Atommüll einpacken – die nennen das Konditionierung

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Atommüll: Überall in Deutschland

Die Atommüll-Behälter mit allen Arten von radioaktiven Abfällen türmen sich bergeweise in Zwischenlagern an den AKW-Standorten, in Landessammelstellen oder in Lagern in Gorleben oder bei Lubmin an der Ostsee. Das Zeug ist nicht nur radiologisch brisant. Auch chemisch passiert da durch die Zusammensetzung der Abfälle so einiges. Unterschiedliche Halbwertszeiten von Sekunden, Tagen, Jahren, Jahrtausenden der vielen radioaktiven Elemente verändern die Zusammensetzung dieser Abfälle, haben Folgen für deren Radio-Chemie. Organische Stoffe, Schwermetalle und Feuchtigkeit tun ein Übriges, um diese Abfälle zu einem ganz besonderen und für lange Zeiten brisanten Gefahrenpotential zu machen. Für die dauerhafte Lagerung ist entscheidend, wie diese Abfälle bestmöglich in Fässer, Container oder Castoren verpackt werden. Auf ihre unnachahmliche Art sprechen Atombetreiber, Wissenschaftler und andere Verpackungskünstler von KONDITIONIERUNG. Der „Atommüllreport“ widmet sich nun ausführlich diesem brisanten Thema.

Dabei geht es nicht nur um die technischen und chemischen Verfahren, die in der Atombranche eingesetzt werden, um die radioaktiven Gefahrstoffe in einen – so weit es geht – „stabilen“ Zustand zu bringen, der eine dauerhafte Lagerung ermöglicht. Es werden die Methoden erläutert, die es für unterschiedliche Arten von Atommüll gibt, aber auch über die Orte informiert, wo das gemacht wird und nicht ganz unwesentlich: Wer verdient daran?

Der Atommüllreport versucht auf seinen Internet-Seiten das atom-kritische Wissen über die Atomenergienutzung und ihre Hinterlassenschaften zusammen zu tragen und es für Betroffene und Interessierte als Recherche-Quelle zur Verfügung zu stellen. Ausgangspunkt des Reports war eine umfangreiche Recherche, mit der Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbände in einer Bestandsaufnahme Informationen über alle Atommüll-Standorte in Deutschland zusammen getragen haben und damit erstmals einen annähernd vollständigen Bericht über den Atom-Wahnsinn vorlegten, wie ihn Behörden und Verantwortliche bislang nicht geliefert haben.

Auf der Homepage heißt es dazu: „2013 ist im Rahmen der Arbeit der Atommüllkonferenz eine 272-seitige „Bestandaufnahme Atommüll „entstanden. Diese Bestandsaufnahme umfasst die Anlagen in der Bundesrepublik Deutschland an denen Atommüll produziert oder gelagert wird, sowie die Verbringung von Abfällen innerhalb Deutschlands und in andere Länder. In Fortsetzung dieser Arbeit wurde dieses online-Portal erstellt. Die Daten und Themen werden kontinuierlich aktualisiert und ergänzt. Das Fachportal atommuellreport.de leistet einerseits einen Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung um einen verantwortbaren Umgang mit Atommüll. Andererseits soll es als langfristige Ressource das Wissen über den Atommüll über viele Jahrzehnte erhalten.“

Eine Atommüllkonferenz der Anti-Atom-Initiativen, die halbjährlich stattfindet, widmet sich seit einigen Jahren den Problemen, die sich an den rund 90 Standorten und aus der bis heute ungeklärten dauerhaften, möglichst sicheren Lagerung aller Arten radioaktiver Abfälle ergeben. Die achte Konferenz hat vor wenigen Wochen in Göttingen stattgefunden.

Mit dem Thema der Konditionierung, der Verpackung radioaktiver Abfälle, setzt der Atommüllreport nun seine Recherche fort und liefert viele wichtige Informationen und Hintergründe in einer Perspektive, die Probleme benennt, die Behörden und Betreiber sonst gern klein reden.

AKW Brokdorf: Atommüll-Zwischenlager muss auf den Prüfstand

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Sicherheit der Atommülllagerung ungelöst. AKW Brokdorf besser abschalten!

Gerade sorgt der schleswig-holsteinische Energieminister Robert Habeck im Kieler Landtag für eine Beratung, ob sieben weitere Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll aus der Wiederaufarbeitung im britischen Sellafield künftig im Zwischenlager Brokdorf eingelagert werden sollen, da meldet die SHZ: „Zwischenlager muss auf den Prüfstand“. Die Gemeinde Brokdorf lehnt die zusätzlichen Castor-Behälter ab.

Die SHZ verweist auf einen Beschluss: „Schon im Oktober 2014 hatte die Gemeinde in einem Beschluss gefordert, dass in Brokdorf lediglich Brennelemente aus der Produktion vor Ort eingelagert werden dürften. Auf keinen Fall, so schrieb damals Bürgermeisterin Elke Göttsche an Minister Habeck, dürfe aus dem Zwischen- eine Endlager werden.“ Die Position hatte die Gemeinde vor wenigen Tagen erneuert.

Sogar die FDP meldet sich zu Wort, berichtet die SHZ. Der Brunsbütteler Landtagsabgeordnete Oliver Kumbartzky wirft Habeck „unverantwortliches Handeln“ vor. Und Karsten Hinrichsen von der Initiative „Brokdorf akut“ fordert: „Die Sicherheit des Zwischenlagers in Brokdorf muss erneut auf den Prüfstand“. Dabei verweist er auch auf das nur knapp 20 Kilometer entfernte Zwischenlager am AKW Brunsbüttel. Für das baugleiche Lager dort hatte das Oberverwaltungsgericht Schleswig Anfang 2015 die Genehmigung wegen zahlreicher Mängel aufhoben. Seitdem darf dort kein zusätzlicher Atommüll eingelagert werden.

In einer PM hat die Initiative „Brokdorf akut“ den Minister Habeck aufgefordert, umfänglich für mehr Sicherheit und für eine Öffentlichkeitsbeteiligung zu sorgen. Dabei haben Karsten Hinrichsen und Eilhard Stelzner nicht nur die WAA-Castoren im Blick, deren andersartiger Atommüll (Glaskokillen) neue Sicherheitsanforderungen stellt und aus ihrer Sicht auch die Nachrüstung einer so genannten Heißen Zelle erforderlich mache.

Angesichts der vielen Probleme mit der Atommülllagerung fordern sie, das endlich Schluss gemacht werden müsse, weiteren Atommüll zu erzeugen. Daher müsse das AKW Brokdorf sofort abgeschaltet werden.

 

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