Wachsende Gefahren des Einsatzes von Atomwaffen: Nuklearer Winter hätte den Hungertod von zwei Milliarden Menschen zur Folge

„Neben der Klimakrise sei ein Atomkrieg die „größte Bedrohung im 21. Jahrhundert“, sagte Dr. Angelika Claußen von der Organisation International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW). Ihre Organisation sehe die Welt in höchster Gefahr seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die russische nukleare Drohung gegenüber der Ukraine bringe die „Gefahr des Atomkriegs zurück nach Europa“. Alle Nuklearwaffenstaaten rüsteten ihr nukleares Arsenal auf, es bestehe eine „erhebliche Eskalationsgefahr“. Ein Einsatz von Atomwaffen ließe sich nicht lokal begrenzen, ein globaler nuklearer Winter hätte den Hungertod von zwei Milliarden Menschen zur Folge.“ So berichtet die Homepage des Deutschen Bundestags über eine öffentliche Anhörung im Unterausschuss  Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung vom letzten Montag. In Folge eines Atomwaffeneinsatzes werden großen Mengen Staub und radioaktive Strahlung in der Atmoshäre verteilt. Die globalen Folgen einer deutlichen Temeperaturabsenkung mit u.a. erheblichen Ernteausfällen wird als nuklearer Winter bezeichnet.

IPPNW und die Internationale Kamapagne für ein Atomwaffenverbot ICAN werden Anfang Juli ein Zukunftscamp gegen Klimakrise und Atomgefahren in NRW nahe den Braunkohlegebieten bei Köln durchführen. Auch der BUND wird mit einer Veranstaltung im Camp vertreten sein. Auf seiner Bundesdelegiertenversammlung im November 2022 in Dresden hatte der Umweltverband beschlossen, als Partner der internationalen Kampagne ICAN beizutreten.

UmweltFAIRaendern dokumentiert von der Homepage des Deutschen Bundestags den Bericht zur Anhörung sowie den Videomitschnitt:

Auswärtiges

Experten äußern sich besorgt zur globalen Abrüstungsarchitektur

„Die Zukunft der globalen Abrüstungs- und Rüstungskontrollarchitektur“ war Thema einer öffentlichen Anhörung des Unterausschusses Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung am Montag, 8. Mai 2023. Fundamental verändert habe der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und der militärische Aufstieg Chinas die Rahmenbedingungen für Abrüstung und Rüstungskontrolle, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Armin Laschet (CDU/CSU).

Zugleich hätten diese Ereignisse die grundsätzliche Notwendigkeit andauernder Bemühungen in dem Bereich umso deutlicher gemacht. „Die Frage der Abrüstung bleibt auf der globalen Tagesordnung, um in einer multipolaren Welt wirkungsvoll Frieden und Sicherheit zu gewährleisten.“

Das Video über die Anhörung im Bundestag ist hier online: https://dbtg.tv/cvid/7553428

Physiker besorgt mit Blick auf neue Militärtechnologie

Die internationale Abrüstungsarchitektur sei leider heute zu einer Ruine verkommen, stellte Dr. Jürgen Altmann von der Technischen Universität Dortmund fest. Der Einsturz habe bereits vor 20 Jahren begonnen und sei durch den russischen Angriffskrieg erheblich verschärft worden. Für die eigene nationale Sicherheit bleibe die Zusammenarbeit und Vertrauensbildung bei der Abrüstung und Rüstungskontrolle aber unerlässlich. In den letzten zehn Jahren habe es auf dem Gebiet der Militärtechnologie besorgniserregende Entwicklungen gegeben, so der Physiker. So lasse die größere Zielgenauigkeit von Nuklearwaffen und eine kleinere Sprengenergie die Schwelle für deren Einsatz sinken. Künstliche Intelligenz werde in Entscheidungssystemen eingesetzt mit dem Ziel, den Gegner an Schnelligkeit zu übertreffen. Der Druck zu schnellem Handeln könne in einer Krise zu einer unbeabsichtigten Eskalation führen. Viele Neuentwicklungen im militärischen Bereich gefährdeten das Kriegsvölkerrecht.

Deutschland solle sich bei den USA und Russland für eine fortgesetzte Rüstungskontrolle und weitere Abrüstungsschritte stark machen, in der Nato für Zurückhaltung eintreten, im Bereich der konventionellen Streitkräfte für einen neuen KSE-Vertrag einsetzen und für eine Reaktivierung der vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen der OSZE werben. Die Wirkung autonomer Waffensysteme müsse durch eine abgestufte menschliche Steuerung eingehegt werden. Insbesondere Systeme, die Druck zum schnellen Zuschlagen erzeugen, sollten abgerüstet werden. Militärische Stabilität müsse das Hauptkriterium bei den Bemühungen um die globale Abrüstungs- und Rüstungskontrollarchitektur sein.

Paradigmenwechsel in der Sicherheitspolitik gefordert

Neben der Klimakrise sei ein Atomkrieg die „größte Bedrohung im 21. Jahrhundert“, sagte Dr. Angelika Claußen von der Organisation International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW). Ihre Organisation sehe die Welt in höchster Gefahr seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die russische nukleare Drohung gegenüber der Ukraine bringe die „Gefahr des Atomkriegs zurück nach Europa“. Alle Nuklearwaffenstaaten rüsteten ihr nukleares Arsenal auf, es bestehe eine „erhebliche Eskalationsgefahr“. Ein Einsatz von Atomwaffen ließe sich nicht lokal begrenzen, ein globaler nuklearer Winter hätte den Hungertod von zwei Milliarden Menschen zur Folge.

Die Sicherheitspolitik brauche einen Paradigmenwechsel. Oberstes Leitprinzip müssten Kooperation und gemeinsame Sicherheit, mit dem Ziel der Abrüstung und des Klimaschutzes, sein statt Konfrontation und Konkurrenz. Die G7-Staaten sollten ein starkes Zeichen setzen für nukleare Rüstungskontrolle und Abrüstung. Deutschland solle die fünf im UN-Sicherheitsrat vertretenen Atommächte zu einer Erklärung drängen, in der diese dem Ersteinsatz von Atomwaffen abschwören. Zudem müsse die Bundesregierung die zweite Staatenkonferenz zum Atomwaffenverbotsvertrag begleiten und einen deutschen Beitritt zu dem Vertrag anstreben.

„Rote Linien für Rüstungsprojekte“

Deutschland müsse sich endlich zu dem Thema autonomer Waffensysteme und deren menschlicher Kontrolle positionieren, forderte Anja Dahlmann vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik Hamburg (IFSH) und wies auf den Handlungsdruck und den gleichzeitig noch bestehenden politischen und internationalen Handlungsspielraum in diesem Bereich des humanitären Völkerrechts hin, in dem noch entsprechende spezifische Regulierungen fehlten. Es brauche eine Normierung der menschlichen Kontrolle bei derartigen autonomen Gewalteinsätzen, um rechtliche und ethische Anhaltspunkte in der Frage der Zurechenbarkeit und Verantwortung zu erhalten. Aufgrund des „Eskalationspotenzials“ stelle die „menschliche Kontrolle in bewaffneten Konflikten einen wichtigen Faktor“ dar.

Mit der Konvention über bestimmte konventionelle Waffen (CCW) lägen vielversprechende Vorschläge für eine internationale Regulierung auf dem Tisch. Und während es darüber hinaus Vorstöße verschiedener Länder in dem Bereich gebe, vermisse sie ein deutsches Konzept zur menschlichen Kontrolle über den autonomen Gewalteinsatz, das über die bisherigen Vorgaben des Verteidigungsministeriums und des Auswärtigen Amtes sowie über den einen Satz im Koalitionsvertrag hinausgingen. Andere Staaten seien da deutlich weiter. Bei der Formulierung von Design und Nutzungsvorgaben für entsprechende Waffensysteme und einer Beschreibung der menschlichen Rolle dabei müssten die Bundesregierung aber auch der Gesetzgeber eine profiliertere Rolle spielen, forderte die Friedensforscherin. Es brauche zudem eine öffentliche Debatte. So weitreichende Entscheidungen dürften nicht privaten Akteuren wie der Rüstungsindustrie überlassen werden. Das Parlament müsse „Kristallisationspunkt der Debatte“ sein und rote Linien für Rüstungsprojekte ziehen.

Ansatz der „verhaltensorientierten Rüstungskontrolle“

Der Ansatz einer sogenannten „verhaltensorientierten Rüstungskontrolle“ könne eine „Brückenfunktion“ einnehmen, „bis klassische Rüstungskontrolle wieder möglich“ werde, sagte Dr. Ulrich Kühn, ebenfalls IFSH. Die klassische formalisierte amerikanisch-russische Nuklearwaffenkontrolle sei am Ende. Deren Wiederbelebung erscheine zum jetzigen Zeitpunkt sehr unwahrscheinlich. Die Reste klassischer Rüstungskontrolle müssten aber unbedingt bewahrt werden. Die Liste gescheiterter Verträge sei lang. Sie reiche vom ABM-Vertrag, über den INF-, New Start- und KSE-Vertrag bis zum Vertrag über den offenen Himmel. Verantwortlich für das Scheitern sei der zunehmende geopolitisch-militärische Wettbewerb zwischen Russland und den USA, zunehmend ergänzt durch das Auftreten Chinas. Hinzu komme eine zunehmende Vermischung einst separater militärischer Domänen: der nuklearen, konventionellen, dem Cyberspace und dem Weltraum, befeuert durch militärtechnologische Innovationen. Schuld am Scheitern aber trage auch der politische Antagonismus in den USA, der sich häufig in gegensätzlichen Positionen zur Rüstungskontrolle ausdrücke.

Eine „Wiederbelebung der klassischen Rüstungskontrolle mit vertraglich vereinbarten Obergrenzen für einzelne Waffenkategorien“ sei „momentan nicht absehbar“. Mit einer verhaltensorientierten Rüstungskontrolle müssen man einen völligen Neuansatz wagen. Einen Anknüpfungspunkt dazu biete die Bali-Erklärung der G20-Staaten, in der diese den Einsatz nuklearer Waffen oder die Androhung ihres Einsatzes für unzulässig erklärten und damit eine zentrale Verhaltensnorm des Nuklearzeitalters formuliert hätten. Verantwortungsorientiertes Verhalten sei mehr und mehr zu beobachten. Verhaltensorientierte Rüstungskontrolle könne einen „wichtigen Beitrag zu Frieden und Stabilität leisten“. Ziel müsse eine „politisch verbindliche Charta mit breit akzeptierten Verhaltensstandards“ sein, forderte Kühn. Der Westen unter Führung der USA solle die Initiative ergreifen, sich auf gemeinsame Verhaltensstandards verständigen und die großen Länder des globalen Südens ebenso wie Russland und China einbeziehen

Wettbewerb der Großmächte

Dr. Jonas Schneider, von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, sah als zentrale Ursache für die Erschütterung der klassischen nuklearen Kontrollsysteme die revisionistische Außenpolitik Russlands und Chinas. Diese unterfütterten Moskau und Peking mit stärkeren nuklearen Fähigkeiten. „Auf absehbare Zeit“, solange China und Russland international anerkannte Grenzen in Frage stellten, würden „nennenswerte Reduzierungen bei den nuklearen Arsenalen nur sehr schwer möglich“ sein. Wie die Abrüstungsbemühungen stehe auch die Rüstungskontrolle unter negativen Vorzeichen. Der New Start-Vertrag werde Anfang 2026 auslaufen oder schon vorher kollabieren, wenn nicht bald an seiner Verlängerung gearbeitet werde. Aber auch nach dem Ende der vertragsgemäßen Rüstungskontrolle bleibe eine Begrenzung der russischen und amerikanischen strategischen Nuklearwaffenarsenale möglich, so der Wissenschaftler. So spreche sich Moskau für Obergrenzen aus, da es ohne eine Begrenzung ins Hintertreffen zu geraten drohe.

Die USA wiederum wollten auch China abschrecken und seien zu einer Festschreibung der bisherigen Obergrenzen nur bereit, wenn sich auch Peking auf einen solchen Schritt einlassen würde. Sich bei der Rüstungskontrolle nur auf Verhaltensweisen zu einigen, greife zu kurz. „Das nukleare zahlenmäßige Kräfteverhältnis“ bleibe „die zentrale Währung im Wettbewerb der Großmächte“. Daher müsse „Rüstungsbegrenzung auch künftig das oberste Ziel der Rüstungskontrolle“ bleiben. Die Chance, zu Ergebnissen mit Russland und China zu kommen, stiegen mit der Fähigkeit der USA zur eigenen Nachrüstung, da Washington dann genug Verhandlungsmacht gegenüber diesen beiden Ländern habe. Die amerikanische Rüstungskontrollpolitik werde sich künftig noch stärker auf die Befähigung zur Nachrüstung stützen. Deutschland sollte dies unterstützen.

„Auch auf nichtvertragliche Maßnahmen setzen“

Dass Abrüstung und Rüstungskontrolle kein Selbstzweck seien, sondern Teil der Sicherheitspolitik, unterstrich Dr. Oliver Thränert vom Center for Security Studies der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Verteidigungsfähigkeit und eine glaubhafte nukleare Abschreckung stellten die Basis einer erfolgreichen Sicherheitspolitik dar, so der Wissenschaftler. „Aber wir brauchen auch Rüstungskontrolle als Element der Kooperation zwischen Gegnern.“ Die Stabilisierung der Abschreckung liege im beiderseitigen Interesse. Im Kalten Krieg hätten vertragliche Vereinbarungen zur Begrenzung, Reduzierung und Stabilisierung beigetragen. Die Verhandlungen hätten Transparenz sowie das gegenseitige Verständnis und Vertrauen gefördert. Mit Russland, das sich von einer Status quo-Macht zu einem revisionistischen Spieler gewandelt habe, werde man aber wohl schwerlich zu neuen Vereinbarungen der Rüstungskontrolle mit dem Ziel einer Stabilisierung der gegenwärtigen Ordnung kommen. Nach dem Untergang der Sowjetunion, wolle Moskau die europäische Landkarte wieder in seinem Sinne verändern.

China zeige sich in keiner Weise an nuklearer Rüstungskontrolle interessiert, sondern betrachte diesen Ansatz nur als Falle, um seinen Aufstieg zu bremsen. Die USA wiederum sähen in China eine so große Bedrohung, dass die Zeit bilateraler amerikanisch-russischer Abkommen nun vorüber sei. Trilaterale Abkommen unter Einbeziehung Chinas führten vermutlich dann zu viel höheren Obergrenzen. Man müsse bei der Rüstungskontrolle auch auf nichtvertragliche Maßnahmen setzen. Das eigene glaubhafte nukleare Abschreckungsdispositiv bleibe für die Nato essenzielle Voraussetzung, um überhaupt mit einer starken Verhandlungsposition mit den revisionistischen Mächten Russland und China in Verhandlungen gehen und Rüstungskontrolle wagen zu können, gab Thränert zu bedenken. Deutschland müsse durch seine nukleare Teilhabe dazu beitragen, beispielsweise durch die Beschaffung der F35-Kampfflugzeuge. Diese würden es der Allianz zudem erlauben, keine Kernwaffen in zusätzlichen Nato-Staaten zu stationieren. Moskau sollte dies als Zurückhaltung der Nato interpretieren. (ll/10.05.2023)

Zeit: Montag, 8. Mai 2023, 17 Uhr bis 19 Uhr
Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.900

Trotz Krieg: Ungestörte Urangeschäfte – Russisches Uran über emsländisches Lingen nach Kasachstan für Chinas AKW mit französischer Hilfe und deutschen Genehmigungen

Der im niedersächsischen Lingen ansässige Urankonzern Advanced Nuclear Fuels ANF darf 6.000 Kg in Uranbrennstäben in eine Atomfabrik nach Kasachstan liefern. Der Transport dürfte bereits stattgefunden haben. Das geht aus einer Liste hervor, die vom Bundesministerium für Umwelt und zuständigen Bundesamt (BMUV) auf der Homepage veröffentlicht ist. In Kasachstan werden neue Uran-Brennelemente hergestellt, z.B. für den Einsatz in chinesischen AKWs. Lingen gibt derzeit intensiv Starthilfe für Aufbau und Inbetriebnahme der Anlage Ulba-FA fuel in Kasachstan. Auch Maschinen wurden geliefert. Der Grund: Betreiber in Lingen ist der französische Atomkonzern FRAMATOME. Auch in Kasachstan ist Framatome beteiligt. Trotz des Krieges Russlands gegen die Ukraine und den Sanktionen im Energiebereich ist der Handel mit Atombrennstoffen seitens der EU ohne jede Einschränkungen. Framatome plant in Lingen sogar, mit direkter russischer Hilfe die Herstellung von speziellen Brennelementen für den Einsatz in den osteuropäischen Staaten mit russischen Reaktoren. Ein entsprechender Genehmigungsantrag der ANF liegt dem niedersächischen Umweltministerium zur Entscheidung vor.

Die Fakten: „ANF, Advanced Nuclear Fuels“ darf „UO2/Gd2O3-Brennstäbe (6.000 kgU)“ von ANF, Advanced Nuclear Fuels“ an „ULBA-FA LLP Ust-Kamenogorsk“ transportieren. Die Genehmigung ist gültig ab „04.05.2023“ und gültig bis „03.05.2024“. Siehe hier: Ausfuhrgenehmigungen laut BMUV – 8.5.2023 (PDF) oder hier direkt.

Das Uran in den Brennstäben aus Lingen nach Kasachstsan könnte aus Russland stammen oder dort angereichert worden sein. Die ANF Lingen hat auch während des Kriegs in der Ukraine Uran aus Russland erhalten, oftmals per Schiff und LKW aus Russland über Frankreich.

Während Deutschland die letzten Atomkraftwerke stillgelegt hat, setzt Frankreich – auch in enger Zusammenarbeit mit östlichen Staaten inklusive Russland, auf einen massiven Ausbau der Atomenergie. Wie es mit den Atomgeschäften am Standort Lingen zwischen Atomausstieg, Krieg und Frankreichs Atomkurs weitergeht, dürfte auch das Bundeswirtschaftsministerium und das Auswärtige Amt interessieren. Die nächste schwere Konfrontation um die Zukunft oder den Ausstieg aus Atomenergie dürfte bevorstehen und das deutsch-französische Verhältnis und die EU angehen. Zuletzt hatte es sowohl in Sachen Kohle und Atom Deals zwischen Deutschland und Frankreich gegeben. Kontrovers ist der Atom-Kurs in Sachen Taxonomie und zuletzt war auch die Frage der Wasserstoffherstellung Streitthema. Aktueller Kommentar in der Taz hier.

  • Ulba-FA fuel gehört zum staatlichen Konzern Kazatomprom. Auch Uran wird in Kasachstan im großen Stil abgebaut und nach Westeuropa und Russland geliefert. Über die neue Uranfabrik berichtete die atomfreundliche World Nuclear News hier im Dezember 2022. Über ULBA hier. Und KASATOMPROM hier.

Das BMU veröffentlicht die Liste von Atomtransporten mit Kernbrennstoffen regelmäßig auf seiner Seite, nach dem wiederholt heftige Proteste gegen die Geheimniskrämerei um diese gefährlichen Transporte gegeben hat. Transporttermine und Stoffe werden immer erst veröffentlicht, nachdem sie durchgeführt worden. Die notwendigen Genehmigungen für den Transport innerhalb der Bundesrepublik werden veröffentlicht, nachdem der erste Transport im Rahmen der vom Bundesamt für die Sicherheit der kerntechnischen Entsorgung  erteilten Genehmigung durchgeführt wurde.

Dokumentation: First fuel from Ulba-FA fuel delivered to customer – 08 December 2022

 The first batch of fresh nuclear fuel from the Ulba-FA LLP joint partnership has been delivered to a Chinese nuclear power plant, Kazatomprom has announced. The shipment of AFA 3G ТМ fuel assemblies – equivalent to one reload (a little over 30 tonnes of low-enriched uranium) have been accepted by the end customer, China General Nuclear Power Corporation (CGNPC-URC). 

The 34 containers of fresh fuel were transported by rail (Image: Kazatomprom)

The Ulba-FA fuel assembly plant, which uses Framatome fuel assembly manufacturing technology and equipment manufactured in China, France and the USA, began operations in November 2021. The plant has a capacity of 200 tU per year and has guaranteed sales market for 20 years ahead, Kazatomprom said.

Kazatomprom CEO Yerzhan Mukanov said the plant has allowed the company to diversify by producing a high-tech, export oriented high value-added uranium product.

„Successful product delivery to the Chinese partners confirmed the reputation of Kazatomprom as a reliable and favorable supplier on the global nuclear fuel market,“ he said.

Ulba-FA LLP is a joint venture of Kazatomprom subsidiary UMP JSC and CGNPC-URC.

Researched and written by World Nuclear News

IPPNW bei Anhörung im Bundestag zur nuklearen Abrüstung und Rüstungskontrolle – UN-Atomwaffenverbotsvertrag unterschreiben – Bombenopfer unterstützen

Wie kann es im Angesicht des russischen Krieges in der Ukraine und sich weiter verschärfender globaler Konflikte zu internationalen Abrüstungs- und Rüstungskontrollregelungen kommen? Darüber berät am 8. Mai im Deutschen Bundestag der Unterausschuss „Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung“ des Auswärtigen Ausschusses in einer öffentlichen Anhörung. Mit dabei ist auch die Vorsitzende der mit Nobelpreis ausgezeichneten Ärzt:innen zur Verhütung des Atomkriegs IPPNW, Angelika Claussen. Sie wird sich in ihrem Beitrag auch um die bis heute anhaltenden Folgen für Menschen und Umwelt in den von den damaligen oberirdischen Atomwaffentests befassen. Die Anhörung wird live im Parlamentsfernsehen übertragen. Die IPPNW und viele andere Partner – darunter der BUND – unterstützen die Internationale Kampagne für den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen.
Der Atomwaffenverbotsvertrag fordert die internationale Staatengemeinschaft ausdrücklich auch dazu auf, die Opfer zu unterstützen. Auch die ebenfalls mit einem Nobelpreis ausgezeichnete Internationale Kampagne für ein Atomwaffenverbot – ICAN – setzt sich für Hilfsmaßnahmen für die Atomwaffen-Test-Opfer ein.

Umweltausschuss im Bundestag: „Austausch über die Atomkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima sowie die aktuelle Situation in Saporischschja“

Wachsende Atomkriegsgefahren wegen Krieg Russlands in der Ukraine: Saporischschja. Da wären natürlich: die tatsächlichen Katastrophen von Tschernobyl, von Fukushima. Atomenergie ist keine zukunftsfähige Technik. Auf Antrag der Linksfraktion wird der Umweltauschuss des Deutschen Bundestages am 15. März 2023 von 11 bis 13 Uhr zu einem „Austausch über die Atomkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima sowie die aktuelle Situation in Saporischschja“ zusammen kommen.

Angelika Claußen von den mit Nobelpreis ausgezeichneten „Internationalen Ärzt:innen zur Verhütung der Atomgefahren“ (IPPNW) wird dabei sein. Außerdem die unabhängige Atomphysikerin Oda Becker.

Themen unter anderem: „Fukushima und Einleitung von radioaktivem Tritium in den pazifischen Ozean“ oder „Die Lage für Technik und Personal des umkämpften AKW in der Ukraine“. Aber auch über bundesdeutsche Uranfabriken oder auch die Bedeutung Russlands in der europäischen Atomwirtschaft, wird zu reden sein.

  • Die Homepage des Umweltausschusses im Deutschen Bundestag ist hier online. Dort werden auch die Termine öffentlicher Anhörungen bekannt gegeben. Hier direkt: https://www.bundestag.de/ausschuesse/a16_umwelt/anhoerungen/937308-937308

Bundesamt: „Atomenergie war und ist stets auch mit einem militärischen Interesse verbunden“

„Der Einstieg in die Nutzung der Atomenergie war und ist stets auch mit einem militärischen Interesse verbunden. Die Verbreitung von Atomwaffen und dem dazugehörigen Knowhow zu verhindern, bleibt eine dauerhafte Herausforderung für die globale Sicherheit.“ In dieser Deutlichkeit betont das „Bundesamt für die Sicherheit in der kerntechnischen Entsorgung“ (auf Seite 55) in einer vor wenigen Wochen (09/2022) veröffentlichten Broschüre den zivil-militärischen Zusammenhang der Atomenergie. Die Broschüre handelt laut Titel vom „Atomausstieg in Deutschland“.  Vom Dual-Use, der sowohl zivilen als auch militärischen Verwendbarkeit der Atomtechnik ist die Rede, wenn es um Eigenschaften oder Fähigkeiten geht, die aus Atomstrom Atombomben entstehen lassen. Beide Seiten dieser Medaille bergen katastrophale Risiken bis zur Vernichtung der Menschheit in sich. Davon, und von den Bergen Atommüll, deren dauerhaft sichere Lagerung bis heute weltweit ungeklärt ist, wird geschwiegen, wenn es um Laufzeitverlängerungen für das Atom geht. Die FDP will lieber über Chancen und Freiheit sprechen, statt über Risiken des Atomwahnsinns.

In der Broschüre des Bundesamts werden viele weitere Themen der Atomenergie behandelt, die dort faktenreich dargestellt werden, aber in vielen Punkten auch eben einer lediglich der „herrschenden“ Rechtslage entsprechenden Position folgen und nicht immer der fachlichen Kritik und den Forderungen einer zivil-gesellschaftlich gemeinwohlorientieren demokratischen Gesellschaft genügen oder genügen können. Insofern ist immer auch an den Maßnahmen und Vorgehensweisen zu zweifeln. Das Bundesamt gibt hier aber eine Einordnung, welche Konflikte es als dem Bundesumweltministerium nachgeordnete Behörde bei der Frage des zivil-militärischen Zusammenhangs der Atomenergie sieht – und einen Hinweis, warum sich die Debatte um die Atomenergienutzung vor allem mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und den neuen Bedrohungen hinsichtlich von Angriffen auf Atomanlagen als nukleare Ziele – endlich auch diese Aspekte und Risiken einbeziehen sollte. Für viele Medien bislang kein Thema.

Als Statement für BaSE wird in der Broschüre ein Beitrag von Prof. Dr. Malte Göttsche, Forschungsgruppe Nukleare Verifikation und Abrüstung, RWTH Aachen (auf Seite 26) veröffentlicht. Dessen Einleitung lautet: „Risiken der Atomenergie bestehen nicht nur im Bereich der Sicherheit. Der nukleare Brennstoffkreislauf ist die wesentliche Voraussetzung, um Spaltmaterialien für die Verwendung in Atomwaffen zu produzieren. Ein wesentliches Problem dabei ist, dass anhand technischer Merkmale nicht erkannt werden kann, ob beispielsweise ein Reaktor zum Ziel der Energieproduktion oder zur Erbrütung von Plutonium für Waffen betrieben wird. Er kann gleichermaßen für beide Zwecke eingesetzt werden, ist also eine sogenannte „Dual-use“-Technologie.“

Selbst wenn man es gar nicht wollte – Atomenergie für Atomwaffen zu „missbrauchen“: Es kann auch aus „Versehen“ oder als Unfall geschehen. „Ein prägnantes Beispiel für die Dual-Use-Problematik ist, dass Pakistan dadurch an Anreicherungstechnologie gelangte, weil der Wissenschaftler A. Q. Khan Einblicke in die zivile Anreicherungstechnologie von URENCO erhielt, einem britisch-deutsch-niederländischen Unternehmen, und dann Pläne entwenden konnte. Auch die Anlagen im Iran und vielleicht Nordkorea beruhen hierauf.“ Anderes gesagt: Ein Wissenschaftler hat wichtige Unterlagen zur Herstellung von Atomwaffen geklaut und damit Pakistan zur Atomwaffenmacht verholfen.

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