Proteste gegen Vattenfall-Kraftwerk wachsen – mehr als 1.000 Einwendungen überreicht

Wind von Vorn. Ohne Bürgerbeteiligung und Alternativen. Vattenfall erzürnt in Hamburg und Wedel immer mehr Menschen. Foto: Dirk Seifert

Vattenfall und der Stadt Hamburg bläst ein kräftiger Widerstand ins Gesicht! Gegen deren gemeinsame Planungen, in Wedel ein neues Kraftwerk für die Fernwärmeversorgung der Hansestadt zu errichten, hat die Bürgerinitive “Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel” heute über 1.000 Unterschriften bei der zuständigen Behörde übergeben. Zu den Einwendern gehört auch der Bürgermeister der Stadt Wedel und der BUND. Damit bekommen Vattenfall und die Stadt Hamburg die erste bittere Quittung dafür, dass sie über die Köpfe der Betroffenen hinweg ihre Planungen durchdrücken wollen. Die Initiative in Wedel spricht zurecht von einem „großen Erfolg“. (siehe auch taz-Hamburg)

Ohne jede Bürgerbeteiligung und ohne Prüfung von Alternativen wollen Vattenfall und die Stadt Hamburg direkt neben einem Wohngebiet mit Schule und Kindergärten ein neues Kraftwerk errichten, das nicht nur Fernwärme, sondern rund um die Uhr auch Strom erzeugen soll. Die Einwendungsfrist läuft noch bis zum 10. Oktober, Unterschriftenlisten gibt es hier.

Doch nicht nur in Wedel regt ich massiver Prost. Die WedelerInnen bekommen nun auch Unterstützung aus Hamburg. Die Initiative „Unser Hamburg – unser Netz“ (UHUN), ein breites Bündnis aus Verbraucherzentrale, Kirche, Umweltorganisationen und Mieterinitiativen, die im nächsten Jahr einen Volksentscheid für die vollständige Rekommunalisierung der Energienetze – darunter die Fernwärme – durchführen wird, hat sich jetzt den Forderungen der Wedeler Initiative angeschlossen.

Während eines Pressegesprächs sagte die Vertrauensperson von UHUN und Geschäftsführer des BUND in Hamburg, Manfred Brasch: „Das geplante Kraftwerk in Wedel  gilt als zentraler Baustein der Hamburger Energiewende von Senat und Vattenfall. Eine Energiewende, die weder die Menschen mitnimmt noch im Parlament Transparenz herstellt, die die für den Klimaschutz beste Lösung gar nicht erst prüft und die die Marktmacht von Vattenfall zementiert, kann nicht funktionieren. Mit diesem Politikstil kommen wir nicht weiter“.

Das Bündnis schließt sich laut Braasch auch der Forderung nach einem Moratorium für den Bauantrag von Vattenfall/Stadt Hamburg an, damit es zu einer Prüfung von Alternativen für eine klimaverträgliche Fernwärmeversorgung kommen kann. Schon in der letzten Woche hatte sich auch die Umweltschutzorganisation ROBIN WOOD – Gründungsmitglied von UHUN – dieser Forderung angeschlossen.

Derzeit werden die Netze von Vattenfall (Strom, Fernwärme) und E.on Hanse (Gas) betrieben. Um den Volksentscheid zu verhindern, hat sich der Hamburger SPD-Senat als Minderheitsaktionär mit 25,1 Prozent an den Gesellschaften beteiligt. Siehe auch: Vattenfall – kein Partner für Hamburg.

Initiative fordert Moratorium und „runden Tisch“ von Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten

Die Wedeler Initiative gegen das Kraftwerk hat heute auch einen Brief an alle Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten auf den Weg gebracht. Seit dem Sommer ist die Stadt Hamburg aufgrund eines Beschlusses der Bürgerschaft als Minderheitsaktionär (25,1 Prozent) mit Vattenfall für die Fernwärme zuständig und hat die Entscheidung für das Kraftwerk in Wedel auf den Weg gebracht. In dem Brief bekräftigt die Initiative, dass sie die Energiewende unterstützt: „Wir Wedeler und Rissener Bürger sind für die Energiewende!“ Aber klar und deutlich heißt es auch: „Wir lassen uns jedoch nicht beiseite schieben und als unmündig darstellen.“

Die Bürgerschaftsabgeordneten werden in dem Schreiben aufgefordert, die Grundlage für Gespräche über Alternativen zu schaffen und das Genehmigungsverfahren vorerst auszusetzen: „Voraussetzung ist jedoch ein Aussetzen des bereits eingeleiteten Genehmigungsverfahrens.“

Weitere Initiativen aus Hamburg haben angekündigt, den Protest in Wedel zu unterstützen und sich mit Einwendungen gegen die jetzigen Planungen einzumischen.

 

URANFABRIK GRONAU – Risiko Urananreicherung

Atomwaffe oder Brennstoff? In Gaszentrifugen wird Uran angereichert. Foto: Internet

International ist das Atomprogramm des Iran höchst umstritten. Während der Iran die “friedlichen” Absichten betont, verdächtigen andere Staaten das Land, heimlich an einer Atombombe zu bauen.

Im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht vor allem die Fähigkeit, Uran anzureichern. Der Iran verfügt über diese Technik. Sie basiert auf Gaszentrifugen, wie sie die Firmengruppe der URENCO maßgeblich entwickelt hat. Die URENCO betreibt Urananreicherungsanlagen in Gronau (D), Almelo (NL), Capenhurst (UK) und neuerdings auch in Eunice (New Mexiko, USA). Durch Spionage bei der URENCO sind wichtige Kenntnisse über diese Technik nach Pakistan und von dort auch an den Iran gelangt. Deutschland fördert im Rahmen des Vertrags von Almelo – bis heute – die Urananreicherung und den Vertrieb dieser riskanten Technologie!

Um Uran-Brennstoff für Atomkraftwerke herzustellen – wie es der Iran vorhat – muss das natürliche Uran in jedem Fall angereichert werden. Für den Brennstoff von Atomkraftwerken wird eine Anreicherung von ca. fünf Prozent mit dem spaltbaren Uran 235 benötigt. Aber: Mit einer ausreichenden Zahl von Zentrifungen können auch höhrere Anreicherungen erzielt werden. Damit bedeutet die Verfügung über die Urananreicherungstechnologie grundsätzlich auch die Möglichkeit, waffenfähiges Uran (deutlich über 20 Prozent angereichert) herstellen zu können.

Der Film “Die Bombe um jeden Preis” zeigt die Entwicklung des iranischen Atomprogramms und die Unterstützung der USA und europäischer Staaten. Auch die Rolle der URENCO wird darin nachgezeichnet. Die WDR-Dokumentation gibt es hier auf Youtube. 

 

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