Castor für Übersee – Hochradioaktiver Atommüll aus NRW

AVRJuelich
AVR Reaktorgebäude 2007. Der Atommeiler war eine Versuchsanlage, aber kein Forschungsreaktor: 20 Jahre liefert es im kommerziellen Betrieb Strom. Foto: Betreiber EWN

In den USA laufen die Vorbereitungen, um deutschen Atommüll aus der ehemaligen Kernforschungsanlage in Jülich (NRW) aufnehmen zu können. In der Nähe der Savannah River Site fand jetzt eine Anhörung im Rahmen einer Umweltprüfung über die geplanten Atommüll-Transporte statt. Darüber berichtet Telepolis hier online. Insgesamt 152 Castor-Behälter mit fast 300.000 hochradioaktiven Brennelemente-Kugeln aus dem Versuchsreaktor AVR sollen nach dem Willen der rot-grünen Landesregierung in die USA verschifft werden. In Jülich lagert das Zeugs derzeit nur noch unter Ausnahmegenehmigungen. Die Lagerhalle ist nach dem Atomgesetz nicht ausreichend sicher, der Betreiber hat es verschlampt, rechtzeitig Nachrüstmaßnahmen zu planen und eine neue Genehmigung zu beantragen.

Doch nicht dieses Sicherheits-Desaster und die auch sonst fehlenden Lagermöglichkeiten werden als Grund für den Export des Atommülls genannt. Vielmehr gehe es angeblich nun darum, die Risiken einer Verbreitung von atomwaffenfähigem Uran zu minimieren. Denn die hochradioaktiven Brennelemente-Kugeln enthalten hochangereichertes Uran. Dies könne – so die neue Sorge – in falsche Hände gelangen und – mit hohem sicherheitstechnischen Aufwand – illegal wieder aufgearbeitet werden. Rund 900 Kilogramm von diesem Uran sollen in den Kugeln stecken, ausreichend für eine Menge Uran-Bomben. Die USA behaupten, dieses hochangereicherte Uran separieren zu können und es anschließend in abgereicherter Form zu Brennstoff für die dortigen Atomkraftwerke verwenden zu wollen.

Von derartigen Sorgen war in der Vergangenheit nichts zu hören. Im Zusammenhang mit dem Desaster im Atommülllager ASSE wurde vor einigen Jahren bekannt, dass dort auch Atommüll des AVR Jülich eingelagert wurde. (Siehe dazu ausführlich hier auf Wikipedia).

Weil andere Lagermöglichkeiten nicht zur Verfügung standen, hatte der Betreiber eine Genehmigung für die Einlagerung in den 70er Jahren beantragt und auch durchgesetzt. Erst durch massiven Widerstand in der Region um die ASSE konnte verhindert werden, dass die Betreiber hunderttausende dieser hochradioaktiven Brennelemente in der maroden ASSE einlagern konnten. Später war dann vorgesehen, die AVR-Brennelemente-Kugel im Zwischenlager in Ahaus zu deponieren, bis irgendwann mal ein Endlager zur Verfügung stünde. Doch auch dieser Plan wurde aufgrund massiver Proteste gegen die sinnlosen Transporte von 152 Castoren von einem Zwischenlager zu einem anderen Zwischenlager aufgeben. Die rot-grüne Landesregierung in NRW verständigte sich darauf, das strahlende Zeug in Jülich zu belassen. Zwischenzeitlich hatten die Betreiber aber dringend notwendige Nachrüstungen unterlassen, so dass nun eine Lagerung nur noch per Notverordnung mit massiven Sicherheitsmängeln stattfindet.

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1 Gedanke zu „Castor für Übersee – Hochradioaktiver Atommüll aus NRW

  1. Hier gibt es einige Videomitschnitte der öffentlichen Anhörung in South Carolina. Von offizieller Seite wurde die Versammlung, entgegen der Anküngigung von SRS, nicht aufgezeichnet. Außer Tom Clements von der lokalen Umweltgruppe SRS Watch ergriffen weitere Gruppen* aus Georgia und South Carolina das Wort und sprachen sich vehement gegen die Aufnahme des Müll aus Deutschland aus. Der Grundtenor war der Aufruf „Take No Action“.
    http://chronicle.augusta.com/news/metro/2014-06-24/public-comments-heard-proposed-german-waste-shipments-savannah-river-site

    * Georgia Women’s Action for New Directions (GA WAND), der South Carolina Lokalverband des Sierra Club, South Carolina League of Women Voters, Don’t Waste Aiken und Nuclear Watch South

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