors.
Whilst the developments in the global uranium mining and energy sector are worrisome, advances in uranium mining sector in Tanzania continue unrelatedly. In 2013, Tanzania under its new mining legislation issued its first uranium mining license for the Mkuju River Project, which lies in the now partly degazetted and ecologically delicate Selous Game Reserve. Hitherto, test exploration for uranium in Bahi and other prospective areas had commenced in earlier years. Numerous findings reveal that uranium mining has had a notable health risks to mine workers, the environment and to host communities. Many of the concerns have been further articulated in this publication.
Given the evolution in the uranium mining sector in Tanzania, the question of community participation in environmental management in the extractive sector has caught the attention of many stakeholders. NGOs and other stakeholders have decried the absence of civic involvement in the processes of environmental management despite government pronouncements that seem to sanction community participation in environmental management processes. The reality on the ground is that there is insignificant involvement of these communities. Furthermore, prospecting companies have been rather complacent in meeting many minimum standards in this pilot phase as witnessed in Bahi. Depicting upon criticisms and feedback coming from various consultations with uranium mining affected communities in Tanzania and across the world, the Rosa Luxemburg Foundation and other partners organized a series of activities under the theme “Uranium Mining: Impact on Health and Environment”. Starting with a field visit in Bahi and a public dialogue in Dodoma the activities culminated in an international conference in Dar es Salaam; the aim of this campaign addressed the need to examine uranium mining and its implications on health and the environment.
In this regard, the Rosa Luxemburg Foundation is grateful to its partners including the Legal and Human Rights Centre (LHRC), CESOPE in Dodoma, civil society actors in Ruvuma Region, International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW), Uranium Network and African Uranium Alliance. The collaborative effort of all these organisations has facilitated debate around the dangers of uranium mining and enabled afflicted communities to have a say in the management of their resources. The RLS is also grateful for participation from the Government of Tanzania represented by the Honourable Minister of Health, Dr. Hussein Ally Mwinyi. I hope civil society, activists, communities, private sector and government will continue to have purposeful engagement on uranium mining in the expectation of finding safer energy solutions for the generations to come.
(Acknowledgement by Siegfried Schröder, Regional Director of Rosa Luxemburg Stiftung (RLS) East African Office)
Uranabbau? Besser in der Erde lassen. Foto: Dirk Seifert
Weltweit sind Konzerne und Investoren unterwegs, um neue Rohstoffquellen zu finden und zu erschließen. Auch das für die Atomenergie so wichtige Uran steht auf der Liste und in immer mehr Ländern werden sie fündig: Mali, Grönland, die Mongolei und auch Tansania gehören zu diesen Ländern, in denen künftig Uranbergbau betrieben werden soll. Noch besteht in diesen Ländern die Chance, den extrem umwelt- und gesundheitsschädlichen Uranabbau zu verhindern und damit ein Zeichen für den Ausstieg aus der Atomenergie zu setzen. Anfang Oktober 2013 fand deshalb zur Unterstützung in Tansania eine Internationale Konferenz über die Umwelt- und Gesundheitsrisiken statt. Die AktivistInnen und Fachleute aus rund 15 Ländern besuchten örtliche Initiativen in der Nähe der Hauptstadt Dodoma, wo derzeit Uranfelder erkundet werden. In Dar Es Salaam fand im Anschluss eine Fachkonferenz statt.
Mit Unterstützung von ROBIN WOOD und der IPPNW Deutschland haben jetzt Jonathan Happ und Jean-Jacques Schwenzfeier eine Dokumentation über die Konferenz, die Risiken des Uranabbaus, die Haltung der Regierung und den Widerstand in Tansania erstellt. Das Video (mit Untertiteln) steht jetzt hier zur Ansicht bereit:
Tansania – Region Bahi: Uran im Untergrund. Foto: Dirk Seifert
Weltweit sind Konzerne und Investoren auf der Suche nach Rohstoffen. Uranerz gehört dazu – der Ausgangsstoff für den Betrieb von Atomkraftwerken oder den Bau von Atombomben. Der Abbau erfolgt unter katastrophalen Bedingungen, mit schweren Umweltschäden, schädlichen Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung – und immer wieder auch in Verbindung mit Menschenrechtsverletzungen. Und auch kriegerische Konflikte entstehen um den begehrten Rohstoff – wie z.B. im Niger.
Anfang Oktober fand eine internationale Urankonferenz in Tansania statt. Darüber berichtet jetzt das neue ROBIN WOOD Magazin. Die insgesamt drei Artikel zum Thema können hier als PDF gelesen werden.
Anti-Atom-AktivistInnen und Fachleute aus über 15 Nationen kamen in Dar Es Salaam zusammen, um über die „Risiken für Umwelt und Gesundheit“ zu informieren und zu diskutieren. Organisiert wurde die Konferenz unter anderem von der Internationalen Ärzteorganisation IPPNW und dem Regionalbüro Ostafrika von der Rosa Luxemburg Stiftung.
Tansania selbst steht am Beginn eines möglichen Uranabbaus. In mehreren Regionen – darunter auch der als Weltkulturerbe geschützte Selous Game Reserve – wurde Uran entdeckt und die Regierung will dies mit internationaler Unterstützung fördern. Mit der Konferenz in Tansania wurde auch versucht, die Öffentlichkeit über die Risiken des Uranabbaus zu informieren und den Widerstand gegen diese Pläne zu unterstützen.
Alles zum Thema Uranabbau und Tansania auf umweltFAIRaendern.de. Weitere Informationen gibt es auch beim Uranium Network hier.