Niedrig kontaminierte radioaktive AKW-Abfälle: Kontrollieren oder nur emotionale Probleme?

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Montage: Gutachter Neumann widerspricht grünem Energieminister Habeck – Abfälle aus AKW Abriss besser kontrollieren als einfach freigeben

Geht es um die künftige Behandlung der Abrissabfälle aus dem Rückbau der AKWs sind sich Vattenfall und der grüne Energieminister Robert Habeck darin einig, dass es sich bei den großen Mengen von gering kontaminierten radioaktiven Abfällen nicht um Atommüll, sondern vor allem um ein emotionales Problem handelt, nämlich das der BürgerInnen, so Habeck jetzt im Flensburger Tageblatt. Unterhalb eines Wertes von 10 Mikro-Sievert dürfen Bauschutt-Abfälle freigemessen und deponiert oder wiederverwertet werden. Aus Sicht von Vattenfall und Habeck und der geltenden Strahlenschutzverordnung ist das kein Atommüll. Entsprechend strebt Habeck ein Bündnis an, um den Rückbau der Meiler schnellstmöglich umzusetzen. Umweltschützer sind da nicht so ganz überzeugt. Die großen Mengen von Abrissabfällen, die unterhalb des genannten Wertes unkontrolliert verbreitet werden, erhöhen in der Summe die Strahlenbelastung. Mindestens eine Kontrolle der Abriss-Abfälle müsste erfolgen, so der Gutachter Wolfgang Neumann in einer Studie für den BUND.

Kritisiert wird aber auch, dass das 10-Mikro-Sievert-Konzept, eingeführt durch den damaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin im Umfeld des mit den Konzernen ausgehandelten “Atom-Konsens” für den schrittweisen Ausstieg, die Gefahren der Niedrigstrahlung unterschätzt. Schon seinerzeit hat es massive Kritik gegeben, unter anderem von der internationalen Ärzteorganisation IPPNW (PDF). Die Kritik aber auch: Die Grünen hätten diese Regelung Anfang 2000 in Regierungsverantwortung umgesetzt, weil sie damit im Gegenzug den Konzernen den Atom-Kompromiss (mit weiteren “Angeboten”) abkaufen wollten.  Entscheidend bei dieser Regelung für gering kontaminierte Abfälle: Alles was nicht in eine Atommülldeponie muss, spart den AKW-Betreibern eine Menge Geld.

Bereits vor einiger Zeit beklagte der Vattenfall-Chef Pieter Wasmuth mit Blick auf die Abriss-Abfälle vor allem emotionale Probleme:

Auch der grüne Habeck sieht hier “Fehlinformationen” als Problem. Im Flensburger Tageblatt ist zu lesen: “Das ist insofern ein Problem, als hier mit den Ängsten von Menschen gespielt wird. Nochmal, der Abfall, von dem wir hier reden, ist nicht belastet, außer emotional.” Diesen Machenschaften stellt er sich in den Weg: “Ich halte es für richtig, wenn wir uns in der unbequemen Debatte nicht wegducken, sondern als Land Verantwortung übernehmen und nicht anfangen mit einer „Nicht vor meiner Haustür-Politik“, gleich, um welchen Ort es geht.”

Sicher, diese NotInMyBackyard-Haltung ist ein Problem, das nicht zu ignorieren ist. Aber in der Umkehrung ist auch dennoch richtig: So klein das Problem dieser sehr niedrig belasteten Abfälle sein mag: Die Mengen machen eine Dimension, die nicht einfach weggeredet werden sollte. Denn auch Habeck bestreitet nicht, dass diese Abfälle eine “Aktivität” enthalten.

Habeck im Flensburger Tageblatt: “Also zum Beispiel Abfälle, die zwar im Atomkraftwerk mit Radioaktivität in Berührung gekommen sein können, aber eine so geringe Aktivität haben, dass man sie auf einer Deponie innerhalb der natürlichen Radioaktivität der Umwelt gar nicht mehr messen kann. Sie liegen unterhalb des Grenzwerts von zehn Mikro-Sievert. Zum Vergleich: Das, was jeder Mensch an durchschnittlicher natürlicher Strahlenbelastung in Deutschland hat, ist etwa 200-mal so viel. Von den Abfällen geht also keine Gefährdung aus, es ist kein Atommüll, auch kein schwach radioaktiver Müll. Diese Unterscheidung ist keine Wortklauberei, sondern Grundlage für eine sachliche Debatte.”

Wie gesagt, es gibt Fachleute wie Wolfgang Neumann, die eine “sachliche Debatte” führen und der unkontrollierten Verbreitung oder Deponierung dennoch widersprechen. Es braucht gegenüber den jetzigen Regelungen eine kontrollierte und besser gesicherte Deponierung. Nicht wie es bei Atommüll der Fall ist, aber auch nicht so, wie es nach der geltenden Strahlenschutzverordnung zulässig ist.

Habeck und sein Ministerium sind derzeit dabei, eine Art Bündnis für seine Vorstellungen zur Deponierung dieser Abfälle zu schmieden, bei der er sowohl die Kommunalpolitik, die Deponiebetreiber in Schleswig-Holstein und auch die Umweltverbände einbinden will. Ein Vorschlag für ein solches Bündnis liegt im Entwurf auch vor, das hier zum download bereit steht: “Vereinbarung zur ortsnahen Verwertung und Beseitigung von Abfällen mit keiner oder zu vernachlässigender Aktivität aus kerntechnischen Anlagen” (PDF). Und die Behörde erklärt hier in einer PDF ihre Sicht der Dinge.

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