UmweltFAIRaendern stellt hier eine Stellungnahme gegen die in den Niederlanden geplante Laufzeitverlängerung für das Uralt-AKW Borssele sowie gegen den Bau neuer Atomreaktoren zum download bereit. Im sog. Scoping-Verfahren für die Umweltverträglichkeitsprüfung haben EU-Bürger:innen das Recht, im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung eine Stellungnahme abzugeben. Sie muss unbedingt bis zum 11. Juli unterschrieben bei der zuständigen Stelle in den Niederlanden per Mail eingegangen sein.
Die Stellungnahme ist hier als Doc.Datei zum download bereit gestellt. Sie muss noch mit Namen und Adresse sowie Ort und Datum ergänzt werden und kann dann per Mail an die zuständige Behörde geschickt werden. Das muss bis spätestens zum 11.7. per Email an das Wirtschaftministerium in den Niederlanden: info@platformparticipatie.nl (steht auch noch mal in der Stellungnahme).
„Atomwende? Ja, bitte! Warum die Abkehr von der Atomenergie und eine gute Entsorgungspolitik die Energiewende in Deutschland befördern werden.“ Das ist die Headline eines sozialwissenschaftlichen Beitrags, der den Wirrungen einer konservativ-ideologischen Pro-Atomenergie-Propaganda angesichts wachsender Öko-Krisenlagen einen demokratischen Diskurs entgegenstellt, wie eine demokratischer Perspektive im Umgang mit den Grenzen dieses Planeten anbietet. Wie geht sozial-ökologische Transformation – Demokratisch! Von einem Konzept einer atompolitischen Wende ist die Rede. Was könnte das sein? Von Plutoniumneutralität hat einer von denen neulich geschrieben. Alles klar!
„Atomenergie bleibt gesellschaftlich umkämpft. Zum einen wird sie wieder als Zukunftstechnologie gehandelt, mit der vermeintlich klimafreundlich und ressourcenschonend Strom erzeugt werden kann. Zum anderen ist die Endlagerung von Atomabfällen noch nicht geregelt. Das Konzept der „atompolitischen Wende“ bringt – analog zur Energiewende – dieses Ringen auf den Punkt. Die Beendigung der kommerziellen Nutzung der Atomenergie und eine gute Entsorgungspolitik sind Gelingensbedingungen für die Energiewende und die sozial-ökologische Transformation in Deutschland.“ Das ist aus einem neuen Aufsatz von Fabian Präger, Achim Brunnengräber und Christian von Hirschhausen. Erschienen ist der Aufsatz in „ÖKOLOGISCHE PERSPEKTIVEN FÜRWISSENSCHAFT UND GESELLSCHAFT“ bei OEKOM unter diesem Link mit Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe als PDF: – direkt auch gleich hier hier.
Artikel mit „radioaktivem“ sozialwissenschaftlichem Bezug zu Achim Brunnengräber auf umweltFAIRaendern.de
Staatliches Forschungsprogramm Entria – nicht nur technisch, auch sozialwissenschaftlich zu Atommüll und Demokratie
Atomenergie und Atomstrom, heute. Abgeschaltet. Atommüll? Bleibt. Überall. Von Zwischenlagerung zu Zwischenlagerung! Endlager XY ungelöst! Hochradioaktiv. Ungeendlagert. Und noch viel später, als gesetzlich versprochen. Unter keinen Umständen darf dieser Atommüll direkt mit der Welt verbunden sein. Enorme Sicherheitsmaßnahmen sind notwendig, um Mensch und Strahlung auseineranderzuhalten. Der WDR berichtet über Atommüll auf Geisterfahrt: „Atommüll-Transporte aus Jülich nach Ahaus ab 2024 möglich“
oder auch hier auf UmweltFAIRaendern zum Thema Endlager.
Darf man Texte vom WDR einfach so übernehmen? Wenn man öffentlich.rechtliche Quelle nennt, wenn man Gebührenzahler ist? Danke für die Rechereche des WDR!
Die Entsorgungsgesellschaft Nuklearanlagen geht davon aus, dass der Atommüll aus dem Zwischenlager in Jülich ab Frühjahr 2024 nach Ahaus transportiert wird. Die dafür erforderliche Genehmigung wird in Kürze erwartet.
Die Verlagerung der 152 Castor-Fässer mit hochradioaktiv strahlenden Brennelementkugeln aus dem abgeschalteten Jülicher Versuchsreaktor nach Ahaus sei die Option, die am schnellsten umgesetzt werden könne, sagte ein Sprecher der Entsorgungsgesellschaft Nuklearanlagen (JEN).
Das bestätigen auch drei Bundesministerien in einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestages: „Nach Ansicht der Beteiligten sprechen derzeit viele Gründe dafür, die Ahaus-Option vor dem Hintergrund der atomrechtlich angeordneten unverzüglichen Räumung und im Sinne eines wirtschaftlichen Mitteleinsatzes als vorzugswürdige Option gegenüber der Neubau-Option einzuordnen.“
Zwischenlager Jülich 10 Jahre ohne Genehmigung
Zum Hintergrund: Seit zehn Jahren ist die Genehmigung für das Atommüll-Zwischenlager ausgelaufen. Und so lange gibt es auch schon die Anordnung zur Räumung. Voraussetzung dafür ist aber eine Transport-Genehmigung des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE). Die JEN geht davon aus, dass die Genehmigung in Kürze erfolgen wird. Damit wäre der Weg frei für den Transport des Atommülls ins Münsterland – eigentlich.
Denn ein paar Stolpersteine könnten das Projekt noch weiter verzögern. Das ist einmal die Klage der Stadt Ahaus gegen die Einlagerung der Castor-Fässer aus Jülich. Ein Urteil könnte zum Jahresende erfolgen. Und es könnte sein, dass Anwohner gegen die Transporte klagen, sobald bekannt ist, welche Straßen betroffen sein werden. Das ist derzeit noch Verschlusssache.
Auch rechnen die Behörden mit erheblichen Protesten von Atomkraftgegnern und Klimaschützern. Ob dann über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren genügend Polizeikräfte zur Verfügung stehen, um die Transporte zu sichern, ist offen.
152 Transport-Fahrten nach Ahaus
Immerhin plant die JEN aktuell 152 Fahrten: Eine Fahrt pro Castor-Fass auf einem Tieflader mit spezieller Sicherheitstechnik und entsprechenden Begleitfahrzeugen. Die Polizei könnte aber nach eigenem Ermessen auch Konvois anordnen, sagt JEN-Sprecher Jörg Kriewel. Und sie kann auch bei den Transport-Zeiträumen mitreden. Großereignisse wie die Fußball-EM im kommenden Jahr könnten viele Polizeikräfte binden, die dann nicht für Atommüll-Transporte zur Verfügung stünden.
Für die Räumung des alten Zwischenlagers in Jülich rechnet der Bund mit Gesamtkosten von mehr als 200 Millionen Euro. Der Bau eines neuen Zwischenlagers in Jülich würde nach Schätzungen der JEN mindestens 450 Millionen Euro kosten. Bezugsfertig wäre es erst 2032. Diese Lösung soll weiterverfolgt werden, bis klar ist, ob die Ahaus-Option tatsächlich realisiert wird.
Aber „die Beteiligten sind sich einig, dass die parallele Weiterverfolgung so bald wie möglich zu beenden ist“, heißt es in dem Bericht der drei Bundesministerien an den Haushaltsausschuss.
Weltweit haben die USA und der Atomwaffensperrvertrag Maßstäbe im Umgang mit der Atomenergie gesetzt, um die Verbreitung von Atomwaffen massiv zu erschweren. So jedenfalls die westlichen Frames. Aber es waren auch die USA, die gegen Japan (statt Deutschland) von der Atomwaffe im Krieg – erstmals – und zuletzt – im Krieg gebrauch machten. Die Technik der Kernspaltung war in der Welt. Nicht Deutschland, aber Frankreich, Großbritannien, Russland, China, – Pakistan, Indien, Nordkorea, Israel folgten mit Atomwaffen – und demnächst oder schon Iran und andere. Und mehr Staaten streben das an, ohne es zu sagen: Vereinigte Arabische Emirate, Türkei, Polen, Saudi-Arabien. Nun leisten die USA mit einem weiteren Schritt einen Beitrag, die Grenzen zwischen militärischer und ziviler Atomenergie weiter aufzuheben.
Für einen neuen Forschungsreaktor soll seit Jahrzehnten erstmals wieder Uran mit einer atomwaffenfähigen Anreicherung direkt eingesetzt werden. Im Iran wird man diese Meldung sehr aufmerksam registrieren. Die USA unternehmen ein Schritt, der westliche Glaubwürdigkeit massiv untergraben wird. Eine Perspektive auf Europa und die USA, die mit Widersprüchen zwischen Moral und Werten einerseits und konkreten Realitäten anderseits zu tun hat.
Weltweit hatten sich die USA bislang mit massiven ökonomischen und praktischen Maßnahmen eingesetzt, dass im Atomforschungsbereich Kernbrennstoff nur unterhalb der als Schwelle zur Atomwaffenfähigkeit geltenden Anreicherung des spaltbaren Uran235 von 20 Prozent genutzt werden dürfte. Ausgerechnet die Bundesrepublik hat diese bisherige Richtlinie der USA in Sachen Verhinderung der Ausbreitung von Atomwaffen-Technik ignoriert und in München Garching einen Atomforschungsreakor in Betrieb genommen, der mit atomwaffenfähigem Uran betrieben. Weil die USA das Uran nicht liefern wollte, bestellte die Bundesrepublik und die Univerisität in München das Atomwaffen-Uran in Russland, und ließ das in Frankreich zu den benötigten Brennelementen zusammen bauen. Atomenergie und Bombe sind verdammt kompliziert, aber extrem gefährlich.
Zum Thema Atomwaffen auf UmweltFAIRaendern (zivil-militärische Nutzung, Dual-Use)
Atomenergie-Anlagen sind immer mehr in den Focus möglicher Terroranschläge geraten. Schon seit über einem Jahrzehnt haben die Sicherheits- und Atombehörden für erhöhte Schutzmaßnahmen und Nachrüstungen bei bundesdeutschen Atomanlagen gesorgt. Mehr Beton und Stahl gegen Raketenangriffe. Staatlich werden diese Abwehr- bzw. Sicherungsmaßnahmen als „SEWD“ gekürzelt – Schutz gegen Störmaßnahmen und sonstige Einwirkungen Dritter. Dazu hier!