Volksentscheid Hamburg: „Vattenfalls versteckte Kronjuwelen“

logo_rgb_balkenDie Zeit schreibt über Vattenfall und den Volksentscheid über die Energienetze in Hamburg (und Berlin). Dabei geht die Online-Ausgabe auch gesondert auf die Fernwärme ein. Der Artikel zeigt eines auf: Wo die SPD von Risiken und zu hohen Kosten spricht, stehen vor allem gute Gewinne und günstige Kredite zur Finanzierung der Übernahme im Raum. Bis heute verschweigt Vattenfall, wie hoch die Gewinne bei der Fernwärme im Jahr 2012 liegen. Dabei sind die Zahlen nicht nur Vattenfall, sondern auch dem Finanzsenator in Hamburg längst bekannt. Im Jahr 2009 betrugen die Gewinne bei der Fernwärme rund 100 Millionen, in den Jahren danach bis zu 60 Millionen.

Hinzu kommt: Gestern hat Vattenfall endlich zugegeben, dass auch mit dem Stromnetz enorme Gewinne gemacht wurden. Fast 50 Millionen im Jahr 2012 bei einem Umsatz über 500 Millionen Euro. Siehe: Stromnetz Hamburg – 48 Millionen Euro Gewinn für Vattenfall

Und auch das E.on-Gasnetz hat in 2012 immerhin fast 18 Millionen Euro Gewinn gemacht (siehe unten). Damit bestätigt sich die von „Unser Hamburg – Unser Netz“ immer wieder dargelegte Aussage, dass mit den drei Netzen für Strom, Fernwärme und Gas bei Umsätzen von rund einer Milliarde Euro gut 100 Millionen Euro Gewinn gemacht werden. Mit dem Volksentscheid am Sonntag geht es also – neben Transparenz, Mitbestimmung und Energiewende – auch um die Frage: Sollen diese 100 Millionen Euro weiter vor allem in die Kassen von Vattenfall und E.on fließen – oder in die Kassen der Stadt Hamburg? Mit einem JA beim Volksentscheid am Sonntag ist die Entscheidung klar: Dann bleiben die Gewinne in der Stadt und führen sogar dazu, dass es Einnahmen gibt.

Hier mehr Infos zur Wirtschaftlichkeit der drei Netze:

Volksentscheid Energienetze Hamburg: Über 17 Millionen Gewinn mit dem Gasnetz von E.on – Stadt Hamburg bekommt Brotkrummen

Volksentscheid Energienetze Hamburg: Vattenfall-Stromnetz – über 40 Millionen Euro Gewinn bei über 500 Millionen Euro Umsatz

Volksentscheid Energienetze Hamburg: “Das große Geschäft mit Hamburgs heißem Wasser”

Kurz vor Volksentscheid Zahlen öffentlich: Stromnetz macht 48 Millionen Gewinn

logo_rgb_balken„Das Hamburger Stromnetz hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von 48 Millionen Euro vor Steuern abgeworfen. Damit habe die Stromnetz Hamburg GmbH ein außergewöhnlich gutes Ergebnis erzielt, teilte das Unternehmen am Donnerstag – drei Tage vor dem Volksentscheid über den Rückkauf der Energienetze in der Hansestadt – mit. Es lag nach Einmaleffekten mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Der Umsatz betrug 518,6 Millionen Euro.“ Die Hamburger Morgenpost berichtet hier weiter und das Hamburger Abendblatt.

Volksentscheid Hamburg: Ein taz-Autor und die leeren Drohungen der SPD – Die Moorburgtrasse ist Geschichte

logo_rgb_balkenEs ist sein gutes Recht, den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ nicht sinnvoll zu finden. Aber vielleicht hätte sich der Kollege Carini von der taz Hamburg doch mal ein wenig mehr Mühe mit der Recherche geben sollen, ein wenig die Sachdarstellung und Meinung auseinander halten sollen? Seine KollegInnen bei der Welt und dem Hamburger Abendblatt tun das ja auch.

Erneut wendet sich Carini unter der Überschrift „Die Spinne im Fernwärmenetz“ gegen den Volksentscheid (siehe hier), weil Vattenfall im Spiel um die Macht nicht einfach das Feld räumt und klein bei gibt. Überraschung! Vattenfall würde selbst nach einem erfolgreichen Volksentscheid nicht einfach die Segel streichen! Es könnte auch danach Ärger mit dem Konzern geben.

Richtig ist: Vattenfall behauptet, dass die Regelungen zur Fernwärme mit der Stadt Hamburg, die noch mit der HEW in den 90er Jahren abgeschlossen wurden, nicht gültig sind. Konkret: Vattenfall bestreitet, dass die Fernwärme samt Erzeugungsanlagen und Kunden an die Stadt Hamburg zurück gehen, wenn die Konzession nicht verlängert wird. Das ist die so genannte Endschaftsklausel. Dazu hat Vattenfall einen Rechtsstreit gegen die Stadt Hamburg angezettelt, der nach dem Minderheits-Deal zwischen Stadt und Vattenfall vorerst auf Eis gelegt wurde.

Carini schließt sich dann der Argumentation von SPD-Bürgermeister Scholz und dem Fraktionsvorsitzenden Dressel an. Die malen an die Wand: Es kommt nun zu einem jahrelangen Rechtsstreit, in dem die Energiewende in den Fernwärmenetzen total blockiert wird. Es kommt zum Desaster: „Vattenfall (würde) aufgrund des anhängigen Rechtsstreits um das Netz kaum Millionen in eine ökologischere Fernwärmeversorgung investieren, sondern auf die Billig-Lösung zurückgreifen: Das Kohlekraftwerk Moorburg samt Fernwärmetrasse durch Altona käme wieder ins Spiel. Dressel warnt vor diesem Szenario: „Mit einem Prozess durch alle Instanzen macht man keine Energiewende.““

Lassen wir einfach mal die Frage weg, was denn nun Vattenfall für eine „ökologischere Fernwärmeversorgung“ tun würde (siehe dazu die explizite Kritik von z.B. LichtBlick, die angekündigt haben, vor allem gegen die Regelungen bei der Fernwärme zu klagen). Na klar warnt Dressel. Er will das „Nein“ beim Volksentscheid. Nur sind seine Behauptungen einfach nur Behauptungen und nicht unbedingt richtig. Die Moorburg-Trasse, also die Anbindung des Kohlekraftwerks Moorburg an das Hamburger Fernwärmenetz ist nicht nur am Widerstand aus der Bevölkerung und einem Urteil des OVG Hamburg gescheitert. Die Moorburg-Trasse ist vor allem auch an den Kosten für Vattenfall gescheitert.

Denn ganz anders als Carini in seinem Text behauptet, ist die Trasse nicht die „Billig-Lösung“, sondern eine verdammt teure Variante. Natürlich gibt es von Vattenfall dazu kein offizielles Statement, aber wer mit Insidern aus Behörden und bei Vattenfall spricht, der bekommt seit Jahren zu hören, dass Vattenfall heilfroh über das Urteil war. Denn die Kosten für den Anschluss des Kohlekraftwerks wären dem Unternehmen extrem teuer gekommen. Insofern ist die Drohung von Dressel und anderen SPDlerInnen einfach eine leere Drohung: Vattenfall wird die Trasse nicht bauen, egal wie der Volksentscheid ausgeht.

Vielleicht ist es sinnvoll, sich noch mal daran zu erinnern: Noch im Wahlkampf 2011 ging die SPD unter jetzt Bürgermeister Scholz mit der Ansage an den Start, dass die Moorburg-Trasse nun kommen müsse, weil das Kraftwerk ja genehmigt sei. Nur wenige Monate später gab es den totalen Schwenk: Gemeinsam mit Vattenfall zauberte die SPD das nun im Genehmigungsverfahren befindliche Gas-Kraftwerk mit dem Standort Wedel aus dem Hut! Warum? Die SPD war für die Trasse – Vattenfall angeblich auch. Wieso also plötzlich ein Gaskraftwerk? Das erklärt uns die taz bestimmt dann die nächsten Tage noch mal.

Und nur noch zum Schluss. Ein Rätsel bleibt auch, wie Carini zu diesem Satz kommt: „Längst haben die Rückkaufbefürworter um BUND-Chef Manfred Braasch eingesehen, dass mit dem Rückkauf der Strom- und Gasnetze energiepolitisch kein Blumentopf zu gewinnen ist.“

Nein, Herr Carini: Das haben die „Rückkaufbefürworter“ (um…) nicht eingesehen. Z.B. auch nicht der Landesverband Wind-Energie, also diejenigen, die Windanlagen bauen und die immer wieder mit dem Netzbetrieber Vattenfall zu tun haben. Die unterstützen den Volksentscheid mit einem JA.Warum eigentlich? Mal dort nachgefragt?

Na klar, werden hier keine Zitate oder unterschiedliche Akteure konkret genannt oder genauer dargelegt, wieso der Redakteur diese Behauptung aufstellt. Kein Hinweis auf den NABU Hamburg oder die vier großen Ökostrom-Unternehmen, die sich allesamt genau aus dem Grund, die Energiewende voranzubringen, dem Volksentscheid angeschlossen haben….

Ich empfehle jedenfalls – als Beispiel – das hier zu lesen und dann können wir darüber ja bei Gelegenheit mal diskutieren: Volksentscheid Energienetze Hamburg – Keine halben Sachen machen! und natürlich die bereits erwähnten Aussagen von LichtBlick.

Volksentscheid Hamburg gibt Firmenhymnen – Volles Haus mit Thomas Ebermann und Kristof Schreuf

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Kristof Schreuf bei den Firmenhymnen im Centro: Tschüss Vattenfall.

SONY DSCVolles Haus im Centro Sociale. Thomas Ebermann und Kristof Schreuf geben gemeinsamen die „Firmenhymnen“ oder besser: Wie Firmen versuchen ihre Ideologie unter MitarbeiterInnen und KundInnen für mehr Ausbeutung, weniger Krankenstand und bessere Vermarktung ihrer Produkte mit musikalischen Mitteln SONY DSCbesser zu verkaufen. Während sich Ebermann analytisch mit den Hintergründen, den Absichten und der Wirkung von Firmenhymnen zahlreicher Großkonzerne und Unternehmen auseinandersetzt, macht Schreuf mit einer Vielfalt unterschiedlicher Songs den ganzen Wahnsinn fühl- und erlebbar.

SONY DSCDer Abend im Centro ist eine der musikalischen Lesungen, die den Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ unterstützen.  Veranstalter waren die Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg sowie die Uni-Initiativen „Kritikmaximierung“ und „Für den organisierten Widerspruch“.

Weitere musikalische Lesungen gibt es morgen (Freitag) im Knust (Hommage an Franz Josef Degenhardt) und am Samstag in der Werkstatt3 (Johnny Cash, the man in Black). Mehr Infos dazu hier: Volksentscheid für Ohren, Augen und Hirn: Musikalische Lesungen

Mit dem Volksentscheid will ein breites Bürger-Bündnis erreichen, dass die Hamburger Energienetze nicht länger von den Konzernen Vattenfall und E.on betrieben werden, sondern vollständig in öffentliche Hand kommen. Darüber entscheiden die HamburgerInnen am kommenden Sonntag parallel zur Bundestagswahl.

Öko-Unternehmen Naturstrom für ein JA beim Volksentscheid über die Energienetze in Hamburg.

LichtBlick, Greenpeace Energy, die EWS Schönau und jetzt auch der Ökostromer Naturstrom rufen zum JA beim Volksentscheid „Unser Hamburg – Unser Netz“ auf. In einem Brief an die Hamburger KundInnen bittet das Energiewende-Unternehmen, am kommenden Sonntag bei dem Volksentscheid in Hamburg mit JA zu stimmen und damit einen wichtigen Beitrag für die Energiewende zu unterstützen.

Hier Infos über die anderen Ökostromer:

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