Urankonzern URENCO entsorgt wieder Atommüll in Russland

Atommüll-Entsorgung nach Russland in der URENCO-Art: Offiziell ist abgereichertes Uran für die URENCO in Gronau ein Wertstoff. Für andere ist es Atommüll. Insgesamt 12.000 Tonnen dieses radio-chemisch brisanten Materials – einer Verbindung aus Uran und Fluor – werden bis Ende 2022 laut neuen Verträgen der URENCO quer durch Europa nach Russland verfrachtet. Das teilt die Bundesregierung jetzt auf eine Frage von Hubertus Zdebel von der Bundestagsfraktion DIE LINKE mit. Rund 3.600 Tonnen abgereichertes UF6 sind offenbar bereits nach Russland ausgeliefert. Bei der Verarbeitung entstehen große Mengen radioaktiver Abfälle, die in Russland bleiben werden. Nur eine geringe Menge davon wird später als wiederangereichertes Uran zurückkommen. Initiativen aus dem Münsterland hatten auf diese Atomtransporte vor kurzem aufmerksam gemacht. Die radioaktiven Reststoffe kommen laut Bundesregierung aus den drei URENCO-Anlagen in Gronau (BRD), Almelo (NL) und Capenhurst (GB). Über diese Machenschaften der URENCO berichtet die taz und das TV-Magazin Frontal21. Außerdem berichtet auch Spiegel online. Angaben über die bereits nach Russland gelieferten Atommüll-Mengen im Rahmen der neuen Verträge sind der Antwort einer Kleinen Anfrage zum Thema Atomtransporte der Grünen MdB Sylvia-Kotting Uhl zu entnehmen.

Auf seiner Homepage erklärt Hubertus Zdebel: „URENCO betreibt unverantwortliche Atommüll-Geschäfte. Das Unternehmen, an dem ja auch die deutschen Konzerne E.on und RWE beteiligt sind, redet immer schönfärberisch von Wertstoff. Dabei geht es bei dieser Neuauflage mit den Russland-Exporten offenkundig darum, dass erhebliche Mengen Atommüll in Russland billig entsorgt werden. Das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft – die BAFA – ist für derartige Exporte zuständig und hier hat das Bundesumweltministeriums eine Zuständigkeit. Es ist ein Skandal, dass URENCO solche miesen Geschäfte betreibt und das Bundesumweltministerium einfach nur zusieht und nichts unternimmt, um diesen Atommüllexport zu stoppen.“

Zdebel weiter: „Die Uranfabrik in Gronau – ebenso wie die in Lingen – müssen endlich in den Atomausstieg einbezogen werden. Die Lizenz zum Dauerbetrieb muss entzogen werden. Im Frühjahr hatte die große Koalition aus CDU/CSU und SPD unsere Anträge zur Stilllegung dieser Uranfabriken im Bundestag abgelehnt. Dabei liegen die Gutachten, wie die Stilllegung atomrechtlich gemacht werden kann, in den Schubladen des BMU. Weil die Bundesregierung nicht eingreift, werden von den deutschen Uranfabriken weiterhin marode AKWs auch im grenznahen Ausland mit Uranbrennstoff versorgt und deren Betrieb wie in Doel und Tihange dank deutscher Beihilfe unterstützt. Und nun sieht die Bundesregierung dabei zu, wie unter einem Vorwand Atommüll billig im Ausland entsorgt wird.“

  • Bereits vor rund zehn Jahren hatten derartige Atommüllexporte von URENCO nach Russland für Proteste gesorgt und dazu geführt, dass diese Methode der Abfallentsorgung nicht fortgesetzt wurde. Z.B. Greenpeace hatte darüber berichtet.
  • Siehe auch hier einen Bericht von Greenpeace über die früheren URENCO-Deals in Russland

Im Wortlaut Frage von Zdebel und Antwort der Bundesregierung (hier als PDF im Plenarprotokoll 19/117):

Frage 24 – Antwort des Parl. Staatssekretärs Florian Pronold auf die Frage des Abgeordneten Hubertus Zdebel (DIE LINKE):

Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Vereinbarungen zur Lieferung von abgereichertem Uran aus der in Gronau ansässigen Urenco zur Wiederanreicherung nach bzw. in Russland, von denen laut einem Medienbericht mit Bezug auf Informationen des Wirtschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen ein solcher Transport mit 600 Tonnen abgereichertem Uranhexafluorid stattgefunden hat, und wann soll nach Kenntnis der Bundesregierung Uran aus Gronau erstmals zur Umwandlung von Uranhexafluorid zu U3O8 nach Großbritannien zur dortigen neuen Konversionsanlage transport werden (www.sonnenseite.com/de/politik/scharfe-kritik-neuer-uranmuellexport-von-gronau-nach-russland.html)?

Die Urenco Enrichment Company Ltd. (UEC) und ihre europäischen Tochterfirmen Urenco UK (UUK), Urenco NL (UNL) und Urenco Deutschland GmbH (UD) haben im Jahre 2018 einen Anreicherungsvertrag mit der Fa. Tradewill Ltd., einer Vertriebstochter der russischen Firma Tenex, die – als Tochterunternehmen von Rosatom – in der nuklearen Ver- und Entsorgung tätig ist, geschlossen. Nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (MWIDE), welche die atomrechtlichen Aufsichtsbehörde Nordrhein-Westfalens ist, sieht der Vertrag vor, dass der Tenex in den Jahren 2019 und 2020 6 000 Tonnen (+/- 0,5 Prozent) abgereichertes Uran zur Wiederanreicherung zur Verfügung gestellt werden. Die wiederangereicherte Fraktion (Natururanäquivalent oder sogenanntes Product) geht zurück an die UEC. Urenco Deutschland zeigte dem MWIDE nunmehr an, dass zu dem Vertrag ein Zusatz vereinbart wurde, der vorsieht, dass in den Jahren 2019 bis 2022 von den drei Standorten der Urenco weitere 6 000 Tonnen Uran (+/- 0,5 Prozent) in Form von Uranhexafluorid (UF6) zur Wiederanreicherung bereitgestellt werden können. Zu einer Lieferung von abgereichertem Uran zur Konvertierung zu Uranoxid (U3O8) liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor. Eine Lieferung wird nach Auskunft des Unternehmens erst erfolgen, wenn das Uranoxidlager in Gronau in Betrieb genommen wurde. Ein hierfür erforderlicher Antrag liegt dem MWIDE nicht vor.

Atomrisiken statt Klimakrise? Die Alternativen sind Erneuerbar

„Die Atomenergie ist kein Ausweg aus der Klimakrise, sondern nur eine andere, sehr gefährliche Art von Umweltkatastrophe“. Mit diesem Statement reagiert der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel  (DIE LINKE) auf immer neue Versuche von interessierter Seite, Atomenergie als neuen Heilsbringer zu positionieren.

Weiter sagte der Abgeordnete: „Auch wenn eine Lobby in Deutschland, der EU und anderen Staaten bis hin zur Internationalen Atomenergie Organisation (IAEO) versucht, die Atomenergie als Ausweg aus der Klimakrise anzupreisen: Bei der Atomenergie fallen in allen Schritten von der Urangewinnung über die Uranverarbeitung bis hin zum Bau von Atomreaktoren nicht zu vernachlässigende CO2-Emissionen an. Die enormen Risiken der Atomenergienutzung beim Betrieb als auch dem weiteren Umgang mit den (hoch)radioaktiven Abfällen, deren dauerhaft sichere Lagerung weltweit ungelöst ist, die enorm hohen Kosten und auch die von der Atomenergie nicht abtrennbaren Risiken eines militärischen Missbrauchs sind Argumente, warum die Atomenergie keine Alternative für den Kampf gegen die Klimakrise sein kann und sein darf. Mit den Erneuerbaren Energien steht einen Lösung bereit. Die muss man nur umsetzen, statt immer neu zu blockieren.“

 

Urankonzern URENCO entsorgt wieder Atommüll in Russland

Atommüll-Entsorgung nach Russland in der URENCO-Art: Offiziell ist abgereichertes Uran für die URENCO in Gronau ein Wertstoff. Für andere ist es Atommüll. Insgesamt 12.000 Tonnen dieses radio-chemisch brisanten Materials – einer Verbindung aus Uran und Fluor – werden bis Ende 2022 laut neuen Verträgen der URENCO quer durch Europa nach Russland verfrachtet. Das teilt die Bundesregierung jetzt auf eine Frage von Hubertus Zdebel von der Bundestagsfraktion DIE LINKE mit. (siehe unten in Wortlaut.) Rund 3600 Tonnen abgereichertes UF6 sind offenbar bereits nach Russland ausgeliefert. Bei der Verarbeitung entstehen große Mengen radioaktiver Abfälle, die in Russland bleiben werden. Nur eine geringe Menge davon wird später als wiederangereichertes Uran zurückkommen. Initiativen aus dem Münsterland hatten auf diese Atomtransporte vor kurzem aufmerksam gemacht. Die radioaktiven Reststoffe kommen laut Bundesregierung aus den drei URENCO-Anlagen in Gronau (BRD), Almelo (NL) und Capenhurst (GB).

Hubertus Zdebel: „URENCO betreibt unverantwortliche Atommüll-Geschäfte. Das Unternehmen, an dem ja auch die deutschen Konzerne E.on und RWE beteiligt sind, redet immer schönfärberisch von Wertstoff. Dabei geht es bei dieser Neuauflage mit den Russland-Exporten offenkundig darum, dass erhebliche Mengen Atommüll in Russland billig entsorgt werden. Das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft – die BAFA – ist für derartige Exporte zuständig und hier hat das Bundesumweltministeriums eine Zuständigkeit. Es ist ein Skandal, das URENCO solche miesen Geschäfte betreibt und das Bundesumweltministerium einfach nur zusieht und nichts unternimmt, um diesen Atommüllexport zu stoppen.“
Bereits vor rund zehn Jahren hatten derartige Atommüllexporte von URENCO nach Russland für Proteste gesorgt und dazu geführt, dass diese Methode der Abfallentsorgung nicht fortgesetzt wurde. Z.B. Greenpeace hatte darüber berichtet.
Zdebel weiter: „Die Uranfabrik in Gronau – ebenso wie die in Lingen – müssen endlich in den Atomausstieg einbezogen werden. Die Lizenz zum Dauerbetrieb muss entzogen werden. Im Frühjahr hatte die große Koalition aus CDU/CSU und SPD unsere Anträge zur Stilllegung dieser Uranfabriken im Bundestag abgelehnt. Dabei liegen die Gutachten, wie die Stilllegung atomrechtlich gemacht werden kann, in den Schubladen des BMU. Weil die Bundesregierung nicht eingreift, werden von den deutschen Uranfabriken weiterhin marode AKWs auch im grenznahen Ausland mit Uranbrennstoff versorgt und deren Betrieb wie in Doel und Tihange dank deutscher Beihilfe unterstützt. Und nun sieht die Bundesregierung dabei zu, wie unter einem Vorwand Atommüll billig im Ausland entsorgt wird.“

  • Siehe auch hier einen Bericht von Greenpeace über die früheren URENCO-Deals in Russland

Im Wortlaut, hier als PDF im Plenarprotokoll 19/117 (und auch hier):

Frage 24 – Antwort des Parl. Staatssekretärs Florian Pronold auf die Frage des Abgeordneten Hubertus Zdebel (DIE LINKE):
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Vereinbarungen zur Lieferung von abgereichertem Uran aus der in Gronau ansässigen Urenco zur Wiederanreicherung nach bzw. in Russland, von denen laut einem Medienbericht mit Bezug auf Informationen des Wirtschaftsministeriums in Nordrhein-Westfalen ein solcher Transport mit 600 Tonnen abgereichertem Uranhexafluorid stattgefunden hat, und wann soll nach Kenntnis der Bundesregierung Uran aus Gronau erstmals zur Umwandlung von Uranhexafluorid zu U3O8 nach Großbritannien zur dortigen neuen Konversionsanlage transport werden (www.sonnenseite.com/de/politik/scharfe-kritik-neuer-uranmuellexport-von-gronau-nach-russland.html)?
Die Urenco Enrichment Company Ltd. (UEC) und ihre europäischen Tochterfirmen Urenco UK (UUK), Urenco NL (UNL) und Urenco Deutschland GmbH (UD) haben im Jahre 2018 einen Anreicherungsvertrag mit der Fa. Tradewill Ltd., einer Vertriebstochter der russischen Firma Tenex, die – als Tochterunternehmen von Rosatom – in der nuklearen Ver- und Entsorgung tätig ist, geschlossen. Nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (MWIDE), welche die atomrechtlichen Aufsichtsbehörde Nordrhein-Westfalens ist, sieht der Vertrag vor, dass der Tenex in den Jahren 2019 und 2020 6 000 Tonnen (+/- 0,5 Prozent) abgereichertes Uran zur Wiederanreicherung zur Verfügung gestellt werden. Die wiederangereicherte Fraktion (Natururanäquivalent oder sogenanntes Product) geht zurück an die UEC. Urenco Deutschland zeigte dem MWIDE nunmehr an, dass zu dem Vertrag ein Zusatz vereinbart wurde, der vorsieht, dass in den Jahren 2019 bis 2022 von den drei Standorten der Urenco weitere 6 000 Tonnen Uran (+/- 0,5 Prozent) in Form von Uranhexafluorid (UF6) zur Wiederanreicherung bereitgestellt werden können. Zu einer Lieferung von abgereichertem Uran zur Konvertierung zu Uranoxid (U3O8) liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor. Eine Lieferung wird nach Auskunft des Unternehmens erst erfolgen, wenn das Uranoxidlager in Gronau in Betrieb genommen wurde. Ein hierfür erforderlicher Antrag liegt dem MWIDE nicht vor.

Zum Tode von Prof. Wolf-Dieter Narr

Das Komitee für Grundrechte und Demokratie trauert um seinen Mitbegründer, Wolf-Dieter Narr.

Wolf-Dieter Narr, wohl einer der wichtigsten kritischen Intellektuellen des Nachkriegsdeutschlands, geboren am 13. März 1937 in Schwenningen, ist am Samstag, den 12. Oktober 2019, in Berlin nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Impulsgebend für sein lebenslanges politisches Engagement war seine auch biographisch begründete radikale Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus. Seine Sensibilität für gesellschaftliche Verhältnisse, in denen Menschen erniedrigt, am aufrechten Gang gehindert, in ihrer körperlichen Unversehrtheit oder gar in ihrer physischen Existenz bedroht werden, ist auch der ständigen Präsenz der Opfer des Nationalsozialismus in seinem Denken und Fühlen geschuldet. Das „Nie wieder!“ nahm er ernst: Verhältnisse mit zu schaffen, die solche Herrschaftsabgründe nicht mehr zulassen.

Wolf-Dieter Narr lehrte von 1971 bis 2002 als Professor für empirische Theorie der Politik am Otto-Suhr-Institut (OSI) der Freien Universität Berlin und hat Generationen von Studentinnen und Studenten in ihrem beruflichen sowie politisch intellektuellen Werdegang kritisch begleitet und unterstützt. Ein lernender Hochschullehrer mit großem Herzen.

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Als akademischer Lehrer, stets emanzipatorisch praktisch orientiert, hat er viele Organisationsversuche der außerparlamentarischen, undogmatischen Linken in der Bundesrepublik Deutschland begleitet, u.a. das Sozialistische Büro seit 1969 sowie das Komitee für Grundrechte und Demokratie, das er vor vierzig Jahren 1980 mitbegründete und das er über viele Jahre als Sprecher wirkungsvoll vertreten hat. So oft er konnte, mischte er sich wortmächtig in die bundesrepublikanischen Verhältnisse ein, kritisierte sie und legte ihre demokratischen sowie menschenrechtlichen Defizite offen. Zu seiner herrschaftskritischen Haltung gehörte auch die Gründung des „Instituts für Bürgerrechte & öffentliche Sicherheit“ 1978 und dessen Zeitschrift „Bürgerrechte & Polizei (CILIP)“, die Berichte, Analysen, Nachrichten zu den Themen Polizei, Geheimdienste, Politik der „Inneren Sicherheit“ und Bürger- und Bürgerinnenrechte herausgibt.

Zugleich sind viele praktisch demonstrative Initiativen von ihm mit ausgegangen: die bis heute unternommenen Demonstrationsbeobachtungen, um die Deutungshoheit über das Versammlungsgeschehen nicht der Polizei und den Medien zu überlassen (zuletzt 2007 in Heiligendamm und im Jahr 2013 bei Blockupy in Frankfurt/M.); der Volkszählungsboykott (1987), Protest und Bundestagsblockade gegen die Asylgrundrechtsdemontage (1993) und viele weitere Aktionen von Platzbesetzungen bis zum Versuch, eine Abschiebehaftanstalt in Worms zu entzäunen (1994) oder das Abschiebelager in Bramsche/Hesepe einer öffentlichen gewaltfreien Inspektion zu unterziehen (2005).

Wolf-Dieter Narr hat als Intellektueller, nimmermüder Pazifist und radikaler Humanist die Geschichte der sozialen Bewegungen in Deutschland tat- und wortkräftig mitgestaltet. Seine Leidenschaft galt auch der Weiterentwicklung einer kritischen und undogmatischen Sozialwissenschaft. Demokratie und Menschenrechte waren für ihn zwei Seiten einer Medaille. Wolf-Dieter Narr begriff Menschenrechte als emanzipatorische Menschheitsansprüche und -bedürfnisse, als „reale Utopien“, die Orientierung bei der Kritik herrschaftlich durchtränkter Verhältnisse zu geben vermögen. Davon zeugt eines seiner letzten umfangreichen Werke: „Trotzdem: Menschenrechte! Versuch, uns und anderen nach nationalsozialistischer Herrschaft Menschenrechte zu erklären.“ (2012) Dem Ziel, Menschen wirklichkeits- und urteilsfähig zu machen, galt sein lebenslanges politisches und wissenschaftliches Engagement.

Auf der von Dr. Fabian Georgi betreuten Website https://wolfdieternarr.de/ (link is external) finden sich alle Informationen über Wolf-Dieter Narr sowie eine umfassende Bibliographie seiner Arbeiten und politischen Interventionen, die zum größten Teil  auch online zugänglich sind.

Köln, den 14. Oktober 2019 | für das Komitee für Grundrechte und Demokratie

Dirk Vogelskamp

Anlage: Nachrufe von: Uta von Winterfeld, Peter Grottian, Claus Leggewie, Rudolf Walther

Atommülllager-Suche ohne Geo-Daten? Fehlende Transparenz gefährdet gesamten Prozeß

Immer noch fehlt ein unterirdisches Atommülllager für hochradioaktiven Abfall. Jahrzehntelang haben Konzerne und Regierungen aus CDU, FDP und SPD am ungeeigneten Standort Gorleben festgehalten. Per angeblichem Neustart ist ein neues Suchverfahren gestartet worden. Alles soll besser und transparenter werden. Doch schon jetzt gibt es Probleme. Beim notwendigen Geodaten-Gesetz geht es nicht voran.

„Wir sind hochgradig alarmiert. Ohne Geologie-Datengesetz kann kaum Transparenz in der Endlagersuche hergestellt werden. Ohne eine rasche Verabschiedung des Gesetzes droht das Verfahren zu scheitern“, sagte der Linken-Abgeordnete Hubertus Zdebel heute im Background des Tagesspiegel. Der Grund: Weil die Daten über den geologischen Untergrund in vielen Fällen Unternehmen gehören, können Behörde diese nach geltendem Recht nicht einfach veröffentlichen, um für BürgerInnen nachvollziehbar zu machen, warum ihre Region weiter erforscht werden soll – nicht. Ein Referentenentwurf liegt zwar seit Monaten vor, aber die Bundesregierung beschäftigt sich nicht damit.

Zdebel sagte außerdem: „Transparenz ist das Fundament der Standortsuche. Dieses Versprechen muss von Anfang an eingelöst werden. Andernfalls wird es schwer, die Akzeptanz der Bevölkerung zu gewinnen.“

Weiter heißt es mit Blick auf die Äußerungen von Zdebel im Background des Tagesspiegel: „Es muss sichergestellt werden, dass alle Daten, die in der Endlagersuche Verwendung finden, veröffentlicht werden“, sagte Zdebel. Ähnlich wie das Nationale Begleitgremium fordert er eine Beweislastumkehr für die Veröffentlichung von Daten: Im Gesetz solle festgeschrieben werden, dass BGE und Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit nur über mögliche Ausnahmen von einer öffentlichen Bereitstellung entscheiden – alle weiteren verwendeten Daten sollten veröffentlicht werden.“

Der Autor Matthias Jauch schreibt in dem Background-Artikel unter dem Titel „Zermürbendes Warten aufs Geodatengesetz“ auch darüber, dass in anderen Staaten der Umgang mit solchen Geodaten „handhabbaer“ gestaltet ist und deutlich kürzere Fristen für eine Veröffentlichung der Daten gelten, also jetzt in Deutschland vorgesehen ist.

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