Strahlenschutz Tschernobyl: Schutzhülle ist nicht mehr gegen radioaktive Freisetzungen sicher

Die Schutzhülle über den 1986 explodierten Atomreaktor Block 4 in Tschernobyl (Ex-Sowjetunion, heute Ukraine) kann nach einem militärischen Angriff, einem Einschlag, Feuer und notwendigen Abwehrmaßnahmen seine Funktion nicht mehr erfüllen. Tschernobyl war infolge der russischen Invasion in die Ukraine zunächst besetzt und dann geräumt worden. Die Schäden hat nun die Internationale Atomenergie Agentur IAEA nach einer Vor Ort Inspektion mitgeteilt. Auch die sechs von Russland im Ukraine-Krieg besetzten Reaktoren Saporischschja sind immer wieder von militärischen Kampfhandlungen und Stromausfällen bedroht. (Foto: Screen, Urheber ?)

Als Größenvergleich wird bei Heise (siehe unten) mitgeteilt, dass Notre Dame in Paris unter dieser Schutzhülle von Tschernobyl passen würde. Angesichts der Meldungen aus der Ukraine, aber auch sonst mit Blick auf die nuklearen Gefahren und Kosten ist es schon erstaunlich, dass immer mehr konservervative, vermeintlich liberale bis hin zu faschistischen Kräften meinen, dass man mit der Atomenergie technologie-offen oder technologie-neutral umgehen könne.

  • Alles über Tschernobyl auf umweltFAIRaendern.de
  • Die Internationalen Ärztinnen zur Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), ausgezeichnet mit dem Nobelpreis, werden im kommenden Jahr eine Fachtagung zu den Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima durchführen. Infos sind hier online. Programm siehe auch unten.

Im April 2026 jährt sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal. Die radioaktive Wolke, die sich nach dem Brand im Reaktor über große Teile Europas ausbreitete, hat große Flächen kontaminiert. Vor allem Weißrussland war stark betroffen, aber auch von Schweden über Deutschland und in anderen westlichen Länder ist es zu erheblichen Belastungen gekommen. Milch und andere Nahrungsmittel mussten in großen Stil vernichtet werden. Tausende Feuerwehrleute und Rettungskräfte, die vor Ort das Feuer bekämpften, erkrankten oder starben an den hohen Strahlenwerten.

Der betroffene Reaktor war nach der Explosion notdürftig von tausenden Soldaten und Rettungskräften mit Beton zugeschüttet worden. Dazu wurden auch Hubschrauber eingesetzt. Wegen der extrem hohen Strahlenwerte konnte die Rettungskräfte oft nur wenige Minute eingesetzt werden, und trugen trotzdem massive Strahlenschäden davon. Der sogenannte „Sarkophag“ wurde im Rahmen internationaler Bemühungen und Finanzierungsvereinbarungen schließlich 2016 durch eine neue, extrem aufwendige und komplexe Stahlkonstruktion ersetzt. Diese sollte eigentlich für einige Jahrzehnte eine Strahlenschutz-Barriere darstellen. Der havarierte Reaktor ist immer noch – wie das auch in Fukushima (Japan) der Fall ist – mit dem hochaktiven Brennstoff gefüllt und der gesamte radioaktive Abfall aus den insgesamt vier AKW-Blöcken lagert immer noch vor Ort.

  • Der Bericht der IAEA zu den Zerstörungen in der Schutzhülle des Tschernobyl-Reaktors ist hier online. (siehe auch unten)
  • Viele Medien berichten mit Bezug auf die IAEA auf die Zerstörungen in Tschernobyl. Darunter z.B. auch Heise. Auch die Deutsche Welle informiert. ZDF-heute meldet dazu. Auch der Spiegel greift das Thema auf.

Bei Heise heißt es: „Entstanden sind die Schäden bei einem russischen Drohnenangriff im Februar 2025, bei dem eine Drohne das Bauwerk traf und durch die äußere Schutzwand des NSC drang. Teile des Fluggeräts schlugen auch durch die innere Wand, neun Meter unterhalb. Der Vorfall verursachte einen Großbrand, welcher ebenfalls die Außenhülle der massiven Stahlkonstruktion beschädigte, wie die IAEA berichtet. Bei den Löscharbeiten im Februar mussten zusätzliche Löcher in die Außenwand geschnitten werden, weil der Brand auch zwischen den beiden Schutzwänden wütete.“

Weiter heißt es bei Heise in der Übersetzung auf Basis der IAEA: „Fatale Schäden“ und „Die Delegation bestätigte jetzt, dass die NSC ihre primären Sicherheitsfunktionen, einschließlich der Eindämmungsfähigkeit von Radioaktivität, verloren hat.“

Beim Spiegel heißt es: „Die Vereinten Nationen hatten am 14. Februar berichtet, dass eine Drohne mit einem hochexplosiven Sprengkopf das Kraftwerk getroffen habe. Die Ukraine machte Russland dafür verantwortlich, Moskau wies dies zurück. Die Strahlenwerte blieben den damaligen Angaben zufolge normal und stabil.“

Der Bericht der IAEA ist hier als Dokumentation:

Update 331 – IAEA Director General Statement on Situation in Ukraine

Vienna, Austria, 124/2025

An IAEA team is criss-crossing Ukraine this month to assess the status of electrical substations critical for nuclear safety and security, following recent military attacks targeting energy infrastructure, Director General Rafael Mariano Grossi said today.

The 1-12 December visit will focus on more than ten substations – essential nodes in the electrical grid related to the nuclear power plants (NPPs) – to assess the damage, review repair efforts, and identify practical steps to strengthen the resilience of off-site power supplies to the country’s NPPs, three of which are still operating to generate electricity.

It is the latest of several such expert missions since September last year, when the substations became increasingly affected by the military conflict.

“These substations are essential for nuclear safety and security. They are absolutely indispensable for providing the electricity all nuclear power plants need for reactor cooling and other safety systems. They are also needed to distribute the electricity that they produce to households and industry,” Director General Grossi said.

Previous IAEA missions to the substations have highlighted a continued degradation of the grid and increased challenges to the transmission infrastructure. Substations serve as facilities where voltage levels are transformed and controlled for reliable power transmission. The IAEA continues to monitor the situation from a nuclear safety and security perspective.

Last week, another IAEA team completed a comprehensive safety assessment of the New Safe Confinement (NSC) at the Chornobyl site, which was severely damaged in a drone strike in February. This event also caused a major fire in the outer cladding of the massive steel structure built to prevent any radioactive release from the reactor destroyed in the 1986 accident.

The mission confirmed that the NSC had lost its primary safety functions, including the confinement capability, but also found that there was no permanent damage to its load-bearing structures or monitoring systems.

“Limited temporary repairs have been carried out on the roof, but timely and comprehensive restoration remains essential to prevent further degradation and ensure long-term nuclear safety,” Director General Grossi said.

Based on the mission findings, the IAEA recommends further restoration and protective work of the NSC structure, including humidity control measures and an updated corrosion monitoring programme, as well as an upgrade of an integrated automatic monitoring system for the shelter object structure built on top of the reactor immediately after the accident.

In 2026, with support from the European Bank for Reconstruction and Development (EBRD), the Chornobyl site will undertake additional temporary repairs to support the re-establishment of the NSC’s confinement function, paving the way for full restoration once the conflict ends.

“The IAEA – which has a team permanently at the site – will continue to do everything it can to support efforts to fully restore nuclear safety and security at the Chornobyl site,” Director General Grossi said.

As part of the comprehensive programme of assistance, the Agency arranged three new deliveries of equipment and supplies to Ukraine, bringing the total to 188 since the start of the conflict. The medical unit at the Chornobyl NPP site received medications and the Central Enterprise for Radioactive Waste Management received various personal protective equipment. The deliveries were supported with funds from the European Union and the United Kingdom.

With these deliveries the total value of the equipment and supplies, needed for nuclear safety and security, that reached Ukraine since the start of the armed conflict exceeds 21 million euros.

Dokumentation zur Tagung der IPPNW zu Atomgefahren Tschernobyl und Fukushima: 

Samstag, 7. März 2026 in Stuttgart

15 Jahre Fukushima – 40 Jahre Tschernobyl

Atomgefahren und Gesundheitsrisiken: damals – heute – morgen

Diese Tagung widmet sich den bis heute anhaltenden, teils verheerenden Folgen der beiden größten Atomunfälle der Geschichte. Sie wirft einen kritischen Blick auf Gegenwarts- und Zukunftsthemen der Atomenergie. Mit Stimmen und Eindrücken aus den von den Reaktorkatastrophen betroffenen Regionen sowie internationalen Expert*innen und Engagierten.

Die Tagung findet im Bürgerzentrum Stuttgart West, Bebelstraße 22, 70193 Stuttgart statt.

→ Anmeldung

Programm

11 Uhr
Begrüßung und Einführung (Dr. med. Angelika Claußen, IPPNW)

11:30-13 Uhr 
Block 1: 
 
40 Jahre Tschernobyl – 15 Jahre Fukushima: Stand heute 
• Tschernobyl – Aktuelle Eindrücke aus Belarus, Videobotschaft
Chernobyl – Safe Confinement at Times of War? (Vladimir Slivyak, Ecodefense Russland)
Fukushima: Eindrücke von vor Ort. „No More Hibakusha - Testimonies from Fukushima Children“ (Mino Morishita & Naoto Anzai, angefragt)
Zwischen Prekarität und Verharmlosung – Zur Situation der Aufräumarbeiter*innen von Fukushima Daiichi (Natsuko Katayama, Reporterin Tōkyō Shimbun, Autorin  „Fukushima Workers Diary“, angefragt)

14-15 Uhr
Block 2: Gesundheitliche Folgen der Reaktorkatastrophen: Neue medizinische Einsichten 
Gesundheitsfolgen der Atomkatastrophen von Fukushima und Tschernobyl – ein Überblick (Dr. med. Alexander Rosen, IPPNW)
Empirie gegen Ignoranz – Update zum Gesundheitsrisiko niedriger Strahlendosen (Prof. Dr. med. Wolfgang Hoffmann)
Raum für Fragen, Erläuterungen, Diskussion

15:30-17 Uhr
Block 3: Atomkritische Aussichten 
Who’s next? Das nächste Desaster kommt bestimmt! Podiumsgespräch über aktuelle GAU-Gefahren
Uran: Aktuelle Ressourcen- und Geopolitik um den Rohstoff des Atomzeitalters (Franza Drechsel, Projektmanagerin der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Co-Redakteurin Uranatlas & Patrick Schukalla, Geograf und IPPNW-Referent)
Nuclear Power powers the Bomb: Zum Verhältnis von nuklearer Abschreckung und Atomenergie (ein Beitrag aus der Internationalen IPPNW)

Ab 17 Uhr: Vernetzung und Ausklang

Bundestag: Antrag der Linksfraktion – Debatte um unnötige Atomtranporte von Jülich ins Zwischenlager Ahaus

Der Deutsche Bundestag wird nach jetziger Planung in der nächsten Woche über einen Antrag von Mareike Hermeier und der Linksfraktion gegen die geplanten Atomtransporte von Jülich nach Ahaus debattieren. Trotz aller Proteste und Klagen vor Gericht sollen 152 Castor-Transporte mit hochradioaktivem Atommüll per LKW quer durch NRW stattfinden. Obwohl sogar die Koalition in NRW diese als „unnötig“ bezeichnet, haben sich schließlich Bundesbehörden und der Haushaltsausschuss des Bundestags mit den Stimmen von Grünen, SPD und FPD im Herbst 2022 durchgesetzt und die Weichen auf Atomtransporte nach Ahaus statt den Neubau eines Zwischenlagers in Jülich als „vorzugswürdige“ und kostengünstigere Variante erklärt. Der BUND NRW hat gegen die Atomtransportegenehmigung Klage eingereicht. Ein Urteil im Eilverfahren wird noch im Dezember erwartet.

Die Tagesordnung des Bundestags meldet derzeit für den 18. Dezember, 15.40 Uhr eine Debatte: „Atomtransporte – Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (16. Ausschuss) zu dem Antrag der Fraktion Die Linke, Keine unnötigen Atomtransporte mit hoch radioaktivem Abfall aus Jülich ins Zwischenlager Ahaus, Drucksachen 21/586, 21/1629„.

Dokumentation: Heute im Bundestag (HiB) berichtet zu dem Vorgang außerdem:

Söders moderne Atomreaktoren: Made in 1959

Bayern Ministerpräsident Söder (CSU) hat sich in den letzten Jahren immer wieder durch eine eher nicht so an Fakten orientierte Pro-Atom-Haltung ausgezeichnet. Während er die Wiederinbetriebnahme von längst abgeschalteten Atomreaktoren für möglich und sinnvoll hielt, hatten die Betreiber längst abgewunken. Zuletzt hatte er sich für die neuen „Mini-Atomreaktoren“ called Small Modular Reactors (SMR) aus dem Fenster gehängt. „Es geht nicht darum, dass wie früher große Meiler hochgezogen werden. Ich spreche von kleineren, smarten Reaktoren, wie es sie in Kanada bereits gibt.“ So Söder in der Welt. Ein Grüner in Bayern hat mal nachgefragt.

Eine Nachfrage des grünen Landtagsabgeordneten Martin Stümpfig führt zum Beispiel zu dieser Aussagen bei „ingeneur.de„: „Söder möchte kleine Atomkraftwerke, „wie es sie bereits in Kanada gibt“. Doch dort befindet sich nach Angaben der kanadischen Regierung noch gar kein SMR im Betrieb. Es laufen nur vorbereitende Arbeiten für mögliche Anlagen. Realistisch gesehen könnte frühestens 2030 ein Reaktor ans Netz gehen.“ Frühestens!

  • Die Antwort aus dem Hause des bayerischen Wirtschaftsministeriums siehe gleich unten als Dokumentation.

Auch ntv reagiert mit Verweis auf dpa und berichtetBayern. Grüne: Söders kanadischer Wunsch-Atommeiler ist 66 Jahre alt. „“Markus Söder hat wieder einmal den Menschen im Land und auch dem Bayerischen Landtag bewusst Märchen erzählt. Er spricht von mehreren wundersamen smarten kanadischen Minireaktoren. In der Realität bleibt dann nur ein einziger kanadischer Reaktor, der so alt ist wie die ersten Farbfernseher und bis heute keine einzige Kilowattstunde Strom erzeugt hat“, sagte Stümpfig.“

66 Jahre alter Reaktor, der bis heute noch keinen Strom erzeugt hat. Ein solcher Umgang, wie ihn Söder hier betreibt, sollte alarmieren, denn auf der Grundlage sollten politische Entscheidungen zu Lasten von Mensch, Umwelt und Steuerzahler*innen und eigentlich auch für die Wirtschaft nicht getroffen werden. Doch in etwas nach diesem Prinzip werden inzwischen zusätzliche Milliarden-Beträge von Bund und Ländern in die Fusionstechnik gesteckt.

Auch zur Wirtschaftlichkeit der Atomenergie und neuer Reaktoren ist dort etwas zu lesen: „Söder hatte sich in den vergangenen Jahren immer wieder gegen einen Ausstieg aus der Kernkraftnutzung ausgesprochen. Er begründete dies immer wieder mit dem Bedarf an kostengünstiger Energie. Selbst die früheren Betreiber der Atommeiler erklären aber seit langem, dass Atomstrom die teuerste Form der Stromerzeugung mit bis zu 49 Cent pro Kilowattstunde ist.“

Und auch die Süddeutsche hat den dpa-Bericht über die Nachfragen der Grünen online.

In der Welt am Sonntag behauptete er, dass in Kanada bereits ein SMR in Betrieb wäre. Auf eine Anfrage zum Plenum von Martin Stümpfig, MdL, wo denn dieser SMR stehen würde, konnte die Staatsregierung nur einen Uraltreaktor aus dem Jahr 1959 benennen, der nicht mal zur Stromerzeugung geeignet ist.

Dokumentation – Die Antwort: 

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie
27. November 2025, Anfrage zum Plenum des Herrn Abgeordneten Martin Stümpfig (BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN)

Aussage von Dr. Markus Söder zu „Mini(Atom)-Meiler“ (SMR)

Ich frage die Staatsregierung,

ist nach ihrer Kenntnis in Kanada ein Atomreaktor nach der Bauweise eines „Small
Modular Reactors“ (SMR) in Betrieb, nachdem Ministerpräsident Dr. Markus Söder im
Welt-Interview vom 15.11.25 dies mit den Worten „ich spreche von kleineren, smarten
Reaktoren, wie es sie in Kanada bereits gibt“ ausgesprochen hat, falls ja, wann wurde
dieser sogenannte Mini-Meiler nach Kenntnis der Staatsregierung in Kanada in Betrieb
genommen und ab welchen Stückzahlen würden diese Atomreaktoren nach Schät-
zung der Staatsregierung wirtschaftlich werden?

Antwort des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung
und Energie

U.a. betreibt Kanada mit dem McMaster Nuclear Reactor (MNR) an der McMasterUni-
versity einen Forschungsreaktor, der technisch und organisatorisch in mehreren As-
pekten in die Kategorie „Small Modular Reactor“ fällt (vgl. bspw. https://nuclear.mcmaster.ca/facilities-equipment/facility-list/mcmaster-nuclear-reactor, https://nuclear.mcmaster.ca/smr-research-development/#tab-content-news).. Im Übrigen wird auf die allgemeine Berichterstattung Bezug genommen.

Strahlende Welten: Neue SMR Atomreaktoren in der EU – BUND erwidert

Gegen jede wirtschaftliche Vernunft, aber mit mächtiger Lobby und möglicherweise auch militärischen Hintergründen wird in der EU an einem Ausbau der Atomenergie gearbeitet. Nicht nur Frankreich hat daran ein massives Interesse. Obwohl Risiken von Super-GAU, Gefahren von Terror und Krieg und große Mengen Atommüll dauerhafte Belastungen für Mensch und Umwelt zur Folge haben, wird die Atomenergie als Ausweg aus der Klimakrise behandelt. Im Rahmen der sogenannten „EU SMR Initiative“ (Small Modular Reactor) hat der BUND eine Stellungnahme abgegeben.

  • umweltFAIRaendern hat über das Thema SMR, neue Atomreaktoren vielfältig in den letzten Jahren berichtet. Hintergründe und Studien sowie politische und wirtschaftliche Prozesse sind mit der Suchfunktion leicht zu finden. Besondere Risiken bei den SMR-Reaktoren wären die dafür erforderlichen höher als bisher angereicherten Uranbrennstoffe LEU+ oder auch HALEU.

Die Initiative der EU ist hier zu finden. Dort heißt es in der Zusammenfassung: „Im Februar 2024 startete die Kommission die Europäische Industrieallianz für kleine modulare Reaktoren (SMR), um den erfolgreichen Einsatz der ersten SMR-Projekte in Europa bis Anfang der 2030er Jahre sicherzustellen. Diese Initiative wird auf die Veröffentlichung des strategischen Aktionsplans der Allianz folgen und wichtige Rahmenbedingungen, potenzielle Hindernisse und konkrete Meilensteine im Hinblick auf die künftige Entwicklung und den Einsatz von SMR in Europa hervorheben.“ Dort ist die Aufforderung zur Stellungnahme online.

Der BUND Bundesverband hat dazu eine Stellungnahme eingereicht, die hier online ist. Dort heißt es zur Einleitung: „Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt die Möglichkeit zur EU SMR Initiative Stellung zu nehmen. Insgesamt lehnt der BUND die Nutzung der unkontrollierbaren Hochrisikotechnologie Atomkraft ab und fordert die Einstellung der EU Initiative. Neben den inhärenten Gefahren ist Atomkraft nicht wirtschaftlich, sondern bedarf massiver Subventionen. Die Bauzeit von Atomkraftwerken (AKW) dauert mehrere Jahrzehnte und bindet unnötig Gelder und andere Ressourcen, die für den zeitnahen naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien fehlen. Dementsprechend ist Atomkraft, inklusive der SMR-Technologie, ein Hemmnis auf dem Weg hin zu europäischer Energiesicherheit, Unabhängigkeit und Klimaneutralität. Detaillierte Ausführungen werden mit dem angehängten Dokument übersandt.“

Auch andere Stellungnahmen sind dort online. Kleine modulare Reaktoren – klimatische Entwicklung und Nutzung in Europa

„Zugemüllt“: Oliver Schlaudt im Bundesamt … für nukleare Entsorgung – Eine Besinnung? Und ein Buch.

Viel zu viel ist in diesem Blog von Müll die Rede. Atommüll, Strahlenmüll. UmweltFAIRaendern.de. Ein Titel, der eigentlich viel zu groß ist, für so eine doch begrenzte Thematik. Etwas mit Atomenergie und dann noch Krieg, Terror und Atommüll. Ok. Klingt wie Hiroshima. Harrisburg. Tschernobyl. Fukushima … . Dafür gibt es ja sogar schon Bundesämter und Ministerien. Wieso will das mit dem Müll so blöd universell sein? Nicht erst, wenn es strahlt. „Zugemüllt“, ein Buch von Oliver Schlaudt, auf das – ausgerechnet – das „Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung“ (BASE) aufmerksam macht, zeigt, dass das Thema noch viel gewaltiger ist.

Und mahnt den Veranstalter selbst, immer noch mal viel, viel genauer zu prüfen. Was genau ist Politik und wie kann sie das demokratisch gestalten, wenn was so unermesslich, ewig und gefährlich ist? Atomenergie ist niemals „offen“. Wer sie einsetzt, schafft tödlichen Müll beinah für die Ewigkeit. Zugemüllt: Wie geht umweltFAIRaendern in einer unverantwortlichen zugemüllten Gegenwart und nahezu ewiger Zukunft? Oliver Schlaudt ist am 15. Dezember in Berlin beim BASE.

Zugemüllt ist eine – irgendwie gestolperte und zusammengebaute – spannende und interessante Reise. Durch ober- und unterirdische und verbrannte Müllwelten – unglaubliche Dimensionen hat diese Reise, sie entdeckt so viel, was nicht erst mit der Industrialisierung und der Entstehung bürgerlicher, kapitalistischer Staaten bzw. Nationen entsteht und damit erkennbar wird. Bitterfeld. Gorleben. Ruhrgebiet. So viel Salz. Grundsätzlich und geologisch. Zeithistorisch und philosophisch. Irgendwie zwischen Reisebericht und Wissenschaft und Literatur. Naturlandschaft – Kulturlandschaft – Mülldeponie?

Kein Wunder, wenn das Cover vom Buch Swaantje Günzel in einem Foto von Henriette Pogoda zeigt: Zwischen Plastik-Müll auf einer Bank in der möglicherweise Kunsthalle Hamburg sitzend, vor einem deutschen Romantiker namens Caspar David Friedrich.

Die FAZ hat sich dem Buch gewidmet: „Philosophie und Müll : Im Abfall spiegelt sich die Welt“ mit der Unterzeile: „Der Philosoph und Ökonom Oliver Schlaudt macht sich Gedanken über den Müll und sucht ihn dort auf, wo er sich befindet. Seine Exkursionen führen ihn durch Deutschland und die europäische Kultur- und Technikgeschichte.“ (Von Uwe Justus Wenzel,

Oliver Schlaudt – Zugemüllt. Eine müllphilosophische Reise durch Deutschland – Eine etwas andere Deutschlandreise: nicht zu den Schönheiten des Landes, sondern zu seinen Mülldeponien, mit all ihrem Gestank und all ihrem sehr nachhaltigen Gift. Eine erhellende philosophische Betrachtung über die zunehmende Vermüllung unserer Welt, die wir nur zu gern verdrängen.“

Als Audio und eine Art von Lesung hat sich der Bayerische Rundfunk dem Thema und Buch von Schlaudt angenommen. Natürlich hier bei Perlentaucher.

Was hier aber eine besondere Aufmerksamkeit verdient, ist der Besuch des Autors bei der BI Lüchow Dannenberg und deren Antworten auf seinen Fragen, wie das denn ist, wenn einem in Gorleben der Atommüll quasi „auf den Füssen steht“? (das ist so ein Fotoshot aus dem Buch, Seite 152. Mit Mail vom 10.12.2025 16:19 Uhr teilt der Beck-Verlag in Person von S.B.  mit, dass die beiden folgenden Bilder auf umweltFAIRaendern mit Lizenz veröffentlicht werden dürfen. Vielen Dank.)

Es bleibt alles im Widerspruch – und da muss es auch bleiben. Wie denn sonst, bei etwas von dieser Größenordnung Einstein und das Universum, aber in Klein. Es geht nur um die Kernspaltung. Fusion kommt dann noch.

Und wo genau in diesem Umfeld kann sich Politik dann überhaupt noch bewegen? Hilflos, verzweifelt? Ignorant und durch? Es braucht nicht unbedingt die Erkenntnisse von Freud und Verdrängung. Es braucht. Ein Ende der Atomenergie, aber der radioaktive Müll bleibt! (Fotoshot, Seite 153)

„Kreist um die Neubestimmung … als Skandal, falsche Entscheidungen beenden…“ Sehr gute Idee! Philosophie über eine vermüllte Demokratie. Na, irgendwo ein Fehler im Satzbau.

Hier als Dokumentation:

BASE lädt ein: Philosophische Lesung über Müll

Anfang 15.12.2025 16:00 Uhr Ende 15.12.2025 18:00 Uhr Veranstaltungsort Berlin

BASE lädt ein: Philosophische Lesung über Müll

Müll will niemand haben – stinkend, unbrauchbar oder wie im Fall von Atommüll sogar hochgefährlich. Und doch waren genau diese Abfälle der Anlass für Oliver Schlaudt quer durch Deutschland zu reisen und Deponien, Verwertungsanlagen und Abwasserkanäle zu besichtigen.

Müll: Ungewolltes und nicht ausschlagbares Erbe

Auch das Thema Atommüll betrachtet Schlaudt intensiv – in Frankreich hat er die Bemühungen beobachtet, am Standort Bure ein Endlager einzurichten. Am 15. Dezember berichtet er im Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung von seiner ungewöhnlichen Tour.

Oliver Schlaudt ist Professor für Philosophie und Politische Ökonomie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Sein Buch „Zugemüllt. Eine müllphilosophische Deutschlandreise“ ist im C.H.Beck-Verlag erschienen.

Das Fazit seiner Reise gilt für alle Abfallarten gleichermaßen, ob hochradioaktiver Atommüll aus den Atomkraftwerken oder Plastikverpackung nach dem Supermarkteinkauf: Der Müll ist das ungewollte Erbe, das wir nicht ausschlagen können.

Jetzt zur Lesung anmelden:

Über dieses Erbe möchten wir mit Ihnen ins Gespräch kommen. Wir laden Sie herzlich zu dieser philosophischen Lesung und Diskussion ins BASE ein.

Am Montag, den 15. Dezember von 16 – 17 Uhr
Ausklang bei Snacks und Getränken bis 18 Uhr

  • Dokumentation: Beck-Verlag zum Buch, Link siehe oben:

Schlaudt, Oliver

Zugemüllt

Eine müllphilosophische Deutschlandreise.

Die weltweit größte Untertagedeponie für gefährliche Abfälle im hessischen Heringen, ein gigantischer Abwasserkanal bei Essen, eine Tierkadaververwertungsanlage im schönen Moseltal: Oliver Schlaudt hat sich auf eine eigentümliche Deutschlandreise begeben, um verborgene, aber spektakuläre Wahrzeichen unserer Müllkultur aufzusuchen. Sein genauso verblüffender wie wunderbar erzählter Reisebericht liest sich allerdings nicht nur wie ein Fremdenführer durch deutsche Abfalllandschaften. Inmitten ihrer besonderen Müllgeschichten entwickelt Schlaudt zugleich eine Philosophie, die sich die Hände buchstäblich schmutzig macht.

Menschheitsgeschichtlich haben wir den Punkt erreicht, an dem unser Müll überall ist und wir uns allmählich mit ihm selbst vergiften. Zugleich geben wir uns sehr viel Mühe, seine beunruhigende Allgegenwart aus unserem Gesichtsfeld zu verbannen. Es wird daher Zeit, der drastischen Wirklichkeit unserer zumüllenden Lebensform ins Auge zu blicken – und mit Oliver Schlaudt eine müllphilosophische Deutschlandreise zu unternehmen. Wir besuchen unter anderem die unscheinbare, aber rettungslos zerstörte Mülllandschaft von Bitterfeld (wo Marx’ Einsicht sinnfällig wird, dass der Müll der «unheilbare Riss» im Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur ist), die BASF-Sondermülldeponie auf einer künstlichen Rheininsel (wo wir erkennen, dass wir in Sachen Müll «Cartesianer» geblieben sind, Bewohner zweier getrennter Welten) und die charmante Wurmkiste im eigenen Zuhause. Es wird klar: Der Müll ist das ungewollte Erbe, das wir nicht ausschlagen können.

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