Nukleare-Terror-Risiken: Deutschland liefert brisantes Material in die USA – Weltweit tausende Tonnen ungesichertes Atomwaffenmaterial

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In gepanzerten Fahrzeugen der deutschen Firma DAHER wurde Plutonium in die USA transportiert.

Insgesamt mehr als 135 Kilogramm hochangereichertes Uran ist seit 1996 aus Deutschland in die USA transportiert worden. Hinzu kommt mindestens in einem Fall auch noch eine Lieferung von waffenfähigem Plutonium. Das teilt die US-Regierung anlässlich der in Washington stattgefundenen „Nuclear Security Summit 2016“ mit, einer Konferenz, die sich um die Nicht-Verbreitung von Atomwaffen-Material und Nuklear-Terrorismus kümmert und auf eine Initiative von Präsident Obama aus dem Jahr 2009 zurück geht. Insgesamt 19 Mal wurde entsprechendes Nuklear-Material aus Deutschland in die USA verschifft, heißt es in einer Presseerklärung des Weißen Hauses. Ablieferer in Deutschland waren demnach die inzwischen stillgelegte Pilot-Wiederaufarbeitungsanlage in Karlsruhe und das dortige Institut für Transuran.

  • Die Abschlusserklärung der NSS2106, an der über 50 Staaten teilgenommen haben (allerdings wegen der Modernisierung der US-Atomwaffen etc. nicht Russland), ist hier online. Über den sogenannten Atomgipfel („Gefahr des nuklearen Terrorismus nicht unterschätzen“) berichtet der Deutschlandfunk hier. Die Deutsche Welle schreibt: „Atomexpertin: „Schlechter als im Kalten Krieg„“. Die Salzburger Nachrichten informieren unter dem Titel: „Atomgipfel warnt vor Gefahr durch Extremisten„. Und nochmal der DLF hier mit dem Bericht: „Angst vor nuklearen Waffen„, in dem es eingangs heißt: „Nach Schätzungen der amerikanischen Regierung sind weltweit rund 2.000 Tonnen hochangereichertes Uran und waffenfähiges Plutonium nicht ausreichend gesichert. Damit haben Terrororganisationen leichten Zugriff auf Rohmaterial, aus dem „schmutzige Bomben“ gebaut werden können. Auf dem Nukleargipfel in Washington sucht man nach Lösungen, um das Material noch besser zu schützen.“
  • Gegen die Stationierung von us-amerikanischen Atomwaffen und deren Modernisierung protestierten zahlreiche Friedens- und Anti-Atom-Gruppen am Standort Büchel in der Eifel mit einer Daueraktion. Mehr dazu hier auf „Büchel Atomwaffenfrei“.

An den Transporten waren das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Strahlenschutz beteiligt. Für die Durchführung der Transporte sorgte die deutsche „Daher Nuklear Technologie GmbH“. Außerdem waren die EURATOM (ESA) und die IAEO beteiligt. In der Erklärung heißt es lediglich, das waffenfähige Material werde in den USA in „sicheren Einrichtungen“ gelagert. Der konkrete Ort wird nicht genannt, dürfte aber die Savannah River Site sein, wie die Umweltorganisation SRS-Watch mitteilt. Gegen die dortigen Lager-Bedingungen, die SRS-Watch im ökologischen Sinn keineswegs als sicher ansieht, protestiert die Organisation seit Jahren.

Die Erklärung des Weißen Hauses ist hier dokumentiert:

FACT SHEET: Nuclear Material Removal from Germany

Germany is a global leader on nuclear security, working with the United States since 1996 to return more than 135 kilograms of highly enriched uranium (HEU).

At the 2016 Nuclear Security Summit, the United States and Germany announced the successful removal of excess plutonium and HEU from Germany.  This shipment was completed through a multilateral effort involving the U.S. Department of Energy/National Nuclear Security Administration (DOE/NNSA), Germany’s Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe Rückbau-und Entsorgungs-GmbH (WAK), and the European Commission Joint Research Centre’s Institute for Transuranium Elements (JRC-ITU).  This is the 19th shipment of nuclear material from Germany to the United States.

In order to execute this project, DOE/NNSA, WAK, and JRC-ITU overcame several technical challenges including:

  • Design, construction and qualification of new gloveboxes for plutonium and HEU packaging;
  • Development of processes for stabilization and characterization of materials for safe transport;
  • Training and certification of personnel for specialized packaging operations; and
  • Validation of packages for transport of plutonium and HEU material

Significant contributions were made by Germany’s Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation, Building, and Nuclear Safety (BMUB) and its licensing authority, the Federal Office of Radiation Protection (BfS), which approved the necessary licenses to ensure safe and secure packaging and transport of the material; Germany’s Daher Nuclear Technologies GmBH, which provided the secure transport of the material within Germany; and the United Kingdom’s International Nuclear Services, which provided secure transport of the material from Germany to the United States.  The European Commission’s Euratom Supply Agency (ESA) and the International Atomic Energy Agency (IAEA) played an important role in all aspects of the operation.  This material will be stored at safe and secure facilities in the United States.  The United States and Germany plan to continue to work together in the future to foster nuclear security and non-proliferation.

Schnäppchen Reiseticket: Einmal geheimer Plutonium Atomtransport Schweiz – USA für schlappe 10 Millionen Franken

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10 Millionen Franken für zwei geheime Plutonium-Transporte aus der Schweiz in die USA.

Ende Januar gingen runde 20 Kilogramm Plutonium aus der Schweiz per Geheimtransport per LKW und Schiff in die USA. Zugeladen wurden noch mindestens 500 Gramm Plutonium aus Karlsruhe. Zusammen rund vier Atombomben. Für den Schweizer Transport sind nun die Kosten bekannt: „Bundespräsident Johann Schneider-Ammann wurde im Nationalrat zum geheimen Abtransport von waffenfähigem Plutonium in die USA befragt. Der geheime Transport kostete den Bund rund 10 Millionen Franken. Das sagte der Bundespräsident am Montag in der Fragestunde des Nationalrats“, berichtet 20Min.ch.

Über diese brisanten Atomtransporte mit waffenfähigem Material hatte umweltFAIRaendern in den letzten Wochen mehrfach berichtet.

Das Schweizer Magazin berichtet über die Transporte aus dem Paul-Scherrer-Institut noch einmal im Überblick: „Laut Schneider-Ammann hatte die Regierung das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) im Mai 2014 beauftragt, das Plutonium in die USA überführen zu lassen. Aus Sicherheitsgründen seien in die Umsetzung möglichst wenige Stellen und Personen einbezogen worden, sagte er. «Die Behörden informieren nicht über geplante Transporte.»“

Weiter heißt es dort: „Dass der Bund im Paul-Scherrer-Instituts (PSI) im aargauischen Villigen 20 Kilogramm Plutonium lagerte, war hingegen bekannt. Das PSI habe seit den 1990er-Jahren erfolglos versucht, das Lager aufzulösen, sagte der WBF-Vorsteher. Dann hätten die USA im Rahmen der «Global Threat Reduction Initiative» angeboten, das Material zu übernehmen und sicher zu verwahren.“

Davon, dass das Material in Verbindung mit Atomwaffen-Ambitionen der Schweiz gestanden habe, wird nun nicht mehr wie in früheren Artikeln berichtet. Jetzt heißt es nur noch: „Die 20 Kilogramm Plutonium stammen aus den wiederaufbereiteten Brennstäben des Forschungsreaktors Diorit. Dieser wurde von 1960 bis 1977 vom damaligen Eidgenössischen Institut für Reaktorforschung betrieben. Das Material hätte zur Entwicklung einer neuen Generation von Brennelementtypen für Kernkraftwerke verwendet werden sollen.“

Ostermarsch 2016 – Stoppt die Urananreicherung – Keine Atomwaffen

Bei nicht ganz so gutem Wetter 🙂 demonstrierten heute rund 200 Menschen aus Anlass des Auftakts der Ostermärsche 2016 in NRW vor der Urananreicherungsanlage in Gronau. Mit dabei auch die beiden Bundestagsabgeordneten der Fraktion DIE LINKE, Kathrin Vogler und Hubertus Zdebel und AktivistInnen der LINKEN.NRW.

Für den aus Münster stammenden Abgeordneten Hubertus Zdebel, der auch Sprecher für Atomausstieg der Fraktion ist, ist klar: „Die Urananreicherungsanlage ist der deutsche Griff zur Atombombe und muss sofort geschlossen werden!“

In einer Pressemitteilung der Veranstalter, das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen und der Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, heißt es zur heutigen Demonstration: „200 Menschen bei Ostermarsch vor Urananreicherungsanlage Gronau – „Leave uranium in the ground“ –  Demonstranten fordern kompletten Atomausstieg und friedliche Konfliktlösungen

Rund 200 Menschen starteten am Karfreitag trotz ungemütlichem Regenwetter an der Gronauer Urananreicherungsanlage die diesjährigen Ostermärsche. Mit Friedens- und Anti-Atomkraft-Fahnen versammelten sie sich vor dem Haupttor und zogen dann zur Marienkappele an der Rückseite der Anlage, wo der noch ungenutzte Neubau eines 60.000 Tonnen Uranmülllagers zu sehen ist.

Die Forderungen der OstermarschiererInnen sind friedliche Konfliktlösungen, der Stopp von Waffenexporten und ein konsequenter Atomausstieg auch und gerade in Gronau. Stefan Kubel vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen betonte: „Es kann nicht sein, dass in Deutschland vom Atomausstieg gesprochen wird, aber die Gronauer Uranfabrik unbefristet fast jedes zehnte AKW weltweit beliefert. Und angesichts der ungelösten Atommüllfrage darf nicht auch noch ein unbefristetes 60.000 Tonnen Zwischenlager in Betrieb gehen. “ Auch stellte er klar, dass es unverantwortlich ist, die Betreiber-Firma Urenco zu verkaufen oder gar an die Börse zu bringen, da die Urananreicherungstechnologie die Grundlage für den Bau von Atombomben ist.

Da der Redner des Ostermarsches Rhein-Ruhr erkrankt war, wurde ein Grußwort verlesen, darin hieß es: „Noch immer gibt es weltweit mehr als 16.000 Atomwaffen, die unser aller Existenz bedrohen. Davon sind rund 20 US-Atomsprengköpfe in Deutschland auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz stationiert, die von Bundeswehr-Tornados ins Ziel geflogen werden sollen.“ Die atomare Abrüstung muss jetzt beginnen statt die Atombomben in Büchel umzurüsten.

Besonders verärgert sind die Anti-Atomkraft- und FriedensaktivistInnen darüber, dass auch die heftig umstrittenen belgischen Pannenreaktoren in Tihange und Doel von der Urananreicherungsanlage Gronau und auch der Brennelementefabrik Lingen beliefert werden. Über die Brennelementefabrik in Lingen werden zudem die maroden französischen Reaktoren in Fessenheim und Cattenom beliefert. Kerstin Rudek von der BI Lüchow-Dannenberg machte deutlich: „Die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki, die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima, das schmutzige Uran aus Gronau und Lingen, das weltweit Pannenreaktoren beliefert, die Evakuierung von belgischen Atomkraftwerken wegen Terrorgefahr – was brauchen die Landesregierungen von Nordrhein Westfalen und Niedersachsen denn noch, um die Atomanlagen, die vom Atomausstieg ausgeklammert sind, dichtzumachen? Die Landesregierungen sind als Atomaufsicht nicht nur politisch verantwortlich, sondern juristisch haftbar, für Schäden durch Reaktorkatastrophen, wenn das Uran aus den ihnen unterstellten Anlagen in Gronau und Lingen stammte. Sofort handeln, sofort Gronau und Lingen schließen!“

Golden Misabiko, Preisträger des Nuclear-Free-Future-Awards, berichtete über die zerstörerischen Folgen des Uranabbaus und Menschrenrechtsverletzungen im Kongo. Er machte deutlich, dass die Probleme mit der Atomkraft bereits beim Uranabbau anfangen und nicht erst beim Gronauer Uranmüll oder in den AKW: „Uranium, this radioactive mineral, is extremely dangerous; at all levels: exploration, exploitation, enrichment and in the nuclear plants.“ („Uran, das radioaktive Erz ist sehr gefährlich, auf allen Ebenen: beim Abbau, bei der Anreicherung und in AKW“). Präzise fasste er zusammen: „Leave the uranium in the ground“ („Lasst das Uran in der Erde!“). Golden Misabiko musste selber vor Folter fliehen und so wurde deutlich, dass Flucht vor Terror, Krieg und Menschenrechtsverletzungen nicht auch noch durch unmenschliche Grenzzäune gestoppt werden darf.

Kontakt für Rückfragen:

Udo Buchholz (AKU Gronau/ BBU): 02562-23125, 0175-3432719

Peter Bastian (Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen):  Tel. 0157 – 86269233

 

Hintergrundinformationen:

Golden Misabiko kommt aus einer Menschenrechtsorganisation (ASADHO Katanga – Association Africaine pour les Droits de l’Homme – Afrikanische Vereinigung für Menschenrechte, Sektion Katanga, eine Provinz von DR Congo). Er und seine NGO hatten schon vorher Menschenrechts-Verletzungen (willkürliche Exekutionen z.B.) des Regime Kabila angeprangert.
Das Anprangern eines geheim gehaltenen Deals zwischen Frankreich (unter Präsident Sarkozy), dem französischen Atomkonzern AREVA, (vertreten durch die damalige Chefin Anne Lauvergeon) und Vertretern des Regime Kabila, der Frankreich das exklusive Abbaurecht für die gesamte DR Congo – ohne jede Information oder Beteiligung von Bevölkerung oder Parlament etc.pp. – gewährt, hätte er fast mit dem Leben bezahlt: Anklage, Gefängnis, Folter… nur durch internationale Menschenrechts-NGOs konnte seine Freilassung erwirkt werden, seitdem lebt Golden Misabiko als Flüchtling in Südafrika.

http://www.nuclear-free-future.com/home/news/223-interview-mit-golden-misabiko/

 

Die Bedeutung der Urananreicherungstechnologie, insbesondere der in Gronau eingesetzten Zentrifugen-Technologie, für den Bau von Atomwaffen wird durch ein Ereignis in den 70er Jahren deutlich: Bei Arbeiten für die Urenco Urananreicherungsanlage Almelo (Schwesteranlage zu Gronau) entwendete der pakistanische Mitarbeiter Dr. Abdul Kadir Khan Baupläne für die Zentrifugen und verhalf somit seinem Vaterland Pakistan zum Bau der Atombombe. Diese Pläne gab er auch an den Iran und Nordkorea weiter, weshalb Khan in Pakistan unter Hausarrest stand.

http://nuclearweaponarchive.org/Pakistan/AQKhan.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Abdul_Kadir_Khan

 

In einem Interview des WDR-Magazins Westpol vom 13.03.2016 erklärte der Chef der Urananreicherungsanlage Gronau Joachim Ohnemus, dass auch die belgische Betreiberfirma der AKW in Tihange und Doel zu den Kunden des Unternehmens gehöre und mit angereichertem Uran beliefert wird.

http://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/westpol-kein-atomausstieg-nrw-100.html

Weitere Informationen zum Gronauer Ostermarsch (Aufruf, UnterstützerInnen) und über Urantransporte:

www.sofa-ms.de

www.urantransport.de

Fummeln mit Plutonium: Die Schweizer, Paul Scherrer und die „heißen Zellen“

Venue_PSI-SchweizGerade erst haben die Schweizer rund 20 Kilogramm atomwaffenfähiges Plutonium über Deutschland in die USA verschifft. Jahrzehntelang lagerte das Zeug in dem kleinen Örtchen Villigen, zwischen Basel und  Zürich am Jurapark Aargau gelegen. Dort steht eines der wichtigsten Atomzentren der Eidgenossen. Dort fummeln sie an hochradioaktivem Material oder an Plutonium rum. Schon seit den 60er Jahren. Wissen für morgen, behaupten sie über das, was sie dort hinter einem Meter Beton und 70 Zentimeter Bleiglas machen. Inzwischen seit 50 Jahren treiben sie dort Forschung in einem Hotlabor, einem Gebäude mit vielen heißen Zellen. Damit sie das in Zukunft weiter machen dürfen, brauchen sie jetzt eine neue Erlaubnis. Darüber berichtet aktuell der Schweizer Rundfunk.

Paul Scherrer Institut (Wikipedia) heißt diese Forschungseinrichtung, welche sich gern als „multidisziplinäres Forschungsinstitut für Natur- und Ingenieurwissenschaften“ bezeichnet. Früher mal war es das 1960 gegründete Eidgenössische Institut für Reaktorforschung und das Schweizerische Institut für Nuklearphysik (1968).

Paul Scherrer? Wikipedia teilt über ihn mit: „Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Scherrer mit dem US-Nachrichtendienst OSS zusammen, dem er aufgrund seiner engen Kontakte zum deutschen Kernphysiker Werner Heisenberg entscheidende Informationen zum Stand der Entwicklung der Atombombe in Nazi-Deutschland lieferte. [1] Nach dem Zweiten Weltkrieg war er 1954 an der Gründung des Forschungszentrums CERN bei Genf beteiligt und wirkte in verschiedenen Institutionen und Gremien zur Verbreitung der Kernenergie in der Schweiz: 1946 wurde er Präsident der neu gegründeten Studienkommission für Atomenergie SKA, welche die Durchführung eines schweizerischen Atomwaffenprogramms anstrebte. Ab 1958 war er Präsident der Schweizerischen Kommission für Atomwissenschaften. 1960 wurde er emeritiert. Im selben Jahr wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Im Jahr 1969 starb Scherrer. Beigesetzt wurde Paul Scherrer auf dem Friedhof Fluntern.“

  • Dort ist ein interessanter Link auf einen Artikel in der Weltwoche: „Schweizer forschten bei der Entdeckung der Kernspaltung an der Weltspitze mit. Beim Wettlauf um die Atombombe arbeitete der Zürcher Physiker Paul Scherrer eng mit den Amerikanern zusammen. Damit öffnete er der Schweiz den frühen Zugang zur zivilen Nutzung der Kernenergie.“ Dort wird auch seine Tätigkeit in Göttingen (Heisenberg) erwähnt, einem Ort, der für die deutsche Atomforschung von Bedeutung ist. Die Geschichte der Atomenergie zwischen Atombombe und Reaktor ist Thema der „Spurensuche“ auf umweltFAIRaendern.

Geschichte? Ja, aber eben nicht nur und nach dem Willen der Schweizer Atomforscher auch mit Zukunft. Wissen für morgen, sagen die Schweizer selbst.

Mit der eidgenössischen Höflichkeit hat das PSI nun ein „Gesuch“ geschrieben, um auch weiter in den heißen Zellen mit hochradioaktiven Materialien erforschen zu können. Im März 2014 hat das „Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat“ ENSI dazu eine 128 Seiten umfassende Begutachtung vorgelegt: „Gutachten zum Gesuch des Paul Scherrer Instituts um Erneuerung der Betriebsbewilligung für das Hotlabor“ (PDF).

Dort ist zu erfahren: „Der Standort gehört zur politischen Gemeinde Würenlingen“ und: „Der untere Teil des Aaretals, in dem sich das PSI befindet, beginnt in einer etwa 900 m breiten Klus beim Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat und endet in einer rund 600 m breiten Klus bei Koblenz und Felsenau, wo die Aare in den Rhein mündet. Die Talausrichtung ist Nord-Süd. Die Gesteine der Hügel sind Jurakalke, die im Tertiär aufgefaltet wurden. Der ebene Talgrund des unteren Aaretals wird im Gebiet um das PSI von einer 20 bis 40 m dicken alluvialen Ablagerungsschicht aus Lockergestein (Schotter) gebildet.“ Und: „Das Paul Scherrer Institut liegt abseits der Hauptverkehrswege.“ Und: das PSI ist 24 km vom Flughafen Zürich-Kloten entfernt.

Jenseits solcher Feststellungen geht es auch im schweizerischen Atomprogramm um wesentliche Dinge der Machtpolitik. Mit Blick auf das erwähnte Plutonium schreiben Schweizer Medien: „Was der Bund heimlich verschwinden liess: 20 Kilo Plutonium aus wiederaufbereiteten Brennstäben des ehemaligen Versuchsreaktors «Diorit». Aus der Zeit also, da die Schweiz die Bombe bauen wollte.“

Mehr dazu unter dem oben schon genannten Link „Geheime Plutonium-Transporte: Vier Atombomben unterwegs„.

Zum Thema Heiße Zellen auf umweltFAIRaendern:

 

Terrorgefahren, Innentäter, „schmutzige Bomben“: Belgische Atommeiler und eine Nukleare Sicherheitskonferenz

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Nuklear-Terrorismus: Immer neue Berichte – wie derzeit vor allem aus Belgien – zeigen enorme neue Gefahrenpotentiale, die beim Betrieb von Atomanlagen und im Umgang mit Nuklear-Material bislang wenig in der Öffentlichkeit beachtet werden. Ende März beginnt in den USA eine internationale Sicherheits-Konferenz zu diesen Gefahren. Foto: Screenshot eines Videos zur Nuclear Security Summit 2014 in Den Haag.

Belgische Atomanlagen stehen seit geraumer Zeit unter Militärschutz, nachdem mehrere Vorfälle den Verdacht nahe legen, dass sie als terroristische Ziele oder als „Lieferant“ für Kernspalt-Material zum Bau so genannter „schmutziger Bomben“ dienen könnten. Bei einem der mit den Pariser Anschlägen in Verbindung gebrachten Verdächtigten wurde nach seiner Festnahme und Hausdurchsuchungen Videomaterial gefunden, auf dem ein wichtiger belgischer Atomfachmann offenbar ausspioniert wurde. Wie der Deutschlandfunk nun meldet, ist bereits im Oktober 2014 bekannt geworden, dass ein „belgischer Dschihaddist drei Jahre lang für Belgiens ältestes Kernkraftwerk gearbeitet hatte. Und zwar als Techniker im Hochsicherheitsbereich des AKW Doel nahe Antwerpen.“ Obwohl den Behörden bekannt war, dass er sich an Aktionen für den Islamischen Staat beteiligte, hatte er keine Probleme beim Zugang zum Atomreaktor. Nuklear-Terrorismus ist Thema einer internationalen Sicherheitskonferenz Ende März in Washington. „Terrorgefahren, Innentäter, „schmutzige Bomben“: Belgische Atommeiler und eine Nukleare Sicherheitskonferenz“ weiterlesen

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