Plutoniumeinsatz im AKW Grohnde stoppen – die neue Regierung in Niedersachsen ist gefordert.

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Am kommenden Wochenende wird das AKW Grohnde zum Brennelementewechsel runter gefahren werden. Eon will dann MOX-Brennelemente einsetzen, die als besonders gefährlich gelten. Foto: Dirk Seifert

Atomkraftgegner haben heute dem grünen Umweltminister Wenzel in Niedersachsen eine “Denkschrift gegen MOX-Brennelemente” (PDF) übergeben. In einer Pressemitteilung zur Übergabe teilt die Regionalkonferenz “AKW Grohnde abschalten” mit:  “Vor dem Ministerium hatten die AWK-Gegner eine 3 Meter hohe AKW-Attrappe mit Kühlturm und 16 Atommüll-Fässer mit der Aufschrift “STOPP MOX PLUTONIUM” aufgebaut. Bilder von der Aktion finden Sie unter http://www.publixviewing.de

In der Denkschrift weisen die Atomkraftgegner auf die zahlreichen Argumente deutscher Reaktorexperten gegen den MOX-Einsatz und auf Erfahrungen aus dem Reaktorunfall von Fukushima hin. Jean-Paul Pape, der seit über 40 Jahren in Japan wohnte, betonte, dass MOX-Brennelemente im Reaktor 3 des AKW Fukushima die Auswirkungen des Unfalls noch verschlimmert haben. Dort sei es zu einer nuklearen Explosion gekommen, die Plutonium bis zu 45 km weit in die Umgebung des AKWs verstreut hat.

Die im deutschen Atomgesetz verlangte zusätzliche Vorsorge gegen Gefahren gegenüber der Allgemeinheit (§7d) gebietet es daher, den Einsatz von MOX-Brennelementen zu unterlassen bzw. zu untersagen.

Die Denkschrift zählt weitere Gefahren auf:

– Durch erhöhte Belastung der Brennelemente steigt beim MOX-Einsatz die Rate der Hüllrohrdefekte, die zu einer vermehrten radioaktiven Freisetzung führen. Dadurch erhöht sich das durch die KIKK Studie nachgewiesene Risiko von Leukämie- und Kinderkrebs im 50-km Umkreis um das AKW.

– Wegen des erhöhten Strahlung muss verstärkt Bor eingesetzt werden, dass wiederum zu einer höheren Tritiumbildung im Abwasser und der Abluft führt.

Kritiker des MOX-Einsatzes sind die Experten und kritische BürgerInnen:

Der Hamelner Stadtrat und Kreistag hatten sich im Oktober letzten Jahres gegen den Einsatz der MOX-Brennelemente ausgesprochen. Bereits bei der ersten Genehmigung von MOX-Brennelementen 1986  hatte die Stadt Hameln und auch der Landkreis Holzminden zusammen mit über 500 BürgerInnen gegen den Einsatz von MOX-Brennelementen Einwand erhoben. Der Dipl-Physiker und später langjährige Abteilungsleiter “Radioaktivität und Umwelt” des Bundesamtes für Strahlenschutz (2001-2012) Gerald Kirchner hatte die Stadt 1986 beraten und eingewendet, dass die Kritikalitätsberechnungen nicht nachvollziehbar seien und nach seinen Berechnungen die Grenzwerte überschritten würden. Weiter bezweifelte Kirchner, der heute das Carl Friedrich von Weizsäcker-Zentrum für Naturwissenschaft und Friedensforschung (ZNF) der Universität Hamburg leitet, dass die Schnellabschaltung des Reaktors beim MOX-Einsatz genauso gewährleistet sei. Auch hatte Kirchner vor einer ungewollten Kettenreaktion im Abklingbecken gewarnt, wie sie in Fukushima eingetreten ist.

Auch der Göttinger Professor Rolf Bertram kritisiert den MOX-Einsatz, insbesondere dass durch die erhöhte Neutronenstrahlung beim Einsatz von MOX-Brennelementen die Versprödung des Reaktorstahls begünstigt und damit die Stabilität herabgesetzt.

Die Atomkraftgegner haben daher vom Umweltminister Wenzel als Leiter der Atomaufsicht des Landes aufgefordert, den von E-On geplanten Einsatz von acht MOX-Brennelementen für die Freitag beginnende Revision des AKW Grohnde zu verbieten. Weiter muss er über 20 Berichte zum MOX-Einsatz im AKW Grohnde kritischen Wissenschaftlern zur Begutachtung vorlegen.

Wenzel konnte den Demonstranten keine Hoffnung auf eine schnelle Lösung machen. Er könne nur ein rechtssicheres Verbot vertreten, sagte Wenzel. Sein Ministerium werde aber den in der Denkschrift genannte Hinweisen nachgehen und kritische Wissenschaftler zu einem Fachgespräch einladen und in die Begutachtung der Gefahren von MOX-Brennelementen einbeziehen und  dafür vorhanden Berichte des AKW-Herstellers zur Verfügung zu stellen. Der Atomkonzern E-On plant im Frühjahr 2014 weiter 8 Brennelemente einzusetzen.” Mehr dazu: www.grohnde-abschalten.de.

Bereits vor einigen Tagen hat Niedersachsens Grüner Umweltminister eine Prüfung angekündigt und betont: „Sicherheit hat höchste Priorität“. Allerdings ist schon aus den Formulierungen in der Pressemitteilung klar, dass es wohl nicht zu einem Verbot des Einsatzes der MOX-Elememente kommen wird. Zum einen, weil der Betreiber E.on für den MOX-Einsatz im AKW Grohnde eine entsprechende Genehmigung hat, die ohne weiteres nicht aufhebbar ist. Allerdings heißt es in der PM: “Die Überprüfung soll Auskunft darüber geben, ob durch die Verringerung der Anzahl der MOX-Brennelemente bis zum Verzicht auf deren Einsatz ein entscheidender Beitrag zur weiteren Vorsorge gegen Risiken für die Allgemeinheit erreicht werden kann.” Was aber genau ein “entscheidender Beitrag” sein soll, sagt die Behörde nicht.

Siehe auch: MOX: Proteste in Nordenham – 17. – 18. November 2012

und: Plutonium-Transporte zum AKW Grohnde unterwegs – Sicherheitsrisiken auf Wasser und Straße

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