Vattenfall steigt aus – Schweden wählt neu

Vattenfall-AKW-Brunsbuettel-Dez2013-15Nach nur wenigen Monaten und einem gescheiterten Haushalt wird in Schweden eine neue Regierung gewählt. An dem Ausstieg von Vattenfall aus der Braunkohle ebenso wie aus anderen Geschäftsfeldern in Deutschland ändert sich jedoch nichts. Da berichtet RBB, dass Vattenfall „versichert: Egal wie die Neuwahl ausgeht, Brandenburgs Braunkohle wird verkauft.“

Weiter heißt es dort: „Ein Sprecher der Vattenfall GmbH sagte am Mittwoch in Berlin: „Den Auftrag, strategische Optionen für das deutsche Braunkohlegeschäft bis Mitte nächsten Jahres zu prüfen, haben wir von unserem Verwaltungsrat und nicht von der schwedischen Regierung Ende Oktober erhalten“.“

Der Ausstieg aus dem Deutschland-Geschäft und der Braunkohle wird bereits seit langem vorbereitet. Die aktuelle Regierung hat daran bislang nur geringen Anteil. Schon vor über einem Jahr hatte Vattenfall mit einer umfassenden Umstrukturierung des gesamte kontinentale Geschäft von der skandinavischen Mutter abgetrennt. Ebenfalls hatte der Konzern schon Ende 2013 erklärt, dass er mit Blick auf die Braunkohle auf der Suche nach einem strategischen Partner sei, aber durchblicken lassen, dass es im Grunde um einen Komplettausstieg gehen würde. Seitdem bereitet sich auch die rot-rote Landesregierung in Brandenburg hinter verschlossenen Türen auf einen Verkauf der Braunkohle in der Lausitz vor.

Offiziell gilt immer noch, dass ein tschechischer Investor an einer Übernahme interessiert sei. Allerdings soll laut Medienberichten aus dem Frühjahr auch der Einstieg des Landes Brandenburg eine Option gewesen sein. Auf ihrem Parteitag vor wenigen Tagen hatten die Grünen in Brandenburg erklärt: „Einen Einstieg des Landes Brandenburg lehnte Schinowsky ab: „Wir brauchen keinen VEB-Braunkohle mit einem Weiter so“, sagte Schinowsky. “Eine verantwortungsvolle Brandenburger Energiepolitik muss Vattenfall beim Umsteuern aktiv begleiten“, forderte die Energieexpertin in Neuruppin.“

Während die Regierung in Schweden zerfällt, machten sich die Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen heute auf den Weg nach Stockholm. Dietmar Woidke (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU) wollen mit „Politikern und dem Vattenfall-Management über die Braunkohle-Verkaufspläne des schwedischen Staatskonzerns sprechen und für den Erhalt von Tausenden Arbeitsplätzen kämpfen. Zunächst trafen sich die Ministerpräsidenten mit dem deutschen Botschafter, wie der brandenburgische Regierungssprecher, Thomas Braune, sagte. Danach sollten Gespräche mit dem schwedischen Wirtschaftsminister Mikael Damberg und Vertretern des Wirtschaftsausschusses folgen. Für Freitag ist das Treffen mit Vattenfall angesetzt.“ Das berichtet der Focus. Auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will sich mit der schwedischen Regierung über die weiteren Maßnahmen und Schritte von Vattenfall besprechen.

Atomkonzern E.on gründet Bad-Bank für Atom, Kohle und Gas

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E.on Chef Johannes Teyssen: Bad-Bank als Krisenreaktion

Wie die anderen Stromkonzerne steckt E.on in einer schweren Krise. Der Konzern hat jetzt angekündigt, sich selbst aufspalten zu wollen. Die ehemals gewinnträchtige Sparte Atom, Kohle und Gas soll bis 2016 abgespalten und in eine eigene Gesellschaft überführt werden. Quasi die Gründung einer Bad-Bank unter neuem E.on-Label. Über diese Ankündigungen berichten zahlreiche Medien wie n24 oder die Welt. Die Tagesschau, aber auch die Grünen (Spiegel) und die Linken sprechen bei dieser Umstrukturierung von einer Bad-Bank-Gründung. Diese könnte auch Folgen für die SteuerzahlerInnen haben, denn bis heute ist unklar, ob die Krise der Konzerne nicht auch die gebildeten Rückstellungen für die Atommüll-Entsorgung gefährdet.

Die Krisenmeldungen bei den Konzernen E.on, RWE, Vattenfall und sogar dem französischen Atomgiganten AREVA haben in den letzten Monaten immer mehr an Schärfe gewonnen. Mehrfach mussten die Konzerne nach jahrelangen Fehlinvestitionen und einer katastrophal unsinnigen Unternehmensausrichtung schwere Verlustabschreibungen durchführen. Viele tausend Arbeitsplätze müssen deshalb gestrichen werden.

Jetzt heißt es auf tagesschau.de: „Der hoch verschuldete Energiekonzern E.ON trennt sich von dem Bereich, der einmal die Keimzelle des Unternehmens war: Das bisherige Kerngeschäft mit konventioneller Energieerzeugung aus Kohle, Öl, Gas und Atomkraft soll abgegeben werden. Diese Geschäftsfelder werden abgespalten und in eine neue eigenständige Gesellschaft überführt. Dann sollten sie über einen Börsengang an die Aktionäre übertragen werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Die verbleibenden Minderheitsanteile würden mittelfristig über die Börse verkauft werden.

Die neue Strategie solle aber „kein Programm zum Abbau von Arbeitsplätzen“ sein, sagte der Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen. Die Details sollen am Vormittag in einer Pressekonferenz erläutert werden.“

Über die Krise bei E.on und RWE auf umweltFAIRaendern.de insbesondere:

umweltFAIRaendern.de über die Kosten der Atommüllentsorgung.

 

Taumelnde Stromkonzerne – RWE und E.on droht De-Investment

03122012-akw-grohnde-90.jpgFür die wirtschaftlich ohnehin schwer angeschlagenen Stromkonzerne E.on und RWE droht ein weiterer schwerer Nackenschlag. Einer der wichtigsten Investoren, der norwegische Staatsfonds, überlegt auszusteigen. „Kaum verkauft Vattenfall das deutsche Braunkohlegeschäft, braut sich in Oslo etwas zusammen. Der mächtige Staatsfonds erwägt den Ausstieg aus dem Klimakiller Kohle und könnte RWE und Eon auf die schwarze Liste setzen – neben Waffen- und Tabakfirmen.“ Das berichtet das Manager-Magazin.

Nunmehr seit Jahren brechen den Stromkonzernen die Gewinne weg, hohe Verlustabschreibungen und massiver Personalabbau sind an der Tagesordnung. Auch die Aktienkurse sind auf Talfahrt. RWE, E.on und Vattenfall sind schwer angeschlagen. Vor allem die verschuldeten Kommunen und Städte in NRW bekommen die schlechte Geschäftslage von RWE direkt zu spüren. Steuern und Gewinnanteile sinken deutlich. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass selbst der französische Atomgigant AREVA vor der Pleite steht.

Der norwegische Staatsfonds ist laut MM mit einem Anteil von zuletzt 2,2 Prozent an RWE beteiligt, was einem „Wert von 340 Millionen Euro“ entspricht“. An E.on hielten die Norweger zuletzt 2,11 Prozent (592 Millionen Euro) – Platz drei unter den externen Investoren. Davor lag noch die norwegische Regierung selbst mit einem 2,92-Prozent-Anteil an den Düsseldorfern (818 Millionen Euro). Zieht Oslo die Sache konsequent durch, stünde wohl auch dieser Anteil zur Disposition. Weiterhin hat der Fonds laut einer Studie von drei Umweltorganisationen Anleihen in dreistelliger Millionenhöhe an den beiden Versorgern sowie dem Karlsruher Versorger EnBW gezeichnet.“

Sollten sich die Norweger zurückziehen, dürfte das weiteren Druck auf die Stromkonzerne in Sachen Klimaschutz bzw. Stilllegung von Kohlekraftwerken machen. Angesichts enorm großer Strom-Überkapazitäten und damit sehr niedrigen Preisen einerseits und andererseits um die Klimaschutzziele der Bundesregierung bis 2020 zu erreichen, wäre eine Abschaltung vor allem von Braunkohlekraftwerken besonders sinnvoll.

Offiziell wollen die Stromkonzerne und die Industrie davon nichts wissen. Aber schon aus Selbstschutz werden die Konzerne nicht darum herum kommen, die hohen Stromüberkapazitäten abzubauen, denn nur dadurch könnten sie steigende Strompreise erreichen.

Vattenfalls Ausverkauf in vollem Gange

Vattenfall2014Vattenfalls Rückzug aus Deutschland ist im vollen Gange. Das Hamburger Stromnetz gehört inzwischen der Stadt Hamburg, bald wird die Fernwärme folgen (siehe hier). Auch die von Vattenfall betriebenen Müllverbrennungsanlagen sollen an die Stadt Hamburg verkauft werden. In Berlin dürfte der Konzern seine Netzbeteiligungen wohl ebenfalls verlieren. Außerdem steht der Verkauf der Braunkohlesparte in der Lausitz auf dem Plan. Da ist es eher eine Randnotiz, dass Vattenfall nun seine Service-Geschäfte verkauft hat. Betroffen sind 500 MitarbeiterInnen. Darüber informiert der Konzern hier. Eine Zusammenfassung von dpa findet sich z.B. bei der Wirtschafts-Woche.

Hier die PM von Vattenfall als Dokumentation:

Pressemeldungen | 19-11-2014 | 10:09 AM

Vattenfall verkauft seine Facility Services Tochtergesellschaften an die ISS Facility Services GmbH und schließt einen langfristigen Dienstleistungsvertrag

Vattenfall verkauft seine Facility Services Tochtergesellschaften an die ISS Facility Services GmbH

Vattenfall hat sich entschlossen seine operativen Facility Services Tochtergesellschaften VSG GmbH (einschließlich ihrer Beteiligung an der TEGEMA GmbH) sowie die Hanuman FO GmbH mit insgesamtüber 500 Mitarbeitern an die ISS Facility Services GmbH zu verkaufen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion soll zum 01.01.2015 abgeschlossen sein.

Als integraler Bestandteil der Veräußerung wurde mit dem neuen Eigentümer ein langfristiger, über fünf Jahre laufender Servicevertrag über Facility Operations-Dienstleitungen abgeschlossen.

Der Servicevertrag umfasst die Bereiche Gebäudemanagement, Kantinenbewirtschaftung, Fuhrpark und Transport, Sicherheit und Empfang, Reinigung, Außenflächen, Dokumentenmanagement sowie unterstützende Leistungen im gesamten Energie- und Kraftwerks- sowie im allgemeinen Dienstleitungsbereich. Die veräußerten Gesellschaften erbringen ihre Leistungen überwiegend für den Vattenfall Konzern.

Tuomo Hatakka, Head der Business-Region Continental/UK und Deutschland Chef von Vattenfall: „Mit dem Verkauf der Facility Management Tochtergesellschaften setzt Vattenfall ein Konsolidierungsprogramm als Reaktion auf die schwierigen Marktbedingungen in der Energiebranche konsequent fort. Unser Ziel ist es, allen ehemaligen Vattenfall-Mitarbeitern dabei ein Höchstmaß an Sicherheit zu bieten und den Gesellschaften zu ermöglichen, mit einem neuen Gesellschafter in den nächsten Jahren konsequent Wachstumschancen zu nutzen.“

Alexander Granderath von ISS: „Wir freuen uns, dass Vattenfall uns das Vertrauen entgegen bringt, den Vattenfall Facility Services Bereich im gemeinsamen Sinne weiter zu entwickeln. Mit dem gewonnenen Servicevertrag und den neuen Mitarbeitern wollen wir unsere Marktposition in Deutschland weiter ausbauen und sind überzeugt, unseren neuen Kollegen eine gute neue Heimat bieten zu können. Daran lassen wir uns messen.“

Die ISS Facility Services GmbH ist eine 100%ige Tochter der dänischen ISS Global A/S. Die ISS Global A/S wurde 1901 in Kopenhagen gegründet und ist zu einem der weltweit führenden Facility Services Unternehmen mit einem Umsatz von 10,52 Mrd. Euro im Jahr 2013 gewachsen. Heute hat sie weltweit mehr als 520 000 Mitarbeiter.

Ihr Ansprechpartner für weitere Informationen:

Stefan Müller, Vattenfall GmbH, Leiter Media Relations Germany

Vattenfall verkauft die Lausitz: In neun Monaten ist Schluss

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Ausverkauf in der Lausitz – Vattenfall verkauft Braunkohlerevier

Die Ära Vattenfall ist in der Lausitz beendet. In sechs bis neun Monaten, so der neue Brandenburgische Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD), dürfte der Verkauf der Braunkohle-Sparte geregelt sein. Er geht fest davon aus, dass sich der Energiekonzern Vattenfall aus der Lausitz zurückzieht. Wer der Käufer sein könnte und ob das Land Brandenburg als neuer Eigentümer dabei sein wird, sagte Gerber nicht.

Dem Inforadio von RBB sagte er: „Wir haben natürlich ein hohes Interesse daran, dass ein Investor gefunden wird, der sich langfristig in der Braunkohle engagiert, der zur Energiepolitik in Deutschland steht. Und zu dieser Energiepolitik gehört, dass wir in der Energiewende die Braunkohle noch brauchen werden. Und das ist das Interesse des Landes in diesem Prozess.“

Bislang einziger offiziell bestätigter Interessent ist ein Stromerzeuger aus Tschechien, der bereits die Mibrag in Sachsen betreibt und dort Braunkohle fördert. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass das Land Brandenburg an einer Übernahme beteiligt sein könnte:

RBB berichtet weiter: „Gerber sagte, er rechne damit, dass der Verkauf in den nächsten 6 bis 9 Monaten über die Bühne gehen wird. Zugleich betonte der Minister aber auch, dass das Land keinen direkten Einfluss darauf habe, an wen Vattenfall verkaufe. „Ein Mitspracherecht im engeren Sinne gibt es nicht, aber wir haben in den letzten Jahren immer einen guten und fairen Kontakt mit Vattenfall gehabt.  Das ist ein Unternehmen, das dem schwedischen Staat gehört und damit gibt es dort auch eine hohe soziale Verantwortung.“ Im Interesse Brandenburgs sei es vor allem, dass die Braunkohlesparte als Ganzes verkauft werde: „Nur so macht der Verkauf Sinn. Das Lausitzer Revier muss zusammenbleiben. Das ist, glaube ich, auch im Interesse von Vattenfall, das im Paket zu verkaufen, weil sie damit ihrer Verantwortung, die sie für die Lausitz haben, gerecht werden können.“

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