Atommülll-Desaster: In Ahaus lagert Atommüll demnächst illegal

Schacht Konrad August 2012-15.jpgDie weiteren Verzögerungen beim unterirdischen Ausbau des für die Endlagerung von leich- und mittelradioaktiven Atommüll vorgesehenen Schacht Konrad in Salzgitter haben Konsequenzen auch für andere Atomanlagen. Vor 2021 wird der Schacht Konrad nach heutigem Stand nicht in Betrieb gehen. Aber nur bis 2020 hat z.B. der im „Zwischenlager“ Ahaus befindliche leicht- und mittelradioaktiver Atommüll eine Genehmigung. Darauf machen heute Anti-Atom-Initiativen aus NRW und die AG Schacht Konrad in einer Pressemitteilung aufmerksam:

„Probleme bei Schacht Konrad haben Auswirkung auf Ahaus: Verzögerung von geplantem Atommülllager bis mindestens 2021  – Atomkraftgegner: „Sofortiger Einlagerungsstopp in Ahaus“  – „Schacht Konrad als Atommülllager ungeeignet“

Die massiven Probleme beim geplanten Atommülllager Schacht Konrad haben direkte Auswirkungen auf die Lagerung von schwach- und mittelradioaktivem Atommüll in Ahaus:  Nach Medienberichten rechnet inzwischen selbst die DBE als Bauherrin mit einem weiteren Verzug des Endlagerprojekts Schacht Konrad bis mindestens ins Jahr 2021. Im letzten Jahr war sogar schon 2024 ins Gespräch gebracht worden. DBE gehört zu 75% der Ahaus-Betreiberin GNS. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) lässt nun durch einen Sachverständigen prüfen, wann frühestens mit der Inbetriebnahme zu rechnen ist. AtomkraftgegnerInnen weisen seit langem darauf hin, dass Schacht Konrad als Atommülllager völlig ungeeignet ist und fordern die komplette Aufgabe des Projekts.

Für das Zwischenlager Ahaus bedeuten die massiven Probleme beim Schacht Konrad, dass der in Ahaus lagernde schwach- und mittelradioaktive Abfall definitiv nicht mehr rechtzeitig bis zum Genehmigungsende 2020 ausgelagert werden kann. Anti-Atomkraft-Initiativen haben davor bereits mehrfach gewarnt. Nun fordern sie von der NRW-Landesregierung als Atomaufsicht ein sofortiges Transportmoratorium für den schwach- und mittelradioaktiven Abfall für Ahaus. „Wenn nicht geklärt ist, ob der radioaktive Müll noch rechtzeitig oder überhaupt jemals aus Ahaus wieder ausgelagert werden kann, darf erst recht kein weiterer Müll eingelagert werden,“ so Falko Tetzlaff von der Initiative „Kein Castor nach Ahaus“.

Auch eine temporäre Verlängerung der Einlagerungsgenehmigung für Ahaus ist keine Option. Die Einlagerungsgenehmigung der Bezirksregierung Münster von 2009 ist ganz klar auf zehn Jahre befristet. Wenn die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), die das Zwischenlager Ahaus betreibt und an der DBE beteiligt ist, ihre eigenen Entsorgungsprobleme nicht in den Griff bekommt, muss auch an der Zuverlässigkeit des Unternehmens gezweifelt werden.

Die rot-grüne Landesregierung als Atomaufsicht sowie die Bezirksregierung Münster als Genehmigungsbehörde müssen der GNS jetzt einen Riegel vorschieben. „Wir fühlen uns auf den Arm genommen. Die 10-Jahresfrist für die Atommüll-Einlagerung erweist sich als reine Farce, da die Endlagerungsprojekte in Deutschland komplett gescheitert sind. Auch beim Schacht Konrad wird dies nun scheibchenweise deutlich. Dass die NRW-Landesregierung trotzdem weitere Einlagerungen in Ahaus billigt, ist ein unverständliches Zugeständnis an die Atomindustrie – die Sicherheit der Bevölkerung bleibt außen vor,“ so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

AtomkraftgegnerInnen kündigen zudem neue Proteste an: Am 7. April wird es um 14 Uhr an der Urananreicherungsanlage Gronau und am 21. April um 14 Uhr am Zwischenlager Ahaus Sonntagsspaziergänge geben. Für den 19.-27. Juli ist ein großes Anti-Atom-Sommercamp im westlichen Münsterland geplant.

Weitere Infos: www.kein-castor-nach-ahaus.de, www.urantransport.de, www.sofa-ms.de, www.ag-schacht-konrad.de

 

Der größte Teil der leicht- und mittelradioaktiven Atomabfälle soll im Schacht Konrad eingelagert werden. Immer wieder kommt es dort zu Verzögerungen bei dem laufenden Ausbau. Nun soll der Probebetrieb erst ab 2021 beginnen können. Vorgesehen ist, dass dieser vier bis fünf Jahre dauern soll, bevor dann im kommerziellen Maßstab mit der Atommülleinlagerung begonnen werden kann. Zur Rolle von Schacht Konrad bei der Atommüllentsorgung siehe auch hier: Atommüll und Ausstieg: Alles hängt an Konrad?

Diese Verzögerungen haben aber auch Auswirkungen z.B. für den Rückbau der stillgelegten Atommeiler. Vorgesehen war, dass die radioaktiven Bauabfälle möglichst direkt zum Schacht Konrad transportiert werden können. Nun dürften an den AKW Standorten auch Lagerhallen für dieses radioaktive Material unerlässlich sein.

Fraglich ist nun auch, was der AKW Betreiber Vattenfall in Sachen Stilllegung und Rückbau von Brunsbüttel machen wird. Vattenfall hatte seinen Stilllegungsantrag an die Bedingung gekoppelt, dass der Schacht Konrad ab 2018 zur Verfügung stehen müsse. Sonst würde man die Stilllegung bzw. den Rückbau nicht angehen. Siehe hier: Vattenfall-AKW Brunsbüttel – Der Stilllegungsantrag zum nachlesen und hier: Vattenfall stellt Bedingungen für den Rückbau des AKW Brunsbüttel – Sicherheitsprobleme im Schacht Konrad werden ignoriert

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