Dave Sweeney, Australischer Anti-Atom-Aktivist auf Infotour durch Deutschland. Foto: Dirk Seifert
Anti-Atom-Aktivisten aus Australien und Mali sind derzeit auf einer Inforeise in Deutschland unterwegs. Zu einem der größten Uran-Exporteure gehört Australien. Dave Sweeney von der Australian Conservation Foundation wird über den (erfolgreichen) Widerstand in den dortigen Uranbergbau-Gebieten berichten und über die ungelösten Probleme mit dem Atommüll in Down-Under. Aus Mali wird außerdem Nouhoum Keita Informationen über die dortigen Aktivitäten und den Widerstand zum Uranbergbau rund um Falea liefern. Noch gibt es Uranbergbau dort nicht, aber Erkundungsarbeiten in dem Land mit großen Vorkommen, haben bereits stattgefunden. Eine Veranstaltung des Uranium-Network.org findet am 12. September ab 20 Uhr im JosFritzCate in Freiburg statt.
Klaus Traube. Foto: Harald H. Schröder, http://www.haraldschroeder.de/
Er war einer der Atomkonstrukteure der deutschen Atommeiler bei Siemens. Das Modell Siedewasserreaktor Baulinie 69 wurde in Teilen unter seiner Regie entwickelt. Und er hat die Mängel erkannt und wurde zu einem der schärfsten Kritiker der Atomenergie. In den Jahren 1976/77 geriet er in einen Abhörskandal des Verfassungsschutzes, wegen vermeintlicher Kontakte zur RAF. Innenminister Maihofer musste am Ende zurücktreten. Später wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgestattet (BUND). Klaus Traube, von 1997 bis 2004 energiepolitischer Sprecher des BUND, ist im Alter von 88 Jahren gestorben.
Der BUND reagiert auf den Tod von Klaus Traube hier mit einem Nachruf. Dort schreibt Werner Neumann, jetziger Sprecher des BAK Energie: Der BUND trauert um Klaus Traube, der am 4. September mit 88 Jahren in Oberursel verstarb. Klaus Traube prägte eine ganze Ära der deutschen Energiepolitik. Vom Direktor der Siemenstochter „Interatom“, die den „Schnellen Brüter“ in Kalkar baute, wurde er zu einem der schärfsten Kritiker der Atomkraft. Kaum einer wusste so genau um die Gefahren der Atomenergie und konnte sie so klar belegen. Und das lange vor den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima.“ (mehr unter dem angegebenen Link)
Außerdem heißt es dort: „Mit Klaus Traube haben wir einen der klügsten und engagiertesten Wissenschaftler im Kampf gegen die Atomenergie und für eine ökologische Energieversorgung verloren. Sein Leben und Wirken ist Vorbild, Lehre und Mahnung zugleich – gegen eine irregeleitete Wirtschaft und unmenschliche Wissenschaft. Und für Freiheit und Bürgerrechte sowie eine sorgsame, umweltschonende Nutzung der Energie.“
Ingenieur-technisch ist der Siedewasserreaktor der Baulinie 69 (Typ Brunsbüttel) durchaus eine Meisterleistung, allerdings mit dem Potential eines Super-GAU. Auf engstem Raum mit – sagen wir erstaunlichen Maßnahmen – wurden Rohrleitungen und Sicherheitssysteme untergebracht, die sonst wegen ihrer Dimensionen erheblich größere Konstruktionen erfordert hätten. Aber das sparte Kosten. Ausgeklügelt das System der Steuerstäbe, die von unten in den Reaktor geschossen werden mussten, um im Krisenfall den Neutronenfluss zu unterbrechen und die Abschaltung der nuklearen Kettenreaktion zu erreichen. Technisch beeindruckend. Sicherheitstechnisch Wahnsinn. Ebenso beeindruckend: Das Kompaktlager, in dem die hochradioaktiven Brennelemente nach ihrem Reaktoreinsatz abklingen mussten, oberhalb der gesamten Konstruktion. Betriebstechnisch schlau, mit dem enormen Risiko tausender Tonnen Wasser, die im Krisenfall den Super-Gau beschleunigen würden. Oder Rohrleitungssystem auf engstem Raum, mit tausenden von Windungen – und Schweißnähten, die sich später als eine gravierende Fehlerquelle für Risse herausstellen sollten. Das AKW Brunsbüttel war lange Zeit abgeschaltet, wegen dieser „genialen“ Rohr-Verlegung und Rissbildungen.
Daran war der Ingenieur Klaus Traube in den 60er Jahren beteiligt, ebenso, wie er in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre zum Kritiker der Atomenergie wurde und sich fortan für den Ausstieg aus dieser Technologie einsetzte und bedeutsame Impulse für die Energiewende gab. Traube hatte maßgeblichen Einfluss, dass insbesondere die Plutonium-Wirtschaft unter massiven Druck kam. Er unterstützte den Widerstand gegen diese Technik in der SPD und trug so mit dazu bei, dass die Plutonium-Fabrik in Hanau geschlossen wurde, der fast fertige Plutonium-Reaktor in Kalkar nicht ans Netz ging und die WAA Wackersdorf aufgegeben wurde.
Sie sind eine der gewaltigsten Bedrohungen der Menschheit. Gesprochen wird aber kaum noch über sie. Atomwaffen. JunepA, ein Jugendnetzwerk für politische Aktionen wird daher am 12. September mit einer Blockade am Atomwaffenstützpunkt in Büchel in der Eifel aktiv werden und sucht FreundInnen, die dabei mitmachen wollen. Seit Monaten laufen dort Aktionen gegen die Stationierung und Modernisierung US-amerikanischer Atomwaffen unter der Forderung: Büchel – Atomwaffenfrei.
In einer Presseerklärung von JunipA kündigen die AktivistInnen erneut eine Blockade an, um das Schweigen um den Atomwahnsinn zu durchbrechen : „Am Montag, den 12. September, werden Aktivist_innen die Zufahrtswege des Fliegerhorstes und Militärstützpunkts Büchel (in Rheinland-Pfalz), blockieren, welches der letzte Atomwaffenstandort in Deutschland ist. Initiiert wurde die Aktion vom Jugendnetzwerk für politische Aktionen (JunepA). „Mit unserer Blockade machen wir auf amerikanische Atomwaffen in Deutschland aufmerksam und setzen uns für die weltweite atomare Abrüstung ein“ so Fiona Rucke von JunepA. Ziel ist es, den Normalbetrieb konkret zu stören, um ein klares Zeichen gegen Atomenergie und Militarismus zu setzen.
Auf dem Stützpunkt in Büchel werden laut Tagesspiegel immer noch 20 Atombomben aus dem Kalten Krieg gelagert, welche nun sogar modernisiert bzw. aufgerüstet werden sollen. Die Atomwaffen lagern in einem Teilbereich des Fliegerhorstes und stehen dort unter der Kontrolle von amerikanischen Soldat_innen, während der übrige Bereich des Fliegerhorstes ein Bundeswehrstützpunkt ist. Im Falle eines Einsatzbefehls würden die Atombomben von deutschen Soldat_innen in ihr Ziel getragen werden („nukleare Teilhabe“). Büchel ist somit ein wichtiger Standort der militärischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA, und damit auch Teil der fortschreitenden Militarisierung der Gesellschaft, gegen die die Aktivist_innen sich einsetzen.
Rund um die Aktion wird es vom 9.-14. September ein Camp geben, auf dem Raum für inhaltliche Workshops und Aktionsvorbereitung ist. Bisher gab es in Büchel zwei von JunepA initiierte Blockaden, bei denen der Betrieb des Fliegerhorstes erheblich gestört wurde. An diesen Erfolg soll bei der kommenden Aktion erneut angeknüpft werden.“
Wird die Bundesregierung die Ausfuhr von Uran für den Einsatz in riskanten Atomreaktoren in den Grenzregionen von Frankreich und Belgien künftig untersagen? Das will der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (DIE LINKE) jetzt mit einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung in Erfahrung bringen (Anfrage Drucksache 18/9502, PDF). Vor wenigen Wochen hatte ein juristisches Gutachten im Auftrag der internationalen Ärzteorganisation IPPNW dargelegt, dass Ausfuhren von Brennstoff aus deutschen Uranfabriken nach Atomgesetz möglich sind, wenn mit dem Betrieb von Atomanlagen im Ausland Risiken für die Sicherheit der Bundesrepublik bzw. Leib und Leben der BürgerInnen verbunden sind.
Hubertus Zdebel, Sprecher für Atomausstieg der Bundestagsfraktion DIE LINKE: „Die Argumentation der Atom-Juristin Cornelia Ziehm zur Verweigerung der Ausfuhrgenehmigungen von Uran-Brennstoff für marode Regionen durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ist aus meiner Sicht schlüssig. Die Bundesregierung muss von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Auch wenn mit dieser Maßnahme die unsicheren Reaktoren in Doel und Tihange möglicherweise nicht unbedingt abgeschaltet werden, weil sich die belgischen Betreiber andere Lieferanten suchen können. Aber Deutschland würde mit diesem Schritt deutlich unterstreichen, dass die Gefahren der Atomenergie schwerer wiegen als wirtschaftliche Interessen.“
Was man nicht alles so gefordert haben soll. In der Sommerausgabe der Zeitung „Das Parlament“ wird umfangreich zum Thema Atom/Müll berichtet. In einem der Texte schreibt Hans-Christoph Neidlein unter dem Titel „Mehr als eine Episode“ über die Probleme bei der Atommüll-Zwischenlagerung mit Blick auf ein bis heute nicht vorhandenes „Endlager“. Dankenswerterweise wird von Neidlein auch auf die laufenden Nachrüstungen bei den Zwischenlagern für hochradioaktive Abfälle hingewiesen. Dabei stützt er sich auf einen Bericht aus diesem Blog. Gut so! Nur leider fasst der Kollege einige Kleinigkeiten etwas kurios zusammen, wenn er mich fälschlich als gegenwärtigen Energiereferenten von Robin Wood vorstellt, umweltFAIRaendern unerwähnt lässt und mir die Forderung nach 3-5 neuen Zwischenlagern in den Mund legt, die ich gar nicht erhoben habe, sondern nur darauf verweise, dass es solche Forderungen gibt.
In dem Text zitiert Kollege Neidlein – ohne dies konkret zu nennen – aus einem im Juli von mir hier verfassten Text: „Hochradioaktiver Atommüll: Zwischenlagerung als problematischer Dauerzustand„. Dort berichte ich nicht nur über die laufenden Sicherheits-Nachrüstungen, sondern auch über eine Debatte über Zwischenlager-Neubauten, die im Umfeld von Entsorgungskommission, Bund-Länder-Gremien und von grünen Umweltministern geführt wird. Dabei verweise ich u.a. auf den möglicherweise erforderlichen Neubau eines Zwischenlagers in Lubmin. Ich fasse das zusammen und schreibe: „Klar ist: Die heute praktizierte Zwischenlagerung hochradioaktiver Castor-Behälter in nur wenig zusätzlichen Schutz bietenden oberirdischen Lagerhallen dürfte ein Auslaufmodell sein.“ Eine Feststellung, keine Forderung.
In der Zeitung „Das Parlament“ liest sich das – ohne die eigentliche Quelle zu nennen und mit der fälschlichen Angabe, dass ich Referent von Robin Wood(*) bin – so: „Nachrüstungen (-) Zwölf dezentrale Zwischenlager für wärmeentwickelnde radioaktive Abfälle an den bestehenden zwölf AKW Standorten gibt es derzeit in Deutschland. Dazu kommen drei zentrale Zwischenlager in Gorleben (Niedersachsen), Ahaus (Nordrhein-Westfalen) und Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern). An diesen bestehenden Standorten laufen nun bereits Nachrüstungen, um einen besseren Schutz vor Terrorgefahren zu gewährleisten. „Die aber haben, weil die Gebäude einstmals nicht als Schutzsystem gedacht war, bauliche Grenzen“, sagt Dirk Seifert, Energiereferent von Robin Wood. Er fordert den Neubau von drei bis fünf neuen und sichereren Zwischenlagern, auch weil sich abzeichne, dass sich ein Endlager erst ab 2080 zur Verfügung stehe. „Die heute praktizierte Zwischenlagerung radioaktiver Castor-Behälter in nur wenig zusätzlich Schutz bietenden oberirdischen Lagerhallen dürfte ein Auslaufmodell sein“, sagt er. Als Modell für ein Zwischenlager-Konzept 2.0 könne nun der Neubau in Lubmin dienen. Wie dies allerdings genau aussehen könnte, ist derzeit noch offen.“
Eine Forderung von mir, diese 3-5 Zwischenlager neu zu bauen, erhebe ich in meinem Original-Text an keiner Stelle.
(*) Ich war von 2007 bis 2014 Energiereferent bei Robin Wood, siehe auch unter Impressum/Kontakt.