Theo Christiansen – ein Begleiter

Theo Christiansen ist tot. Eine der für mich intellektuell, politisch und moralisch wichtigsten Personen ist kurz vor seinem 68. Geburtstag gestorben. Viel zu früh und viel zu überraschend. Immer für Gerechtigkeit und Anteilnahme. Immer für das Wohl aller, Gemeinwohl. Mit so viel Vorsicht und Brüchen. Es sind so viele Spuren, die sein Leben in meinem hat. Und von so vielen von uns. Da bin ich sicher. Dafür bin ich dankbar. Und traurig. Theo Christiansen!

Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen, Freudinnen und Freunden.

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# Das Komitee für Grundrechte und Demokratie, für das Theo lange Jahre im Vorstand und Geschäftsführung aktiv war, hat diesen Nachruf veröffentlicht.#

Von Brokdorf und Anti-AKW, von Antimilitarismus und Raketen, von Plutonium und Hanau, von Apartheid und Südafrika (Kein Geld für Apartheid, ein Alternativer Geschäftsbericht zur Hauptversammlung der Dresdner Bank in Hamburg, siehe auch hier ein weiterer Text in der Taz.), von Atomausstieg, HEW/Vattenfall, E.on und die Rekommunalisierung Hamburger Energienetze (Unser Hamburg Unser Netz) und noch so viel mehr, davor, dazwischen, für immer! Seine Beiträge zu G20 in Hamburg. Sein Blog mit Uli Hentschel gemeinsam. Linksabbieger. Was sonst. Da war immer und immer die Kirche. Die Opposition.

  • Hier zwei „Alternative Geschäftsberichte“ über die Finanzierung der Apartheid in Südafrika durch die Dresdner Band – „Kein Geld für Apartheid“ Bericht 1986 (PDF) und zur Hauptversammlung in Hamburg der Bericht von 1987.
  • Rede von Theo bei der Menschenkette mit 120.000 Teilnehmenden zwischen den AKWs Brunsbüttel und Krümmel zum Atomausstieg,
Taz-Anzeige vom 24. Januar 2026

Da war mehr, dass er mit sich trug: Die Beerdigung von Georg von Rauch, erschossen in Berlin. Beerdigt in Kiel. Von seinem Vater Theodor. „Grabrede für Georg von RauchAnstößige Predigt – Ist Pastor Christiansens Laufbahn gefährdet?“ Die Zeit spricht 1972 von „Anstössiger Predigt“. Als Schulpastor mit dem Dienstherrn Schleswig-Holstein erhielt er als Reaktion ein Berufsverbot. Ein Skandal. Georg von Rauch Haus – der Mariannenplatz war blau – ein paar Millimeter zu Rio Reiser und Ton Steine Scherben. Das war lange, bevor ich Theo kennenlernen durfte, in Pinneberg bzw. Eimsbüttel. Aber das dürften Erlebnisse und Erfahrungen gewesen sein, die in maßgeblich geprägt haben. Immer war er einer, der politischen Druck mit klarer Analyse entgegentrat, aufrecht und immer mit Rückgrat.

Da war Dorothee Sölle, für die er arbeitete, der Student der Theologie. Kirche von unten. Die Befreiungstheologie. Dorothee Sölle im Gespräch – Herausgegeben von Theo Christiansen und Johannes Thiele. (PDF) und auch hier.

(Nachtrag Januar 2026) Da war auch diese Geschichte, die sich die offizielle Kirche und der Verfassungsschutz „erlaubten“. Als sich Spitzel unter gläubige Friedensfreunde mischten: „Unter den im Geheimdienstbericht erwähnten kirchlichen Aktivisten ist der damals 24-jährige Theo Christiansen.“ Was für ein Elend der Demokratie.

Der Theo Christiansen, der später die Ökumenische Arbeitsstelle für Frieden und Bewahrung der Schöpfung in Ahrensburg (oder so) übernahm, die vorher Uli Hentschel innehatte. Hentschel war vorher Pastor in Rellingen und wegen seiner Kritik an Militarisierung und Nachrüstung für die herrschende Kirche „unangenehm“ aufgefallen war. Der Pastor bleibt im Dorf, hieß es gegen die Kirchenoberen. Damals, immer wieder. Kein Wunder, dass Theo an seiner Seite war und blieb.

Im Ev.-Luth. Kirchen Kreis Hamburg-Ost leitete er lange Jahre den Arbeitsbereich Diakonie & Bildung und war für die diakonischen Einrichtungen dieses Kirchenkreises. Da war Theo auch später – nach seiner Postion als Vertrauensperson für die Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze und in Verbindung mit dem Atomausstieg in Deutschland. Und da auch und besonders: Das Komitee für Grundrechte und Demokratie. Was auch sonst? Na klar. Da war er lange im Vorstand. Es war immer sein Thema, die Sache mit den Grundrechten und der Demokratie. Seine online lesbaren Beiträge dort.

Davor war auch ein Hamburger Arbeitskreis gegen Atomanlagen. „Die große Verlade – Atommüll auf Geisterfahrt“. Nach der BUU Pinneberg und der Inbetriebnahme von Brokdorf, nach der Katastrophe von Tschernobyl.  Hier ist die Geschichte dazu: Keine Atomtransporte durch Hamburg – 1989/90

Theo Christiansen auf umweltFAIRaendern.de

Theo Christiansen bei einer Aktion auf dem Rathausmarkt Markt für die Rekommunalisierung der Hamburger Energienetze im September 2013. Fotos: Dirk Seifert

Nach langen Verzögerungen: Neustart des Überwachungsgremiums NBG bei der Atom-Endlagersuche

Nun ist es soweit. Mit über zwei Jahren Verspätung und einer bis zum Dienstag „geheimen“ Personenliste werden die Mitglieder des Nationalen Begleitgremiums (NBG) bei der Suche „insbesondere“ nach einem Atommüll-Endlager für hoch radioaktive Abfälle am kommenden Freitag komplett neu gewählt. Von den bisherigen Mitgliedern des vom Bundestag und Bundesrat zu ernennenden Gremiums sind nur noch zwei auf der jetzigen Liste. Heftiger Neustart beim Überwachungsgremium NBG. Ein Gremium, das u.a. für die Einhaltung von Beteiligung, Transparenz (und einigem mehr) und als eine Art Wächter und Vertrauensarbeiter bei der Suche nach dem Standortauswahlgesetz funktionieren soll, wird von Behörden und Parteien und eher hinter den Kulissen ausgekungelt. Kein wirklich guter Neustart. Und möglicherweise schon Anfang 2026 steht die erste umfassende Änderung des Standortauswahlgesetzes an. Ziel: Beschleunigung der Endlagersuche. Das wird massive rechtliche und praktische Eingriffe bedeuten.

  • Endlagersuche und Nationales Begleitgremium: Vielleicht Neuwahlen, sicher aber Knowhow-Verlust
  • Hier informiert das NBG: „Das NBG besteht aus anerkannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die von Bundestag und Bundesrat berufen wurden. Neben diesen Expertinnen und Experten sind auch Bürger*innen Teil des NBG. Diese werden in einem Beteiligungsverfahren nominiert und von der Bundesumweltministerin/dem Bundesumweltminister ernannt. 18 Mitglieder soll das NBG umfassen – zwölf anerkannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und sechs Bürgervertreter*innen, wobei zwei von ihnen der jungen Generation angehören.“

Von der Bundestagsseite als Dokumentation:

Nukleare Sicherheit

Wahl zum Nationalen Begleitgremium für die Endlager-Standortauswahl

Liveübertragung: Freitag, 19. Dezember, 9 Uhr

Der Bundestag wählt am Freitag, 19. Dezember 2025, auf Vorschlag von CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen die Mitglieder des Nationalen Begleitgremiums gemäß Paragraf 8 Absatz 3 des Standortauswahlgesetzes (21/3293). Voraussetzung ist, dass der Bundestag die Aufsetzung dieses Tagesordnungspunktes beschließt. Da die AfD-Fraktion die Aufsetzung des Tagesordnungspunktes ablehnt, wird zu Beginn der Sitzung nach 15-minütiger Geschäftsordnungsdebatte darüber abgestimmt.

Vorgeschlagene Mitglieder

Vorgeschlagen sind als Mitglieder: Günter Baaske, ehemaliger Minister des Landes Brandenburg und ehemaliges Mitglied des Brandenburgischen Landtages; Norbert Dregger, Oberbergrat a. D.; Dr. Markus Dröge, ehemaliger Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Vorstandssprecher der Stiftung Zukunft Berlin; Dr. Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit a. D.; Alexander König, ehemaliges Mitglied des Bayerischen Landtages; Prof. Dr. Johann Köppel, ehemaliger Leiter des Fachgebietes Umweltprüfung und Umweltplanung der Technischen Universität Berlin; Sylvia Kotting-Uhl, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages; Karsten Möring, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages; Prof. Dr. Hartmut Rosa, Professor für allgemeine und theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Direktor des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt; Prof. Dr. Maria-Theresia Schafmeister, ehemalige Leiterin des Lehrstuhls für Angewandte Geologie/Hydrogeologie der Universität Greifswald; Prof. Dr. Thorsten Stumpf, Professor für Radiochemie/Radioökologie an der Technischen Universität Dresden; Stefan Wenzel, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages.

Nationales Begleitgremium

Paragraf 8 des Gesetzes zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle betrifft das Nationale Begleitgremium. Seine Aufgabe ist die „vermittelnde und unabhängige Begleitung des Standortauswahlverfahrens, insbesondere der Öffentlichkeitsbeteiligung, mit dem Ziel, so Vertrauen in die Verfahrensdurchführung zu ermöglichen. Das Gremium kann dem Bundestag weitere Empfehlungen zum Standortauswahlverfahren geben.

Die 18 Mitglieder dürfen weder einer gesetzgebenden Körperschaft des Bundes oder eines Landes noch der Bundes- oder einer Landesregierung angehören. Sie dürfen keine wirtschaftlichen Interessen in Bezug auf die Standortauswahl oder die Endlagerung im weitesten Sinne haben. Die Amtszeit eines Mitglieds beträgt drei Jahre. Eine Wiederberufung ist zweimal möglich. Zwölf der Mitglieder sollen anerkannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sein, die vom Bundestag und vom Bundesrat auf der Grundlage eines gleichlautenden Wahlvorschlags gewählt. Daneben werden sechs Bürgerinnen oder Bürger, darunter zwei Vertreterinnen oder Vertreter der jungen Generation, die zuvor in einem Bürgerbeteiligungsverfahren nominiert worden sind, vom Bundesumweltminister ernannt. (vom/16.12.2025)

Weil der Mensch ein Mensch ist: Danke Rolf Becker!

Ein Mensch. Nach Brecht. Ein Demokrat. Und eine Stimme. Wie ein kriminell gutes Hörspiel. Total real! Grade und mit Herz. Das ist es, was zählt. Was in Erinnerung bleibt. Was lebt. Die Linke nimmt Anteil. Da schlägt das Herz. Ein Abschied. Danke, Rolf Becker! Auf der Homepage von Heike Sudmann, der Co-Fraktionsvorsitzenden, gemeinsam mit Partei und Bürgerschaftsfraktion Hamburg.

Hier: „Im Alter von 90 Jahren ist der Schauspieler, Gewerkschafter und Antifaschist Rolf Becker gestorben.

Im Alter von 90 Jahren ist der Schauspieler, Gewerkschafter und Antifaschist Rolf Becker gestorben. „Rolf hat allein mit seiner Anwesenheit Mut gemacht. Die vielen Demos und Aktionen, die er mitgemacht hat, lassen sich nicht aufzählen. Besonders in Erinnerung bleiben mir seine Unterstützung für den Erhalt der Schiller-Oper und der Kampf gegen Spekulation in St. Georg. Danke für so Vieles. Rolf, du wirst uns fehlen!“, sagt Heike Sudmann.

Partei und Fraktion verabschieden sich von Rolf Becker.

Dazu Marie Kleinert, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Rolf Becker mischte sich ein in eine Gesellschaft, die ihm zu eng und zu kalt war – er gab Widerworte gegen den Zeitgeist, er hat nie seinen Frieden gemacht mit der deutschen Wirklichkeit, all diesem in-die-Tasche-lügen. Rolf Becker hat auf der Bühne vom Widerstand gesprochen und gesungen, er stand auf der Straße an der Seite von Gewerkschaften, Friedens-Aktivist*innen und all denjenigen, die von Sparpolitik, Privatisierungen und Verarmung getroffen sind – ob in Griechenland oder direkt vor seiner Haustür in St. Georg. Mit Rolf Becker verliert Hamburg nicht nur einen großartigen Schauspieler, sondern auch eine unverzichtbare Stimme gegen Spekulantengier oder in den Kämpfen um ein solidarisches Quartier.“

Dazu Thomas Iwan, Co-Landessprecher der Hamburger Linken: „Rolf Becker hat gezeigt, was es heißt, Antifaschismus, Internationalismus und Stadtteilarbeit zusammenzudenken – vom Einsatz für politische Verfolgte bis zu Protesten gegen die Umwandlung von Wohnraum in renditegetriebene Anlageobjekte. Wir trauern um einen wunderbaren Menschen und einen mit all seinem Optimismus ansteckenden Aktivisten. Wir sind tief traurig und in Gedanken bei seiner Familie.“

 

Rechtsextreme für strahlende Atom-Allianz im Bundestag

Soll man das nun verschweigen, weil es von der AfD kommt? Seit Jahren schiebt die AfD auch in Sachen Atomenergie eine Debatte an, der sich liberale und konservative nicht mehr erwehren mögen. Die AfD will jetzt einen Antrag zum „Beitritt zur europäischen Nuklearallianz“ einbringen. Auch die amtierende Wirtschaftsministerin hat – mit Widerspruch aus dem Haus des Umweltministeriums – bereits positiv auf diese Initiative Bezug genommen. Der Antrag selbst liegt noch nicht vor, ist jedenfalls mit Stand heute, 18.24 Uhr noch nicht online. Die Nuklear-Allianz ist stark von Frankreich inititiert, sieht die Atommeiler als CO2.arme Energie als Baustein gegen die Klimakrise an und hat weitere EU-Ländern inzwischen als Unterstützer. Die AfD will mit ihrem Antrag in den Wirtschafts- und Energieausschuss und nicht in den Umweltausschuss.

Auf der TO-Seite des Bundestags, Stand jetzt, heißt es: „Beratung des Antrags der Fraktion der AfD – Beitritt Deutschlands zur europäischen Nuklearallianz, Drucksache 21/…“ Und Heute im Bundestag berichtet – obwohl der Antrag nicht vorliegt: „Liveübertragung: Donnerstag, 18. Dezember, 16.50 Uhr – Der Bundestag berät am Donnerstag, 18. Dezember 2025, einen Antrag mit dem Titel „Beitritt Deutschlands zur europäischen Nuklearallianz“, den die AfD-Fraktion angekündigt hat. Nach 30-minütiger Debatte soll der Antrag an den federführenden Ausschuss für Wirtschaft und Energie zur weiteren Beratung überwiesen werden. (hau/08.12.2025)“

Strahlenschutz Tschernobyl: Schutzhülle ist nicht mehr gegen radioaktive Freisetzungen sicher

Die Schutzhülle über den 1986 explodierten Atomreaktor Block 4 in Tschernobyl (Ex-Sowjetunion, heute Ukraine) kann nach einem militärischen Angriff, einem Einschlag, Feuer und notwendigen Abwehrmaßnahmen seine Funktion nicht mehr erfüllen. Tschernobyl war infolge der russischen Invasion in die Ukraine zunächst besetzt und dann geräumt worden. Die Schäden hat nun die Internationale Atomenergie Agentur IAEA nach einer Vor Ort Inspektion mitgeteilt. Auch die sechs von Russland im Ukraine-Krieg besetzten Reaktoren Saporischschja sind immer wieder von militärischen Kampfhandlungen und Stromausfällen bedroht. (Foto: Screen, Urheber ?)

Als Größenvergleich wird bei Heise (siehe unten) mitgeteilt, dass Notre Dame in Paris unter dieser Schutzhülle von Tschernobyl passen würde. Angesichts der Meldungen aus der Ukraine, aber auch sonst mit Blick auf die nuklearen Gefahren und Kosten ist es schon erstaunlich, dass immer mehr konservervative, vermeintlich liberale bis hin zu faschistischen Kräften meinen, dass man mit der Atomenergie technologie-offen oder technologie-neutral umgehen könne.

  • Alles über Tschernobyl auf umweltFAIRaendern.de
  • Die Internationalen Ärztinnen zur Verhütung des Atomkriegs (IPPNW), ausgezeichnet mit dem Nobelpreis, werden im kommenden Jahr eine Fachtagung zu den Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima durchführen. Infos sind hier online. Programm siehe auch unten.

Im April 2026 jährt sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl zum 40. Mal. Die radioaktive Wolke, die sich nach dem Brand im Reaktor über große Teile Europas ausbreitete, hat große Flächen kontaminiert. Vor allem Weißrussland war stark betroffen, aber auch von Schweden über Deutschland und in anderen westlichen Länder ist es zu erheblichen Belastungen gekommen. Milch und andere Nahrungsmittel mussten in großen Stil vernichtet werden. Tausende Feuerwehrleute und Rettungskräfte, die vor Ort das Feuer bekämpften, erkrankten oder starben an den hohen Strahlenwerten.

Der betroffene Reaktor war nach der Explosion notdürftig von tausenden Soldaten und Rettungskräften mit Beton zugeschüttet worden. Dazu wurden auch Hubschrauber eingesetzt. Wegen der extrem hohen Strahlenwerte konnte die Rettungskräfte oft nur wenige Minute eingesetzt werden, und trugen trotzdem massive Strahlenschäden davon. Der sogenannte „Sarkophag“ wurde im Rahmen internationaler Bemühungen und Finanzierungsvereinbarungen schließlich 2016 durch eine neue, extrem aufwendige und komplexe Stahlkonstruktion ersetzt. Diese sollte eigentlich für einige Jahrzehnte eine Strahlenschutz-Barriere darstellen. Der havarierte Reaktor ist immer noch – wie das auch in Fukushima (Japan) der Fall ist – mit dem hochaktiven Brennstoff gefüllt und der gesamte radioaktive Abfall aus den insgesamt vier AKW-Blöcken lagert immer noch vor Ort.

  • Der Bericht der IAEA zu den Zerstörungen in der Schutzhülle des Tschernobyl-Reaktors ist hier online. (siehe auch unten)
  • Viele Medien berichten mit Bezug auf die IAEA auf die Zerstörungen in Tschernobyl. Darunter z.B. auch Heise. Auch die Deutsche Welle informiert. ZDF-heute meldet dazu. Auch der Spiegel greift das Thema auf.

Bei Heise heißt es: „Entstanden sind die Schäden bei einem russischen Drohnenangriff im Februar 2025, bei dem eine Drohne das Bauwerk traf und durch die äußere Schutzwand des NSC drang. Teile des Fluggeräts schlugen auch durch die innere Wand, neun Meter unterhalb. Der Vorfall verursachte einen Großbrand, welcher ebenfalls die Außenhülle der massiven Stahlkonstruktion beschädigte, wie die IAEA berichtet. Bei den Löscharbeiten im Februar mussten zusätzliche Löcher in die Außenwand geschnitten werden, weil der Brand auch zwischen den beiden Schutzwänden wütete.“

Weiter heißt es bei Heise in der Übersetzung auf Basis der IAEA: „Fatale Schäden“ und „Die Delegation bestätigte jetzt, dass die NSC ihre primären Sicherheitsfunktionen, einschließlich der Eindämmungsfähigkeit von Radioaktivität, verloren hat.“

Beim Spiegel heißt es: „Die Vereinten Nationen hatten am 14. Februar berichtet, dass eine Drohne mit einem hochexplosiven Sprengkopf das Kraftwerk getroffen habe. Die Ukraine machte Russland dafür verantwortlich, Moskau wies dies zurück. Die Strahlenwerte blieben den damaligen Angaben zufolge normal und stabil.“

Der Bericht der IAEA ist hier als Dokumentation:

Update 331 – IAEA Director General Statement on Situation in Ukraine

Vienna, Austria, 124/2025

An IAEA team is criss-crossing Ukraine this month to assess the status of electrical substations critical for nuclear safety and security, following recent military attacks targeting energy infrastructure, Director General Rafael Mariano Grossi said today.

The 1-12 December visit will focus on more than ten substations – essential nodes in the electrical grid related to the nuclear power plants (NPPs) – to assess the damage, review repair efforts, and identify practical steps to strengthen the resilience of off-site power supplies to the country’s NPPs, three of which are still operating to generate electricity.

It is the latest of several such expert missions since September last year, when the substations became increasingly affected by the military conflict.

“These substations are essential for nuclear safety and security. They are absolutely indispensable for providing the electricity all nuclear power plants need for reactor cooling and other safety systems. They are also needed to distribute the electricity that they produce to households and industry,” Director General Grossi said.

Previous IAEA missions to the substations have highlighted a continued degradation of the grid and increased challenges to the transmission infrastructure. Substations serve as facilities where voltage levels are transformed and controlled for reliable power transmission. The IAEA continues to monitor the situation from a nuclear safety and security perspective.

Last week, another IAEA team completed a comprehensive safety assessment of the New Safe Confinement (NSC) at the Chornobyl site, which was severely damaged in a drone strike in February. This event also caused a major fire in the outer cladding of the massive steel structure built to prevent any radioactive release from the reactor destroyed in the 1986 accident.

The mission confirmed that the NSC had lost its primary safety functions, including the confinement capability, but also found that there was no permanent damage to its load-bearing structures or monitoring systems.

“Limited temporary repairs have been carried out on the roof, but timely and comprehensive restoration remains essential to prevent further degradation and ensure long-term nuclear safety,” Director General Grossi said.

Based on the mission findings, the IAEA recommends further restoration and protective work of the NSC structure, including humidity control measures and an updated corrosion monitoring programme, as well as an upgrade of an integrated automatic monitoring system for the shelter object structure built on top of the reactor immediately after the accident.

In 2026, with support from the European Bank for Reconstruction and Development (EBRD), the Chornobyl site will undertake additional temporary repairs to support the re-establishment of the NSC’s confinement function, paving the way for full restoration once the conflict ends.

“The IAEA – which has a team permanently at the site – will continue to do everything it can to support efforts to fully restore nuclear safety and security at the Chornobyl site,” Director General Grossi said.

As part of the comprehensive programme of assistance, the Agency arranged three new deliveries of equipment and supplies to Ukraine, bringing the total to 188 since the start of the conflict. The medical unit at the Chornobyl NPP site received medications and the Central Enterprise for Radioactive Waste Management received various personal protective equipment. The deliveries were supported with funds from the European Union and the United Kingdom.

With these deliveries the total value of the equipment and supplies, needed for nuclear safety and security, that reached Ukraine since the start of the armed conflict exceeds 21 million euros.

Dokumentation zur Tagung der IPPNW zu Atomgefahren Tschernobyl und Fukushima: 

Samstag, 7. März 2026 in Stuttgart

15 Jahre Fukushima – 40 Jahre Tschernobyl

Atomgefahren und Gesundheitsrisiken: damals – heute – morgen

Diese Tagung widmet sich den bis heute anhaltenden, teils verheerenden Folgen der beiden größten Atomunfälle der Geschichte. Sie wirft einen kritischen Blick auf Gegenwarts- und Zukunftsthemen der Atomenergie. Mit Stimmen und Eindrücken aus den von den Reaktorkatastrophen betroffenen Regionen sowie internationalen Expert*innen und Engagierten.

Die Tagung findet im Bürgerzentrum Stuttgart West, Bebelstraße 22, 70193 Stuttgart statt.

→ Anmeldung

Programm

11 Uhr
Begrüßung und Einführung (Dr. med. Angelika Claußen, IPPNW)

11:30-13 Uhr 
Block 1: 
 
40 Jahre Tschernobyl – 15 Jahre Fukushima: Stand heute 
• Tschernobyl – Aktuelle Eindrücke aus Belarus, Videobotschaft
Chernobyl – Safe Confinement at Times of War? (Vladimir Slivyak, Ecodefense Russland)
Fukushima: Eindrücke von vor Ort. „No More Hibakusha - Testimonies from Fukushima Children“ (Mino Morishita & Naoto Anzai, angefragt)
Zwischen Prekarität und Verharmlosung – Zur Situation der Aufräumarbeiter*innen von Fukushima Daiichi (Natsuko Katayama, Reporterin Tōkyō Shimbun, Autorin  „Fukushima Workers Diary“, angefragt)

14-15 Uhr
Block 2: Gesundheitliche Folgen der Reaktorkatastrophen: Neue medizinische Einsichten 
Gesundheitsfolgen der Atomkatastrophen von Fukushima und Tschernobyl – ein Überblick (Dr. med. Alexander Rosen, IPPNW)
Empirie gegen Ignoranz – Update zum Gesundheitsrisiko niedriger Strahlendosen (Prof. Dr. med. Wolfgang Hoffmann)
Raum für Fragen, Erläuterungen, Diskussion

15:30-17 Uhr
Block 3: Atomkritische Aussichten 
Who’s next? Das nächste Desaster kommt bestimmt! Podiumsgespräch über aktuelle GAU-Gefahren
Uran: Aktuelle Ressourcen- und Geopolitik um den Rohstoff des Atomzeitalters (Franza Drechsel, Projektmanagerin der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Co-Redakteurin Uranatlas & Patrick Schukalla, Geograf und IPPNW-Referent)
Nuclear Power powers the Bomb: Zum Verhältnis von nuklearer Abschreckung und Atomenergie (ein Beitrag aus der Internationalen IPPNW)

Ab 17 Uhr: Vernetzung und Ausklang

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