Susanne Pollmeier und Marion Gretchen Schmitz, die Buchschwestern, am Samstag Abend in der Werktstatt3. Im Rahmen der musikalischen Lesungen zum Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ lasen die beiden „Johnny Cash – The Man in Black“, unterstützt von Hannes Klock (Gitarre und Gesang) und einigen Videos von Johnny Cash. Das Publikum in der Werkstatt3 war begeistert von der lebendigen und heiteren Art, mit der
Pollmeier und Schmitz Stationen aus dem Leben der Country-Legende Johnny Cash präsentierten. Cash, der seine Karriere in den 50/60er Jahren begann, war mit den American Recordings einige Jahre vor seinem Tod 2003 ein vielbeachtetes
Comeback gelungen. Zusammen mit seiner Frau June Carter war Johnny Cash seinen höchst eigenen Weg in der Musikbranche gegangen, hatte viele Jahre mit schweren Drogenproblemen zu kämpfen und ist u.a. mit seinen Gefängniskonzerten vielen in Erinnerung geblieben.
Schlagwort: Rekommunalisierung
Vattenfall im Stress: EnergieNetzGenossenschaft Hamburg hat 50 Millionen Euro für die Stromnetzübernahme beisammen
Vattenfall hat weiter Ärger, egal wie der Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ morgen ausgehen wird. Die vor kurzem gegründete EnergieNetzHamburg – Genossenschaft meldete gestern: 50 Millionen Euro sind beisammen, damit sich die Genossenschaft für das bislang von Vattenfall betriebene Stromnetz bewerben kann. Das teilte die Initiative gestern in einer Presseerklärung mit. Hier in voller Länge:
„Pünktlich vor dem Volksentscheid am Sonntag hat der Vorstand der EnergieNetz Hamburg eG (ENH) heute bekannt gegeben, dass die Genossenschaft ihr erstes Etappenziel erreicht hat. „Wir freuen uns, dass wir schon vor dem Volksentscheid bereits mehr als 50 Millionen Euro an haftendem Eigenkapital eingeworben haben”, so Matthias Ederhof und Joachim Binder, Vorstandmitglieder der ENH.
Damit überrascht die Genossenschaft alle Gegner des Netzrückkaufs, die das Vorhaben der Genossenschaft als utopisch abqualifiziert haben. Joachim Binder: „Wie erwartet besteht unter den Bürgerinnen und Bürgern eine hohe Bereitschaft, Hand in Hand mit der Stadt Hamburg Verantwortung für die Energienetze zu übernehmen. Gleichzeitig besteht aber auch bei Unternehmen innerhalb und außerhalb Hamburgs eine große Solidarität mit unserem Anliegen. Besonders freuen wir uns über die Zusage der Netzkauf EWS eG, uns finanziell zu unterstützen.” Die Schönauer Genossenschaft steht für eine echte Energiewende mit Bürgerbeteiligung. Mit mehr als 3.000 Mitgliedern engagieren sie sich bundesweit für eine ökologische, dezentrale und bürgereigene Energieversorgung.
Matthias Ederhof zum Abschluss:
„Die 50 Millionen Euro sind der klare Beweis dafür, dass es viele gute wirtschaftliche und soziale Gründe gibt, die für eine Überführung der Energienetze in die öffentliche Hand und in Bürgerhand sprechen. Dies wissen sehr viele Bürger und Unternehmen.
Das gestern vorgelegte Jahresergebnis der von Vattenfall dominierten Stromnetz Hamburg GmbH beziffert 48 Millionen Euro Gewinn für das Jahr 2012 und übertrifft damit sogar die positiven Prognosen der Fachleute. Diese Gewinne sollen zukünftig Hamburg und den Bürgern gehören.
Mit den vorhandenen 50 Millionen der EnergieNetz Hamburg eG und dem Betrag, den die Stadt bereits für die 25% des Stromnetzes ausgegeben hat, ist das nötige Eigenkapital für eine 100% Übernahme des Hamburger Stromnetzes gesichert. Damit unterstützt die ENH die Stadt aktiv beim Rückkauf des Stromnetzes.
Wir rufen alle Hamburgerinnen und Hamburger auf, am Sonntag mit „JA” beim Volksentscheid zu stimmen. Denn nur ein „JA” macht den Weg frei für eine echte Energiewende mit echter Bürgerbeteiligung in Hamburg!”
Attac Hamburg und der Volksentscheid Hamburg: Ja zu 100 Prozent
Attac Hamburg per PM zum Volksentscheid in Hamburg: „25,1 % der Netze = Rettungsschirm für Vattenfall – 100 % der Netze = Rückgewinnung von Handlungsfähigkeit
Die Spatzen pfeifen es von den Dächern und auch E.ON-Chef Johannes Teyssen bestätigt es: Die Netze sind renditeträchtig. Und noch eins ist sicher: Der Rückkauf schafft wieder Eigentum, Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit für die Stadt, insbesondere bei zwei Dritteln des Gesamtwertes, der Fernwärme. Auch die Netze können dann der Energiewende dienen und nicht der bloßen Profitmaximierung zweier Konzerne. Vor allem, wenn eine direkte demokratische Kontrolle implementiert wird.
Die Sorgen und Einwände des Senats erfolgen wider besseres Wissen.
„Nicht mit meinem Geld“, tönt es von Plakaten. Fakt ist, dass die vollständige Netzrücknahme die Hamburgerinnen und Hamburger keinen zusätzlichen Cent kosten und auch nicht den Haushalt belasten wird. Die Finanzierung kann, wie bei der Beteiligung mit 25,1 %, über die Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement (HGV) erfolgen. Für den Kredit werden Zinsen in Höhe von 2,2 % zu zahlen sein, während der Netzbetrieb einen Gewinn von mindestens 7 % erzielen wird – und zwar dauerhaft. Da bleibt für Kitas und Schulen mehr als mit der augenblicklichen Garantiedividende.
Die Arbeitsplätze seien bei einer Rekommunalisierung in Gefahr, heißt es. Dabei wurden seit Verkauf von HEW und HeinGas bei Vattenfall und E.ON Arbeitsplätze abgebaut und gerade wurde eine neue massive Arbeitsplatzvernichtung angekündigt! Von Senatsseite wird nun damit gedroht, dass auch die Stadt nach einer vollständigen Netzübernahme Entlassungen durchführen würde, und die Verantwortung dafür wird der Initiative UNSER HAMBURG – UNSER NETZ zugeschoben.
Der Senat bescheinigt sich selbst Unfähigkeit: Er sagt, eine Kommune könne mit unternehmerischen Risiken nicht umgehen. Aber der Konzern Vattenfall, der wegen seiner verfehlten Kohle- und Atompolitik gerade über einen Rückzug aus dem kontinentaleuropäischen Geschäftsfeld nachdenkt, wird als kompetenter Geschäftspartner gelobt. Wurden die prosperierenden HEW etwa wegen Geschäftsunfähigkeit verkauft?
Der Senat ist bereit, den möglichen Abgang Vattenfalls aus Hamburg mit einer Finanzspritze zu vergolden – ohne irgendeine Vorkehrung dafür zu treffen, dass die Netze dann erst einmal komplett an die Stadt zurückgehen. Derweil zieht Vattenfall die Gewinne aus der Stadt ab und die Regierung wähnt sich mit einer kündbaren Dividende auf der sicheren Seite.
Die Stadt Hamburg hatte ehemals einen Anteil von 75 % an den HEW, denen auch eine Mehrheitsbeteiligung an HeinGas gehörte. Laut Finanzbericht 2005/2006 erhielt die Stadt Hamburg für diesen Anteil knapp 2,4 Milliarden Euro. Und heute sollen die gealterten Netze allein – ohne Kraftwerke, ohne Gebäude, ohne Grundstücke und ohne HeinGas – genauso viel wert sein, wie die Stadt damals bekommen hat?
Aber kann man wirklich von einem „Verkauf“ der HEW sprechen? Das Hamburger Abendblatt schrieb in einem Rückblick am 14. September 2013 über die neuen Eigentümer: „Sie durchleuchteten auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten rigoros jeden Winkel und legten stille Reserven offen. Das Ergebnis war, dass die HEW nicht nur ihren Kaufpreis selbst finanzierten, sondern auch noch andere Vattenfall-Zukäufe […].“ Den Geschäftsberichten aus dieser Zeit ist zu entnehmen, dass die HEW, geführt von Vattenfall, Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen im Gesamtwert von über 4 Milliarden Euro kauften. Folglich war der „Kauf“ der HEW für Vattenfall wahrlich ein gutes Geschäft.
Und was brachte der „Verkauf“ für Hamburg? Nirgends wird offengelegt, welche Haushaltsbereiche durch den HEW-Verkauf eigentlich „saniert“ wurden oder was sonst mit dem Geld gemacht wurde.
Angesichts solcher Erfahrungen und Entwicklungen gibt es nur eins:
Schluss mit dieser konzernhörigen Politik und vollständige Rücknahme der Netze in die öffentliche Hand. Attac Hamburg fordert außerdem Einmischungs- und Entscheidungsrechte für die Bevölkerung! Der aktuelle Volksentscheid setzt die Anstrengungen von Bürgerinnen und Bürgern fort, die sich hartnäckig für eine wirklich moderne Energieproduktion und -verteilung einsetzen.“
Siehe auch: http://www.attac-netzwerk.de/hamburg/startseite/?L=2
Es wird teuer für Vattenfall: Schlechteres Rating droht

Dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall droht der Verlust des „A“-Ratings. Darüber berichtet jetzt – kostenpflichtig – die Börsen-Zeitung. Bereits im Oktober 2011 waren Vattenfall und E.on schon einmal herabgestuft worden. Darüber berichtete unter der Überschrift Rating Agenturen stufen E.on und Vattenfall herab die www.stromseite.de. „Am Montag hatte die Ratingagentur Fitch die Bonität des schwedischen Energieversorgers Vattenfall auf A- herabgestuft, nun kommen ähnliche Nachrichten aus London. Die dortige Agentur Moody’s hat die Bonitätseinstufung des größten deutschen Energieversorgers E.on gesenkt.“
Die Folge der Herabstufung für Vattenfall wäre, das die Kredite für den Konzern künftig teurer und Investitionen damit erschwert werden.
Volksentscheid Hamburg: Hark Bohm für den Netzrückkauf und SPD-Argumente, die ihn „wirklich ärgern“.
Neben zahlreichen Prominenten gehört auch der Regisseur Hark Bohm zu den Befürwortern des Volksentscheids „Unser Hamburg – Unser Netz“. Auf einer Veranstaltung von ROBIN WOOD hatte er sich jüngst zur vollständigen Rekommunalisierung der Energienetze von Vattenfall und E.on geäußert (siehe unten).
Die MOPO heute: „Man kennt ihn als Schauspieler, Regisseur („Nordsee ist Mordsee“), Drehbuchautor oder Uni-Professor: Hark Bohm ist zweifelsohne einer der größten Film-Persönlichkeiten Hamburgs. Im MOPO-Interview erzählt der 74-Jährige, warum er sich für den Rückkauf der Energienetze starkmacht.“
Auf die Frage, wie es mit der von der SPD behaupteten hohen Kaufsumme sei und das es sich beim Netzgeschäft um eine hohes Risiko handele, sagt Hark Bohm: „Wenn die Stadt vor zehn Jahren noch die Netze betrieben und vernünftig gewirtschaftet hat, dann hat sie als Inhaberin garantiert keinen Verlust gemacht. Kauft man die Netze jetzt zurück, werden die zwei Milliarden Euro doch nicht in den Haushalt eingestellt und reduzieren damit Gelder, die man für Kitas oder Bildung ausgibt. Das ist ein ganz anderer Etat! Ein SPD-Argument, was mich wirklich ärgert. Und diesen Weg mache ich nicht mit.“



