Infoveranstaltung: Atomkraftwerke runterfahren! Jetzt blockieren? Aktionen angekündigt

Atomkraftwerke runterfahren. Spätestens am 15. April muss endgültig Ende für den deutschen Atomstrom sein! Für das Wochenende ab dem 3. März ruft ein Bündnis zu Aktionen des zivilen Ungehorsams am AKW Isar 2 bei Landshut auf. Isar ist einer der drei Atomreaktoren, deren Betrieb mit allen nuklearen Risiken ohne vernünftigen Grund aus politisch-ideologisch motivierten Druck von Ende Dezember 2022 auf Mitte April 2023 vom Deutschen Bundestag verlängert worden war. Eine weitere Laufzeitverlängerung soll es nicht geben, heißt es. Die Unsicherheit, ob die Grünen möglicherweise nochmal umfallen, ist groß. Und es gibt Informationen, dass Isar 2 ohnehin Anfang März wieder vom Netz gehen muss (siehe bei .ausgestrahlt.de), weil dann die Kettenreaktion zur Stromerzeugung zusammen brechen würde. Am 26. Februar laden die Initiatoren zu einer Online-Veranstaltung um zu diskutieren: Jetzt blockieren (oder nicht?)(Foto: Aktion am AKW Emsland in Lingen.

  • Aktuelle News zu den Planungen und Aktivitäten sind im letzten Newsletter enthalten, der hier zu finden ist.
  • Über die Aktionen von „runtergefahren“ hatte umweltFAIRaendern hier berichtet.

Dokumentation: runterfahren.org

Jetzt blockieren (oder nicht?)

Wenn ihr euch noch eine Meinung bilden wollt, ob ihr an der Aktion teilnehmen wollt – Wenn ihr mehr Infos wollt, warum Aktionen gerade in der jetzigen Situation politisch wichtig sind – Wenn ihr anschaulicher wissen wollt, wie die Aktion aussehen wird – dafür bieten wir euch eine Online-Infoveranstaltung an: am Sonntag 26.02. 18:00-19:30.

Bei Interesse meldet euch bis zum 25.02. unter kontakt@runterfahren.org :

⊗Ich möchte an der Online-Infoveranstaltung teilnehmen. Bitte schickt mir die Zugangsdaten!

⊗Ich habe prinzipiell Interesse, kann aber an dem Termin nicht.

Wenn ihr euch noch eine Meinung bilden wollt, ob ihr an der Aktion teilnehmen wollt – Wenn ihr mehr Infos wollt, warum Aktionen gerade in der jetzigen Situation politisch wichtig sind – Wenn ihr anschaulicher wissen wollt, wie die Aktion aussehen wird – dafür bieten wir euch eine Online-Infoveranstaltung an: am Sonntag 26.02. 18:00-19:30.

Bei Interesse meldet euch bis zum 25.02. unter kontakt@runterfahren.org :

⊗Ich möchte an der Online-Infoveranstaltung teilnehmen. Bitte schickt mir die Zugangsdaten!

⊗Ich habe prinzipiell Interesse, kann aber an dem Termin nicht.

Wasserstoff Hub: Hamburger EnergieWerke „kaufen“ Vattenfalls stillgelegtes Kohlekraftwerk Moorburg

Die HamburgerEnergieWerke – als wieder öffentliches Unternehmen hervorgegangen aus dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ zur Rekommunalisierung der Energienetze – „kauft“ von Vattenfall Teile des Geländes mitsamt dem im Rückbau befindlichen Kohlekraftwerk Moorburg. Über entsprechende Verhandlungen mit Vattenfall hatte Umweltsenator Jens Kerstan bereits im November im „Klönschnack“ informiert. Anfang Dezember bestätigte Ener|gate in einer Meldung entsprechende Übernahmegespräche. Mit der Übernahme erhält Hamburg die Kontrolle über das Gelände und den Rückbau, um für den Aufbau einer Wasserstoff-Pilotanlage am Standort Moorburg eine Grundlage zu legen. Über die Summen dieses Deals war nichts zu vernehmen. Klar ist aber, das die HEW (HEnW*) von Vattenfall Geld für die Überahme erhalten wird, weil damit auch die Rückbau-Verpflichtungen von Vattenfall an das öffentliche Unternehmen übergeben dürften.

* Das die kommunalen Hamburger EnergieWerke sich offiziell HEnW abkürzen – statt wie früher HEW – liegt daran, dass Vattenfall bei der Übernahme der HEW Anfang der 2000er Jahre auch die Namensrechte übernommen haben und diese bis heute als Marke weiterführen.

Am Standort Moorburg soll das Wasserstoff-Projekt „Hamburg Green Hydrogen Hub“ (HGHH) entstehen. Beteiligt an der Gesellschaft sind die Konzerne Shell und Mitsubishi sowie das öffentliche Unternehmen Hamburger EnergieWerke, die jüngst aus der Fusion von Hamburg Wärme und Hamburg Energie hervorgegangen sind. Die HEW halten an dieser Gesellschaft eine Sperrminorität von 25,1 Prozent (Siehe dazu unten).

Gegenüber Klönschnack sagte Kerstan zu dem Projekt: „Wir werden dort mit einem Konsortium aus privaten Firmen und unseren Hamburger Energiewerken einen 100 Megawatt Elektrolyseur (Produktionsstätte für Wasserstoff, Anm. d. Redk.) errichten. Die Verhandlungen mit Vattenfall, das Grundstück zu erwerben, laufen gerade. Wenn das abgeschlossen ist, planen wir dort einen weiteren Elektrolyseur in der Größenordnung von 700 MW. Das zeigt, wie schnell die Entwicklung vorangeht: Der erste Elektrolyseur ist schon der größte, der in Europa im Moment geplant wird und wir sind eigentlich kurz davor, einen weiteren mit wesentlich größerer Kapazität anzuschieben.“

  • Kerstan hob in dem Interview auch noch mal die Bedeutung des Volksentscheids Unser Hamburg Unser Netz für die Energie- und Klimapolitik in Hamburg hervor. 2013 hatte ein breites Bündnis mit dem Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ die Rekommunalisierung der Energienetze durchgesetzt. Kerstan im Klönschnack: „Wir mussten Hamburg in den vergangenen Jahren erstmal in die Lage versetzen, wirksam Klimaschutz betreiben zu können. Wir haben Anfang des Jahrtausends den Fehler gemacht, unsere Energieunternehmen zu privatisieren. Erst vor etwa zwei Jahren hatten wir diese zentralen Unternehmen in ihrer Gesamtheit, die Hamburger Energiewerke, Stromnetz Hamburg und Gasnetz Hamburg, wieder in eigener Regie und konnten dadurch eigenständig Politik machen, ohne jedes Mal mit privatwirtschaftlichen Unternehmen in langwierige Verhandlungen einzusteigen oder große Gesetzesvorhaben zu starten. Nun haben wir das Fundament gelegt und können mit voller Kraft durchstarten. Im Haushalt sind wir, wie bereits erwähnt, mittlerweile gut aufgestellt. Mein Personal wurde gerade aufgestockt, sodass wir in Zukunft Genehmigungsverfahren schneller vorantreiben können. Daher werden wir jetzt nicht nur das bisher Geplante schneller umsetzen können, sondern auch die notwendigen Verschärfungen der Ziele.“ Siehe auch: Gewonnen – Danke! – Energiewende kommt – Vattenfall: TSCHÜSS – E.on: Bye Bye!
  • Alles zum Volksentscheid Unser Hamburg Netz zur vollständigen Rekommunalisierung der Energienetze auf umweltFAIRaendern.de
  • Stadtwerke 2.0 auf dem Weg? Hamburg fusioniert Energie und Wärme-Gesellschaften zu HEnW

Energate stützt sich auf Aussagen von Vattenfall und HEW (HEnW) und berichtet: „Gemeinsames Ziel ist es demnach, „den Energiestandort am Hamburger Hafen mittel- und langfristig
nachhaltig und zukunftssicher zu entwickeln und den Rückbau zu organisieren“, heißt es in einem gemeinsamen Statement“.

An der HGHH ist Vattenfall nicht mehr beteiligt. Das Gelände, auf dem das Kohlekraftwerk Moorburg errichtet worden ist, gehörte nur zum Teil Vattenfall. Größere Flächen waren bzw. sind im Eigentum der Hamburger Port Authority bzw. öffentliches Eigentum. Mit der Übernahme durch die HEW (HEnW) geht nun die gesamte Fläche in den Besitz der öffentlichen Hand. Statt Vattenfall ist dann das öffentliche Unternehmen für den laufenden Rückbau der Alt-Anlage verantwortlich.

In einem Artikel vom 19. Januar wird auf Energiezukunft unter der Überschrift „Hamburger Hafen soll Drehkreuz für Wasserstoff werden“ über das gesamte Wasserstoff-Projekt berichtet: „Dabei ist die „Metamorphose“ der Kohlekraftwerksruine, die letztlich eine in der Vergangenheit bigott-inkonsequente Energiewende auf desaströse Weise verkörpert, mit weiteren Hamburger Wasserstoffvorhaben eng verzahnt. So will die Hansestadt Hamburg im Rahmen der sogenannten Important Projects of Common European Interest, kurz IPCEI, insgesamt acht Wasserstoff-Projekte auf den Weg bringen.“

Weiter schreibt EZ zu den Kosten der Projekte und den Förderungen: „Während die Stadt mit der im Dezember gefällten Zustimmung des Landesparlaments dafür 223 Millionen Euro zur Verfügung stellt, verpflichtet sich der Bund zu einer Förderung von rund 520 Millionen Euro. Zudem beabsichtigen die beteiligten Unternehmen rund 1,3 Milliarden Euro zu investieren, so dass am Ende rund zwei Milliarden Euro fließen werden, um im XXL-Format die grüne Wasserstoffproduktion in Hamburg anzukurbeln.“

Dort sind auch weitere interessante Hinweise auf die anlaufenden Projekte und die Probleme, Risiken und Nebenwirkungen. Mit Blick auf das HGHH und Vattenfall fragt EZ auch: „Ein illustres Konsortium aus den Unternehmen Shell, Mitsubishi und Hamburger Energiewerke firmiert unter dem Namen Hamburg Green Hydrogen Hub und geht in Moorburg an den Start. Dabei wird Vattenfall, der einstige Betreiber des dortigen Kohledesasters, als strategischer Partner, was auch immer das bedeuten mag, genannt.“ Tatsächlich ist die Rolle von Vattenfall in dieser Sache unklar. Selbst auf der improvisierten SHELL-Seite zum Hub ist Vattenfall noch genannt.

Mit dem Verkauf der Gelände-Anteile und der Kraftwerksruine Moorburg an die Hamburger EnergieWerke dürfte jedoch klar sein, dass Vattenfall in diesem Projekt keine Rolle mehr spielen wird. Noch wird Vattenfall als Windstromlieferant genannt, aber auch das ist nicht wahrscheinlich und Hamburg dürfte sich mit seinen neuen Ressourcen in Form der Öffentlichen Energieunternehmen vermutlich auch als Stromlieferant für das Wasserstoff-Projekt in Position bringen.

Im Beteiligungsbericht hatte der Senat jüngst zu den Eigentumsverhältnissen der neuen HUB-Gesellschaft mitgeteilt: „Die Hamburger Energiewerke GmbH hat gemeinsam mit Shell und Mitsubishi die Hamburg Green HydrogenHub GmbH & Co. KG (sowie die dazugehörige Komplementärgesellschaft) gegründet (Anteil  25,1%). Die Beteiligung an dieser Projektgesellschaft zur Errichtung eines Elektrolyseurs als Nachnutzung des Areals des ehemaligen Kraftwerks Moorburg soll den Einfluss und die Steuerung der Stadt auf diesen Aspekt der städtischen Wasserstoffstrategie sichern.“ (Drucksache 22/10058, Seite 10)

 

 

 

Hochradioaktiver Atommüll: In den Castor reinschauen – mit Myonen?

Atommüll. Was tun? Klar ist erstmal: Der Atommüll ist weltweit vorhanden, die Menge wächst und was damit jemals sicher für irgendwas mit einer Million Jahre (WAS?) passieren soll und kann, weiß so richtig niemand. Aber egal: Männer heulen nicht und: Atomstrom kann man gern mal machen. Hoffentlich trift es andere. Aber: Wie kann man wirklich prüfen, dass hochradioaktiver Atommüll auch langfristig oberirdisch sicher gelangert werden kann? Was macht die Strahlung, was wissen (Grenzen) wir und was macht die Zeit? Was droht an Risiken aus wachsenden sozialen und staatlichen Konflikten? Stichwort Zivilisation! Und was können Myonen helfen, um diese Risiken genauer zu betrachten und später zu bewerten?

Wie man in einen Atomreaktor schauen könnte, ist hier zu lesen. Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) von Atommüll hat ein Auge drauf. Aber wie kann sie – ohne Castorbehälter zu öffnen und reinzuschauen, prüfen, wie es in den Behältern aussieht und in welchem Zustand der darin befindliche Atommüll ist? Droht eine Atomexplosion, wenn man den Behälter bewegt, wenn er ins Endlager soll? Oder hält das Zeug auch einer verlängerten oberirdischen Zwischenlagerung, gemessen an technischen und zivilisatorischen Anforderungen stand? Die Sache ist viel komplizierter und riskanter, als diese paar Fragen andeuten! Vor allem: Es braucht eine gesellschaftliche Entwicklung, die Standards weiterdenkt und Sicherheit neu denkt? Am Rande des Limits. Was, wenn wir das nicht mehr schaffen? Was, wenn wir das nicht mehr wollen würden?

Myonen und das Atomforschungsprogramm der BGZ.

Ist das kompliziert? Atmen! Jupiter Jones, Laufzeitverlängerung – Neues Album – 2009 „Mal richtig abschalten“ in Berlin – „Lesen ohne Atomstrom“ – in Hamburg jetzt demnächst vor Fukushima-Katastrophen-Jahrestag – irgendwas falsch?

Jupiter Jones. Vor „Still“ – auf einer Bühne in Berlin – Keine Laufzeitverlängerung für Atomenergie – über 50.OOO vor dem Brandenburger Tor – NEIN zu Merkel, CDU/CSU, Liberale – Nein zu Risiko Tschernobyl II – es folgte Fukushima. Jupiter Jones auf einer Bühne der Anti-Atom-Bewegung. 2009! Fette Bühne! (eher nüchtern hier) (Moderation war mein Job.) „Einfach mal richtig abschalten“ war die „Parole“ gegen die Atom- und Kohlelobbyisten, im angesicht einer überaus erfolgreichen Expansion der Erneuerbaren Energien nach dem entstrechenden Gesetz der ersten rot-grünen Bundesregierung. Es folgte eine Art „Einsicht“, es folgte – schrittweiser – Atom(strom)ausstieg. Merkel – erst für nukleare Laufzeitverlängerung – korrigierte sich! Wenn Japan, auf einer feurigen Erdbebenrinne, als high-tech-gesellschaft, Atomrisiken nicht auf die Reihe bekommt, die Sicherheit von Atommeilern nicht gewährleisten kann, – dann schafft das Niemand. Merkel – rechts – suchte den Zusammenhalt, irgendwie. Merz sucht – mit der Idee Lindner und Black Rock – mehr Spaltung! Viel ist passiert, seit dem. Auch bei Jupier Jones. Bei Nicholas Müller – Seele ATMEN. DANKE. Für alles! Und für das Statement. Und ein neues – echtgelebtes – Album! Was eigentlich rede ich hier: Erinnerungen – Gegenwart – Zukunft. Na klar!

Für immer: Nordpool/Südpool (Youtube)

Vielleicht – vermutlich – sehr sicher – würde Jupiter Jones – mein Gefühl – in den Rahmen von „Lesen ohne Atomstrom“ reinpassen. Aber die sind ja keine Literatur! Ok? Die nunmehr 10. Veranstaltung einer Reihe, die nach der Katastrophe von Fukushima am AKW Krümmel begann, auf ausdrücklichem Wunsch von Nobelpreisträger Günther Grass! An seiner Seite – für den Atomausstieg – Nina Hagen. Natürlich schrill. Und nun wieder zurück zum Thema:

Atomenergie spaltet: Gewaltfreie Aktion – „Evangelische Kirche und Anti-AKW-Bewegung“

„Das Beispiel der Hamburger Initiative kirchlicher Mitarbeiter und Gewaltfreie Aktion im Konflikt um das AKW Brokdorf 1976–1981“ lautet  der Untertitel, des über 400 seitigen Buches von Dr. theol. Luise Schramm. Kein Krimi und auch kein Plädoyer für zivilen Ungehorsam, aber eine faktenreiche Erzählung über die Geschichte von zivilem Ungehorsam in der Auseinandersetzung um globale ökologische Risiken und Institution Kirche am Beispiel Atomenergie. Es gibt ein paar Ausflüge in die Jahre bis zur Katastrophe von Tschernobyl und der Inbetriebnahme von Brokdorf Ende 1986. Die „Solidarische Kirche“ als Nachfolgerin der Initiative ist nicht mehr Thema der „wissenschaftlichen Reportage“. Thema aber ist die damalige Kampagne für einen „Stromzahlungsboykott“ und auch die Besetzung der Petri-Kirche nach der Selbstverbrennung von Hartmut Gründler in Hamburg. Es geht Kirche um Moral. Natürlich. Um Religion, um Menschenbild. Es geht darum, aus Geschichte zu lernen? Das Buch ist ein kontruktiver und faktenreicher Beitrag zur Geschichte des zivilen Ungehorsams, – in der Kirche, bei der Suche nach Gott und Mensch. (Komisch aber: Viele Veröffentlichtungen aus dem kirchlichen Bereich sind mir bei meiner Internetrecherche jetzt nicht aufgefallen. Aber vielleicht ist so eine alte Instituion in diesem schnelllebigen jungen Medium an der Basis noch nicht so aktiv? Aber vielleicht ist der Preis von 90 Euro für das Buch auch – inzwischen – zu prüfen?! Das Buch ist bereits 2018 erschienen.)

  • Das Buch ist bei Vandenhoek und Rupprecht erschienen: Siehe hier. Mit einem Preis von 90 Euro ist allerdings wahrscheinlich, dass junge umweltengagierte Menschen dieses Buch außerhalb von einigen Universitäten nicht wirklich zur Kenntnis nehmen können und auch viele Aktive aus den Reihen gewaltfreier Aktionsgruppen nicht.
  • Eine ausführliche Besprechung des Buches von Luise Schramm ist natürlich hier bei „Kommunikation und Fachinformation für die Geschichtswissenschaften“ erschienen. Sie stammt von Jan-Henrik Meyer vom Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte / Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. Darin bespricht er auch das Buch „Gaumer, Janine: Wackersdorf. Atomkraft und Demokratie in der Bundesrepublik 1980–1989. München 2018: Oekom Verlag , ISBN 978-3-96238-073-1, 368 S. € 29,00. “ Hier auch als PDF online! (Ich traue mich aus Urheberschutzgründen nicht, diese PDF auch direkt hier verfügbar zu machen, denke aber eigentlich, als wissenschaftlicher Beitrag müsste der Text inzwischen „öffentlich“ frei verfügbar sein! Erklärt mir, was richtig oder falsch wäre und was recht ist!)
  • Siehe auch hier das Archiv Aktiv – über die Geschichte des zivilen Ungehorsams.
  • Eine 14 seitige  Arbeit von Luise Schramm mit dem Titel „Kirchliche AntiAKWBewegung zwischen Militanz und Gewaltfreiheit“ ist 2017 hier als PDF bei Nordkirche nach 45 veröffentlicht. Zu Dokumentationszwecken auch hier als PDF.
  • Die Akademie Nordkirche berichtet 2018 über eine Veranstaltung zum Buch: „Luise Schramm erschließt die Geschichte dieser kirchlichen Basisgruppe seit ihrer Entstehung im Zusammenhang mit den Großdemonstrationen gegen den Bau des Atomkraftwerkes Brokdorf und legt sowohl den Diskussionsprozess als auch die Debatten um die Aktionsweise innerhalb der Anti-AKW-Bewegung dar. Ausführlich widmet sie sich auch der Besetzung der Hauptkirche St. Petri 1979, an der auch HIkMuGA-Pastoren beteiligt waren. Die Autorin liest aus ihrer jüngst erschienenen Studie mit anschließender Diskussion.“

In dem Buch geht es um den Verlauf und in gewisser Weise um die Motive, warum Kirchen-Aktive mit Mitteln des Zivilen Ungehorsams in den 1970er und Anfang der 1980er gegen die Nutzung der Atomenergie und den Bau von Atomkraftwerken angingen, am Rande der Legalität, aber Legitim? Eine Diskussion um einen Aktivismus, der Gesellschaft und also ein Miteinander demokratisch und sozial verbessern will. Innerkirchliches Selbstverständnis und Kirche in Staat und Gesellschaft – es geht in der Frage Atomenergie, um eine Überlebensfrage der Menscheit. Es geht um Impulse, um die „Bewahrung der Schöpfung“ – auch wenn das den Bruch mit „Konventionen“ erfordert. Es geht um humanistischen Sinn, legitim, gemeinwohlorientiert – und Person.

Über den Verlauf und die Diskussionen, die Ziele und Selbstverständnis und die innerkirchliche Demokratie; – darüber gibt das Buch von Schramm zum Konflikt über den Bau des AKW Brokdorf und den damit verbundenen innerkirchlichen Konflikten im Spannungsfeld von Institution und (demokratischer) Umgang mit den Herausforderungen zivilem Ungehorsams einen detaillierten Einblick. In den 1970er Jahren als ein Bruch von Nachkriegsdeutschland im Aufstreben einer demokratischen Erneuerung gegen den Faschismus – mehr Demokratie wagen, hatte Willi Brandt empfohlen! Das wird in dem Buch historisch nicht eingeordnet, aber: Der Konflikt in dem Themenfeld wird detailliert, in jedem Fall faktenreich und gut gegliedert dargestellt.

Die Autorin, Dr. theol. Luise Schramm ist heute Pfarrerin der Ev.-luth. Kirchgemeinde Bad Schandau in der Sächsischen Landeskirche. Für ihre Darstellungen der „HIkMuGA“, so die im Buch verwandte Abkürzung für  „Hamburger Initiative kirchlicher Mitarbeiter und Gewaltfreie Aktion“, greift dich Wissenschaftlerin auch auch Archive ehemaliger Aktivist:(inn)en, wie Ulfrid Kleinert, Jan Steen und auch Wolfgang Hertle, zurück.

Informationen vom Verlag (wie oben verlinkt) als Dokumentation:

Evangelische Kirche und Anti-AKW-Bewegung

Das Beispiel der Hamburger Initiative kirchlicher Mitarbeiter und Gewaltfreie Aktion im Konflikt um das AKW Brokdorf 1976–1981 | Luise Schramm

Hardcover
2017 Vandenhoeck & Ruprecht
Auflage: 1. Auflage
452 Seiten; 23.7 cm x 16 cm
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-525-55792-1

Evangelische Kirche und Anti-AKW-Bewegung
Wie agierten kirchliche Akteure im Spannungsfeld von Anti-AKW-Bewegung einerseits und institutionalisierter Kirche andererseits? Diese Frage untersucht Luise Schramm in ihrer Studie exemplarisch anhand der Hamburger Initiative kirchlicher Mitarbeiter und Gewaltfreie Aktion (HIkMuGA) im Konflikt um das Atomkraftwerk Brokdorf.Sie erschließt die Geschichte dieser kirchlichen Basisgruppe seit ihrer Entstehung im Zusammenhang mit den Großdemonstrationen gegen den Bau des Atomkraftwerkes Brokdorf bis zur Großdemonstration im Frühjahr 1981 und legt sowohl den Diskussionsprozess als auch die Debatten um die Aktionsweise innerhalb der Anti-AKW-Bewegung dar. Weiterhin gibt sie einen tieferen Einblick in die Geschichte des von der HIkMuGA angestoßenen Stromzahlungsboykottes und untersucht, inwieweit die Diskussionen um die Atomenergie durch die HIkMuGA-Pastoren in die Gemeindearbeit, in Gottesdienste und auf Kirchentagen eingebracht wurden. Ausführlich widmet sie sich der Besetzung der Kirche St. Petri in Hamburg, an der auch HIkMuGA-Pastoren beteiligt waren, und schildert die beginnenden Institutionalisierung der Umweltverantwortung in der Nordelbischen Kirche mit der Einsetzung des hauptamtlichen Umweltbeauftragten. Ein geschichtlicher Ausblick auf die Proteste gegen das AKW Brokdorf 1986 und den in dieser Zeit entstandenen sechs Blockaden, die von der Solidarischen Kirche, in die die HIkMuGA aufgegangen ist, getragen wurden, schließt die Darstellung ab.
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